Berlin-Siemensstadt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Siemensstadt
Ortsteil von Berlin
BerlinBrandenburgKladowGatowStaakenFalkenhagener FeldWilhelmstadtSpandauHaselhorstSiemensstadtHakenfeldeSiemensstadt auf der Karte von Spandau
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 32′ 26″ N, 13° 15′ 47″ OKoordinaten: 52° 32′ 26″ N, 13° 15′ 47″ O
Fläche 5,661 km²
Einwohner 13.143 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte 2322 Einwohner/km²
Postleitzahl 13629
Ortsteilnummer 0503
Verwaltungsbezirk Spandau

Siemensstadt ist ein Ortsteil im Osten des Bezirks Spandau von Berlin. Er entstand durch die Neuansiedelung der Werke von Siemens & Halske und deren Tochtergesellschaft Siemens-Schuckert (SSW) mit den zugehörigen modernen Werkssiedlungen auf den Nonnenwiesen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kabelwerk Westend,[1] um 1900

Siemensstadt liegt zwischen dem Hohenzollernkanal (Teilstück des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals) im Norden, Charlottenburg-Nord im Osten, der Spree im Süden und Haselhorst im Westen. Der durch die Ringsiedlung verlaufende Jungfernheideweg stellt die Grenze zu Charlottenburg-Nord dar. Zu Siemensstadt gehört auch die durch den Alten Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal und Hohenzollernkanal gebildete Insel Gartenfeld, auf der weitere Siemens-Werksanlagen (bis 2002 „Kabelwerk Gartenfeld“) errichtet wurden. Der bestimmende Straßenzug ist die Nonnendammallee, im Westen mit Gewerbe und im Osten mit der „Siedlung Nonnendamm“.

Der Ortsteil ist noch von weitläufigen Industrie- und Werksanlagen und durchgrünten Wohnsiedlungen geprägt, jedoch gehören die dortigen Unternehmen nicht mehr ausschließlich zur Siemens AG.

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Siemensstadt[2]
Gedenktafel für Wilhelm von Siemens, Gründer der Siemensstadt, im Wilhelm-von-Siemens-Park

Die Produktionsstätten von Siemens waren Ende des 19. Jahrhunderts im Berliner Raum verstreut. Als neuer Standort von Siemens wurde das zur Stadt Spandau gehörende brachliegende Gebiet nördlich der Spree um den Nonnendamm ausgewählt. Es lag zwischen Nonnenwiesen, Hühner-Werder (seit der Spreeregulierung an deren Nordufer), Rohrbruch und der Jungfernheide und schloss sich an die Spandauer Industriegebiete auf dem Terrain des Gutsbezirks Haselhorst an. Im Jahre 1897 erwarb die Siemens & Halske AG ein 209.560 m² großes Areal auf dem Hühner-Werder,[3] eine „fast unbewohnte und verkehrstechnisch kaum erschlossene Naturlandschaft aus Wald, Wiesen, Heideland und Feuchtgebieten“. Die einzigen Verkehrsanbindungen nach Spandau und das benachbarte Charlottenburg und Berlin war der Wasserweg auf der Spree und die Landverbindung über den (seinerzeit) unbefestigte Nonnendamm.[4][A 1]

Die Gegend von Haselhorst bis zur Charlottenburger Grenze wurde als „Kolonie Nonnendamm“ bezeichnet; im Berliner Adressbuch erstmals 1910 genannt.[A 2] Im Jahr 1914 erhielt „Nonnendamm b. Berlin“ im Stadtkreis Spandau den Namen nach der Werksansiedlung als „Siemensstadt“, das zu diesem Zeitpunkt 7000 Einwohner und weitere 23.000 Beschäftigte hatte. Die ersten Wohnbauten entstanden im Osten des Nonnendamms und tragen in ihrer Originalbebauung die Bezeichnung „Siedlung Nonnendamm“. Das von Spandau wachsende Industrie- und Wohngebiet hieß zunächst "Kolonie Nonnendamm", bevor die Namensvergabe unter Bezug auf das Unternehmen Siemens erfolgte.

