Bergwerk Prosper-Haniel

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Bergwerk Prosper-Haniel
Allgemeine Informationen zum Bergwerk
Prosper haniel.jpg

Schachtanlage Franz Haniel
Förderung/Jahr 4,00 Mio t
Informationen zum Bergwerksunternehmen
Betreibende Gesellschaft Ruhrkohle AG
Beschäftigte 4100
Betriebsbeginn 1863
Geförderte Rohstoffe
Abbau von Steinkohle
Geographische Lage
Koordinaten 51° 31′ 8″ N, 6° 57′ 35″ OKoordinaten: 51° 31′ 8″ N, 6° 57′ 35″ O
Bergwerk Prosper-Haniel (Regionalverband Ruhr)
Bergwerk Prosper-Haniel
Lage Bergwerk Prosper-Haniel
Standort Bottrop / Kirchhellen
Gemeinde Bottrop
Kreisfreie Stadt (NUTS3) Bottrop
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Revier Ruhrrevier
p0
p2
Schacht Prosper-Haniel 9
Schacht Prosper-Haniel 10
Zeche Arenberg-Fortsetzung
Kokerei Prosper und Löschturm
Zeche und Kokerei, von der Halde Schurenbach aus gesehen
Schachtanlage Prosper II Schacht 2, Malakowturm mit eingezogenem Fördergerüst

Das Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop ist seit der Schließung der Zeche Auguste Victoria am 18. Dezember 2015 das letzte aktive Steinkohlen-Bergwerk im Ruhrgebiet.[1]

Im Jahre 1974 fasste die Ruhrkohle AG die Zechen Prosper, Jacobi und Franz Haniel zum Verbundbergwerk Prosper-Haniel zusammen. Es gingen ein die Schachtanlagen Prosper I (1/4/5), Prosper II (2/3/8), Prosper III (6/7), Prosper IV (Schacht 9), Arenberg Fortsetzung 1/2, Jacobi 1/2, Franz Haniel 1/2, Möller 5, sowie die Kokerei Prosper. Die Kokerei Jacobi wurde bis 1984 als eigene Werksdirektion betrieben. Das Bergwerk soll Ende 2018 geschlossen werden.Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren

Die Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Abteufen des Schachtes 1 begann im August 1856 und 1860 wurde in 175,9 m Teufe das Steinkohlengebirge erreicht. Die Förderung begann 1863 mit 315 Arbeitskräften. Der Schacht war mit einem durchgängigen Wetterscheider versehen; die eine Seite diente der Zuführung frischer Wetter und auf der anderen Seite wurden die Abwetter abgezogen. Nach einem Seilriss mit 14 Toten wurde 1867 eine Fahrkunst in den Schacht eingebaut. 1863 wurde auf dem Gelände von Prosper 1 auch die erste Kokerei errichtet.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung zu Beginn der 1870er Jahre wurde auf dem Gelände Prosper II mit dem Abteufen des Schachtes 2 begonnen, der den noch erhaltenen Malakowturm als Förderturm erhielt. Die Förderung aus diesem Schacht begann 1875 und 1877 folgte der Durchschlag nach Prosper I. (Die römischen Zahlen geben die Nummerierung des Standortes und die arabische Ziffer die Nummer des Schachtes wieder.) Bereits 1890 wurde eine Förderung von 1 Million Tonnen Kohle erzielt. Es folgte das Abteufen von Schacht 3 auf Prosper II, Schacht 4 auf Prosper II (1893) und Schacht 5 auf Prosper I. Die Zechen hatten einen erheblichen Arbeitskräftebedarf; die Einwohnerzahl von Bottrop erhöhte sich rasant, viele polnische Bergarbeiter siedelten sich an und arbeiteten auf den Prosper-Zechen. Zwischen 1900 und 1910 verdoppelte sich die Einwohnerzahl nahezu (von 24768 auf 47131). 1906 wurde eine Jahresförderung von 1,6 Millionen Tonnen Kohle erreicht. Es folgte die Errichtung der Schachtanlage Prosper III mit den Schächten 6 (1908) und 7 (1911).

