Berlin-Wilmersdorf

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Wilmersdorf
Ortsteil von Berlin
Berlin Halensee Westend Grunewald Schmargendorf Wilmersdorf Charlottenburg Charlottenburg-NordWilmersdorf auf der Karte von Charlottenburg-Wilmersdorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 29′ 0″ N, 13° 19′ 0″ OKoordinaten: 52° 29′ 0″ N, 13° 19′ 0″ O
Höhe 43 m ü. NN
Fläche 7,16 km²
Einwohner 100.114 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte 13.982 Einwohner/km²
Postleitzahlen 10707, 10709, 10713, 10715, 10717, 10719, 10777, 14197
Ortsteilnummer 0402
Verwaltungsbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

Wilmersdorf ist ein Ortsteil im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin. Der historische Kern Alt-Wilmersdorf befindet sich an der Straße Wilhelmsaue. Bis zur Fusion mit dem ehemaligen Bezirk Charlottenburg im Jahr 2001 gab es einen eigenständigen Bezirk Wilmersdorf im Westteil von Berlin. Dieser umfasste die heutigen Ortsteile Halensee, Schmargendorf, Grunewald und den namensgebenden Ortsteil Wilmersdorf.

Geografische Lage und Stadtplanung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilmersdorf liegt auf der Hochfläche des Teltow im Südwesten des heutigen Berlins. Es grenzt im Norden an den Ortsteil Charlottenburg, im Westen an die Ortsteile Halensee und Schmargendorf, im Süden an die zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf gehörenden Ortsteile Steglitz (Breitenbachplatz und Südrand der Kreuznacher Straße) und Dahlem sowie im Osten an die zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg gehörenden Ortsteile Friedenau (am Rheingauviertel) und Schöneberg.

Zwischen dem Olivaer Platz und Cicerostraße bildet der Kurfürstendamm die Nordgrenze zum angrenzenden Ortsteil Charlottenburg, sodass die Hausnummern des Boulevards auf der südlichen Straßenseite auf dieser Höhe bereits zu Wilmersdorf gehören.

Die Wilmersdorfer Carstenn-Figur im heutigen Straßennetz

Als stadtplanerisches Zentrum des Ortsteils wurde ab 1870 die sogenannte Wilmersdorfer Carstenn-Figur von Johann Anton Wilhelm von Carstenn auf dem Gelände des ehemaligen Rittergutes Wilmersdorf angelegt.

Die Besonderheit der Carstenn-Figur zeichnet sich durch eine großzügig angelegte Mittelallee (zwischen 1872 und 1874 unter dem Namen Kaiserstraße angelegt, von 1874. bis 1950: Kaiserallee, ab 1950: Bundesallee) mit darauf zulaufenden Straßenzügen aus, die ihrerseits von vier symmetrischen Schmuckplätzen eingefangen werden, hier namentlich Nikolsburger Platz, Fasanenplatz, Nürnberger Platz und Prager Platz.

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurde die Bebauung der östliche Seite der Wilmersdorfer Carstenn-Figur stark beschädigt. Die Stadtplanung der 1960er Jahre mit dem autogerechten Ausbau von Bundesallee, Spichernstraße und des Nürnberger Platzes zerstörte außerdem das Bild eines geschlossenen, symmetrischen Ensembles, sodass die Figur heute selbst aus der Luft kaum noch erkennbar ist.

Deutlich weniger Zerstörungen erlitt der Bereich westlich der Bundesallee, sodass hier die alte städtebauliche Struktur wesentlich besser zu erkennen ist, Nikolsburger Platz und Fasanenplatz blieben als zentrale Schmuckplätze erhalten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siedlungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auenkirche mit dem ehemaligen Wilmersdorfer See um 1900

Die Gründung erfolgte vermutlich nach 1220 im Zuge des Landesausbaus der jungen Mark Brandenburg, zu deren Stabilisierung die askanischen Markgrafen Siedler ins Land riefen. Ein Dorf der slawischen Vorbevölkerung hat hier sehr wahrscheinlich nicht bestanden. 1293 wurde Wilmerstorff erstmals urkundlich erwähnt. Es befand sich im Besitz der Uradelsfamilie von Wilmersdorff.

