Berneburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Berneburg
Stadt Sontra
Koordinaten: 51° 3′ 34″ N, 9° 53′ 7″ O
Höhe: 248 (239–253) m
Fläche: 6,5 km²[1]
Einwohner: 251 (30. Jun. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 39 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1971
Postleitzahl: 36205
Vorwahl: 05653

Berneburg ist ein Stadtteil von Sontra im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird vom Bach Cornberger Wasser durchflossen, der in Ortsnähe in den Fluss Sontra mündet. Der Kirchberg grenzt an das Dorf. Berneburg liegt westlich des Kernortes Sontra. Am südlichen Ortsrand treffen sich die Bundesstraße 27 und die Landesstraße 3249.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berneburg ist auch durch die archäologisch bedeutsamen Funde von Knochen und Zähnen von Höhlenbären (Ursus spelaeus) sowie Höhlenlöwen (Panthera leo spelaea) bekannt.[2] Durch die Funde im Gipssteinbruch wurde belegt, dass diese Tiere in der jung-eiszeitlichen Tierwelt in Nord-Ost Hessen noch nicht ausgestorben waren.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berneburg, zu dem früher noch eine Obermühle und eine Untermühle zählten, wurde erstmals im Jahre 1254 als "Berndeburg" erwähnt. 1271 wird erstmals ein Pfarrer genannt. 1309 gehörte das Dorf zum Cyriakusstift in Eschwege. Im Jahre 1478 gab es schon eine Kapelle auf dem Kirchberg. Zur evangelischen Pfarrei gehörten um 1620 als Filialen die Orte Heyerode, Hornel, Mönchhosbach und Cornberg; 1872 war Berneburg evangelische Pfarrei der Klasse Sontra mit den Höfen Hübenthal und Metzlar, Filial Heyerode. 1864 tötete eine Wasserflut sieben Menschen und 1000 Stück Vieh.

Die bis dahin eigenständige Gemeinde Berneburg wurde zum 1. Juli 1971 im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis als Stadtteil nach Sontra eingegliedert.[4]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirche wurde 1743–47 von dem italienischen Baumeister Giovanni Ghezzy (1677–1746) erbaut, der zahlreiche Gebäude und Ausstattungen in Nordhessen plante und realisierte, u. a. die evangelischen Kirchen in Altenstädt, Bründersen, Friedwald, Ellingerode, Harmuthsachsen, Roßbach, Wendershausen, Niedergrenzebach und Wolfsanger. In den Kirchenneubau wurden Teile eines älteren Gotteshauses eingebaut. Dreiseitig umlaufende, doppelte Emporen prägen den Raum ebenso wie die Chorstände mit der zentral hinter dem Altar gesetzten Kanzel. Die Orgel wurde 1794 von Johann Wilhelm Schmerbach dem Mittleren (1765–1831) erbaut, der aus einer Familie von Orgelbauern stammte, die über fünf Generationen in Frieda arbeiteten. Er war der Enkel des ersten Orgelbauers seiner Familie, Conrad Schmerbach, und erbaute auch die Orgeln in den evangelischen Kirchen zu Konnefeld, Niederdünzebach, Orferode und Untergeis. Im Fußboden des Chores finden sich mehrere Grabsteine des 18. und 19. Jahrhunderts. Eine Glocke der ehemaligen Kapelle auf dem Kirchberg erklingt heute im Kirchturm dieser Kirche. Der neue – und erste – Taufstein der Kirche, gestaltet von Michael Possinger, wurde am 12. März 2011 in einem Gottesdienst der Gemeinde vorgestellt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfanger mit der Angerlinde und den Burgsitzen.

Der um 1750 angelegte Anger liegt am Fuße des Kirchbergs, im Kreuzungsbereich mehrerer Straßen. Auf dem kreisrunden ummauerten Platz steht eine rund 100-jährige Linde mit einer runden Bank um ihren Stamm. In unmittelbarer Nachbarschaft des Dorfangers stehen mehrere denkmalgeschützte Gebäude:

  • Die Gebäudegruppe der "Kemenate" mit dem kurz nach 1385 entstandenen fünfgeschossigem Wohnturm, dem auf das Jahr 1656 datiertem Wohnhaus und der um 1880 errichteten Scheune. Das heutige Wahrzeichen des Ortes war der frühere Adelshof der Herren von Berneburg und der Herren von Biedenfeld.
  • Haus Biehlweg 4 mit einem massiven Untergeschoss aus dem Ende des 16. Jahrhunderts und einem Fachwerkaufbau aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Der ehemalige Burgsitz der Herren von Hundelshausen wird als Dorfgemeinschaftshaus genutzt.
  • Das zweigeschossige Fachwerkhaus einer Hofanlage im Unterdorf 2 aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und
  • die evangelische Pfarrkirche, als sie in den Jahren 1743 bis 1747 erbaut wurde, musste der Anger verschoben werden.[5]

Als frühere Gerichts- und Versammlungsstätte ist der Anger aus orts- und sozialgeschichtlichen Gründen ein erhaltenswertes Kulturdenkmal.[6]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evangelische Kirche und ihre künstlerische Ausstattung.
  • Wohnturm Berneburg, ehem. Burg, 1386 erstmals genannt. Ein Fachwerkhaus wurde 1656 für Hans Ernst von Biedenfeld errichtet.
  • Ehemalige Gerichtsstätte mit Linde in einem runden Mauerring unweit der evangelischen Kirche.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Männergesangverein wurde 1884 gegründet, mit ihm sind die Namen der Lehrer Rüppel und Knierim eng verbunden.
  • Der Schützenverein Berneburg wurde 1970 gegründet und verfügt über einen eigenen Luftgewehrschießstand im Vereinslokal
  • 1992 gründete sich der FC Kalkofen Berneburg, mit den Sportarten Fußball und Mountainbiking.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Ackermann: Geschichtliches über die Dorfkirche in Berneburg, Sontra: Ev. Kirchengemeinde Berneburg, o. J. [1996]
  • Alfred Ackermann: Chronik der Ortschaft Berneburg, Gudensberg-Gleichen: Wartberg-Verl., 1991.
  • Heinrich Credé: Die Johanniskirche von Berneburg bei Sontra, in: Der evangelische Sonntagsbote für die Gemeinden der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Bd. 32 (1978), H. 18 vom 30. April 1978, S. 13.
  • Dehio-Vereinigung (Hg.): Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hessen I, München/Berlin 2008.
  • Anette Weber: Giovanni Ghezzy's barocke Dorfkirchen in der Landgrafschaft Hessen-Kassel, Marburg, Univ., FB Neuere Deutsche Literatur u. Kunstwissenschaften, Mag.-Arb., 1992.
  • Werner Wölbing (Hg.): Handbuch der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel 1994.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen, Marburg 1926.
  • Literatur über Berneburg in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berneburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Berneburg im Internetauftritt der Stadt Sontra, abgerufen im August 2018
  2. Thomas Keller, Anne Sander: Fossilführende Sedimente und Sinter einer Bärenhöhle im Bereich des eiszeitlichen Karsts Nordhessens. Abgerufen am 1. Januar 2014.
  3. Neue Funde. In: Hessen Archäologie. Abgerufen am 1. Januar 2014.
  4. Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Juni 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 28, S. 1117, Punkt 988; Abs. 28. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,0 MB]).
  5. Zitiert aus: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. - Kulturdenkmäler in Hessen. Werra-Meißner-Kreis I, Altkreis Eschwege. Peer Zietz in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand. Braunschweig, Wiesbaden: Vieweg. 1991. ISBN 3-528-06240-1. S. 379 f.
  6. Berneburg, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).