Berner Tagwacht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Berner Tagwacht
Beschreibung Schweizer Zeitung
Erstausgabe 1893
Einstellung 29. November 1997
Verkaufte Auflage
(HLS[1])
2'300 (1894) – 20'000 (1930er Jahre) Exemplare
Chefredaktoren Robert Grimm (1910er Jahre), Hermann Battaglia (bis 1970),[2] Richard Müller (1970–1996)[3][2]

Die Berner Tagwacht war eine Schweizer Zeitung.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Berner Tagwacht wurde 1893 gegründet, ursprünglich als Organ der Sozialdemokratischen Partei des Kantons Bern. Ab 1906 kam sie als Tageszeitung heraus.[1] Von 1909 bis 1918 „machte der Redaktor Robert Grimm aus ihr ein führendes Kampfblatt der Arbeiterschaft, das im Ersten Weltkrieg auch international Beachtung fand. Die Auflage betrug 1894 2'300 Exemplare und stieg in den 1930er Jahren auf rund 20'000.“[1]

Später wurde sie eine linke bzw. sozialdemokratische Berner Tageszeitung.

Ende der 1960er Jahre gehörten neben dem Chefredaktor der Berner Tagwacht, Hermann Battaglia, noch Herbert Hess („Herberteuse“)[4], Franz Welte und für Wirtschaftsfragen der spätere SP-Bundesrat Max Weber zur „verantwortlichen Redaktion“. Als Chefredaktor wurde Battaglia 1970 von Richard Müller abgelöst, der die Redaktion bis zur Einstellung der Zeitung 1996 leitete.[2][3]

In den 1970er Jahren schloss die Berner Tagwacht „Kooperationsverträge mit sozialdemokratischen Tageszeitungen anderer Kantone ab, so mit der Basler Arbeiter-Zeitung bis 1984 und mit dem Freien Aargauer bis 1987. Um ihr Überleben zu sichern, erliess sie Ende der 1980er Jahre Solidaritätsappelle an SP-Mitglieder und Gewerkschafter.“

1997 musste die Berner Tagwacht ihren Betrieb als Tageszeitung einstellen, v. a. aufgrund von marktstrategischen Nachteilen gegenüber den beiden anderen grossen Berner Tageszeitungen jener Zeit, der Berner Zeitung und der liberalen Tageszeitung Der Bund. Unter dem Titel Die Hauptstadt wurde danach versucht, eine linke Wochenzeitung in Bern zu begründen, diese überlebte aber nur ein halbes Jahr. Das Ende der Berner Tagwacht kam dem Ende einer sozialdemokratischen Tagespresse in der Schweiz gleich.

Ein Teilarchiv (1966 bis 1998) der Berner Tagwacht befindet sich im Schweizerischen Sozialarchiv.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Richard Kohli: 100 Jahre Berner Tagwacht. Vom Klassen- via Überlebenskampf zum Sprung in die «Postmoderne». Lizentiatsarbeit. Historisches Institut der Universität Bern, Bern 1992, OCLC 604851736.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ernst Bollinger: Berner Tagwacht im Historischen Lexikon der Schweiz
  2. a b c Sozialdemokratische Partei des Kantons Bern: Klassenkampf(rhetorik) und Reformpolitik: 100 Jahre SP Kanton Bern. H.E.P. Verlag, 2005, S. 259, ISBN 3033003958.
  3. a b Berner Tagwacht: Richard Müller verstorben. In: Werbewoche. 14. Juni 2013.
  4. Markus Jakob, Markus Rätz: Cafe du Commerce: eine Berner Kulturgeschichte. Gachnang & Springer, 2004, S. 39.
  5. Eintrag der Berner Tagwacht im Katalog des Schweizerischen Sozialarchivs.