Bernd Maelicke

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Bernd Maelicke (* 26. April 1941) ist ein deutscher Jurist und Sozialwissenschaftler und seit 2005 Direktor des Deutschen Instituts für Sozialwirtschaft (DISW) und Honorarprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maelickes Vater arbeitete als Volkswirt beim Reichspropagandaministerium und meldete sich im März 1945 freiwillig an die Ostfront, wo er bald darauf zu Tode kam. Bernd Maelicke wuchs in den Nachkriegsjahren unter prekären Verhältnissen heran. Er hauste mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder in einem halbzerbombten Haus im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. 1948 wurde er zu seinem Großvater nach Göttingen abgegeben, dem es wirtschaftlich besser ging. Der Junge fühlte sich dort aber nicht wohl und verwahrloste zusehends. Als 12-jähriger nahm Bernd, der damals „Glatze“ genannt wurde, mit seiner Jugendgang in Göttingen an verschiedenen Raubüberfällen teil. In der Schule blieb er teilnahmslos. 1953 holte ihn seine Mutter wieder zu sich, nachdem sie erneut geheiratet hatte und an den Bodensee gezogen war. Die neue Familiensituation ermöglichte Bernd ein geregeltes Leben. Er konnte in Singen das Gymnasium besuchen, wurde Klassensprecher und machte Abitur.

Maelicke studierte von 1964 bis 1969 Rechtswissenschaften, Kriminologie, Volkswirtschaft und Politik an der Universität Freiburg. Er war studentisches Mitglied im Vorstand des Studentenwerkes und ist Mitbegründer der studentischen Krabbelstube und der Psychotherapeutischen Beratungsstelle der Universität. Seine beiden Staatsexamen legte er 1969 und 1973 ab, 1977 folgte seine Promotion „Entlassung und Resozialisierung“.

Von 1974 bis 1978 war Maelicke Leiter der bundeszentralen Fortbildungsakademie des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge in Frankfurt a.M. Von 1978 bis 1990 war er Direktor des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) in Frankfurt a.M.

Von 1990 bis 2005 leitete Maelicke als Ministerialdirigent im Ministerium für Justiz, Europa, Jugend und Frauen in Schleswig-Holstein die Abteilung „Strafvollzug, Soziale Dienste der Justiz, Straffälligenhilfe, Gnadenwesen“.

Er ist seit 2005 Gründungsdirektor des Deutschen Instituts für Sozialwirtschaft (DISW) in Lüneburg und lehrt an der dortigen Universität in den Fächern Sozialmanagement/ Sozialwirtschaft, Kriminologie, Strafvollzug.

Seine Schwerpunkte sind Innovationen in der Kriminal- und in der Sozialpolitik; Aus-, Fort- und Weiterbildung von Fach- und Führungskräften, Beratung von sozialen Dienstleistungsorganisationen, Coaching. Er war und ist Leiter zahlreicher nationaler und internationaler Innovationsprojekte.

Seit 1969 ist er ununterbrochen als Dozent in der Lehre an Fachschulen, Fachhochschulen, Universitäten und Weiterbildungsakademien in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig, ebenso als Referent auf Fachtagungen und Kongressen.

Maelicke hat über 200 Fachaufsätze und über 40 Fachbücher publiziert. Er ist Mitbegründer der Fachzeitschriften „Neue Kriminalpolitik“, „Sozialwirtschaft“, „Seniorenwirtschaft“ und der „Edition Sozialwirtschaft“. Von 2007 bis 2013 war er Redaktionsleiter der Zeitschrift für Strafvollzug und Straffälligenhilfe „Forum Strafvollzug“.

Das Deutsche Institut für Sozialwirtschaft (DISW) hat seinen Arbeitsschwerpunkt in Forschung und Entwicklung für öffentliche und private Auftraggeber der Sozialwirtschaft[1].

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Entlassung und Resozialisierung. Untersuchung zur Sozialarbeit mit Straffälligen. Müller, Juristischer Verlag, Heidelberg, Karlsruhe 1977, ISBN 3-8114-4677-0 (zugleich Dissertationsschrift).
  • Mit Renate Simmedinger: Sozialarbeit und Strafjustiz. Untersuchungen und Konzeptionen zur Reform der Straffälligenhilfe. Juventa-Verlag, Weinheim 1987, ISBN 3-7799-0472-1.
  • Ambulante Alternativen zum Jugendarrest und Jugendstrafvollzug. Deutscher Studien-Verlag, Weinheim 1988, ISBN 3-89271-097-X.
  • Führung und Zusammenarbeit. Nomos, Baden-Baden 2004, ISBN 3-8329-0343-7.
  • Herausgeber: Lexikon der Sozialwirtschaft. Nomos, Baden-Baden 2008, ISBN 978-3-8329-2511-6.
  • Das Knast-Dilemma. Wegsperren oder resozialisieren? Eine Streitschrift. C. Bertelsmann, München 2015, ISBN 978-3-570-10219-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. http://www.institut-sozialwirtschaft.de/
  2. Bundesverdienstkreuz für Professor Maelicke (Memento vom 17. Juni 2012 im Internet Archive)