Berlin-Neukölln

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Dieser Artikel erläutert den Ortsteil von Berlin. Zu anderen Bedeutungen siehe Neukölln.
Neukölln
Ortsteil von Berlin
Berlin Neukölln Britz Buckow Buckow Gropiusstadt Rudow BrandenburgNeukölln auf der Karte von Neukölln
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 28′ 53″ N, 13° 26′ 7″ OKoordinaten: 52° 28′ 53″ N, 13° 26′ 7″ O
Fläche 11,7 km²
Einwohner 167.248 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte 14.295 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12043, 12045, 12047, 12049, 12051, 12053, 12055, 12057, 12059
Ortsteilnummer 0801
Gliederung
Verwaltungsbezirk Neukölln
Ortslagen
Hermannplatz, Stadtplatz in Neukölln

Neukölln ist der namensgebende Ortsteil des nördlichsten und am dichtesten bebauten Teils des Berliner Bezirks Neukölln. Bis 1920 war Neukölln eine eigenständige Stadt, die bis 1912 den Namen Rixdorf trug. Gelegentlich wird der Ortsteil in Abgrenzung vom gesamten Bezirk auch als Neukölln-Nord oder Nord-Neukölln bezeichnet.

Das Gebiet nordöstlich des Hermannplatzes (Reuterkiez) gehört unter der umgangssprachlichen Bezeichnung „Kreuzkölln“ zu den Szenevierteln Berlins und unter anderem deshalb ist der nördliche Ortsteil stärker von Gentrifizierung betroffen als der restliche Bezirk.

Ortsteile und Stadtquartiere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ortsteil Neukölln gehören die Ortslagen Rixdorf (um den Richardplatz, damals Deutsch-Rixdorf genannt) und Böhmisch-Rixdorf (um die Kirchgasse).

Bekanntere Stadtquartiere oder Wohnviertel im Ortsteil sind

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von einer Ordenssiedlung im 13. Jahrhundert bis zum Dorf im Spätmittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Rixdorf wurde um 1200 von den Tempelrittern gegründet, die in Tempelhof ansässig waren. Archäologische Spuren einer slawischen Vorbesiedlung sind bisher nicht gefunden worden. Durch Wüstwerden wurde das Dorf in einen Wirtschaftshof der Tempelritter umgewandelt. 1318 wurden die Besitzungen der brandenburgischen Tempelritter dem Johanniterorden übertragen, weil der Templerorden 1312 aufgelöst worden war. Aus diesem Grund trägt das Wappen des Bezirks das Johanniterkreuz. Laut der in mittelniederdeutscher Sprache abgefassten Gründungsurkunde vom 26. Juni 1360 wurde der bis dato bestehende Hof Richarsdorp (Richarstorp/Richardstorff) in ein Dorf mit 25 Hufen umgewandelt.[1] Diese seit 1945 verschollene Urkunde enthielt nicht nur die erste urkundliche Erwähnung von Rixdorf überhaupt, sondern war darüber hinaus die einzige vorhandene Dorfgründungsurkunde von Brandenburg. Dem Inhalt der Urkunde zufolge hatte Rixdorf Abgaben an den Pfarrer von Tempelhof zu leisten, kann also noch keine eigene Dorfkirche besessen haben. 1375 wurde das Dorf Rixdorf im Landbuch Karls IV. als Richardstorpp erwähnt, wiederum mit den bereits in der Gründungsurkunde erwähnten 25 Hufen, eine relativ geringe Anzahl (der Durchschnitt lag bei rund 50). Die Komture von Tempelhof besaßen jedoch nicht mehr alle Rechte. Der Ortskern befand sich am Richardplatz. 1435 verkauften die Johanniter alle ihre Dörfer (Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf) an die Städte Berlin und Cölln. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte Rixdorf eine eigene Dorfkirche. Im Jahr 1525 wird das Dorf in Urkunden als Ricksdorf erwähnt

Bevölkerungszuwächse durch Emigranten ab dem 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böhmisch- und Deutsch-Rixdorf 1857:
[1] heutige Richardstraße,
[2] heutiger Richardplatz,
[3] heutige Karl-Marx-Straße
Rixdorfer Wappen

Im Jahr 1737 gestattete Friedrich Wilhelm I. die Ansiedlung böhmischer Exulanten in Ricksdorf, die wegen ihres evangelischen Glaubens vertrieben worden waren. Diese Anhänger der Herrnhuter Brüdergemeine bauten ihre eigene Kirche und siedelten in einem eigenen Bereich abseits des Dorfangers, entlang der heutigen Richardstraße. Das entstandene Böhmische Dorf erhielt schließlich im Jahr 1797 als Böhmisch-Rixdorf eine eigene Verwaltung. Der übrige Siedlungsteil wurde zu diesem Zeitpunkt (Deutsch-)Rixdorf genannt.

