Berliner Stadtmauer

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Dieser Artikel behandelt die mittelalterliche Berliner Stadtmauer; siehe auch Berliner Festungsmauer (1650–1740), Berliner Zollmauer (1734–1870) und Berliner Mauer (1961–1990).
Die mittelalterliche Stadtmauer von Berlin und Cölln auf dem Memhardt-Plan (Nordosten oben)
Reste der Berliner Stadtmauer in der Littenstraße

Die Berliner Stadtmauer war ein Bauwerk im Mittelalter, das um die damalige Doppelstadt Berlin-Cölln herum, einschließlich mehrerer Stadttore in den Durchlässen, errichtet wurde.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Berliner Stadtmauer verlief östlich der Spree in etwa entlang der Waisenstraße, weiter parallel zur jetzigen Trasse der Stadtbahn bis zur Burgstraße im Norden. Auf Cöllner Gebiet folgte die Stadtmauer dem Südufer der Fischerinsel, der Friedrichsgracht bis hin zur Schleusenbrücke am Kupfergraben. Der weitere Verlauf auf der Spreeinsel ist weder durch archäologische Funde noch durch historische Pläne genau belegt; dieses Gebiet war bei der Entstehung des Memhardt-Plans bereits mit dem Berliner Stadtschloss überbaut.

Zwischen der Litten- und der Waisenstraße befinden sich noch Reste der alten Stadtmauer. Sie wurden vor dem Schleifen bewahrt, da sie als Begrenzungsmauer von Wohnhäusern dienten. Im Jahr 1948 wurde der Mauerrest gesichert und unter Denkmalschutz gestellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit ihrer Entstehung im 12. und 13. Jahrhundert schützten sich die Städte Berlin und Cölln zunächst durch Wälle, Palisadenzäune und Gräben vor äußeren Feinden. Beginnend etwa um 1250 kam eine befestigte, aus Feldsteinen bestehende, bis zu zwei Meter hohe Stadtmauer hinzu, wobei die Spree als Grenze zwischen den beiden Städten davon ausgespart blieb, sodass zwischen den Städten keine Mauer existierte.

Im 13. Jahrhundert wurde die Stadtmauer mit Ziegeln ausgebessert und auf bis zu fünf Meter erhöht. Zur Verteidigung dienten in unregelmäßigen Abständen eingebaute Schießscharten, Türme und Wieckhäuser. Im 15. Jahrhundert wurden zwei etwa 15 Meter breite Gräben um die Stadtmauer gezogen und zwischen ihnen ein bis zu zehn Meter breiter Erdwall aufgeschüttet.

Die Stadtmauer verfiel mit der Zeit, sie wurde im 17. Jahrhundert geschleift und durch eine neue Festungsanlage mit mehreren Bastionen ersetzt, die ein erweitertes Stadtgebiet umfasste und ihrerseits ab 1734 wieder geschleift wurde.

Tore der Stadtmauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlagerung der mittelalterlichen Tore zu Festungstoren 1 Spandauer Thor 2 Oderberger Thor → Georgentor Thor 3 Stralauer Thor 4 Köpenicker Thor 5 Gertaudenthor → Leipziger Thor 6 Neues Thor
Lage der ehemaligen mittelalterlichen Stadttore in der Gegenwart 1 Spandauer Thor 2 Georgentor Thor 3 Stralauer Thor 4 Köpenicker Thor 5 Gertaudenthor 6 Neues Thor

Die Berliner Stadtmauer besaß östlich der Spree, also auf der Berliner Seite, drei Tore:

Auf der Cöllner Seite westlich der Spree befanden sich:

In der ersten Stadterweiterung dem Friedrichswerder stand:

  • das „Neue Thor“ bzw. „Neustädtische Thor“ ungefähr in Höhe der heutigen Gebäude der Neuen Wache und des Zeughauses, 1683 kam anstatt des Gertraudenthors noch das
  • Leipziger Thor zwischen Neuem und Gertraudenthor hinzu.

Tore der Festungsanlage und Zollmauer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau der Berliner Festung[1] nach 1650 wurden die vier Tore (Spandauer, Stralauer, Köpenicker und Neues Thor) der Stadtmauer vor die Wallanlage verlegt und dort neu unter gleichem Namen erbaut. Auch für die beiden anderen entstand ein Neubau, allerdings mit veränderten Namen; aus dem Oderberger wurde das Georgen- und aus dem Gertrauden-Thor das Leipziger Thor. Wie die mittelalterlichen Stadtmauertore verschwanden auch bald die zweite Generation Berliner Tore, die Festungstore, völlig aus dem Stadtbild. Lediglich bestimmte Straßenzüge wie beispielsweise die Oberwallstraße oder Kurstraße sowie die Trasse der Stadtbahn zwischen Jannowitzbrücke und Museumsinsel erinnern mit ihrem Verlauf an die ehemaligen Schanzanlagen und ihre Tore. Während der Errichtung der wegen des rasanten Wachstums Berlins notwendig gewordenen Zoll- bzw. Akzisemauer ab 1734, kam es zum Neubau von weiteren Toren, teilweise bereits als repräsentative Bauwerke.

Durch die Stadterweiterung mit Dorotheen-, Friedrichstadt und weiterer Vorstädte sowie deren Eingemeindung nach Berlin, kam es von 1866 bis 1869[2] zu einem erneuten Abriss, diesmal der Zolltore. So wurden die Zollmauer und fast alle ihre Tore geschleift. Es folgte in höchst repräsentativer Form die vierte und letzte Generation Berliner Stadttore. Beispiele hierfür sind die von Carl Friedrich Schinkel entworfenen Potsdamer Torhäuser[3] und das Neue Thor, was nicht mit dem Neuen Thor an der alten Hundebrücke zu verwechseln ist. Aber auch diese Tore hatten keinen Bestand. Das einzige dieser Bauwerke, das nicht abgerissen wurde, ist das von Carl Gotthard Langhans entworfene Brandenburger Tor am Ende der Prachtstraße Unter den Linden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berliner Stadtmauern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Mittelalterliche Stadtmauer. In: Stadtentwicklung. Edition Luisenstadt, 2004, abgerufen am 12. Oktober 2016.
  • Memhardt-Plan. In: Stadtentwicklung. Edition Luisenstadt, 2004, abgerufen am 12. Oktober 2016.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Festungsanlage (Fortifikation)“ Veröffentlichungen von luise-berlin.de luise-berlin.de
  2. „Zoll- und Akzisemauer“ Veröffentlichungen von berlingeschichte.de berlingeschichte.de
  3. Tanja Berneburg: Der Potsdamer Platz als Metapher für Berlin. Berlin 1999. berneburg.de