Bergfreiheit (Bad Wildungen)

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Bergfreiheit
Koordinaten: 51° 3′ 0″ N, 9° 5′ 34″ O
Höhe: 351 m ü. NHN
Fläche: 4,6 km²[1]
Einwohner: 328 (31. Dez. 2020)[2]
Bevölkerungsdichte: 71 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 34537
Vorwahl: 05626
Blick auf den Ort mit Schneewittchen-Skulptur

Bergfreiheit ist ein staatlich anerkannter Luftkurort im Kellerwald und südwestlicher Stadtteil von Bad Wildungen im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Bergfreiheit, im Südosten des Kellerwaldes gelegen, ist vom Naturpark Kellerwald-Edersee umgeben und liegt auf 320 m Höhe nördlich des Bergkamms Keller, in dem der Wüstegarten (675 m ü. NN) den höchsten Berg darstellt, und süd-südöstlich des Auenbergs (611 m). Tangiert wird der Ort vom Mittellauf der Urff. Der Ort zählt mit den Dörfern Albertshausen, Armsfeld, Braunau, Frebershausen, Gellershausen, Hüddingen, Hundsdorf, Odershausen und Reinhardshausen zu den so genannten Walddörfern (nicht zu verwechseln mit den Hamburger Walddörfern).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Kupfererzbergwerk, heute Besucherbergwerk mit oberer und unterer Sohle

Von den Anfängen bis zur Gebietsreform in Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das einstige Bergmannsdorf im Tal der Urff war in früheren Jahrhunderten das Zentrum des Bergbaus im Kellerwald. Der Ortsname basiert auf dem Begriff der Bergfreiheit.

1252 wurde Bergbau beim heutigen Dorf Bergfreiheit erstmals urkundlich erwähnt, als Abbaurechte an Zisterzienser-Mönche aus Haina verliehen wurden. Planmäßig wurde Kupfererz durch Bergleute seit 1552 abgebaut und vor Ort verhüttet. Das Recht der Bergfreiheit im Tal der Urff erhielt die ursprünglich „Neusess“ genannte Bergmannssiedlung im Jahre 1561 durch ein Edikt des Grafen Samuel von Waldeck-Wildungen verliehen. Das zog viele Bergleute in den Ort, der 1584 erstmals „Bergfreiheit“ genannt wurde. Mit der Bergfreiheit genossen die Bergleute umfangreiche Rechte, wie Schank- und Zollfreiheit, Jagd- und Holzrecht, Befreiung vom Militärdienst und von Spanndiensten. Auch hatten sie das Recht zum freien Zu- und Abzug und zur freien Wahl von Bürgermeister und Rat.[3] Im gesamten Tal der oberen Urff gab es im 16. und 17. Jahrhundert bergbauliche Einrichtungen (insbesondere Stollen) sowie Einrichtungen der Weiterverarbeitung (Hammerwerke, Gießereien) und Infrastruktur. Bereits 1577 erfolgte bei den Grubenbauen von Bergfreiheit die Entwässerung durch die Wasserkunst; die erste Anlage hatte zwei über- und ein untertägiges Kunstrad im Stollen mit 7 m Durchmesser. Nach dem Erliegen des Bergbaus wurde die Wasserkunst 1662 abgeworfen.

In der Blütezeit des Ortes lebten rund 1.000 Menschen in Bergfreiheit. Die Abbauperiode in Bergfreiheit endete bereits um 1590 nach rund 40 Jahren. Durch Verfall und Wegzug gingen die 19 Hüttenbetriebe allmählich ein, und zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs gab es nur noch 15 Bewohner.

Eine Wiederaufnahme des Erzabbaus unter hohem Kostenaufwand ab 1651 scheiterte und wurde bereits 10 Jahre später aufgegeben. Auch weitere Erschließungsversuche zwischen 1728, anfangs durch Ludwig Balthasar Müller, Berginspektor von Thalitter, und 1737 verliefen verlustreich. Danach kam es nur noch zu Untersuchungsarbeiten zwischen 1850 und 1900. 1908 kam das Grubenfeld an die Firma Krupp aus Essen. Seit 1968 gehört es zur Harz-Lahn-Erzbergbau GmbH.

