Berlin-Haselhorst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Haselhorst
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Kladow Gatow Staaken Falkenhagener Feld Wilhelmstadt Spandau Haselhorst Siemensstadt HakenfeldeHaselhorst auf der Karte von Spandau
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 32′ 34″ N, 13° 14′ 23″ OKoordinaten: 52° 32′ 34″ N, 13° 14′ 23″ O
Fläche 4,728 km²
Einwohner 15.724 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte 3326 Einwohner/km²
Postleitzahl 13599
Ortsteilnummer 0502
Gliederung
Verwaltungsbezirk Spandau
Ortslagen

Haselhorst ist ein Ortsteil im Berliner Bezirk Spandau. Als einen der wichtigsten und bekanntesten touristischen Anlaufpunkte des Bezirks Spandau und der Stadt Berlin findet man in Haselhorst die Zitadelle Spandau.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Osten wird der Ortsteil Haselhorst durch die Paulsternstraße mit dem Ortsteil Siemensstadt verbunden. Im Südosten trennt die Alte Spree, ein Altarm der Spree, die Ortsteile Haselhorst und Siemensstadt. Im Norden wird er durch den Alten Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, eine Schleife des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals, von Gartenfeld getrennt; Gartenfeld gehört ebenfalls zum Ortsteil Siemensstadt. Westlich davon bildet der Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal die Grenze zu Saatwinkel, einer Ortslage des – zum Bezirk Reinickendorf gehörenden – Ortsteils Tegel.

Haselhorst grenzt im Westen, durch die Havel getrennt, an den Ortsteil Hakenfelde. Weiter südlich befindet sich der Spandauer See, eine Ausbuchtung der Havel, zwischen dem Ortsteil Haselhorst und der Insel Eiswerder. Südlich von Eiswerder bis zur Spreemündung bildet die Havel auch die Grenze zum Ortsteil Spandau. Im Süden wird Haselhorst durch den Ruhlebener Altarm, einen weiteren Altarm der Spree, von Ruhleben getrennt, einem zum Bezirk Spandau und zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gehörenden Kiez.[1]

Auch die Spreemündung in die Havel liegt am südwestlichen Rand von Haselhorst. Ebenfalls zu Haselhorst gehört die Mündung des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals in die Havel als nordwestlichster Grenzpunkt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haßelhorst wurde erstmals 1590 als Flurname im Erbregister des Amtes Spandau erwähnt. Dort entstand um 1745 die Meierei Plahn. 1848 wurde das Rittergut Plahn wegen der gleichnamigen Gewehrfabrik bei Spandau in Haselhorst umbenannt.[2] Der ehemalige Gutsbezirk Haselhorst wurde 1910 zur kreisfreien Stadt Spandau eingemeindet und kam mit dieser 1920 zu Groß-Berlin.

In Haselhorst befanden sich bis 1919 unter anderem eine Konservenfabrik, ein Pulvermagazin und ein Exerzierplatz der Preußischen Armee. In der Königlichen Konservenfabrik mussten die zum Wehrdienst eingezogenen Schlachtergesellen in den Herbst- und Wintermonaten alljährlich mehr als 3000 Ochsen schlachten und zu „Rindfleisch im eigenen Saft“ für die Armee verarbeiten.[2] 1892 begann man mit dem Bau einer Arbeiterkolonie. 1907 waren 51 Häuser fertig, in deren 363 Wohnungen rund 1600 Personen lebten. Auf der Pariser Weltausstellung von 1900 hatte die preußische Militärverwaltung eines der Häuser nachbauen lassen, das auch ausgezeichnet wurde. Noch bis 1945 war der Ortsteil Standort militärischer Produktionsbetriebe, unter anderem für Giftkampfstoffe. Viele Jahrzehnte war Haselhorst geprägt durch die im nördlichen Bereich an der Havel befindlichen Tanklager (in der Einflugschneise des Flughafens Tegel); dort befindet sich heute ein Wohngebiet, das im Rahmen der 2009 abgeschlossenen städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme „Wasserstadt Oberhavel“ entstand.

