Berliner Morgenpost

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Berliner Morgenpost
Berlinermorgenpostlogo.jpg
Beschreibung regionale Tageszeitung
Verlag Berliner Morgenpost GmbH[1]
Erstausgabe 20. September 1898
Erscheinungsweise täglich
Verkaufte Auflage
(IVW 3/2017, Mo–So)
79.934 Exemplare
Reichweite (MA 2017 II) 0,22 Mio. Leser
Chefredakteur Carsten Erdmann
Weblink morgenpost.de
Artikelarchiv Mai 2002 ff.
ZDB 749437-3

Die Berliner Morgenpost ist eine deutsche regionale Tageszeitung im Großraum Berlin. Sie wurde 1898 gegründet und gehört seit 2014 zur Funke Mediengruppe. Das Blatt erscheint täglich. Die verkaufte Auflage beträgt 79.934 Exemplare, ein Minus von 55,7 Prozent seit 1998.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Probeausgabe vom 19. September 1898

Ullstein Verlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Ausgabe erschien am 20. September 1898. Ihr Gründer und Verleger war Leopold Ullstein, unter dem die Berliner Morgenpost zu einer der größten Tageszeitung Deutschlands heranwuchs. 1899 hatte sie bereits rund 160.000 Abonnenten.[3]

Während in den 1920er Jahren fast alle Zeitungen einen klar erkennbaren Meinungsjournalismus betrieben, zeichneten sich die Redakteure der Berliner Morgenpost bis zum Ende der Weimarer Republik durch interpretativen Journalismus aus, bei welchem auf Neutralität und politische Ausgewogenheit geachtet wurde. Das Blatt erhielt während dieser Zeit einen ungeheuren Zulauf von Lesern und Anzeigenkunden. Nachweislich wechselten Tausende Abonnenten, wegen einer einseitigen Berichterstattung und zunehmenden Politisierung, insbesondere von der Berliner Volks-Zeitung, der Berliner Morgen-Zeitung sowie vom Berliner Tageblatt zu Ullstein, wodurch sich die Berliner Morgenpost mit einer exorbitanten Auflage von nachweislich 614.680 Exemplaren zur auflagenstärksten Zeitung in der Weimarer Republik entwickelte. Bis zuletzt praktizierten die Redakteure des Ullstein Verlags einen unparteiischen Journalismus.[4][5][6]

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde der Ullstein Verlag 1933 schrittweise „arisiert“ und 1937 in Deutscher Verlag umbenannt. Mehrere jüdische Mitarbeiter wurden entlassen, in die Emigration getrieben oder später in Konzentrationslager deportiert, wie beispielsweise Paul Hildebrandt (1870–1948) und Elise Münzer (1869–1942).[7] 1939 wurden die Berliner Morgen-Zeitung, 1943 die Berliner Allgemeine Zeitung und 1944 der Berliner Lokal-Anzeiger sowie die Berliner Volks-Zeitung mit der Berliner Morgenpost vereinigt.[8] Die Berliner Morgenpost blieb auch während der NS-Zeit eine der auflagenstärksten Zeitungen und zählte zu den wenigen, die bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs erschien. 1944 hatte sie eine Auflage von werktags 582.300 und sonntags 772.300 Exemplaren.[9]

Nach Kriegsende wurden 1945 alle deutschen Zeitungen vom Alliierten Kontrollrat verboten. Zeitungen ohne Lizenz blieben bis zur Gewährung der Pressefreiheit 1949 verboten. Im September 1952 erfolgte durch Rudolf Ullstein, einem Sohn des Verlagsgründers, eine Neugründung der Berliner Morgenpost, die im wiederhergestellten Ullstein Verlag erschien.

Springerpresse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 1950er Jahre geriet der Verlag in eine schwere Finanzkrise. Axel Springer erwarb 1956 eine 26-prozentige Beteiligung an der Ullstein AG. Der Kauf ging mit der Vereinbarung einher, Druck- und Vertriebskapazitäten der Häuser Ullstein und Springer verstärkt gemeinsam zu nutzen.[10] 1959 erwarb Axel Springer die Aktienmehrheit.

