Berlin-Grünau

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Grünau
Ortsteil von Berlin
Alt-TreptowPlänterwaldBaumschulenwegOberschöneweideNiederschöneweideJohannisthalAltglienickeBohnsdorfGrünauSchmöckwitzFriedrichshagenMüggelheimRahnsdorfKöpenickAdlershofBrandenburgBerlinGrünau auf der Karte von Treptow-Köpenick
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 25′ 0″ N, 13° 34′ 0″ OKoordinaten: 52° 25′ 0″ N, 13° 34′ 0″ O
Höhe 35 m ü. NN
Fläche 9,13 km²
Einwohner 6784 (31. Dez. 2019)
Bevölkerungsdichte 743 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahl 12527
Ortsteilnummer 0913
Verwaltungsbezirk Treptow-Köpenick

Grünau [gʁyˈnaʊ][1] ist ein Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin am linken Ufer der Dahme. Bis zur Verwaltungsreform 2001 war es ein Ortsteil im ehemaligen Bezirk Köpenick.

Bekannt ist Grünau auch für die Regattastrecke Berlin-Grünau und das Strandbad (Ortslage Ost). Der Bahnhofskomplex von Grünau (Ortslage West) ist auch die Verbindung der Grundstückssiedlungen, die sich zum südlichen Stadtrand von Bohnsdorf erstrecken.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grünau wird im Uhrzeigersinn (von Norden beginnend) von folgenden Berliner Ortsteilen und einer brandenburgischen Gemeinde umgeben:

Adlershof, Köpenick, Schmöckwitz, Schönefeld (Brandenburg), Bohnsdorf und Altglienicke.

Weite Teile des Ortsteils sind dünn besiedelt und bewaldet. Die Dahme und der Lange See begrenzen Grünau im Nordosten. Der Teltowkanal bildet die nördliche Grenze des Ortsteils.

Ortslagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grünau
    • Grünau-West
    • Grünau-Ost
    • An der Regattastrecke

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbildung des Gemäldes Ruderregatta bei Grünau von Ernst Oppler, um 1910

Zwischen 1747 und 1753 wurden auf Weisung von Friedrich II., dem „Alten Fritz“, Kolonistendörfer mit den späteren Namen Müggelheim, Friedrichshagen und Grünau gegründet. Der Ort bekam von den ersten vier Pfälzer Kolonistenfamilien zunächst 1749 den Namen Auff der Grünen Aue[2] und die Einwohner mussten dem Amt in Köpenick ihren Erbzins entrichten. Durch die unzureichende Sonnenwärme und den wenig fruchtbaren märkischen Sand scheiterte die Absicht, die mitgebrachte Weinkultur hier weiterzubetreiben. Daher lebten sie zunächst von der Baumwollspinnerei und legten – wie die Friedrichshagener – eine kleine Seidenraupenzucht an. Der Siebenjährige Krieg hielt die anfangs günstige Entwicklung auf. Der Ort blieb lange Zeit dünn besiedelt, die Kolonistenhäuser standen zwischen Büxensteinallee und Libboldallee. Noch im Jahre 1800 zählte er nur 59 Einwohner. Nach und nach siedelten sich hier der Bootsbau und das Wäschereigewerbe an.

Im Jahr 1858 gab es vier Hofeigentümer, die 13 Knechte und Mägde beschäftigten. Im Ort gab es weiterhin zwei nebengewerbliche Landwirte mit fünf Knechten und Mägden und 49 Arbeiter. Es bestanden neun Besitzungen. Fünf waren zwischen 30 und 300 Morgen groß und kamen zusammen auf 356 Morgen Fläche. Eine Besitzung war 20 Morgen groß, drei unter fünf Morgen mit zusammen vier Morgen Fläche. Es gab weiterhin einen Zimmergesellen und einen Stellmachermeister. 1860 gab es im Dorf ein öffentliches, 14 Wohn- und 32 Geschäftsgebäude. Die Bewohner bewirtschafteten 296 Morgen Acker, 68 Morgen Wiese und 16 Morgen Gartenland. Mit der Einrichtung der ersten Haltestelle der Berlin-Görlitzer Eisenbahn im Jahr 1866 entdeckten die Berliner die gewässerreiche Naturlandschaft als Naherholungsgebiet. Im Jahr 1874 wurde eine Strecke als Vorortverkehr mit Berlin in Betrieb genommen. Im Jahr 1881 gründete sich der erste Berliner Regatta-Verein[2], und mit der Entwicklung des Wassersports wuchs zugleich der Strom der Ausflügler, was zum Bau zahlreicher Gaststätten sowie Bootshäuser für Ruderverein, Seglervereine und Kanu-Vereine innerhalb der Uferzonen führte.

Theodor Fontane beschrieb in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg die idyllische Lage von Grünau. Von der reizvollen Lage und den niedrigen Bodenpreisen angetan, ließen sich dann auch Wohlstandsbürger der wilhelminischen Ära in Grünau nieder und ließen sich Villen und Landhäuser an den Ufern der Dahme erbauen. Im Jahr 1900 hatte Grünau bereits rund 2500 Einwohner; es gab 152 Häuser.

Im Jahr 1903 entstand aus dem Schutzbezirk Grünau mit dem Forsthaus Steinbinde ein Gutsbezirk Köpenick-Forst Teltow Anteil, der fortan Grünau-Dahmer-Forst genannt wurde. Dieser Anteil sowie Grünau wurden am 1. Oktober 1920 in das damals neu entstandene Groß-Berlin eingemeindet und Ortsteil im Verwaltungsbezirk Köpenick. Im Jahr 1932 gab es in Grünau die Unterwohnplätze Insel Großer Rohrwall, Strandbad Grünau, Grünau Ost, Grünau Süd, Siedlung am Teltowkanal, Forsthaus Steinbinde, Wirthäuser Am Sportdenkmal, Hanffs Ruh und Richtershorn. Anlässlich der Olympischen Spiele 1936 wurden hier die Ruder- und Kanuwettbewerbe ausgetragen.

