Bern-Bethlehem

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Wappen von Bethlehem
Wappen von Bern
Bethlehem
Quartier von Bern
Karte von Bethlehem
Koordinaten 595975 / 199698Koordinaten: 46° 56′ 54″ N, 7° 23′ 9″ O; CH1903: 595975 / 199698
Höhe 554 m
Fläche 4,18 km²
Einwohner 13'854 (31. Dez. 2015)
Bevölkerungsdichte 3314 Einwohner/km²
BFS-Nr. 351032
Postleitzahl 3027
Stadtteil Bümpliz-Oberbottigen
Gäbelbach und Holenacker.
Flugaufnahme 1967

Bethlehem ist ein Quartier und ein statistischer Bezirk im Westen von Bern und gehört zum Stadtteil VI, Bümpliz-Oberbottigen. Es besteht zu einem Grossteil aus grossen Wohnblöcken (die ersten, die in der Schweiz gebaut wurden). Die bekanntesten Hochhaussiedlungen heissen Tscharnergut, Gäbelbach, Bethlehemacker und Holenacker. Da sie für die damalige Zeit wegweisend waren, sind einige der Gebäude heute geschützt, sie gelten als von denkmalpflegerischem Interesse.[1]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name «Bethlehem» als Ortsbezeichnung für diesen Teil von Bern ist bereits ab 1508 schriftlich belegt. Die Herkunft des Namens selbst lässt sich hingegen nicht länger nachvollziehen. Möglich ist, dass er auf religiöse Motivation und Bethlehem als Geburtsstätte Jesu zurückzuführen ist. Aus dem Jahr 1688 ist allerdings auch eine Umschreibung als „Bethelhem“ überliefert, womit die Bezeichnung von den Namen Berchtold („Berthel“) oder Bado („Badilo“, „Betilin“) abgeleitet sein könnte. Auch möglich ist, dass Bethlehem aufgrund armer Niedergelassener ursprünglich „Bettelheim“ hiess. In beiden Fällen hätte erst später eine Angleichung an den Namen des biblischen Orts stattgefunden.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bethlehem liegt im Westen der Stadt Bern. Im Norden wird Bethlehem durch den Grossen Bremgartenwald abgegrenzt, auf den die Eymatt folgt. Diese liegt südlich des Wohlensees, auf den wiederum Hinterkappelen folgt. Östlich von Bethlehem liegt das Quartier Neufeld, südöstlich der Stöckacker, südlich Bümpliz und südwestlich Oberbottigen. Im Westen – aber bereits direkt südlich des Quartierteils Gäbelbach – befindet sich der Entwicklungsschwerpunkt Brünnen mitsamt dem 2008 eröffneten Westside. Der Stadtbach fliesst teilweise durch Bethlehem.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 34,9 % Ausländeranteil bei 12'527 gemeldeten Einwohnern (Stand 2007[3]) hat dieser Stadtteil den höchsten aller Aussenquartiere der Stadt Bern. Die Bezirke «gelbes Quartier» (Zeitglockenturm bis Käfigturm) und «rotes Quartier» (Käfigturm bis Hirschengraben) des Stadtteils I: Innere Stadt verfügen jedoch mit 36,3 % bzw. 38,8 % über einen noch höheren Ausländeranteil. Mit 15'671 gemeldeten Einwohnern hat nur das angrenzende Bümpliz noch mehr Einwohner.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bethlehem ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Neben mehreren Hauptstrassenanschlüssen hat Bethlehem eine eigene Autobahnauffahrt der A1 namens Bern-Bethlehem. Bethlehem selbst wird durch die Bernmobil Tramlinie 8, sowie die Postautolinie 101 bedient. Zudem fahren donnerstags, freitags, samstags und sonntags in den frühen Morgenstunden mehrere Moonlinerlinien Richtung Bethlehem und weiter.