Mit der Vereinigung der beiden selbstständigen Gemeinden Böhmisch-Rixdorf und Deutsch-Rixdorf am 1. Januar 1874 zur Einheitsgemeinde hatte der Ort Rixdorf bereits 8.000 Einwohner, und wuchs im Folgejahr auf 15.000 Einwohner. Am 1. Mai 1899 bildete Rixdorf, bis dahin als größtes Dorf Preußens zum Kreis Teltow gehörig, einen eigenen Stadtkreis. 1903 erhielt Rixdorf sein Wappen, mit dem Johanniterkreuz und dem Kelch (für die böhmischen Glaubensflüchtlinge).

Rixdorf erhält den Namen Neukölln und erlangt Stadtrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umbenennung von Rixdorf zu Neukölln erfolgte mit Zustimmung von Kaiser Wilhelm II. an dessen 53. Geburtstag am 27. Januar 1912[2] und wurde von den Behörden deshalb beschlossen, weil Rixdorf mittlerweile für die Berliner zum Inbegriff frivoler Unterhaltung geworden war, der damalige – und zum Teil noch heute – populäre Gassenhauer In Rixdorf ist Musike bringt das zum Ausdruck. Das negative Erscheinungsbild für den Ort sollte mit dem Namen abgestreift werden. Der Name Neucölln leitet sich von den nördlich des alten Rixdorf gelegenen Neucöllner Siedlungen ab, die auf die Lage vor den südlichen Toren des alten Berlin-Cölln hinweisen.

Neukölln wird 1920 Teil von Groß-Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem im Frühjahr 1920 vom Preußischen Landtag verabschiedeten „Groß-Berlin-Gesetz(Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin)[3] wurden zahlreiche Umlandorte am 1. Oktober 1920 zu Groß-Berlin vereinigt und der Stadtkreis Neukölln zusammen mit den Dörfern Britz, Rudow und Buckow zum 14. Verwaltungsbezirk. Mit der Verwaltungsreform 2001 wurde der Bezirk Neukölln zum achten Verwaltungsbezirk der Bundeshauptstadt.

Neukölln ab 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Neukölln zum Amerikanischen Sektor von Berlin und war bis 1990 ein Teil von West-Berlin. Die Berliner Mauer trennte es vom Nachbarbezirk Treptow, der zu Ost-Berlin gehörte.

Ebenso wie andere traditionelle Arbeiterviertel Berlins wie Kreuzberg und Wedding/Gesundbrunnen, die entlang der Sektorengrenze lagen, wurde Neukölln nach dem Mauerbau im August 1961 für die besser gestellten Bevölkerungsgruppen zunehmend unattraktiv. Vor allem wegen der günstigen Mietwohnungen wurde es zum bevorzugten Wohnort von Einwanderern und Personen mit Migrationshintergrund. Zu den überwiegend aus der Türkei stammenden Gastarbeitern kamen später Personen aus arabischen Ländern und Flüchtlinge. Heute sind ca. 15 % der Bewohner des Ortsteils türkischer und 10 % arabischer Herkunft. Nach dem Mauerfall endete die Isolation Neuköllns, der Ortsteil wurde in den 1990er und 2000er Jahren aber dennoch als „Problemkiez“ und sozialer Brennpunkt bekannt, auch weil der damalige Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky immer wieder in der Öffentlichkeit Phänomene wie Kriminalität (Beschaffungs- und andere Drogenkriminalität), Verhaltensauffälligkeiten von Schulversagern, soziale Verwahrlosung sowie islamischen Fundamentalismus thematisierte und die Bezirksverwaltung gegen diese vorging. Parallel dazu wird seit den 2000er Jahren vor allem im Norden Neuköllns der Bezirk immer stärker gentrifiziert.

Seit der Verwaltungsreform am 1. Januar 2001 bildet der Bezirk Neukölln den achten Berliner Bezirk (vorher den vierzehnten). Neukölln, Spandau und Reinickendorf blieben aufgrund ihrer Größe von mehr als 200.000 Einwohnern die einzigen ohne Zusammenlegung mit einem anderen Bezirk.

Bildungswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im 19. Jahrhundert zeigte sich mit dem schnellen Bevölkerungswachstum die Notwendigkeit eines umfangreichen Schulbauprogramms. Gegen Ende des Jahrhunderts waren auf Betreiben des Gemeinderats neben der höheren Bildungsanstalt Städtische Realschule mit Progymnasium jeweils sieben Gemeindeschulen und zwar getrennt nach Knaben und Mädchen errichtet worden. Dazu kam noch je eine Schule der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde sowie eine Fortbildungsschule. Ebenfalls zur Verbesserung der Bildung trugen zwei Volksbibliotheken bei.[4]

Öffentlicher Verkehr im Ortsteil Neukölln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

U-Bahnlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

S-Bahnlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buslinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

RIXI, der Freundschafts- und Friedens-Buddy Bär

Straßen und Plätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die längsten und am dichtesten bebauten Straßen sind die Karl-Marx-Straße, die Hermannstraße und die Sonnenallee.