Die Siedler aus Schwaben, Thüringen, Flandern und Westfalen lebten von der Landwirtschaft und vom Fischfang im Wilmersdorfer See, der zur eiszeitlichen glazialen Rinne der Grunewaldseenkette gehörte und 1915 nach langen Verlandungsprozessen zugeschüttet wurde. Nach wechselnden Besitzverhältnissen wurde Wilmersdorf zum landesfürstlichen Dominalgut, während Schmargendorf der Familie von Wilmersdorff zufiel. Ausgedehnte Schafzuchten standen lange im Mittelpunkt der Arbeit.

Millionenbauern in der Gründerzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte des 18. Jahrhunderts erwarben die ersten Berliner der rasant wachsenden Stadt Land und Bauernhäuser in „Deutsch-Wilmersdorf“ und richteten sich Sommersitze in der Wilhelmsaue ein, dem ursprünglichen Dorfkern, der heute zwischen Mehlitz- und Blissestraße liegt. Bodenspekulanten, Bauinvestoren sowie die auf Raum angewiesene Ringbahn kauften Mitte des 19. Jahrhunderts verschiedenen Großbauern ihre Felder ab, die dank des unerwarteten Geldsegens als „Millionenbauern“ in die Geschichte eingingen, wie die Familien Gieseler und Mehlitz.

Darunter auch Otto Schramm, der mit der Badeanstalt am Wilmersdorfer See und dem bekannten Tanzpalast Schramm den Ruf als Seebad Wilmersdorf begründete. Mit der Zuschüttung des Sees endete diese Ära, auf dem Seegelände entstanden Sportplätze, die in den 1920er Jahren in den Grünzug Volkspark Wilmersdorf einbezogen wurden. Dieser innerstädtische Grünzug in der ehemals sumpfigen Niederung (Fenn) reicht vom benachbarten Schöneberger Rudolph-Wilde-Park über den Fennsee bis zur Stadtautobahn. Auf dem Gelände der Badeanstalt wurde zwischen 1925 und 1928 nach Plänen des Architekten Jürgen Bachmann der sogenannte „Schrammblock“ erbaut. Die Wohnanlage mit einer der ersten unterirdischen Großgaragen, mit Hofterrassen und Vorgärten füllt das gesamte Viereck zwischen den Straßen Am Volkspark, Schrammstraße, Hildegardstraße und Livländische Straße in einem Gebäudezug.

Historischer Kern: Wilhelmsaue[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnblock „Am Schoelerpark“

Eine weitere Millionenbauernfamilie, die Familie Blisse (Namensgeber der Blissestraße), ermöglichte 1911 mit einer Stiftung über drei Millionen Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 17 Millionen Euro) den Bau eines Waisenhauses, das „Blissestift“ in der Wilhelmsaue. In dem historischen Gebäude sind heute verschiedene kommunale Einrichtungen untergebracht, unter anderem ein Schulhort und eine Ganztagsbetreuungseinrichtung.

Gleichfalls in der Wilhelmsaue liegt die Auenkirche aus den Jahren 1895 bis 1897. Das neugotische dreischiffige Backsteingebäude mit dem farbigen Christusmosaik über dem Eingangsportal stammt von Max Spitta und ersetzte die alte Wilmersdorfer Dorfkirche aus dem Jahr 1772, deren Vorgängerin dem Brand von 1766 zum Opfer fiel. In der Wilhelmsaue 126 liegt das älteste Haus von Wilmersdorf, das Schoeler-Schlösschen von 1752, das – wie der anschließende kleine Schoelerpark – den Namen seines letzten Bewohners, des Augenarztes und Medizinalrates Heinrich Schoeler (1844–1918) trägt.

