Bernhard Kamnitzer

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Bernhard Kamnitzer (* 25. Oktober 1890 in Dirschau; † 15. Juli 1959 in New York City) war ein deutscher Rechtsanwalt, Landgerichtsrat und Senator für Finanzen in der Freien Stadt Danzig (1928–1931) im Senat Sahm III und Politiker (SPD und Sozialdemokratische Partei der Freien Stadt Danzig).[1]

Leben[Bearbeiten]

Kamnitzer studierte 1909 bis 1912 Jura an der Universität Danzig sowie an der Universität Königsberg (Preußen). Er wurde Soldat im Ersten Weltkrieg und wurde im August 1921 zum Landgerichtsrat gewählt. Kamnitzer war 1928 bis 1934 Repräsentant (Beisitzer) im Vorstand des Centralvereins Danziger Staatsbürger jüdischen Glaubens und zählte zu den Vertretern des liberalen Judentums.[2] Von 1924 bis 1929 war er für die Sozialdemokratische Partei der Freien Stadt Danzig Mitglied im Danziger Volkstag, ab 1928 parlamentarischer Senator und von 1929 bis 1930 hauptamtlicher Finanzsenator. Er bewirkte die Annullierung der Danziger Kriegsfolgelasten bei der Haager Schuldenkonferenz 1930.

Nach 1930 arbeitete als Rechtsanwalt in Danzig vor allem in Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten. Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung war er kurzfristig inhaftiert und erhielt ein Berufsverbot. Er emigrierte 1938 nach Großbritannien und später nach New York, USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg vertrat Kamnitzer Wiedergutmachungsansprüche jüdischer Danziger Bürger gegen die Bundesrepublik Deutschland und war Präsident der American Danzig Association.[3][4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Bd.1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München : Saur 1980, S. 346
  • Joseph Walk (Hrsg.), Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. hrsg. vom Leo Baeck Institute, Jerusalem. München: Saur, 1988 ISBN 3-598-10477-4, S. 182

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundesarchiv, Institut für Zeitgeschichte: Deutsches Reich 1933–1937, S.205.
  2. Samuel Echt: Die Geschichte der Juden in Danzig, Leer : Rautenberg, 1972, S. 281 f.
  3. Boris Schilmar: Der Europadiskurs im deutschen Exil 1933–1945, S.366.
  4. Leo Baeck Institute