Gedenkstein für Opfer des Kapp-Putsches

Direkt gegenüber vom Nord-Ausgang des S-Bahnhofs Grünau befindet sich ein Gedenkstein mit der Aufschrift:

„Den Arbeitern des Stadtbezirks Berlin-Köpenick zum Gedenken,
die im März 1920 bei der Niederschlagung des reaktionären Kapp-Putsches ihr Leben ließen“

Er erinnert an den bewaffneten Widerstand Köpenicker Arbeiter gegen den Kapp-Putsch. Alexander Futran (USPD), einer der Führer des Widerstandes, wurde zusammen mit anderen am 20. März 1920 von putschenden Truppen standrechtlich erschossen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts siedelten sich in Grünau neben den Wassersportvereinen auch chemische Fabriken an, so Landshoff & Meyer, die in der DDR-Zeit zu einer Filiale von VEB Berlin-Chemie wurde.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung in Grünau von 1772 bis 1925
Jahr 1772 1801 1817 1840 1858 1895 1925
Einwohner 69 59 58 mit Steinbinde 127 mit Steinbinde 138 1725 4042

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grünau liegt an der Bahnstrecke Berlin–Görlitz und ist über den Bahnhof Grünau daran angeschlossen. Die Straßenbahnlinie 68 durchquert Grünau auf dem Weg zwischen Köpenick und Schmöckwitz, und bindet dabei den S-Bahnhof selbst an. Sie fährt südlich des Bahnhofs untypischerweise abseits großer Straßen quer durch den Berliner Stadtforst.

Wichtigste Straße ist das Adlergestell, die im Norden Grünaus auch Teil der Trasse der Bundesstraße 96a ist. Sie verbindet über den Ort hinaus die Innenstadt Berlins mit Schmöckwitz und weiter nach Erkner oder Königs Wusterhausen.

Hinzu kommt die Regattastraße, die Köpenick auf schnellstem Weg anbindet.

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesellschaftshaus Grünau
  • historische Waldgaststätte Hanff's Ruh
    Mitte der 1880er Jahre von dem pensionierten Eisenbahn-Beamten Ferdinand Hanff an der Landstraße nach Schmöckwitz eröffnet; die Einrichtung war zunächst jedoch nur ein Krämerladen, erst schrittweise kam die Bewirtung von Ausflüglern hinzu. Das einfache hölzerne Gebäude sollte nach dem Willen der Besitzerfamilie zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch ein zweigeschossiges Wohnhaus nebst Restaurationsräumen ersetzt werden, das jedoch nicht zur Ausführung gelangte. Zwischen 1918 und 1982 gelangte das Gasthaus mehrfach an neue Besitzer, auch in der DDR-Zeit blieb es privat. Nach der Wende konnte sich das Waldrestaurant weiter behaupten.[6]
  • Café Liebig im Jugendstilambiente, 1870 eröffnet. Die Besitzer bezeichnen das Haus als „einzig original erhalten gebliebene(s) Jugendstil-Kaffeehaus in Berlin“.[7][8][9]
  • Tribüne der Regattastrecke Grünau
  • Vergnügungsetablissement „Riviera“
  • Sportdenkmal Berlin-Grünau
  • Waldfriedhof Grünau
  • Wassersportmuseum

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Berlin-Grünau

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grünauer Schule

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren in Grünau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Dönitz (1891–1980), Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und letzter Reichspräsident in der Zeit des Nationalsozialismus
  • Otto Tober (1882–1964), Kameramann
  • Felix Zymalkowski (1913–2004), Marineoffizier und Hochschullehrer

In Grünau lebend oder lebten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Grünberg (1891–1972), Schriftsteller, starb in Berlin-Grünau am 1. Februar 1972
  • Stefan Heym (1913–2001), Schriftsteller, lebte in der Rabindranath-Tagore-Straße 9
  • Eberhard Panitz (* 1932), Schriftsteller.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grünauer BC
  • SC Berlin-Grünau
  • Ruderverein Empor e. V.
  • Richtershorner Ruderverein Berlin e. V.
  • Rudergemeinschaft Rotation e. V.
  • Rudergemeinschaft Grünau e. V.
  • Ruderclub Turbine Grünau e. V.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg: Teltow (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Band 4). Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1976.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Berlin-Grünau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aussprache: die Betonung liegt auf der zweiten Silbe.
  2. a b Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale der DDR. Hauptstadt Berlin-II. Henschelverlag, Berlin 1984, S. 352 ff.
  3. Homepage des Touristenhauses, abgerufen am 23. Juni 2016.
  4. Homepage Bürgerhaus Grünau, abgerufen am 23. Juni 2016.
  5. Kurzinformation zur Revierförsterei Grünau auf www.stadtentwicklung.berlin.de; abgerufen am 23. Juni 2016.
  6. Geschichte von Hanffs Ruh
  7. Homepage Café Liebig
  8. Baudenkmalsensemble Regattastraße 158, Gehöft; Wohnhaus, Ställe, Scheunen, Hofpflasterung, einschließlich Café Liebig, um 1890
  9. Zwischen den Angaben der Betreiber/Eigentümer des Cafés Liebig und der Baudenkmalsliste des Senats von Berlin besteht bezüglich der Errichtung eine Zeitdifferenz von zwanzig Jahren!
  10. Website der Freiwilligen Feuerwehr Grünau (Memento vom 23. Juni 2016 im Internet Archive)
  11. Homepage Krankenhaus Hedwigshöhe, abgerufen am 21. Juni 2016.