Als Stadtteil zu Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert bürgerte sich für das Dorf die Bezeichnung Deutsch Wilmersdorf zur Unterscheidung von Märkisch Wilmersdorf und Wendisch Wilmersdorf ein. Am 1. April 1906 erhielt die Gemeinde Stadtrecht und den offiziellen Namen Deutsch-Wilmersdorf. Mit dem 1. April 1907 schied Deutsch-Wilmersdorf aus dem Kreis Teltow aus und wurde ein selbstständiger Stadtkreis. Der erste und einzige Bürgermeister und nach 1909 auch Oberbürgermeister war Ernst Habermann (1866–1958), der seit 1897 bereits das Amt des Gemeindevorstehers innegehabt hatte und später der Namensgeber des Habermannplatzes[1] wurde.

Ab 1912 führte die Stadt die Bezeichnung Berlin-Wilmersdorf. Zum 1. Oktober 1920 wurde die Großstadt als Wilmersdorf nach Groß-Berlin eingemeindet, sie hatte damals bereits 139.468 Einwohner.

Das jüdische Wilmersdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel am einstigen Standort der Synagoge Prinzregentenstraße

Der Bezirk hatte in der Zeit der Weimarer Republik einen starken jüdischen Bevölkerungsanteil, 1933 betrug er 13,5 %. Bei den Gymnasialschülern waren 30 % jüdischen Glaubens, es gab fünf jüdische Privatschulen. Viele bekannte Künstler und Schriftsteller wohnten in Wilmersdorf, unter anderen George Grosz, Egon Erwin Kisch, Heinrich Mann, Anna Seghers und Arnold Zweig. An den 1922 in der Koenigsallee in Grunewald von Rechtsradikalen ermordeten Reichsaußenminister Walter Rathenau erinnert dort ein Gedenkstein. Die jüdische Gemeinde hielt ihre Gottesdienste zunächst in Privatsynagogen ab, 1929 wurde in der Prinzregentenstraße eine große Gemeindesynagoge errichtet, die für 2300 Besucher Platz bot. Das Gebäude wurde in der sogenannten „Reichspogromnacht“ vom 9. zum 10. November 1938 von SA-Trupps teilweise zerstört, die Reste des Gebäudes wurden 1958 abgetragen. An den heute hier befindlichen Wohnhäusern erinnert eine Gedenktafel an die Wilmersdorfer Synagoge.

Im Jahr 2007 wurde in der Münsterschen Straße für die wachsende jüdische Gemeinde das Jüdische Bildungszentrum Chabad eröffnet, das neben einem Kindergarten, einer Schule und einem koscheren Restaurant auch eine Synagoge beherbergt.

Gemeindevorsteher/Bürgermeister von Wilmersdorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitraum Name
1875–1877 Westhoff
1877–1886 Robert Heinrich Eduard Wegener
1886–1892 Karl August Bernhard Güntzel
1892–1897 Friedrich Wilhelm Karl Stork
1897–1921 Ernst Habermann (ab 1906 Bürgermeister, ab 1909 Oberbürgermeister)

Quelle: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf[2]

Viertel und Stadtquartiere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteil Wilmersdorf mit ausgewählten Ortslagen

Ludwigkirchplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend um den Ludwigkirchplatz, zwischen Lietzenburger Straße im Norden und Hohenzollerndamm im Süden, mit der namensgebenden St. Ludwigskirche, ist geprägt von Gastronomie und der Nähe zum nahgelegenen Kurfürstendamm. Der Kiez ist vor allem die Ausgehgegend des Ortsteils, neben zahlreichen Restaurants gibt es viele Cafés, Bars und Einzelhandel.[3]

Östlich des Ludwigkirchplatzes, zwischen Fasanenplatz und Bundesallee, finden sich das Haus der Berliner Festspiele, die Bar Jeder Vernunft und die musische Fakultät der Universität der Künste.