Parkanlagen, Friedhöfe und Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch Parks in Neukölln

Sehenswerte Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einkaufszentren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neucölln Carree
  • HermannQuartier am S+U-Bahnhof Hermannstraße
  • Neuköllner Tor am S+U-Bahnhof Neukölln

Kulturveranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Auswahl)

In Neukölln hat sich in den vergangenen Jahren ein bemerkenswertes Künstlernetzwerk entwickelt.

Neukölln in den Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik

Filme

Bekannte Bewohner Neuköllns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Gedenktafeln
Gedenktafel Boddin.jpg
Gedenktafel Curt Kaiser.jpg
Gedenktafel Jonasstr 22 Will Meisel.JPG

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Althans, Robert Dupuis, Cornelia Hüge, Rainer Pomp, Jan Sonnenberg: Rathaus Rixdorf – Rathaus Neukölln, Veröffentlichung anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Neuköllner Rathauses. Bezirksamt Neukölln von Berlin, Bezirksbürgermeister/Hochbauamt, Berlin 2008, ISBN 978-3-00-026396-5.
  • Heinz Buschkowsky: Neukölln ist überall. Ullstein Buchverlage, Berlin 2012, ISBN 978-3-550-08011-1.
  • Bezirksamt Neukölln von Berlin, Abt. Bauwesen (Hrsg.): 100 Jahre Bauen für Neukölln – Eine kommunale Baugeschichte. Berlin 2005, ISBN 3-00-015848-0.
  • Christiane Borgelt, Regina Jost: Architekturführer Berlin-Neukölln. Stadtwandel Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-933743-91-5.
  • Wolfgang Borowski, Bezirksamt Neukölln von Berlin (Hrsg.): Berlin-Neukölln – Seine Geschichte und Denkmale Rixdorf. Berlin 1999.
  • Verena S. Diehl, Jörg Sundermeier, Werner Labisch (Hrsg.): Neuköllnbuch. Verbrecher-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-935843-28-3.
  • Bernd Kessinger: Neukölln. Die Geschichte eines Berliner Stadtbezirks. Vergangenheitsverlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86408-064-7.
  • Neuköllner Kulturverein (Hrsg.): Nahaufnahme Neukölln. Kinos, Kameras, Kopierwerk. Argon Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-87024-153-5.
  • Falk-Rüdiger Wünsch: Neukölln – Alte Bilder erzählen. Sutton Verlag, Erfurt 1998, ISBN 3-89702-096-3.
  • Dorothea Kolland (Hrsg.): Zehn Brüder waren wir gewesen … Spuren jüdischen Lebens in Neukölln, Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-942271-29-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berlin-Neukölln – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wortlaut der Gründungsurkunde von Rixdorf vom 26. Juni 1360 aus: Karl Ernst Rimbach: 600 Jahre von Richardsdorf bis Neukölln. Herausgegeben vom Bezirksamt Neukölln von Berlin, Verlag Heimat und Werk, Berlin 1960.
  2. Wie aus Rixdorf Neukölln wurde. In: Berliner Morgenpost, 7. Oktober 2008.
  3. Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin
  4. Behörden, Anstalten, Vereine. In: Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1900, V, Rixdorf, S. 158.
  5. Website des Huxleys. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
  6. Ausstellungshinweise auf der Website des Körnerparks. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
  7. Website des Heimatshafens Neukölln. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
  8. Website des Karnevals der Kulturen. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
  9. Website des Museums Neukölln. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
  10. Website der Neuköllner Oper. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
  11. Website des Puppentheater-Museums Neukölln. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
  12. Kleinkunst im Schillerkiez – das Theater-Café „Sowieso“.
  13. Website der Werkstatt der Kulturen. Abgerufen am 15. Dezember 2010.
  14. In Rixdorf is’ Musike. Bezirksamt Neukölln, abgerufen am 23. September 2009.
  15. Neuköllner Schluckspechtsymphonie in Suffmoll von Freigestirn Kreativkiez Neukölln, abgerufen am 28. November 2011.
  16. Berlin:Hasenheide hasenheidefilm.de, abgerufen am 28. November 2010.
  17. Berlin-Neukölln in der Internet Movie Database (englisch)
  18. Kreuzkölln – Kiez im Double Feature. Abgerufen am 17. Oktober 2009.
  19. Info zum Film. Abgerufen am 11. März 2010.