Zwischen 1930 und 1935 errichtete die Gewobag am Haselhorster Damm und Burscheider Weg die heute unter Denkmalschutz stehende „Reichsforschungssiedlung Haselhorst“. Entworfen wurde sie von namhaften Architekten der Moderne wie Walter Gropius, Fred Forbát, Otto Bartning, Paul Mebes und Paul Emmerich, die Freianlagen gestalteten Gustav Allinger und Leberecht Migge.[3]

Heute herrscht im südlichen Bereich des Ortsteils eine industrielle Infrastruktur vor, vertreten unter anderem durch BMW und Wall. Auf der Spreehalbinsel Sophienwerder befindet sich der Außenbezirk Spandau des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Berlin, das von hier aus unter anderem den Westhafen verwaltet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrstechnisch ist Haselhorst seit dem 1. Oktober 1984 durch die unter dem Straßenzug NonnendammalleeAm Juliusturm verlaufende U-Bahn-Linie U7 an die City West und die südlichen Berliner Bezirke angebunden. Die U-Bahnhöfe Haselhorst und Zitadelle befinden sich im Ortsteil Haselhorst, der U-Bahnhof Paulsternstraße liegt auf der Grenze zu Siemensstadt. In Haselhorst verkehren die Omnibus-Linien X33, 133, 139 und 236 sowie die Nachtbus-Linien N33 und N39.

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haselhorst ist nahezu gänzlich von Wasserstraßen umgeben. Neben der Spree mit ihren Altarmen ‚Alte Spree‘ und dem ‚Ruhlebener Altarm‘, der Havel mit der Bucht ‚Spandauer See‘ und dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal mit seiner Schleife ‚Alter Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal‘, die Haselhorst begrenzen, gibt es in Haselhorst weitere Gewässer.

Der Rohrbruchteich bildet die Quelle für den Grützmachergraben. Die Rhenaniastraße trennt den Rohrbruchteich von einem Sumpfgebiet, in dem unter anderem artgeschützte Biber leben. Der Grützmachergraben fließt im Zickzack durch Haselhorst und mündet, ebenfalls in Haselhorst, in die Spree.

Auf dem Gelände der ehemaligen Pulvermühle, im heutigen Quartier Pulvermühle, beginnt der Östliche Abzugsgraben. Dieser verbindet die Havel mit der Spree. Er fließt in zwei Armen fast rechtwinklig von der Havel weg. Südlich des heutigen Grützmacherweges vereinigen sich beide Arme. Im weiteren Verlauf fließt er unter dem Gelände des BMW Motorradwerkes hindurch und mündet westlich des Grützmachergrabens in die Spree.

Die Zitadelle Spandau ist von einem Wehrgraben umgeben. Südlich der Zitadelle liegt der Westliche Abzugsgraben, der eine Verbindung zum Wehrgraben der Zitadelle hat und kurz hinter der Schleuse Spandau in die Havel mündet.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten des Ortsteils[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henry Alex: Haselhorst. Die Geschichte des Berlin-Spandauer Ortsteils am Fuße der Zitadelle. Heimatkundliche Vereinigung Spandau 1954 e. V., Berlin 2010, ISBN 978-3-938648-02-5.
  • Michael Bienert: Moderne Baukunst in Haselhorst. Geschichte, Bewohner und Sanierung der Reichsforschungssiedlung in Berlin-Spandau. Berlin Story Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86368-106-7.
  • Henry Alex: Haselhorst – Odyssee eines Namens. In: Spandauer Forschungen, Band 1, hrsgg. v. Joachim Pohl u. Gisela Rolf, Berlin 2007, S. 17–28.
  • Henry Alex: Gutsbezirk – Stadtbezirk – Ortsteil. Die territoriale Entwicklung des Berlin-Spandauer Ortsteils Haselhorst. In: Spandauer Forschungen, Band 1, hrsgg. v. Joachim Pohl u. Gisela Rolf, Berlin 2007, S. 29–49.
  • Henry Alex: Der Plan – Eine fast vergessene Spandauer Landschaft, Ein Beitrag zur Geschichte des Berlin-Spandauer Ortsteils Haselhorst. In: Spandauer Forschungen, hrsgg. v. Joachim Pohl u. Gisela Rolf, Berlin 2007, S. 51–77.
  • Arne Hengsbach: Am Ostufer der Havel. Zur Siedlungsgeschichte von Haselhorst, in: Jahrbuch „Der Bär von Berlin“, hrsgg. v. Verein für die Geschichte Berlins, 25. Jg., Berlin 1976.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berlin-Haselhorst – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Google Maps, Haselhorst, Berlin, abgerufen am 15. Oktober 2016.
  2. a b Haselhorst www.stadtwiki.over-blog.de
  3. Siedlung Haselhorst