Das Grubenfeld Prosper wurde 1901 geteilt und im nördlichen Bereich entstand die Zeche Arenberg-Fortsetzung; die Förderung begann dort 1912. Beide Zechen zusammen erreichten 1913 eine Jahresförderung von 2,78 Millionen Tonnen. Im Jahre 1914 wurde der Prosper-Hafen am Rhein-Herne-Kanal angelegt und eine Ringbahn zwischen den Zechenstandorten gebaut, so dass ein günstiger Transport der geförderten Kohlen gewährleistet war. 1917 folgte das Abteufen des Schachtes 8 auf Prosper II, der ab 1921 als Förderschacht genutzt wurde. Der höchste Belegschaftsstand wurde 1922 mit 15.000 Arbeitern und Angestellten erreicht.

Produktivitätssteigerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg folgte ein erheblicher Produktivitätszuwachs durch die Einführung des mit Druckluft angetriebenen Abbauhammers und den Einsatz von eisernen Grubenstempeln. Die elektrische Grubenlampe ersetzte das Benzingeleucht und beim Transport der Kohle wurden die Grubenpferde durch maschinelle Fördereinrichtungen (z.B. Förderbänder) abgelöst.

Schachtanlage Franz-Haniel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im östlichen Grubenfeld begannen 1921 die Abteufarbeiten im Feld Franz Haniel. Wegen starker Wassereinbrüche wurden die Schächte Franz Haniel 1 und 2 mit dem Gefrierverfahren angelegt. Die Endteufen wurden 1923 erreicht (Schacht 1 bei 458 m, Schacht 2 bei 556 m). Am 25. September 1925 ereignete sich nach dem Ziehen der Gefrierrohre aus Schacht 2 in einer Teufe von 75 m ein plötzlicher Wasser- und Schwemmsandeinbruch, der den Schacht bis zur 1. Sohle ausfüllte. Auch die vorher aufgefahrene Verbindungsstrecke zur Zeche Jacobi soff teilweise ab. Im weiteren Verlauf brach das Schachtgerüst zusammen und verschwand im Schacht. Die Wiederaufwältigung des Schachtes wurde erst 1936 in Angriff genommen; 1941 wurde die vorgesehene Teufe bei 600 m erreicht.

Nordwanderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den folgenden Jahren wurde ein sehr umfassender Zusammenfassungsprozeß durchgeführt, welcher die Nordwanderung des Steinkohlenbergbaus an der Ruhr besonders veranschaulicht.

1975 wurde die Schachtanlage Prosper I, die nur noch zu Wetter- und Wasserhaltungszwecken diente, abgeworfen und verfüllt. Gleichzeitig wurde der mit einer kleinen Haspeleinrichtung versehene Schacht Arenberg 1 mit einem neuen Fördergerüst ausgestattet, um als Seilfahrtschacht für das Ostfeld zu dienen. Gleichzeitig wurde Schacht Arenberg 2 verfüllt und abgeworfen.

Die ehemaligen Förderschächte Jacobi 1/2 wurden bis 1976 noch als Seilfahrtanlage betrieben, um dann bis Ende 1977 noch zur Bewetterung zu dienen. Danach wurden auch diese Schächte verfüllt. 1979 wurden die beiden Fördergerüste mit Baggern umgezogen, da sie wegen der weiterproduzierenden Kokerei in unmittelbarer Nachbarschaft nicht gesprengt werden durften.

1976 wurde in der Kirchheller Heide der Aufschluss des neuen Nordfeldes im Grubenfeldbesitz Nordlicht begonnen. Bis 1981 wurde hier der Schacht Prosper 10 (Prosper V) niedergebracht, welcher als neue Seilfahrt- und Materialschachtanlage in Betrieb ging. Nach dessen Fertigstellung wurden die nicht mehr benötigten Schächte Prosper 3 (Anlage Prosper II), Möller 5 und Arenberg 1 abgeworfen und verfüllt.

