Berkefeld-Filter

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Berkefeld TWA 6 mit einer Filterleistung von 6m³/h.

Bei dem Berkefeld-Filter handelt es sich um eine Erfindung des deutschen Ingenieurs Wilhelm Berkefeld zur Reinigung und Entkeimung von Trinkwasser. Bei dem 1891 erfundenen Filter handelte es sich um einen Hohlzylinder aus Porzellan mit Filterkerzen aus gebrannter Kieselgur.[1] Filter dieser Art wurden erstmals erfolgreich 1892 bei der Cholera-Epidemie in Hamburg eingesetzt.

Nach dem von Wilhelm Berkefeld erfundenen Verfahren werden bis heute Filteranlagen hergestellt, wenngleich auch mit modernen Materialien. Die Filter sind, aufgrund ihrer Robustheit, besondere in der internationalen Katastrophenhilfe beliebt. Sie werden unter anderem in den Emergency Response Units des internationalen Roten Kreuz oder dem EU-Zivilschutz-Mechanismus verwendet.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filterdom von der Seite

Die Anlagen reinigen das Wasser mithilfe eines Anschwemmfilters. Dieser Filter besteht aus Berkesil, einer Granulatmischung aus Sand und Aktivkohle, die von der Firma Berkefeld hergestellt und ebenso wie die Filter vertrieben wird. Zu Beginn des Reinigungsprozessen wird dieses Granulat in den Filter eingebracht, indem es zusammen mit dem zu reinigenden Rohwasser durch den Filterdom gepumpt wird. Dabei wird der Dom mit Ventilen in einen Kreislauf mit einer Pumpe geschaltet und diese auf der langsamsten Drehzahl betrieben. In dem Filterdom befinden sich nun mehrere Filterkerzen, zylindrische Röhren aus einem engmaschigen Metallgitter, an welchem sich das Granulat anlegt und einen sogenannten Filterkuchen bildet. Dieser Ablauf wird auch als "anschwemmen" bezeichnet. Ist der Filterkuchen vollständig aufgebaut, umschließt das Granulat die Filterkerzen und bildet so den eigentlichen Filter.

Nun wird der Kreislauf geöffnet und das Rohwasser kann gefiltert und in einem Reinwassertank aufgefangen werden. Dabei bleiben alle Partikel und Schwebstoffe in dem Filterkuchen hängen und bilden dort einen immer dickere Schicht, bis sie den Filter komplett verstopfen. Ist dies geschehen, muss man den Filter rückspülen. Dabei wird sauberes Wasser rückwärts durch den Filter gepumpt, so dass es den Filterkuchen und Schmutz von den Filterkerzen absprengt. Dieser Schmutz wird verworfen und zum weiteren Filtervorgang muss ein neuer Filterkuchen aufgebaut werden.

Wie viel Wasser in einem solchen Zyklus gefiltert werden kann ist abhängig vom Verschmutzungsgrad des Rohwassers. Um das Wasser möglichst rein zu bekommen und somit eine hohe Filterkapazität zu erreichen, wird das Wasser in Becken vorbehandelt. Dabei werden Chlor, zum Abtöten von Bakterien, und ein Flockulant in das Rohwasser eingebracht. Dieses bewirkt ein Zusammenklumpen der Schwebstoffe im Wasser, welche dann aufgrund ihres höheren Gewichtes auf den Boden des Beckens absinken. Um diese Schmutzpartikel beim Pumpvorgang nicht anzusaugen, wird das Wasser knapp unter der Wasseroberfläche abgesaugt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilhelm Berkefeld gründete 1892 die Firma Berkefeld-Filter in Celle, die bis heute dort Anlagen zur Prozesswasseraufbereitung und Trinkwasseraufbereitung für Industrie, Gebäudetechnik, Kommunen, Armeen und Katastrophenschutzorganisationen in aller Welt herstellt. Die Produktpalette reicht von komplexen Industrieanlagen über mobile Filteranlagen (Container, Fahrzeugeinbauten, Anhänger) bis zu kleinen handbetriebenen Filtern und Tropffiltern für den Heimgebrauch. Technologisch werden die mobilen Anlagen zur Trinkwassererzeugung unter anderem nach dem Prinzip der Anschwemmfiltration, der Umkehrosmose und der keramischen Ultrafiltration angeboten.

Bis 1978 war die Firma im Familienbesitz und wurde danach Teil der SIHI-Gruppe (Siemen & Hinsch) aus Itzehoe. Berkefeld ist seit dem Jahr 2004 Teil der Veolia Water Gruppe und firmierte seitdem als ELGA Berkefeld GmbH. Seit 2009 firmiert Berkefeld als VWS Deutschland GmbH. Sie hat aktuell rund 400 Mitarbeiter und weitere Standorte in Leipzig (Sachsen) und Bayreuth (Bayern) [2]. Sitz der Firma ist heute am Lückenweg 5 in Celle.[3]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.elga-berkefeld.de/de/unternehmen/commitments/
  2. http://www.elga-berkefeld.de/de/unternehmen/daten/
  3. siehe Berkefeld.com / Impressum:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berkefeld-Filter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien