Bernardo Rossellino

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Grabmal des Leonardo Bruni, gestaltet 1444 von B. Rossellino, Kirche S.Croce, Florenz

Bernardo Rossellino, eigentlich Bernardo di Matteo Gamberelli (* 1409 in Settignano; † 1464 in Florenz) war ein italienischer Bildhauer und Baumeister; der bei L.B. Alberti lernte und auch mitgearbeitet hat. Sein ältester Bruder war der italienische Maler Antonio Rossellino (1427-79), dessen Vater der Bildhauer Matteo di Domenico del Borra.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Florentiner Architekt wurde von 1433 bis 1435 in Arezzo für die Bruderschaft der Laici tätig, denen er ein Kloster errichtete. Ab 1.12.1451 war er als "Ingenieur des Palastes" am Bau des Petersdoms unter Papst Nikolaus V. beteiligt und gestaltete auch den Palazzo Venezia.

Seine Hauptwirkstätte war aber Florenz, wo er ab 1461 als Dombaumeister Bauprojekte und Dekorationsarbeiten ausführte. Seine wichtigste bildhauerische Arbeit ist das dortige Grabmal von Leonardo Bruni in der Kirche von Santa Croce (1444–50), dessen Konzeption als Wandnischengrab für anderer Künstler bis zum Ende des 15. Jh's hinaus zum Vorbild für Grabdenkmäler wurde. Hier werden in besonderer und neuartiger Weise architektonische Grundformen mit skulpturalen Elementen verbunden. Die Füllung der Lünette (Bogenfeld mit Madonnendarstellung), das Tondo (Halbrelief im Kreis) flankiert von Engeln und die beidseitig aufgestellten antikisierenden Säulen sind ein immer wiederkehrendes Grundschema im Aufbau der Grabstätte.

Als Architekt setzte er zunächst Leon Battista Albertis Projekt für den Palazzo Rucellai (1446–51) fort, dessen Innenhof er entwarf. Im heutigen Pienza, einem ländlichen Ort südlich von Siena, plante und baute er für den Geburtsort des Humanisten Enea Silvio Piccolomini und späteren Papst Pius II (1458-64) ab 1460 die Umwandlung der mittelalterlichen Stadt, die damals noch Corsignano hieß. Diese sollte in Form einer moderne Stadtanlage die städtebaulichen Ideale der Zeit aufgreifen und den neuen Ideen eines wohlgeordneten und idealen Gemeinwesens mehr entsprechen. Dabei spielt der Platz als zentraler Punkt für Begegnungen und Handel eine bedeutsame Rolle.

Der Baumeister zählt auch die Hauptkirche von Pienza (S.Maria Assunta) zu seinen Bauprojekten, die nach außen hin Albertis Fassadenschema trägt und im Inneren dem Konzept der Hallenkirchen verpflichtet war. Der für den Papst erbaute Palazzo Piccolomini, der nach 1459 gefertigt wurde, weist Ähnlichkeiten mit dem Palazzo Rucellai in Florenz auf und stammt ebenso aus seiner Hand wie der Palazzo Publico in Pienza [1].

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anne Markham Schulz: The Sculpture of Bernardo Rossellino and His Workshop, Princeton 1975
  • Andreas Tönnesmann: Pienza - Städtebau und Humanismus, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 2013, ISBN 978-3-8031-2717-4.
  • Andreas Tönnesmann: Lob der Baukosten, in: Die Freiheit des Betrachtens. Schriften zu Architektur, Kunst und Literatur. gta Verlag, Zürich 2013, ISBN 978-3-85676-323-7.
  • Giorgio Vasari: Das Leben des Giuliano da Maiano, Antonio und Bernardo Rossellino, Desiderio da Settignano und Benedetto da Maiano. Neu ins Deutsche übersetzt von Victoria Lorini. Hrsg., kommentiert von eingeleitet von Sabine Feser und Christina Irlenbusch. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2012, ISBN 978-3-8031-5057-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bernardo Rossellino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Tönnesmann: Pienza. Städtebau und Humanismus. Klaus Wagenbach, Berlin 2013.