In einer Darstellung des Anzeiger für das Havelland vom 1. August 1913 wurde die damals entstehende Siemensstadt wie folgt dargestellt.

„Dort hinter der Spree erheben sich gewaltige Gebäude in rotem Backsteinbau; vier- und fünfstöckige Gebäude von mehreren hundert Metern Front und lange Maschinenhäuser dehnen sich aus. Ein Kanal führt bis zu den Werken und unzählige Eisenbahnschienen durchqueren die weiten Gelände. Das ist die Siemensstadt. Von dem Umfang der einzelnen Nonnendammer Abteilungen dürften folgende Zahlen ein Bild geben: Es werden ungefähr beschäftigt:
• im Wernerwerk 7000 Personen,
• im Kleinbauwerk 3500,
• im Elektromotorenwerk 3000,
• im Dynamowerk 2300,
• im Block­werk 800,
• in der Automobilfabrik 550,
• in der Eisengießerei 300,
• in der Gelbgießerei 200,
• in der Versuchsanstalt für elektrische Bahnen 200,
• im Kabelwerk Gartenfeld (eine halbe Stunde vom Nonnendamm) 3000.
Das sind gewiß gewaltige Zahlen, die selbst für Groß-Berliner Industrieverhältnisse ansprechen. Im Herbst wird der Spandauer Nonnendamm weitern gewaltigen Zuwachs erhalten. Das neue Zentralverwaltungsgebäude wird dann bezogen werden, und abermals werden 3000 Personen dem Nonnendamm mehr zuströmen […] Das Wernerwerk erfährt ebenfalls fortgesetzt Vergrößerungen, alle in Charlottenburg gelegenen Siemensbetriebe sollen nach und nach auf dem Spandauer Nonnendamm angesiedelt werden […] Umfangreiche Terrains stehen dem Siemensunternehmen zu Bauten noch zur Verfügung.“

Aktuelles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Als Träger des lokalen Sports hat sich der SC Siemensstadt einen Namen gemacht.
  • Seit 1913 sind in Siemensstadt ansässige Schachvereine nachweisbar, aktuell vertreten durch die Schachfreunde Siemensstadt e. V.
  • Im Jahr 2010 wurde im Bereich des U-Bahnhofs Paulsternstraße der Siemensstadt-Park eröffnet. Er wurde anstelle der ursprünglich geplanten Siemens-Arena gebaut und bietet ein Einkaufszentrum sowie eine Mehrzweckhalle.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Anschluss von Betrieben und Wohnbauten an Spandau wurde auf dem neuen Nonnendamm die Elektrische Straßenbahn Spandau–Nonnendamm eingerichtet.[6] Eine weitere Anbindung dieser Kolonie Nonnendamm an den öffentlichen Nahverkehr bestand ab 1905 über den Bahnhof Fürstenbrunn an der Hamburger Bahn, dieser war jedoch von den Werkhallen entfernt. Siemens baute dafür auf seine Kosten den Märkischen Steg als Verbindung vom Bahnhof Fürstenbrunn über die Spree. In späteren Jahren wurde zur direkten Anbindung des nördlich der Spree gelegenen Gebiets durch Siemens eine Bahnbrücke über die Spree finanziert, über diese folgte die S-Bahn von Jungfernheide nach Gartenfeld. Für den Güterverkehr wurde die Haselhorster Militärbahn genutzt und die Siemens-Güterbahn mit Teilführung auf dem Mittelstreifen des Nonnendamms (ab 1914: Nonnendammallee) errichtet.[A 3]

Der Ortsteil ist über die Linie U7 der Berliner U-Bahn mit der Berliner Innenstadt und der Spandauer Altstadt verbunden. Bis zum Reichsbahnerstreik im Jahr 1980 war Siemensstadt über die Siemensbahn an das S-Bahn-Netz angebunden. Die Buslinien 123 und 139 tangieren den Ortsteil und stellen Direktverbindungen nach Berlin Hauptbahnhof und zum Zentralen Omnibusbahnhof her.

Wohnarchitektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Einzelbauten aus der Zeit um 1900 entstanden in Siemensstadt in mehreren Etappen Siedlungsbauten, darunter bedeutende Beispiele des Neuen Bauens und des Großsiedlungsbaus.

Das Welterbekomitee der UNESCO hat am 7. Juli 2008 die Siedlungen der Berliner Moderne in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Sechs denkmalgeschützte Siedlungen, darunter auch die Großsiedlung Siemensstadt, repräsentieren einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus aus der Zeit der klassischen Moderne und übten in der Folgezeit beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung von Architektur und Städtebau aus.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorothea Zöbl: Siemens in Berlin. Spaziergänge durch die Geschichte der Elektrifizierung. Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2008, ISBN 978-3-86650-945-0.
  • Arne Hengsbach: Aus der Geschichte der Stadtteile Siemensstadt und Haselhorst. In: Spandauer Heimathefte, Heft 1. Buchhandlung am Markt, Berlin 1954.
  • Arne Hengsbach: Die Siemensstadt im Grünen. Zwischen Spree und Jungfernheide 1899–1974. Lezinsky, Berlin 1974.
  • Wolfgang Ribbe, Wolfgang Schäche: Die Siemensstadt. Geschichte und Architektur eines Industriestandortes. Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1985, ISBN 3-433-01023-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berlin-Siemensstadt – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. erste Fabrik auf dem Gelände der späteren Siemensstadt
  2. Darstellung am Wernerwerk-Hochhaus, kombiniert aus den Wappen des Bezirks Charlottenburg, des Bezirks Spandau und der Familie von Siemens
  3. Alfred Mende (Geograph.-Lithograph. Institut): Großer Verkehrsplan Berlin und seine Vororte (Stadtplan 1907), abgerufen 1. Mai 2015.
  4. Geschichte Berlins: Siemensstadt, abgerufen 1. Mai 2015.
  5. faz.net, 30. Oktober 2018.
  6. Am 1. Oktober 1908 nahm die Siemens den Straßenbahnbetrieb auf der Strecke Breite Straße/Havelstraße-Nonnendamm/Reisstraße auf. Dafür wurde am 1. Juli 1908 die eigenständischee Gesellschaft „Elektrische Straßenbahn Spandau – Nonnendamm GmbH“ gebildet.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Für die Ansiedlung der Arbeiter von Siemens entstand westlich des Stadtkreises Spandau ein Stadtbezirk Nonnendamm der Stadt Charlottenburg. „Bereits im Jahre 1899 hatte Siemens am neuen Standort eine ‚Wohnkolonie‘ für ihre Beschäftigten in Erwägung gezogen, war jedoch an den Widerständen Charlottenburgs und Spandaus gescheitert (Charlottenburg befürchtete die ‚Zersiedlung‘ ihres noblen Villenortes Westend und Spandau Folgekosten); Mitte 1904 erteilte Spandau dann die Ansiedlungsgenehmigung. Die im Auftrage von Siemens tätige Märkische Bodengesellschaft erschloss das von der Firma zur Verfügung gestellte Areal und begann mit freien Architekten und Baumeistern im Herbst 1904 mit dem Bau erster Wohnblöcke zwischen Ohmstraße, Hefnersteig und Reisstraße.“ (Karl-H. Bienek: Die Siemensstadt), abgerufen 1. Mai 2015, auf diegeschichteberlins.de
  2. Kolonie Nonnendamm. In: Berliner Adreßbuch, 1910. „Kolonie Nonnendamm (Stadtkreis Spandau) Einwohner 1325“., abgerufen 1. Mai 2015
  3. Am 16. März 2008 eröffnete die Firma Siemens in Siemensstadt, Nonnendammallee, eine Güterbahn mit einer Streckenlänge von 20 Kilometern, die an die Güterbahn Spandau – Insel Eiswerder angeschlossen wurde.