Berlin-Grunewald

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Grunewald
Ortsteil von Berlin
BerlinHalenseeWestendGrunewaldSchmargendorfWilmersdorfCharlottenburgCharlottenburg-NordGrunewald auf der Karte von Charlottenburg-Wilmersdorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 29′ 0″ N, 13° 16′ 0″ OKoordinaten: 52° 29′ 0″ N, 13° 16′ 0″ O
Fläche 22,33 km²
Einwohner 10.530 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte 472 Einwohner/km²
Postleitzahl 14193
Ortsteilnummer 0404
Verwaltungsbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

Grunewald ist ein Ortsteil im Westen des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf und wurde nach dem gleichnamigen Forst Grunewald benannt. Der Ortsteil zählt zu den wohlhabendsten Gebieten Berlins.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteil Grunewald

In den 1880er Jahren verkaufte der preußische Staat nach persönlicher Intervention von Reichskanzler Otto von Bismarck 234 Hektar des Forstes Grunewald an die Kurfürstendamm-Gesellschaft, ein Bankenkonsortium, das sich zum Ziel gesetzt hatte, nach dem Muster der überaus erfolgreichen Villenkolonien Alsen und Lichterfelde ein noch aufwändiger angelegtes Wohnviertel zu errichten. Es entstand die spätere „Millionärskolonie Grunewald“.[1] In diesem Zusammenhang wurde auch der Kurfürstendamm ausgebaut, und so entstand seit 1889 an seinem westlichen Ende ein neues nobles Wohnviertel, die Villenkolonie Grunewald.

Aufgrund baulicher Vorgaben waren große Grundstücke erforderlich, die nur zu einem geringen Teil bebaut sein durften. So entwickelte sich Grunewald zu einer der wohlhabendsten Wohngegenden Berlins, obwohl die Villen stilistisch sehr heterogen sind. Um 1870 wurden die künstlichen, in der glazialen Rinne der Grunewaldseenkette liegenden Seen Hubertussee (vorher: Torffenn), Herthasee (Rundes Fenn), Koenigssee (Langes Fenn) und Dianasee (Diebsloch) ausgehoben und über artesische Brunnen mit Wasser gefüllt. Sie wurden entlang des ehemals sumpfigen Geländes angelegt. Man erreichte damit gleichzeitig zwei Dinge: Zum einen beseitigte man damit Moorgebiete (Fenns), die man als Infektionsherde fürchtete, zum anderen entstanden gleichzeitig Attraktionen für die potenziellen Bewohner, da sich die Villen um die Seen gruppierten und die Seeufer sowie die Hangbereiche frei von jeder Bebauung blieben und zu privaten Garten- und Parkanlagen wurden. In großer Zahl wählten Unternehmer, Bankiers, Akademiker und Künstler, oft jüdischer Religion, das inzwischen attraktive Gelände zum Wohngebiet.

Die für die Baumaßnahmen notwendigen Rodungen und die daraus resultierenden Holzverkäufe fanden ihren Niederschlag in dem Berliner Gassenhauer Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion, der um 1892 entstand.[2][3]

Gedenktafel am Bahnhof Berlin-Grunewald, für die von hier in die Todeslager deportierten Juden

Bei der Eingemeindung nach Groß-Berlin 1920 wurden 6449 Einwohner in Berlin-Grunewald Landgemeinde und 507 Einwohner in Berlin-Grunewald Forstgutsbezirk gezählt. Vom Bahnhof Grunewald aus erfolgte während der Shoah seit Oktober 1941 die Deportation der Berliner Juden vorwiegend in östlich gelegene Konzentrations- und Vernichtungslager. Hieran erinnert seit 1998 das Mahnmal Gleis 17.

Durch alliierte Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg gerissene Lücken wurden teilweise mit Villenneubauten oder größeren Einfamilienhäusern gefüllt, teilweise aber auch mit profaner Mietarchitektur.

In den Nachkriegsjahren wurde im Grunewald aus Schutt und Trümmern der zerstörten Innenstadtviertel auf dem Gelände der unvollendeten und verlassenen Wehrtechnischen Fakultät der Nationalsozialisten der Teufelsberg aufgeschüttet, benannt nach dem nahegelegenen Teufelssee. Der Teufelsberg ist heute die zweithöchste Erhebung Berlins. Während des Kalten Krieges errichteten die US-Streitkräfte auf dem Gipfel des Berges eine Flugüberwachungs- und Abhörstation. Nach dem Mauerfall und dem Abzug der Alliierten verfiel die markante Anlage zur Ruine. Aktuell steht das Gebäude leer. Inzwischen werden Führungen angeboten, die auch explizit auf die in den Nachwendejahren entstandene Streetart in und an den Gebäuden hinweisen.

