Bernd Drücke

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Bernd Drücke 2012

Bernd Drücke (* 24. Dezember 1965 in Unna) ist ein deutscher Soziologe und Redakteur der anarchopazifistischen Zeitschrift Graswurzelrevolution.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1980er Jahre begann Drücke an Demonstrationen unter anderem der Friedensbewegung teilzunehmen. Er engagierte sich als Schüler in „Dritte Welt“-, Theater- und Friedensgruppen, sowie als Jahrgangsstufensprecher, Schülervertreter und Schülerzeitungsredakteur. Nachdem er 1986 das Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium Unna abgelegt hatte, zog er nach Münster und studierte dort Soziologie, Politikwissenschaft und Pädagogik. Er wurde auf die Zeitschrift Graswurzelrevolution aufmerksam und las sie regelmäßig. Er war Produzent und Herausgeber verschiedener Alternativzeitschriften und des Atomkraft-Nein!-Kalenders, Fachschaftsmitglied, Mitgründer der seit 1989 aktiven Gruppe WigA (Widerstand gegen Atomanlagen), 1992 Mitgründer eines Infoladens, 1995 Gründer einer Initiative für eine Freie Kinderschule in Münster, 2004 Mitgründer des Münsteraner Umweltzentrum-Archiv e.V. und seit 2010 Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung preiswerten Wohnraums e.V. (VzEpW Münster).

Bernd Drücke auf der Libertären Medienmesse (LiMesse) 2014

Mit einer Dissertation über „Libertäre Presse in Ost- und Westdeutschland“ promovierte Drücke 1998 bei Christian Sigrist an der Westfälischen Wilhelms-Universität summa cum laude zum Dr. phil.[1] Drücke war bis 2003 Lehrbeauftragter an der Uni Münster. Seit November 1998 ist er presserechtlich verantwortlicher Koordinationsredakteur der Graswurzelrevolution. 2007 war er als Mitglied des Umweltzentrum-Archiv-Vereins gemeinsam mit der Künstlerin Silke Wagner Realisator des Projekts Münsters Geschichte von unten im Rahmen der „Skulptur.Projekte Münster 07“. Als Sprecher des "Freundeskreis Paul Wulf" setzte er sich ab 2007 erfolgreich unter anderem für den Erhalt der von Silke Wagner und ihm entwickelten Paul Wulf-Skulptur und für die Umbenennung des nach einem NS-Arzt benannten Jöttenwegs in Paul-Wulf-Weg ein. Seit 2013 erinnert ein zuvor ebenfalls von Drücke beantragtes Schild am Paul Wulf-Weg sowohl an den NS-Eugeniker Karl Wilhelm Jötten, als auch an den 1938 von den Nazis zwangssterilisierten Anarchisten Paul Wulf. Zusammen mit Winfried Bettner von der Filmwerkstatt Münster und der Künstlerin Isabel Lipthay nominierte Bernd Drücke 2012 den Filmemacher Peter Lilienthal für die Carl-von-Ossietzky-Medaille und moderierte die Medaillenverleihung in Berlin.[2] Er ist als Autor und freiberuflicher Journalist tätig. Bernd Drücke hat zwei Kinder, lebt seit 1991 mit 60 Menschen in dem alternativen, selbstverwalteten Wohnprojekt Breul-Tibusstraße[3] in Münster und arbeitet dort beim „Umweltzentrum Archiv“.

Denken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Drücke unterstützt die Vision einer gewaltfreien und anarchistischen Gesellschaft. Ein Schlüsselerlebnis schildert er wie folgt:

„Ein großer Mann vom Typ ‚Faschohaft auftretender Schläger‘ klaute mir zusammen mit einem anderen im Park die Mütze vom Kopf. Ich ging daraufhin zu ihm und sagte, von Gandhi infiziert, ruhig, aber nachdrücklich: ‚Gib mir bitte die Mütze zurück, die gehört meiner Mutter, und ich brauche sie.‘ Daraufhin schlug er mir mit voller Wucht in den Magen. Nach außen hin unbeeindruckt wiederholte ich kurz darauf, immer noch freundlich, meinen Appell, woraufhin er genauso reagierte, wie beim ersten Mal. Als ich dann zum dritten Mal äußerlich gelassen mein Anliegen äußerte, wurde ich nicht mehr geschlagen. Er gab mir die Mütze zurück und entschuldigte sich.“

Interview aus: Bernd Drücke (Hrsg.): ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert.[4]

Er bezog sich früh auf Martin Luther King, Henry David Thoreau, Kurt Tucholsky, Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Gernot Jochheim und den libertären Antimilitaristen Ernst Friedrich. Drücke lehnt Gewalt gegen Personen, auch als indirekte Folge von Sabotageaktionen, strikt ab.

Er stimmt mit der ursprünglichen Richtung der Zeitschrift überein, deren Intention er mit der Äußerung beschreibt, „dass der Anarchismus gewaltfrei und die gewaltfreie Bewegung anarchistisch werden sollte. Die Zeitung war damals wie heute auch ein Sprachrohr antimilitaristischer Bewegungen und totaler Kriegsdienstverweigerer, die den Kriegsdienst, den Zivildienst und alle anderen Zwangsdienste ablehnen.“[4] Drückes Anliegen ist es, an libertäre Theoretiker zu erinnern.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwischen Schreibtisch und Straßenschlacht? Anarchismus und libertäre Presse in Ost- und Westdeutschland. Klemm, Ulm 1998, ISBN 3-932577-05-1.
  • Serxwebun! Gesellschaft, Kultur und Geschichte Kurdistans. Edition Blackbox, Bielefeld 1998.