Güntzelkiez[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend südlich des Hohenzollerndamms, zwischen Brandenburgischer Straße, Bundesallee und Berliner Straße, ist allgemein als Güntzelkiez bekannt, benannt nach der zentralen Güntzelstraße und dem angrenzenden gleichnamigen U-Bahnhof. Das Viertel ist geprägt durch mehrere gut erhaltenen Straßenzüge der Gründerzeit und den Schmuckplätzen Hohenzollernplatz und Nikolsburger Platz.[4]

Prager Platz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Prager Platz, östlich der Bundesallee, wurde 1870 als Schmuckplatz angelegt und war lange Zeit eines der kulturellen Zentren im Berliner Westen. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurde der Platz und die umliegende Gegend beinahe vollkommen zerstört und lag anschließend brach. Die ihn umschließenden Straßen und der nah gelegene Nürnberger Platz wurden in den 60er Jahren autogerecht ausgebaut, um die Zufahrt in die nördlich anschließende City West zu erleichtern. 1987, anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins, wurde der Platz unter ästhetischen Gesichtspunkten neugestaltet. Heute ist der Platz wieder ein belebtes Ortsteilzentrum mit Supermärkten, Restaurants, Cafés und einem Einkaufscenter. Er ist außerdem Erholungs- und Freizeitbereich für die umliegenden Wohnviertel.

Fehrbelliner Platz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend um den Fehrbelliner Platz war bis in die 1920er Jahre weitestgehend unbebaut. Im Norden des Platzes war 1904 der Preußenplatz angelegt worden, der in der Weimarer Republik zum Preußenpark umgestaltet wurde. Das dortige Wohnviertel wurde im Bauhausstil errichtet, die meisten Straßen wurden nach Provinzen des Deutschen Reiches benannt, wie die Sächsische Straße, die Pommersche Straße oder die Württembergische Straße. Weiter nördlich gelangt man zum Kurfürstendamm mit der Schaubühne am Lehniner Platz, der an dieser Stelle die Nordgrenze des Ortsteils bildet. Ebenfalls in den 1920er Jahren wurden erste Behördenbauten am Fehrbelliner Platz errichtet. Der gleichnamige U-Bahn-Anschluss war bereits 1913 eröffnet worden. Großangelegte Erweiterungen des Platzes erfolgten unter den Nationalsozialisten, zuletzt mit dem neuen Rathaus Wilmersdorf, das 1943 fertiggestellt wurde. In südlicher Nähe des Platzes befindet sich Deutschland älteste Moschee, die sogenannte Wilmersdorfer Moschee, die 1924 auf eine Initiative in Berlin lebender muslimischer Studenten errichtet wurde. Berlinweit bekannt und beliebt ist die sogenannte Thaiwiese im Preußenpark, ein allwöchentliches Picknick am Sonntag, bei dem Menschen ostasiatischer Abstammung aus ganz Berlin im Park zusammenkommen, um an improvisierten Verkaufsständen Gerichte aus ihren Herkunftsländern anzubieten.

Wilhelmsaue[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schoeler-Schlösschen ist das älteste erhaltene Gebäude in Wilmersdorf

Die Wilhelmsaue mit der Auenkirche und dem Schoeler-Schlösschen ist der alte Ortskern der ehemaligen Landgemeinde Wilmersdorf.

Nördlich zur Wilhelmsaue verläuft die Berliner Straße, die historische Verbindungsstraße zwischen Wilmersdorf und Alt-Berlin, bis heute eine der Hauptverkehrsadern des Ortsteils. Südlich der Wilhelmsaue liegt der Volkspark Wilmersdorf, an Stelle des ehemaligen Wilmersdorfer Sees, einst am Ortsrand der historischen Landgemeinde Wilmersdorf gelegen. In Folge der immer städtischer werdenden Umgebung des historischen Ortskerns, wurde der See 1915 aufgrund starker Verschmutzung und zunehmender Verlandung trocken gelegt. Die Zeit überdauert hat hingegen der westlich an den Volkspark angrenzende Fennsee.

Bundesplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1950 wurden Kaiserplatz und Kaiserallee in Bundesplatz und Bundesallee umbenannt, um die Zugehörigkeit West-Berlins zu Bundesrepublik zu betonen. Um den Platz herum war ab 1888 das damals sogenannte Kaiserplatzviertel entstanden. Das Viertel war vor allem für großbürgerliches Wohnen mit geräumigen Etagenwohnungen angelegt worden, das in seiner damaligen Gestalt vor allem westlich des Bundesplatzes weitestgehend erhalten blieb. Anders der Bundesplatz selbst, der ebenso wie die Bundesallee, in den 1960er Jahren autogerecht umgestaltet wurde, was den ehemaligen parkähnlichen Charakter des Platzes weitestgehend verschwinden ließ. Bekanntheit erlangte das Viertel durch die Langzeitdokumentation Berlin – Ecke Bundesplatz, die ausgewählte Bewohner von 1986 bis ins Jahr 2012 filmisch auf ihrem Lebensweg begleitet und dabei ein Vierteljahrhundert Berliner Zeitgeschichte dokumentiert.

Rheingauviertel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rheingauviertel wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg als Landhauskolonie nach englischem Vorbild fertiggestellt und ist in dieser Gestalt bis heute beinahe unverändert erhalten. Die Straßen sind benannt nach Städten und Orten des Rheingaus und in den Motiven der Schmuckelemente an den Fassaden finden sich zahlreiche Andeutungen an den Weinbau in der namensgebenden Region. Um den zentralen Rüdesheimer Platz existiert eine bunte Mischung aus Gastronomie und Einzelhandel. In den Sommermonaten befindet sich auf dem Platz alljährlich der Rheingauer Weinbrunnen, bei dem wechselnde Weingüter aus dem Rheingau Sekt und Wein anbieten.

Für die New York Times ist die den Platz flankierende Rüdesheimer Straße eine der zwölf schönsten Straßen Europas.[5]

Künstlerkolonie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Süden des Rheingauviertels liegt die Künstlerkolonie, historisch bestehend aus drei groß angelegten Wohnblöcken im Bauhausstil. Die Siedlung wurde von der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (GDBA) und dem Schutzverbandes deutscher Schriftsteller ab 1927 errichtet und beherbergte in ihrer Geschichte zahlreiche Literaten und andere Kulturschaffende. Die Häuser sollten vor allem zweckmäßig sein und günstigen Wohnraum bieten und stellen so einen Kontrast zum großzügig angelegten Rheingauviertel im Norden oder den großbürgerlichen Straßenzügen des im Süden angrenzenden Steglitz. Gleichzeitig wurde das Konzept der „Gartenstadt“ des Rheingauviertels hier fortgesetzt. Auf Hinterhofbebauung wurde verzichtet, dafür wurden die Block-Innenbreiche als begrünte Höfe angelegt. Zentral in der Kolonie wurde der ebenfalls üppig begrünte Ludwig-Barnay-Platz, ehemals Laubenheimer Platz, als Begegnungszentrum für die Anwohner angelegt.

Ursprünglich war geplant einen vierten Wohnblock in Richtung Breitenbachplatz zu errichten. Dies wurde jedoch von den Nazis nach der „Machtergreifung“ unterbunden. Im März 1933 kam es zu Razzien und Verhaftungen, sowie Bücherverbrennungen von „kommunistischer und marxistischer“ Literatur durch die SA auf dem zentralen Lauenheimer Platz.[6] Nach dem Krieg wurde die Siedlung um weitere Wohnblöcke ergänzt, die jedoch vor allem der dringend benötigten Wohnraumbeschaffung der Nachkriegsjahre zugrunde lagen und nicht an das architektonische Konzept der Gartenstadt anschlossen.

Botschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ortsteil befinden sich Botschaften und diplomatische Vertretungen folgender Länder:

Park- und Gartenanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wilmersdorf liegen die U-Bahnhöfe der Linie U9

sowie die U-Bahnhöfe der Linie U3

Die Linie U7 kreuzt die Trassen der Linien U3 und U9 und hält in Wilmersdorf an folgenden U-Bahnhöfen:

Die S-Bahn-Züge der Ringbahnlinien S41, S42 und S46 halten an folgenden Wilmersdorfer Bahnhöfen:

Während der S-Bahnhof Berlin-Wilmersdorf seit dem Tag der Wiedereröffnung der südlichen Ringbahn am 17. Dezember 1993 wie der darunterliegende U-Bahnhof der Linie U9 nunmehr auch Bundesplatz heißt, wurde der an der Ortsteilgrenze zu Friedenau zwischen den S-Bahnhöfen Innsbrucker Platz und Bundesplatz gelegene Güterbahnhof Berlin-Wilmersdorf in den 1970er Jahren aufgegeben.

Individualverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine verkehrsreiche Verbindung durch Wilmersdorf ist das Teilstück der Stadtautobahn 100, das zwischen den Anschlussstellen 14 – Schmargendorf (vormals: Autobahnkreuz Wilmersdorf) und 17 – Innsbrucker Platz verläuft. An der Anschlussstelle 14 führt die ehemalige A 104 in Richtung Süden nach Steglitz. Sie ist auf einem Teilstück ein Zubringer der A 100 und an der Schlangenbader Straße mit Wohnhäusern überbaut. Weitere wichtige Verkehrsadern in Wilmersdorf sind

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sakralgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Moscheen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilmersdorfer Moschee (historisch: Berliner Moschee), die älteste existierende Moschee in Deutschland. 1924 an Stelle eines Vorgängerbaus von 1915 errichtet.

Synagogen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater und Spielstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höhere Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugendhilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1980 bis 2000 betrieb das Bezirksamt (Dezernent Jugend) die überregional bekannte Jugendberatung JOKER.

Stolpersteine (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel für Maria Gräfin von Maltzan in der Detmolder Straße 11
  • Maria Gräfin von Maltzan (1909–1997), war eine Widerstandskämpferin, Tierärztin und Buchautorin. In ihrer Wilmersdorfer Wohnung versteckte sie drei befreundete Juden, zum Teil über Tage hinweg in ihren Bettkästen, vor der Gestapo. Sie unterstützte außerdem Birger Forell bei der Fluchthilfe für jüdische Mitbürger, unter anderem bei der „Aktion Schwedenmöbel“, bei der Möbelstücke nach Schweden versandt wurden, in denen sich Verfolgte versteckt hielten. Im Hof ihres Wohnhauses richtete sie eine Suppenküche für Zwangsarbeiter ein, bis sie selbst in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs ausgebombt wurde. Nach dem Krieg arbeitete sie als Tierärztin in West-Berlin. Erst Jahrzehnte nach Kriegsende wurde ihr Engagement für die Verfolgten des NS-Regimes öffentlich. Der Staat Israel verlieh ihr daraufhin den Titel Gerechte unter den Völkern. Man kann davon ausgehen, dass sie maßgeblich an der Rettung von über 60 politisch oder rassisch Verfolgten beteiligt war.
  • Alexander Graf Stenbock-Fermor "Der rote Graf" (1902–1972), Schriftsteller und Widerstandskämpfer, lebte und arbeitete unter dem Pseudonym Peter Lorenz in der Künstlerkolonie