Mit dem Bau der Siedlung Brünnen (Westside) hat seit dem Jahr 2009 auch das Gebiet um den Gäbelbach seine eigene S-Bahn-Station. Zudem wird der Bahnhof Bümpliz Nord im Süden von Bethlehem von mehreren S-Bahn-Linien bedient.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landhaus «Fellerstock»[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der «Fellerstock», Nordwestansicht

Der «Fellerstock» ist ein vermutlich durch Viktor von Erlach (1648–1730) erbautes Landhaus inmitten der heutigen Grossüberbauung Fellergut. Während langer Zeit verblieb es im Besitz verschiedener Berner Patrizierfamilien. 1855 liess die damalige Besitzerin, Marie Ninet, das Herrschaftshaus und die Umgebung neu gestalten (Aufsetzen eines Geschosses, neues Walmdach, Anlage des englischen Gartens und zweier Alleen). 1877 erwarb Karl Feller-Sahli (1842–1905) das Landgut, was ihm den bis heute gebräuchlichen Namen «Fellerstock» einbrachte und in dessen Familienbesitz es bis 1968 bleiben sollte. In diesem Jahr ging es in den Besitz der Stadt Bern über. Diese wollte den Bau zuerst abbrechen und durch ein modernes Schulhaus ersetzen, musste ihn jedoch auf öffentlichen Druck hin und mithilfe eines finanziellen Beitrags der letzten Besitzerfamilie renovieren und die geplanten Schulräume in den Altbau integrieren.[4]

Reformierte Kirche und Kirchgemeindehaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reformierte Kirche Bern-Bethlehem mit Glockenturm (links) und Kirchgemeindehaus (rechts)

Die reformierte Kirche und das dazugehörige Kirchgemeindehaus wurden 1958–1960 durch den Architekten Werner Küenzi (1921–1997) als Teil der letzten Etappe der Siedlung Bethlehemacker I im Stil der Nachkriegsmoderne erstellt.

Siedlungen der Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bern-Bethlehem weist zusammen mit Bümpliz eine der bedeutendsten Architekturlandschaften der Nachkriegszeit der Schweiz auf.[5] Als Bern nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals über 100’000 Einwohner zählte, musste dringend neuer Wohnraum geschaffen werden, und so kauften Baukonsortien und die Stadt Bern viele der grossen bernburgerischen Landgüter im heutigen Stadtteil VI auf, um auf ihnen zuerst grosse Ein- und Mehrfamilienhausquartiere wie z. B. den Bethlehemacker[1] die Meienegg, später auch grossflächige Wohnüberbauungen wie z. B. das Tscharnergut oder den Gäbelbach, zu errichten.

Sonderpoststelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr in der (Vor-)Weihnachtszeit richtete die Post in Bern-Bethlehem eine Sonderpoststelle ein, bei der Briefe vor Ort mit einem Sonderpoststempel abgestempelt werden konnten. Nach der Schliessung des Weihnachtspostamts war die Sonderpoststelle während einer Woche im Dezember im Quartierzentrum Tscharnergut eingerichtet. Ende 2019 öffnet(e) auch diese zum letzten Mal; der Stempel ist aber weiterhin via Stempelservice der Post erhältlich: Weihnachtspost kann künftig in der normalen Postfiliale Bern-Bethlehem aufgegeben werden, gestempelt werden auch an "3027 Bethlehem" eingesandte Briefsendungen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anne-Catherine Schröter, Raphael Sollberger, Dieter Schnell, Michael von Allmen: Siedlungen der Nachkriegszeit in Bümpliz-Bethlehem, Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Nr. 1025. Bern 2018, ISBN 978-3-03797-350-9.
  • Quartierinventar Bethlehem 1994, bearbeitet von Gottfried Derendinger und Hans-Peter Ryser, Hrsg.: Denkmalpflege der Stadt Bern, Bern 1995.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bern-Bethlehem – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Suchfunktion der Stadt Bern für geschützte Bauten – bei „Suche nach Architekt:“ „ARGE Bethlehemacker“ eingeben
  2. Walter Heim: Herbergsuche in Bethlehem. In: Robert Wildhaber (Hrsg.): Schweizerisches Archiv für Volkskunde. Heft 1–2, 1974, S. 31ff. (e-periodica.ch [abgerufen am 9. Februar 2016]).
  3. Statistisches Jahrbuch der Stadt Bern – Berichtsjahr 2007 (PDF; 2,2 MB) S. 31.
  4. o. A.: Der Fellerstock. In: Quartierzeitung virtuell Bern Bümpliz Bethlehem. Abgerufen am 10. September 2019.
  5. Anne-Catherine Schröter, Raphael Sollberger, Dieter Schnell, Michael von Allmen: Siedlungen der Nachkriegszeit in Bümpliz-Bethlehem. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Nr. 1025. Bern 2018, ISBN 978-3-03797-350-9.