Im Mai 1959 wurde der Grundstein zum neuen Druck- und Verlagshaus inmitten des ehemaligen Berliner Zeitungsviertels gelegt. Die Bauarbeiten erfolgten seit dem 13. August 1961 unter den Augen von DDR-Grenzsoldaten hinter der in unmittelbarer Nachbarschaft errichteten Mauer. Schon Monate vor der offiziellen Einweihung des Axel-Springer-Hochhauses im Oktober 1966 zog die Redaktionen der Berliner Morgenpost vom Druckhaus Tempelhof in das neue Axel-Springer-Hochhaus.[11]

Werbetafel für die Berliner Morgenpost in Berlin

Mit der Übernahme Axel Springers verfolgte die Berliner Morgenpost fortan eine konservative und antikommunistische Richtung. Verlagsintern gab Springer vier Ziele vor, die alle Redakteure seiner Zeitungen in der Berichterstattung zu beachten und zu verfolgen hatten:

  1. Die Wiederherstellung der Deutschen Einheit.
  2. Die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen.
  3. Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus.
  4. Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.[12]

55 Jahre lang gehörte die Berliner Morgenpost zum Portfolio der Springerpresse. Ab 2006 legte der Verlag die Redaktionen der Berliner Morgenpost mit seiner bundesweit erscheinenden Tageszeitung Die Welt und deren Sonntagsausgabe Welt am Sonntag zusammen. In diese Gemeinschaftsredaktion wurde 2012 auch das Hamburger Abendblatt eingegliedert. Im Juli 2013 kündigte Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, den Verkauf regionaler Tageszeitungen an, weil sich der Konzern für die digitale Zukunft aufstellen wolle.[13]

Funke-Mediengruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Mai 2014 übertrug der Axel-Springer-Verlag die Zeitung an die Funke Mediengruppe. Im gleichen Jahr verlegte die Berliner Morgenpost ihren Sitz in eigene Räume am Kurfürstendamm.[14] Die Gemeinschaftsredaktion mit der Welt und Welt am Sonntag blieb bis zum 30. April 2015 erhalten. Seit September 2015 liefert die Funke Zentralredaktion GmbH die Inhalte für alle regionalen Zeitungen der Funke Mediengruppe. Diese Gemeinschaftsredaktion erstellt auch die regionalen und überregionalen Print- und Digitalinhalte der Berliner Morgenpost.[15]

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Berliner Morgenpost gehört zu den deutschen Tageszeitungen mit den größten Auflagenverlusten der vergangenen Jahre. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 55,7 Prozent gesunken.[16] Sie beträgt gegenwärtig 79.934 Exemplare.[17] Das entspricht einem Rückgang von 100.485 Stück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 62,2 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[18]


Chefredakteure seit 1952[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbeplakat von 1901, gestaltet von Edmund Edel
1952–1953 Wilhelm Schulze
1953–1959 Helmut Meyer Dietrich
1960–1972 Heinz Köster
1973–1976 Walter Brückmann
1976–1978 Werner Marquardt
1978–1981 Wolfgang Kryszohn
1981–1987 Johannes Otto
1988–1996 Bruno Waltert († 2017)
1996–1999 Peter Philipps
1999–2001 Herbert Wessels
2001–2002 Wolfram Weimer
2002–2004 Jan-Eric Peters
seit 2004 Carsten Erdmann

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelles Impressum
  2. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  3. Enderlein: Ullstein Chronik. 2011, S. 15.
  4. Karsten Schilling: Das zerstörte Erbe: Berliner Zeitungen der Weimarerer Republik im Portrait. Diss Norderstedt, 2011, S. 197–205.
  5. Werner Faulstich: Die Kultur der 30er und 40er Jahre. Fink Wilhelm Verlag, 2009, S. 155 f.
  6. Karl Schottenloher, Johannes Binkowski: Flugblatt und Zeitung: Von 1848 bis zur Gegenwart. Klinkhardt & Biermann, 1985, S. 116 f.
  7. Gerhard Fischer: 100 Jahre Berliner Morgenpost. In: Berlinische Monatsschrift, 9/1998, beim Luisenstädtischen Bildungsverein.
  8. Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
  9. David Oels: Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 70. Walter de Gruyter, 2015, S. 158.
  10. Enderlein: Ullstein Chronik 2011, S. 343.
  11. Enderlein: Ullstein Chronik 2011, S. 346.
  12. Axel Springer AG – 60 Jahre Axel-Springer-Haus Hamburg
  13. Harald Jähner: Verkauf der Berliner Morgenpost Springers Absprung in die digitale Zukunft. In: Berliner Zeitung, 25. Juli 2013.
  14. In eigener Sache. Funke Mediengruppe übernimmt die Berliner Morgenpost. In: Berliner Morgenpost, 25. Juli 2013.
  15. Homepage Funke Mediengruppe
  16. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  17. laut IVW, drittes Quartal 2017, Mo–So (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  18. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)