1982 wurde beschlossen, die Koksöfen zu erneuern. Dieses Vorhaben wurde bis 1987 durchgeführt. Die Kokerei verfügt über 146 Großraumöfen und erzeugt jährlich 2 Mio t Koks. Im Juni 2011 hat der Stahlkonzern ArcelorMittal die Kokerei von der Deutschen Steinkohle AG übernommen.

Mit zunehmender Nordwanderung der Abbaufelder wurde die Schachtförderung über die beiden Förderschächte Prosper 6 und 8 immer unrentabler. Daher wurde ab 1985 der Förderberg Prosper aufgefahren. Es handelt sich hierbei um einen 3200 m langen Schrägschacht mit Bandförderung, welcher unter der Schachtanlage Franz Haniel 1/2 seinen untertägigen Beginn nimmt, und auf der Schachtanlage Prosper II zutage tritt.

Nach dessen Indienststellung 1987 wurden die Schachtanlagen Prosper II und III abgeworfen und verfüllt. Prosper III wurde komplett abgeräumt, auf Prosper II blieb die Förderanlage Schacht 2 als Industriedenkmal komplett erhalten. Die Fördermaschine Schacht 2 kam auf dem Schacht Voerde des Bergwerks Walsum zum Einsatz.

1987 war die Schachtanlage Franz Haniel 1/2 ein Ziel der zweiten Deutschlandreise von Papst Johannes Paul II.

1990 erfolgte die Stilllegung des Kraftwerkes Franz Haniel 1/2.

Das Bergwerk Prosper-Haniel ging 1998 in den Besitz der Deutsche Steinkohle AG (DSK) über. 2002 wurde über Schacht Franz Haniel 1 das Schachtgerüst abgebrochen und durch eine Befahrungseinrichtung ersetzt. Der Schacht ist noch immer offen und dient vorwiegend der Wetterführung.

Am 27. Mai 2011 wurde durch den Oberbürgermeister der Stadt Bottrop, Bernd Tischler, die 7. Sohle in einer Teufe von 1159 Metern feierlich eröffnet. Die Planung für das über 100 Millionen Euro teure Projekt begann 1995. Hier lagern noch über 100 Millionen Tonnen Kohlereserven, die erstmals im Jahre 2014[veraltet] gefördert werden.[2]

Das Bergwerk Prosper-Haniel umfasst heute die Schächte Prosper 4, Prosper 5, Franz Haniel 1, Franz Haniel 2, den Schacht Hünxe der Zeche Lohberg sowie den Förderberg. Ferner ist die Zentralkokerei in Betrieb, die aber organisatorisch selbstständig ist und nicht zum Bergwerk gehört.

Die Jahresproduktion um 2005 lag bei 4,00 Mio t Förderung und 2 Mio t Kokserzeugung. Es werden 4100 Mitarbeiter beschäftigt. Aus Abraum des Bergwerks entsteht die Halde Schöttelheide.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hanns Ketteler, Direktor von Prosper II (1972–1974) und Prosper-Haniel (1974–1992)[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm und Gertrude Hermann: Die alten Zechen an der Ruhr. Vergangenheit und Zukunft einer Schlüsseltechnologie. Mit einem Katalog der „Lebensgeschichten“ von 477 Zechen. 6., um einen Exkurs nach S. 216 erweiterte und in energiepolitischen Teilen aktualisierte Auflage der 5., völlig neu bearb. u. erweiterten Auflage 2005. Verlag Langewiesche (Die Blauen Bücher), Königstein im Taunus 2008, ISBN 978-3-7845-6994-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bergwerk Prosper-Haniel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heute schließt die vorletzte Zeche im Revier. In: Ruhr-Nachrichten. ruhrnachrichten.de, 18. Dezember 2015, abgerufen am 18. Dezember 2015.
  2. Siebte Sohle von Prosper-Haniel eröffnet. Abgerufen am 27. Mai 2011.
  3. Helga Pillar: Er prägte den Bergbau dieser Stadt, WAZ, 6. Juni 2009