Bernhard Müller (Abt)

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Bernhard Müller

Bernhard Müller (* 1557 in Ochsenhausen; † 18. Dezember 1630 in Rorschach) war Fürstabt des Klosters St. Gallen von 1594 bis 1630. Er war der Sohn von Brosi Müller und Magdalena Lutz.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernhard Müller besuchte vom 9. bis zum 16. Lebensjahr die Lateinschule im Kloster Ochsenhausen. 1574 kam er nach St. Gallen. Die Profess, also die Gelübde, abgelegt hat er am 17. Dezember 1576. Er studierte Syntax, Humaniora, Rhetorik und Philosophie von 1577 bis 1583 in Dillingen. Am 19. April 1582 wurde er Baccalaureus philosophiae, am 18. Juni 1583 Licentiatus und am 21. Juni desselben Jahres mit «summa cum laude» Magister artium liberalium. Er verfasste lateinische Gedichte. Ab 1583 war er Subdiakon in St. Gallen, Diakon und Priester 1584. Vier Jahre später, am 5. Mai 1588, wurde er in Dillingen zum Baccalaureus theologiae promoviert, am 11. Dezember 1589 zum Licentiatus und schliesslich am 26. Oktober 1593 – nach vorausgehender öffentlicher Disputation am Tag zuvor – zum Doctor theologiae. Dies berechtigte ihn zum Predigen in St. Gallen und in den Kollaturpfarreien, was er auch häufig tat. Als Dekan wurde er am 27. August 1594 zum Abt erkoren. Papst Clemens VIII. konfirmierte ihn am 12. Dezember 1594 in Rom. Es gab zuvor etliche Schwierigkeiten mit der Kurie. Die Benediktion erhielt er am 16. Oktober 1595 (Clemens VIII. erliess am 18. März 1595 eine Breve gegen Wahlkapitulationen, wie sie noch bei der Wahl Bernhards geschlossen worden waren). Im April 1595 nahm der neue Abt die Huldigung der Untertanen entgegen. Am 14. Juni 1595 bestätigte Kaiser Rudolf II. Abt Bernhard die Regalien.

Am 13. April 1630 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits zur Zeit seiner Einsetzung als Abt, genau am 13. Februar 1594, nahm Nuntius Portia eine Visitation in St. Gallen vor. Anschliessend versuchte er in einem Reformdekret, die Abstellung der noch vorhandenen Missstände zu erreichen.

1602 gründete Bernhard gemeinsam mit seinen Kollegen von Einsiedeln, Muri und Fischingen die Schweizerische Benediktinerkongregation.

Ab demselben Jahr machte St. Gallen Konstanz die geistliche Gerichtsbarkeit für die st.-gallischen Untertanenregionen und die Pfarreien in einem Prozess streitig. Am 1. März 1613 entschied die Römer Rota zugunsten von St. Gallen.

1613 wurde durch das Konkordat mit Konstanz das Offizialat St. Gallen geschaffen. Gleichzeitig wurden die Pfarreien des Abteigebiets von der kirchlichen Jurisdiktion des Konstanzer Bischofs befreit. So wurde ein P. Jodok Metzler erster Offizial der Fürstabtei St. Gallen, und zwar am 22. August 1614. Bernhard unternahm in seinem Amt als Abt regelmässig Visitationen in die Pfarreien, das erste Mal 1602 und danach 1612/13, 1615, 1618, 1621/22 und 1627.

Weil das Reichsgericht von Speyer den Verkauf von Neu-Ravensburg von 1586 für ungültig erklärt hatte, musste Bernhard die Besitzung am 16. Dezember 1608 für 22'000 Gulden von der Stadt Wangen zurückkaufen. Anschliessend liess er das abgebrannte Schloss wieder neu aufbauen.

1609 plante Abt Bernhard den Kauf der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg. Um den Kauf zu finanzieren, mussten Güter im Zürcher Gebiet verkauft werden. Papst Paul V. erlaubte dies am 25. Juni 1609. Er tat zwei weitere Käufe 1613 und 1621 für insgesamt 143'800 Gulden. Damit erwarb er u. a. die Herrschaft Ebringen im Breisgau, die bereits zuvor einmal st.-gallisch gewesen war. Auch das Dorf Norsingen gelangte unter seiner Herrschaft in st.-gallischen Besitz zurück.

1610 führte er das Leinwandgewerbe in Rorschach ein. Zu diesem Zwecke holte er Balthasar Hofmann von Konstanz nach Rorschach und schuf die nötigen Einrichtungen.

Er förderte die Reform verschiedener Klöster (u. a. Fulda und Engelberg), indem er St. Galler Konventualen als Administratoren entsandte.

Verschiedene kirchliche Bauten unternahm er ebenfalls; so musste das Kloster St. Johann, das 1626 abbrannte, im Toggenburg wieder errichtet werden – das zweite Mal bei Nesslau; die Otmarskirche in St. Gallen liess er erbauen (eingeweiht 1628), und drei Schlösser liess er renovieren.

Abt Bernhard schloss zudem Bündnisse und Soldverträge mit den europäischen Mächten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werner Vogler: Kurzbiographien der Äbte. In: Johannes Duft, Anton Gössi, Werner Vogler (Hrsg.): Die Abtei St. Gallen. St. Gallen 1986, ISBN 3-906616-15-0, S. 161–162.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VorgängerAmtNachfolger
Joachim OpserAbt von St. Gallen
1594–1630
Pius Reher