Berlin-Rosenthal

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Rosenthal
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Buch Karow Wilhelmsruh Rosenthal Blankenfelde Niederschönhausen Heinersdorf Blankenburg Französisch Buchholz Pankow Prenzlauer Berg Weißensee Stadtrandsiedlung MalchowRosenthal auf der Karte von Pankow
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 35′ 57″ N, 13° 22′ 38″ OKoordinaten: 52° 35′ 57″ N, 13° 22′ 38″ O
Fläche 4,9 km²
Einwohner 9327 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte 1903 Einwohner/km²
Postleitzahl 13158
Ortsteilnummer 0312
Verwaltungsbezirk Pankow

Rosenthal war bis zur Bildung Groß-Berlins im Jahr 1920 ein selbstständiger Gutsbezirk und eine Landgemeinde im Norden Berlins. Das Dorf wurde 1356 erstmals als Rosendalle urkundlich erwähnt.

Mit der Eingemeindung wurde der größere Teil (Rosenthal-Landgemeinde, Ortsteil westlich der Liebenwalder Bahn und Ortsteil Rosenthal I – Wilhelmsruh – mit 4332 Einwohnern) dem neuen Bezirk Reinickendorf zugeordnet. Der kleinere Teil (Rosenthal-Landgemeinde mit etwa 1864 Einwohnern, Ortsteil östlich der Liebenwalder Bahn mit ungefähr 1725 Einwohnern und Rosenthal-Gutsbezirk mit 129 Einwohnern) kam als Ortsteil Berlin-Rosenthal zum neuen Bezirk Pankow.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rosenthal wurde um 1230 als Angerdorf angelegt. Urkundlich wurde es erstmals 1356 als Pfarrdorf Rosendalle erwähnt. Im Landbuch Karls IV. (1375) wurden für Rosental 72 Hufen ausgewiesen, davon 4 Pfarrhufen (Wedemhof). Es gab auch einen Krug.

Für die überwiegend christlichen Einwohner des Ortes gab es keine eigene Pfarrei. Die Ortsteile Rosenthal I und II befanden sich in der kirchlichen Zuständigkeit von Reinickendorf, verwaltungstechnisch-politisch aber gehörten sie zu Pankow. Die Katholiken wurden Anfang des 20. Jahrhunderts der Kuratie St. Georg in Pankow zugeordnet. Als sich die Gemeinde St. Maria Magdalena Niederschönhausen 1929 davon abspaltete, wurden sie gemäß bischöflichem Dekret dorthin umgepfarrt.[1]

Ab dem 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1920 vom Berliner Magistrat beschlossene Gesetz über die Bildung der Stadtgemeinde Berlin (Groß-Berlin-Gesetz) führte zur Entstehung von zwanzig Verwaltungsbezirken, in die umliegende Dörfer eingemeindet wurden. Dieses Gesetz ließ den neuen Verwaltungen die Möglichkeiten, ihr Territorium in Ortsbezirke zu untergliedern. Laut dem Ratsprotokoll von Berlin-Pankow (dem XIX. Verwaltungsbezirk) vom 29. Juli 1920 schlossen sich die Gemeinden Blankenburg, Buch, Niederschönhausen Pankow und Rosenthal zusammen, als Verwaltungssitz wählten die vom Berliner Magistrat Beauftragten Pankow.[2]

Bauwerke, Grünanlagen und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ensemble des Rosenthaler Angers ist als Kulturdenkmal ausgewiesen.[3] Dazu zählen vor allem die um 1250 erbaute Rosenthaler Dorfkirche, das zur Dorfkirche gehörende Gemeindehaus von 1898 in der Hauptstraße 138,[4] sowie das um 1820 errichtete Gutshaus mit Stall und Landarbeiterkaserne von 1840/1850.[5] Der Stall wird seit dem Ende des 20. Jahrhunderts von den Rosenthaler Werkstätten genutzt, einem Verbund von Spezialisten aus Kunst und Handwerk.[6] Weitere Baudenkmale im historischen Kern von Rosenthal sind das von Maurermeister Schreiber 1901–1903 erbaute Amtshaus in der Hauptstraße 94,[7] seit 1990 genutzt als Kinder- und Jugendeinrichtung Landhaus Berlin-Rosenthal,[8] und die 1909/1910 nach Plänen von Fritz Gottlob errichtete evangelische Kirche Nordend.[9] Das Kirchengebäude entstand im Jugendstil und verfügt über eine Orgel der Firma Ferdinand Dinse.[10][11] Im Predigtsaal steht eine Orgel der Orgelbauer Gebrüder Dinse.[12] Westlich der Kirche sind die Reste des Feldsteinfundaments des Rosenthaler Wohnturms als Bodendenkmal ausgewiesen.

Wasserwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Zeitpunkt der Eingemeindung von Rosenthal nach Pankow (1921) verfügte der Ort über ein eigenes Wasserwerk auf einem zwölf Morgen großen Grundstück. Darauf standen ein Maschinenhaus (drei Maschinen mit Sauggasmotoren und Generatoren), eine Riesel- und Filteranlage mit vier Becken, ein Wasserturm mit einem Fassungsvermögen von 300  Wasser, ein Wohngebäude. Und es gab zwölf Tief- und einen Sammelbrunnen. Zur Fortleitung des Abwassers bestand darüber hinaus ein Kanalpumpwerk.[13]

Das Wasserwerk gibt es im 21. Jahrhundert nicht mehr, aber drei Teile einer benachbarten Kleingartenanlage (KGA) entlang der Straße Am Anger erinnern mit ihrem Namen an die Existenz: KGA Rosenthal.[14][15]

Rosenthaler Herbst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festumzug zum 37. Rosenthaler Herbst (Erntedankfest)

Seit 1973 findet jährlich das Erntedankfest „Rosenthaler Herbst“ statt, vom 17. bis 19. September 2010 zum 37. Mal unter dem Motto „780 Jahre Rosenthal“.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rosenthal befanden sich von 1906 bis 1932 die Fabriken für Turbinen, Turbogeneratoren, elektrische Automobile (Typ Protos) und Lokomotiven der Bergmann Electricitäts Werke Aktien Gesellschaft. Große Flächen zwischen Rosenthal und Blankenfelde dienten seit der Gründerzeit bis zum Jahr 1985 als Rieselfelder, auf denen die Abwässer Berlins verrieselt wurden. Diese Flächen wurden zwischenzeitlich renaturiert, mit Wanderwegen aufgewertet und als Naturschutzgebiet ausgewiesen.[16]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Berlin-Rosenthal der Heidekrautbahn befand sich nach dem Mauerbau im Grenzgebiet nördlich der Quickborner Straße und wurde abgerissen. Für den inzwischen auf diesem Teilstück der Heidekrautbahn betriebenen Museumsverkehr wurde stattdessen ein provisorischer Haltepunkt am Bahnübergang Wilhelmsruher Damm angelegt.

Die Straßenbahnlinie M1 der MetroTram verbindet Rosenthal mit dem Berliner Zentrum (Endstation Am Kupfergraben an der Museumsinsel); sie verkehrt alle 20 Minuten. Die Metrobuslinie M21 verbindet Rosenthal mit dem Einkaufszentrum Märkisches Zentrum und den U-Bahn-Linien U6, U7 und U8 sowie den S-Bahn-Linien S1, S25, S41/42 (Berliner Ringbahn) und S85. Die Buslinie 124 verkehrt ebenfalls zwischen Rosenthal, dem Märkischen Zentrum über die Station S+U Wittenau und führt bis nach Tegel. Die ebenfalls durch Rosenthal verlaufende Linie 122 verbindet den S-Bahnhof Wilhelmsruh mit dem U-Bahnhof Residenzstraße.

Rosenthaler Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berlin-Rosenthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chronik St. Maria Magadalena in Berlin-Niederschönhausen; S. 114 ff.
  2. A Rep 049-08 Nr. 4 im Landesarchiv Berlin: Niederschrift über die Besprechung mit den Vertretern der Gemeinde bzw. Gutsbezirke des zukünftigen Bezirksamts vom 19. und 29. Juli 1920, eingesehen am 22. Mai 2017.
  3. Dorfanger Rosenthal mit Baumbestand, Dorfkirche und Kirchhof, Gehöften und Wohnhäusern, Vorgärten mit Einfriedungen, rückwärtigen Hofanlagen
  4. Baudenkmal Gemeindehaus Hauptstraße 138
  5. Kulturdenkmal Gutshaus, Stall und Landarbeiterkaserne in Rosenthal
  6. Website der Rosenthaler Werkstätten. Abgerufen am 20. September 2010.
  7. Baudenkmale Amtshaus und Schule in Rosenthal mit den erhaltenen Nebengebäuden
  8. Landhausgeschichte. In: Website des Landhaus Berlin-Rosenthal. Abgerufen am 20. September 2010.
  9. Baudenkmal Schönhauser Straße 32, Evangelische Kirche Nordend, Gemeindehaus mit Kirchsaal
  10. Projektbeschreibung Sanierung Jugendstil-Kirchsaal. Förderverein Jugendstil-Kirchsaal Nordend e. V., abgerufen am 21. September 2010.
  11. Günther Kühne, Elisabeth Stephani: Evangelische Kirchen in Berlin. 2. Auflage. CZV-Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-7674-0158-4, S. 450.
  12. Jugendstil-Kirchsaal Dinse-Orgel Info-Flyer. Förderverein Jugendstil-Kirchsaal Nordend e. V., abgerufen am 21. September 2010 (PDF; 1 MB).
  13. A Rep 049-08 Nr. 4 im Landesarchiv Berlin: Niederschrift über die Besprechung mit den Vertretern der Gemeinde bzw. Gutsbezirke des zukünftigen Bezirksamts vom 19. und 29. Juli 1920, eingesehen am 22. Mai 2017.
  14. KGA Wasserwerk Rosenthal e. V., abgerufen am 23. Mai 2017.
  15. Hilmar Bärthel: Wasser für Berlin, Verlag für Bauwesen Berlin.
  16. VO zum Schutz der Landschaft um den Ort Blankenfelde in den Bezirken Pankow und Reinickendorf von Berlin vom 13. Februar 2004, abgerufen am 23. Mai 2017.