Bernd Ulrich

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Bernd Ulrich, 2015.

Bernd Ulrich (* 1960 in Essen) ist ein deutscher Journalist. Er ist seit 2003 stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich verweigerte den Kriegsdienst, betätigte sich in der Friedensbewegung der neunzehnhundertachtziger Jahre und studierte Politikwissenschaft und Philosophie in Marburg[1] sowie Neue deutsche Literatur und Soziologie an der Universität Essen. Er schloss sein Studium als M.A. und Diplom-Politologe ab. Von 1984 bis 1988 schrieb Ulrich Artikel für die Zeitschrift Graswurzelrevolution.[2] Von 1988 bis 1990 war er Büroleiter beim Fraktionsvorstand der Grünen im Deutschen Bundestag.

Er arbeitete ab 1991 zunächst als freier Journalist unter anderem für die Frankfurter Rundschau, die taz und die FAZ. Von 1993 bis 1996 war er Parlamentskorrespondent der Wochenpost, ab 1997 arbeitete er für den Berliner Tagesspiegel, zuletzt als Leitender Redakteur. Am 1. April 2003 wurde er Leiter des Hauptstadtbüros der Zeit und gleichzeitig stellvertretender Chefredakteur. Vom 1. August 2007 bis zum 30. Juni 2019 war er Leiter des Politikressorts.

Für seinen Essay Wer sind wir heute? über das Bild der Deutschen im Ausland erhielt Ulrich den Henri-Nannen-Preis des Jahres 2013.[3]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sagt uns die Wahrheit! Was die Politiker verschweigen und warum (2015)

Ausgangspunkt sind Ulrichs Beobachtungen aus vielen Hintergrundgesprächen, dass Politiker vieles ungesagt lassen oder nicht thematisieren wollen. Das "neue Lebensgefühl der Politiker" sei von Umsturz, Unübersichtlichkeit und Bedrohung gekennzeichnet. Die Krisen seien zur Normalität geworden und ließen sich nicht mehr verdrängen oder beschönigen. Der "Strategie des Beschweigens" der Politiker, der Versuch ihre eigene Verunsicherung für sich zu behalten, um die Bevölkerung nicht aus ihrer Wohlstandsruhe aufzuschrecken, sei zum Scheitern verurteilt. Die multipolare und anarchistische Medienlandschaft mit ihrer Schwarmintelligenz verhindere zudem die frühere "paternalistische" Orientierung der Öffentlichkeit. Angesichts dieser Situation plädiert Ulrich für eine neue Kultur der Offenheit und eines furchtlosen Dialogs mit der Bevölkerung auf Augenhöhe.

Ulrich vermutet ein „journalistisches Eingebettetsein“ von Journalisten in eine „amerikanische Denkart der Außenpolitik“ durch die Mitwirkung in amerikanischen Thinktanks als Grund für an angebliche „Einseitigkeit und Gleichförmigkeit der Leitmedien“.

„Durch dieses journalistische Eingebettetsein hat die außenpolitische Debatte hierzulande zuweilen einen merkwürdigen amerikanischen Akzent, oft gewinnt man beim Lesen den Eindruck, als würde einem in Leitartikeln etwas beigebogen, als gäbe es Argumente hinter den Argumenten, fast glaubt man, eine Souffleur-Stimme zu hören. Das spüren auch jene, die von der Atlantik-Brücke gar nichts wissen, und das macht sie misstrauisch. Insofern sind auch die Journalisten in der Bringschuld, wenn es um einen neuen realistischen und ehrlichen Diskurs in der Außenpolitik geht und darum, Leservertrauen zurückzugewinnen: Sie müssen sich aus diesen Institutionen verabschieden.“[4]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Wofür Deutschland Krieg führen darf. Und muss: Eine Streitschrift schreibt Andreas Fanizadeh für die tageszeitung: „Doch vor allem die westliche Friedensbewegung vertrat einen prinzipiellen Pazifismus, da sie eine aktive deutsche Militärpolitik mit einer Wiederkehr des deutschen Faschismus gleichsetzte. Zeit-Redakteur Bernd Ulrich versucht nun in (...) Wofür Deutschland Krieg führen darf. Und muss diese bis heute wirkenden Debatten zu skizzieren.“[5]

Dieter Rulff rezensierte in der FAZ die Fischer-Biografie von Bernd Ulrich und Matthias Geis[6] und befand, dass diese Biografie Fischer besser gerecht werde als die vorangegangenen. Die beiden Autoren hätten die „Konstruktionsweise“ dieses Kunstwerks auf „kluge“ und „reiche“ Art beleuchtet. Nico Fried hob in seiner Rezension in der SZ die analytische Klarheit hervor, mit der Geis und Ulrich die Entwicklungslinien von Fischers erstaunlicher Karriere nachzeichneten.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2013: Henri-Nannen-Preis in der Kategorie "Essay"
  • 2015: Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie "Meinung/Leitartikel/Kommentar/Glosse"[8]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reporter-Workshop ’19: Vita.
  2. Lutz Hachmeister: Nervöse Zone. Politik und Journalismus in der Berliner Republik, Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2007 ISBN 9783421042286, S. 245
  3. Die Preisträger des Henri Nannen Preises 2013 (Memento des Originals vom 10. November 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.henri-nannen-preis.de
  4. Sagt uns die Wahrheit! Was die Politiker verschweigen und warum. Kiwi 1467, Köln 2015, ISBN 978-3-462-04857-5, S. 48
  5. Fanizadeh, Andreas: Was sagen, Mr. Minister? taz, 19. Oktober 2011, abgerufen am 28. März 2014.
  6. Matthias Geis, Bernd Ulrich: Der Unvollendete. Das Leben des Joschka Fischer, Alexander Fest Verlag, Berlin 2002
  7. Rezensionsnotiz bei Perlentaucher
  8. spiegel.de: Theodor-Wolff-Preis: Autoren von "Zeit", "FAS" und "SZ-Magazin" geehrt (abgerufen am 12. Mai 2015)