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausführliche Beiträge zu Wilmersdorf:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Wollschläger: Wilmersdorf in alter und neuer Zeit. Berlin 1968.
  • Udo Christoffel (Hrsg.): Berlin Wilmersdorf – Ein StadtTeilBuch. Kunstamt Wilmersdorf, Berlin 1981.
  • Udo Christoffel (Hrsg.): Berlin Wilmersdorf – Wilmersdorf, Schmargendorf, Kolonie und Forst Grunewald dargestellt im Kartenbild der Jahre von 1588 bis 1938. Kunstamt Wilmersdorf, Berlin 1983.
  • Udo Christoffel (Hrsg.): Berlin Wilmersdorf – In StadtAnsichten. Kunstamt Wilmersdorf, Berlin 1984.
  • Udo Christoffel (Hrsg.): Berlin Wilmersdorf – Die Jahre 1920 bis 1945. Wilhelm Möller, Berlin 1985, ISBN 3-9801001-1-1.
  • Rolf Lieberknecht, Karl-Heinz Metzger u. a.: Von der Wilhelmsaue zur Carstenn-Figur. 120 Jahre Stadtentwicklung in Wilmersdorf. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Berlin 1987.
  • Karl-Heinz Metzger: Wilmersdorf im Spiegel literarischer Texte vom 19. Jahrhundert bis 1933. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Berlin 1985.
  • Karl-Heinz Metzger: Kirchen, Moschee und Synagogen in Wilmersdorf. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Berlin 1986.
  • Karl-Heinz Metzger, Ulrich Dunker: Der Kurfürstendamm – Leben und Mythos des Boulevards in 100 Jahren deutscher Geschichte. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Berlin 1986, ISBN 3-924812-13-6.
  • Lilli Moritz: Die Dorfschule zu Wilmersdorf. Teil II: 1855–1886. In: Jahrbuch Der Bär von Berlin. Verein für die Geschichte Berlins, 13. Jahrgang, Berlin 1964.
  • Udo Christoffel (Hrsg.): Berlin Wilmersdorf – Die Juden – Leben und Leiden. Kunstamt Wilmersdorf, Berlin 1987.
  • Hans-Ulrich Kamke, Sigrid Stöckel, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Wilmersdorf. Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke. Band 11. Colloquium Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-7678-0721-1 (Veröffentlichung der Historischen Kommission zu Berlin).
  • Felicitas Bothe-von Richthofen: Widerstand in Wilmersdorf. Berlin 1993, ISBN 3-926082-03-8 (aus der Reihe Widerstand 1933–1945 der Gedenkstätte Deutscher Widerstand Berlin).
  • Udo Christoffel, Elke von der Lieth (Hrsg.): Berlin-Wilmersdorf – Verfolgung und Widerstand 1933 bis 1945. Bezirksamt Wilmersdorf von Berlin, Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1996, ISBN 3-922912-39-7.
  • Arbeitskreis Geschichte Wilmersdorf (Hrsg.): Bruchstücke – Wilmersdorf. OMNIS Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-933175-55-0.
  • Christian Simon: Wilmersdorf – Zwischen Idylle und Metropole. be.bra verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-8148-0210-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berlin-Wilmersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Stolpersteine in Berlin-Wilmersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Berlin/Wilmersdorf – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Habermannplatz. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  2. Bürgermeister und Bezirksbürgermeister
  3. Für Flaneure und Genießer: der Ludwigkirchplatz in Wilmersdorf. In: www.qiez.de. Abgerufen am 10. August 2016.
  4. Eve-Catherine Trieba: Der Güntzelkiez in Wilmersdorf gehört für uns zu den schönsten Vierteln Berlins. Abgerufen am 9. März 2017.
  5. Favorite Streets in 12 European Cities. In: The New York Times. 16. April 2015, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 10. August 2016]).
  6. Alexander Stenbock-Fermor: Der rote Graf. Baltischer Aristokrat, Weißgardist, Bergarbeiter, Widerstandskämpfer, Schriftsteller. 2. Auflage. Verlag der Nation, Berlin 1975, S. 312  ff.
  7. Marlene in Berlin | Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen. In: www.deutsche-kinemathek.de. Abgerufen am 9. August 2016.
  8. Prager Platz in Berlin Wilmersdorf. Sehenswürdigkeiten Berlin. Touristeninformationen Berlin Wilmersdorf. In: www.sehenswuerdigkeiten-berlin.de. Abgerufen am 9. August 2016.
  9. Kulturring in Berlin e. V.: Kulturführer-Berlin. In: kulturfuehrer-berlin.de. Abgerufen am 9. August 2016.
  10. Hans Magnus Enzensberger: Der kurze Sommer der Anarchie (1977), S. 75