Bernard Haitink

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Bernard Haitink, 1984
Bernard Haitink nach einem Konzert mit dem London Symphony Orchestra, 2011
Bernard Haitink, 1959

Bernard Johan Herman Haitink, CH (* 4. März 1929 in Amsterdam) ist ein niederländischer Dirigent.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haitink ist der Sohn von Willem und Anna Haitink. Willem Haitink war ein Beamter, der schließlich als Leiter eines Elektrizitätswerks tätig war. Während der deutschen Besatzung wurde er zur Vergeltung eines Bombenanschlags auf eine Buchhandlung als eine von hundert Geiseln für mehrere Monate in einem deutschen Konzentrationslager inhaftiert. Die Mutter Anna hatte Glück, als sogenannte Halbjüdin die Nazi-Herrschaft zu überleben. Sie arbeitete für die Alliance française. Bernard Haitink wuchs mit einem älteren Bruder und einer Schwester auf.[1]

Bernard Haitink studierte in seiner Geburtsstadt am Konservatorium. Danach spielte er als Violinist in einer Reihe von Orchestern. 1954 und 1955 lernte er unter der Anleitung Ferdinand Leitners zu dirigieren. 1955 wurde er Zweiter Dirigent des Radio Filharmonisch Orkest (Niederländisches Radioorchester).

1956 war er für Carlo Maria Giulini beim Concertgebouw-Orchester eingesprungen, erhielt fortan zunächst einige Einladungen und führte das Orchester dann auf einer England-Tournee 1959. Nach dem plötzlichen Tod von Eduard van Beinum 1959 übertrug man Haitink das Amt des ersten Dirigenten. Internationalen Ruf erwarb sich Haitink 1961, als er zusammen mit Eugen Jochum zum gemeinsamen Chefdirigenten des Concertgebouw-Orchesters bestellt wurde. 1964, als Jochum das Amt aufgab, wurde er dessen alleiniger Chefdirigent und Künstlerischer Leiter.

1967 wurde er zum Ersten Dirigenten des London Philharmonic Orchestra ernannt, das er bis 1979 leitete. Zwischen 1978 und 1988 war Haitink musikalischer Leiter des Opernfestivals in Glyndebourne. Sein Vertrag mit dem Concertgebouw-Orchester wurde 1988 nicht mehr verlängert, was Haitink dem Orchester verübelte und daraufhin knapp fünf Jahre nicht mehr mit diesem auftrat.[2][3] 1999 ernannte ihn das Orchester aber zum Ehrendirigenten.

Von 1977 bis 1987 dirigierte Haitink jede Weihnachten das Concertgebouw-Orchester in den Kerstmatinees (Weihnachts-Matinees). Es wurden nur Werke von Gustav Mahler gespielt und die Konzerte international in der Eurovision übertragen.

Zwischen 1987 und 1998 hatte Haitink die musikalische Leitung des Royal Opera House in London inne, von 1995 bis 2004 war er außerdem erster Gastdirigent des Boston Symphony Orchestra. 2002 übernahm er den Posten des Chefdirigenten bei der Staatskapelle Dresden. Aufgrund von vermeintlichen Unstimmigkeiten bei der Wahl seines Nachfolgers gab Haitink seinen Posten 2004 vorzeitig auf. 2006 ernannte ihn das Chicago Symphony Orchestra zum Ersten Dirigenten, weil das Amt des Musikdirektors seit Daniel Barenboims Rückzug in diesem Jahr nicht mehr besetzt war.

Im Jahr 2008 erarbeitete Haitink mit dem Chamber Orchestra of Europe exklusiv für das Lucerne Festival einen Beethoven-Zyklus auf der Grundlage der neuen Kritischen Gesamtausgabe, 2010/2011 am selben Ort mit gleichem Klangkörper einen Zyklus mit den Orchesterwerken von Brahms.[4] Auch die Orchesterwerke von Schumann hat er seitdem in Luzern dirigiert. Außerdem gibt Haitink seit 2011 dort jährlich zum Oster-Festival Meisterkurse für junge Dirigenten.[5][6] Auch für 2019 sind im Kultur- und Kongresszentrum Luzern wieder mehrere Konzerte unter seiner Leitung geplant, unter anderem am 6. September ein Auftritt mit den Wiener Philharmonikern und Murray Perahia.[7]

Haitink war seit 1956 mit Marjolein Snijder verheiratet, mit der er drei Töchter und zwei Söhne hat. In den 1980er und 1990er Jahren folgten eine zweite Ehe mit einer Cellistin und eine dritte Ehe mit einer Geigerin. Seit 1994 ist er in vierter Ehe mit Patricia Bloomfield verheiratet, die im Royal Opera House Viola spielte, bevor sie Rechtsanwältin wurde.[1][8] Haitink lebt heute zusammen mit seiner Frau Patricia in Kastanienbaum LU am Vierwaldstättersee. In seiner dortigen Villa mit angebautem Konzertsaal[9] hat er gelegentlich Privatkonzerte veranstaltet.[10]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haitink dirigierte während seiner künstlerischen Laufbahn ein breites Repertoire. Unter seinen Plattenaufnahmen befinden sich unter anderem alle Symphonien von Ludwig van Beethoven (drei Zyklen, mit dem London Philharmonic, Concertgebouw- und London Symphony Orchestra), Robert Schumann, Johannes Brahms (drei Zyklen: Concertgebouw, Boston Symphony, London Symphony Orchestra), Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Anton Bruckner (viele mehrfach)[11], Gustav Mahler (bis auf die Achte mehrfach), Dmitri Schostakowitsch und die erste Gesamtaufnahme der Sinfonien Ralph Vaughan Williams' mit dem London Philharmonic. Außerdem begann Haitink mit seiner Tätigkeit an Opernhäusern auch Opern einzuspielen, unter anderem Richard Wagners kompletten Ring des Nibelungen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bernard Haitink – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Master of the House theguardian.com, 14. Oktober 2000.
  2. Anthologie des Royal Concertgebouw, klassik.com, 15. Mai 2007, (CD-Kritik von Egon Bezold.)
  3. Cultuurgids
  4. Peter Hagmann: Glück der Vollendung. Konzertkritik in der Neuen Zürcher Zeitung vom 27. August 2011, abgerufen am 27. August 2011.
  5. Bernard Haitink, Dirigent lucernefestival.ch, abgerufen am 18. Januar 2019.
  6. Vgl. Meisterkurse lucernefestival.ch, mit drei Videos von Haitinks Meisterkurs beim Oster-Festival 2012.
  7. Ankündigung des Konzerts am 6. September 2019 mit den Wiener Philharmonikern lucernefestival.ch
  8. 10 Facts about Bernard Haitink: Family life classicfm.com (Bild mit Haitink und Patricia Bloomfield).
  9. Klangfülle vor Alpenpanorama. deutschlandfunkkultur.de, 17. September 2007.
  10. Glückwunsch: Bernard Haitink 80, Dirigent. In: Die Welt, 4. März 2009.
  11. Auf dem Plattenprogramm der Philharmoniker: Alle Bruckner-Symphonien unter Haitink. In: Arbeiter-Zeitung. Wien 25. August 1971, S. 8 (arbeiter-zeitung.at – das offene Online-Archiv – Digitalisat).
  12. Die goldene Mahler-Medaille. gustav-mahler.org; abgerufen am 30. Oktober 2014
  13. / Echo-Klassik-Preisträger, abgerufen am 7. Oktober 2013.
  14. Bernard Haitink wird Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker. Artikel vom 14. März 2019, abgerufen am 14. März 2019.