1965 gründeten Ortsbewohner einen Verein zur Erforschung des lokalen Bergbaus. Seit 1974 kann das ehemalige Kupfererzbergwerk Bertsch in Ortsnähe als Besucherbergwerk besichtigt werden. Das verbliebene Grubensystem bei Bergfreiheit hat heute etwa 20 km lange Gangsysteme.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Bergfreiheit am 1. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis in die Stadt Bad Wildungen eingemeindet.[4][5] Für Bergfreiheit wie für alle im Zuge der Gebietsreform nach Bad Wildungen eingegliederten Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6]

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Bergfreiheit lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Bergfreiheit 330 Einwohner. Darunter waren 3 (0,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 48 Einwohner unter 18 Jahren, 108 waren zwischen 18 und 49, 87 zwischen 50 und 64 und 90 Einwohner waren älter.[8] Die Einwohner lebten in 144 Haushalten. Davon waren 36 Singlehaushalte, 57 Paare ohne Kinder und 39 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 39 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 78 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.[8]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1620: 29 Häuser
• 1650: 16 Häuser
• 1738: 36 Häuser
• 1770: 47 Häuser, 272 Einwohner
Bergfreiheit: Einwohnerzahlen von 1770 bis 2020
Jahr  Einwohner
1770
  
272
1800
  
?
1834
  
453
1840
  
487
1846
  
511
1852
  
502
1858
  
451
1864
  
434
1871
  
321
1875
  
332
1885
  
348
1895
  
333
1905
  
273
1910
  
275
1925
  
257
1939
  
228
1946
  
319
1950
  
298
1956
  
267
1961
  
263
1967
  
262
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
330
2015
  
339
2020
  
328
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: bis 1967[1]; Stadt Bad Wildungen[9][2]; Zensus 2011[10]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1885: 333 evangelische (= 100 %) Einwohner[1]
• 1961: 255 evangelische (= 96,96 %), 8 katholische (= 3,04 %) Einwohner[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Bergfreiheit führt ein 5 km langer ökologischer Lehrpfad. Er präsentiert an 17 beschilderten Stationen die Kulturlandschaft um das ehemalige Bergmannsdorf. Thematisch geht es um Bergbau, Siedlungsentwicklung, Flora und Fauna, Streuobstbestände sowie Dorferneuerung.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten im Ort sind das Schneewittchenhaus, das historische Bergamt, das in ein Museum umgestaltet wurde,[11] und die Fachwerkkirche.

Schneewittchen-Dorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fremdenverkehrswerbung gab Bergfreiheit den Titel Schneewittchendorf im Kellerwald. Der hessische Lokalhistoriker Eckard Sander führt das Märchen der Brüder Grimm von Schneewittchen auf das Dorf Bergfreiheit zurück. Schneewittchen soll die seinerzeit als besonders schön bekannte Waldecker Prinzessin Margaretha von Waldeck gewesen sein. Die sieben Zwerge, die mit Schaufeln im Berg arbeiten, werden in diesem Zusammenhang auf die damals übliche Kinderarbeit in Bergwerken zurückgeführt. Jährlich finden auf einer Freilichtbühne im Ort Theateraufführungen des Märchens statt.[12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftliche Grundlage sind heute insbesondere der Fremdenverkehr und die Landwirtschaft. Es gibt eine Edelsteinschleiferei. Sie besitzt die Schürfrechte für den lokal vorkommenden Kellerwalder Achat, den sie zu Schmuckstücken verarbeitet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bergfreiheit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Bergfreiheit – Reiseführer

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wildungen) und Verwaltung.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Bergfreiheit, Landkreis Waldeck-Frankenberg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen und Entwicklung. In: Webauftritt. Stadt Bad Wildungen, archiviert vom Original; abgerufen im Februar 2021.
  3. Kulturelle Entdeckungen Nordhessen; Band 1: Landkreis Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder-Kreis, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, 1999, S. 26–27.
  4. Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen in Hessen vom 14. Dezember 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 01, S. 5, Punkt 8; Abs. 5. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 408.
  6. Hauptsatzung. (PDF; 14 kB) § 5. In: Webauftritt. Stadt Bad Wildungen, abgerufen im August 2021.
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. a b Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 44 und 100;.
  9. Einwohnerzahlen. Haput- und Nebenwohnsitze. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webauftritt. Stadt Bad Wildungen, archiviert vom Original; abgerufen im September 2020.
  10. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  11. Informationen zum Bergamtmuseum
  12. Website zum Schneewittchendorf