Berlin-Grunewald ist bis heute das teuerste Viertel des Berliner Villenbogens, der sich im Südwesten der Stadt von Lichterfelde-West im Süden, über Dahlem und Grunewald bis nach Westend erstreckt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Bahnhof Grunewald besteht ein direkter Anschluss zur S-Bahn-Linie S7; von dort geht es in die City West und Alt-Berlin bzw. stadtauswärts nach Potsdam. Der Bahnhof hat Anschluss an die Buslinien 186, 349, M19 der BVG.

Die Autobahn AVUS, die vom Berliner Innenstadtring am Dreieck Funkturm zur Spanischen Allee in Nikolasee führt, verläuft parallel zu den Schienen der S-Bahn. Die AVUS ist die Hauptverbindung für den Individualverkehr zwischen der Berliner Innenstadt und den Villenvororten am Großen Wannsee und Potsdam. Sie war 1921 die erste Autobahn der Welt. Sie teilt den Ortsteil Grunewald in zwei Hälften, wobei sich auf der östlichen Seite die Villenkolonie Grunewald befindet und auf der westlichen Seite der gleichnamige, beinahe unbewohnte Forst Grunwald.

Gebäude und Denkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grunewaldkirche in der Bismarckallee

Sakralbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diplomatische Vertretungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Botschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Botschaft des Emirats Kuwait

In Grunewald befinden sich die Botschaften der Länder

Residenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Residenz des türkischen Botschafters

Daneben unterhalten folgende Länder im Ortsteil Grunewald private Residenzen ihrer Botschafter:

Prominente Bewohner des Ortsteils[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grunewalder leben sprachlich korrekt in (nicht im) Grunewald.

Dieser Ortsteil hatte und hat viele berühmte Bewohner aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft:

Gedenktafel für Max Reinhardt am Haus Fontanestraße 8
Gedenktafel für Hermann Sudermann und Rolf Lauckner am Haus Bettinastraße 3
Gedenktafel für Hans Ullstein am Haus Bettinastraße 4

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helga Gläser, Karl-Heinz Metzger u. a.: 100 Jahre Villenkolonie Grunewald 1889–1989. Bezirksamt Wilmersdorf, 1988.
  • Reinhard Milferstädt: Die Villenkolonie Grunewald. Entstehung und Entwicklung eines großbürgerlichen Wohnquartiers im 19. Jahrhundert. TU Braunschweig.
  • Herbert Siebert: Berlin-Grunewald: Ein Heimatbuch. Berlin 1930.
  • Maria Berning, Michael Braum, Engelbert Lütke Daldrup, Klaus-Dieter Schulz: Berliner Wohnquartiere: Ein Führer durch 60 Siedlungen in Ost und West. Reimer Verlag, Berlin 2003, ISBN 978-3-496-01260-3.
  • Peter-Alexander Bösel: Berlin-Grunewald in historischen Ansichten. Sutton Verlag, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-853-0.
  • Christian Simon: Wilmersdorf – Zwischen Idylle und Metropole. be.bra verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-8148-0210-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berlin-Grunewald – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kolonie Grunewald (Übersichtskarte). In: Berliner Adreßbuch, 1892, nach Teil 1, S. VI.
  2. Karl-Heinz Metzger: Die Villenkolonie Grunewald. Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin, berlin.de, abgerufen am 1. August 2015
  3. Der Grunewald ist Waldgebiet des Jahres 2015, Grüne Liga Landesverband Berlin e. V., abgerufen am 1. August 2015
  4. Ingeborg Bachmann, Hans Werner Henze, Hans Höller: Briefe einer Freundschaft: mit 8 Faksimiles. 2. Ausg. Piper, 2006, ISBN 3-492-04608-8, S. 509.
  5. Das ist ja eine verpanschte, vermanschte Geschichte geworden. In: Deutschlandradio Kultur. (deutschlandradiokultur.de [abgerufen am 11. März 2017]).