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Thomas Oelschläger, Kerstin Enning: Ahaus. Das Buch zum Castor. Ulm 2000, ISBN 3932577167.
  • mit Luz Kerkeling, Martin Baxmeyer: Abel Paz und die Spanische Revolution. Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-936049-33-5.
  • Ja! Anarchismus! Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert. 20 Interviews und Gespräche. Berlin 2006, ISBN 3879563071.
  • mit Freundeskreis Paul Wulf: Lebensunwert? Paul Wulf und Paul Brune. NS-Psychiatrie, Zwangssterilisierung und Widerstand. Verlag Graswurzelrevolution, Nettersheim 2007, ISBN 978-3-939045-05-2.
  • Anarchismus Hoch 2. Soziale Bewegung, Utopie, Realität, Zukunft, Karin Kramer Verlag, Berlin 2014, 240 Seiten, zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-87956-375-3
  • Anarchismus Hoch 3. Utopie, Theorie, Praxis. unrast-Verlag, Münster 2016, 252 Seiten, 22 Abbildungen, ISBN 978-3-89771-219-5

Buchbeiträge (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der diskrete Charme von Hausstaubmilben und Anarchie. Geschichte, Blüte und Scheitern des Münsteraner Umweltzentrum-Archivs, in: Jürgen Bacia/Cornelia Wenzel, Bewegung bewahren. Freie Archive und die Geschichte von unten, Verlag der Jugendkulturen, Berlin 2013. ISBN 978-3-943774-18-4
  • Anarchist and Libertarian Media, 1945–2010 (Federal Germany), in: John D. H. Downing Editor, Southern Illinois University Carbondale, Encyclopedia of Social Movement Media, SAGE, Los Angeles, London, New Delhi, Singapore, Washington D.C., 2011
  • Anarchist and Libertarian Press, 1945–1990 (Eastern Germany)", in: Downing, Encyclopedia of Social Movement Media, SAGE, Los Angeles, London, New Delhi, Singapore, Washington D.C., 2011
  • Der Deutsche Herbst, der Mescalero und die Freiheit der Wissenschaft, in: Ulla Bracht (Hrsg.), Leben, Texte, Kontexte. Festschrift zum 66. Geburtstag von Dieter Keiner, Peter Lang Verlag, Frankfurt/M. 2006
  • 300 Ausgaben gelebte Utopie, in: Bernd Hüttner (Hg.), Verzeichnis der Alternativmedien 2006/2007 Zeitungen und Zeitschriften, AG SPAK Bücher, Neu-Ulm 2006
  • Anarchy in the Internet? The Libertarian Press Online, in: Maria Eichhorn: 1. Mai Film Medien Stadt – May Day Film Media City, Portikus-Verlag, Frankfurt/M. 2003
  • Was ist Macht? Was ist Herrschaft? Was ist Anarchie? Was ist libertär? – Ein soziologischer Klärungsversuch, in: Christine Idems, Matthias Schoormann (Hg.), Soziologie im Minenfeld. Zum 65. Geburtstag von Christian Sigrist, LIT-Verlag, Münster 2000
  • Der „Siegfrieden“ der NATO, in: Soziologie im Minenfeld, ebd.
  • Histoire du journal Graswurzelrevolution, in: Réfractions, Lyon 2000

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bernd Drücke – Sammlung von Bildern
  • Linksnet Texte bei Linksnet
  • Bernd Drücke. Porträt von Anne Hilger in der Zeitung Beobachternews, Stuttgart, 25. April 2014
  • Interview von Sören Weber (herrschaftsfrei.org) mit Bernd Drücke, geführt am 9. Oktober 2010 während der A-Woche Rostock
  • Anarchie. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert Vortrag von Bernd Drücke, gehalten am 8. November 2015 im Cum Laude (Humboldt-Universität) Berlin auf Youtube

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anne Hilger: Dafür stehe ich: Bernd Drücke. In: beobachternews.de. 25. April 2014; abgerufen am 15. Februar 2015.
  2. Filmwerkstatt Münster: Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille an Peter Lilienthal. In: Verleihung der Carl-von-Ossietzky-Medaille an Peter Lilienthal. Filmwerkstatt Münster, 9. Dezember 2012; abgerufen am 4. September 2016.
  3. Dr. Reinald Döbel: Breul und Tibusstraße Münster - Geschichte eines Wohnprojekts. Interview mit Dr. Bernd drücke. In: Breul und Tibusstraße Münster - Geschichte eines Wohnprojekts. Interview mit Bernd Drücke. Filmwerkstatt Münster, 10. Februar 2011; abgerufen am 4. September 2016.
  4. a b Interview aus: Bernd Drücke (Hrsg.): ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert. Interviews und Gespräche, Karin Kramer Verlag, Berlin 2006.