Bernhardin von Siena

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Bernhardin von Siena OFM (* 8. September 1380 in Massa Marittima; † 20. Mai 1444 in L’Aquila) ist ein italienischer Heiliger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde als Bernardino degli Albizzeschi in Massa Marittima geboren. Sein Vater war Tollo di Dino di Bando aus der seneser Familie degli Albizzeschi, seine Mutter hieß Nera di Bindi degli Avveduti. Im Alter von sechs Jahren wurde er Waise und verblieb bei seiner Tante Diana Avveduti in Massa Marittima, die 1391 verstarb. Danach zog er zu seinem Onkel Cristoforo degli Albizzeschi nach Siena.

Bernhardin machte sich 1400, als eine Pest in seiner Heimatstadt Siena wütete, durch aufopfernde Krankenpflege im Hospital Santa Maria della Scala verdient. Im Jahr 1402 trat er am 8. September (seinem Geburtstag) in den Franziskanerorden ein. Anfangs gehörte er dem Ordenszweig der Konventualen an. Dann wurde er Minderbruder der franziskanischen Reformbewegung der Observanten. Bei dieser spielte die konsequente Einhaltung des Armutsideals eine wichtige Rolle, welches von den Konventualen weniger streng ausgelegt wurde. Am 8. September 1403 legte er sein Armutsgelübde (Voto di povertà) ab, wiederum ein Jahr später und wieder an seinem Geburtstag wurde er Priester. Im gleichen Jahr wurde er Vorsteher des Convento del Colombaio in Seggiano. In Siena hielt er sich häufig in einer Einsiedelei auf dem Hügel Colle della Capriola auf, auf dem später die Basilica dell’Osservanza entstand. Bernhardin zog danach mit seinem Gefolge völlig mittellos von Stadt zu Stadt und lebte von der Wohltätigkeit der Leute.[1] Als Generalvikar war er für die Einführung und Durchsetzung der strikten Ordensregeln in mehr als 500 Klöstern verantwortlich.

In seinen Predigten verurteilte er als "soziale Sünden" Wucher, Gewalttätigkeit und Luxus und "betont die Würde des Menschen als Geschöpf Gottes"[2]. Er hatte einen bedeutenden Einfluss auf das religiös-politische Leben Italiens und wurde vielfach verleumdet. Seine Predigten und Abhandlungen waren "Gegenstand heftiger Kritik"[3]. Seine Predigten wurden unter den Päpsten Martin V. und Eugen IV. sowie auf dem Konzil von Basel als häretisch angeklagt (1426, 1431, 1438). Diese Klagen wurden jedoch immer zurückgewiesen. Er war der Lehrer von Johannes Capistranus.

Bernhardin starb 1444 und wurde 1450 heiliggesprochen. Sein Grab liegt nach seinem eigenen Wunsch in seiner letzten Wirkungsstätte L’Aquila. In der Geschichte der Predigt gilt er als einer der ausgezeichnetsten Vertreter der volksgemäßen Beredsamkeit.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Della confessione regole 12., 1494
  • S. Bernardini Senensis Ordinis Fratrum Minorum Opera Omnia iussu et auctoritate Rmi P. Pacifici M. Perantoni (et Sépinski, Augustinus). Studio et Cura PP. Collegii S. Bonaventurae ad fidem codicum edita. 9 Bände. Ad Claras Aquas, Ex Typographia Collegii S. Bonaventurae, Florenz 1950–1965.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Iris Origo: Der Heilige der Toskana. Leben und Zeit des Bernardino von Siena. Beck 1989.
  • Raoul Manselli: BERNARDINO da Siena, santo. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 9 (Berengario–Biagini), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1967.
  • Letizia Pellegrini (Hrsg.): Il processo di canonizzatione di Bernardino da Siena (1445–1450). (= Analecta Franciscana XVI). Grottaferrata 2009.
  • Gianmaria Polidoro: San Bernadino da Siena. Velar Editrice, Gorle 2008, ISBN 978-88-01-04094-4.
  • Bernhard Stasiewski: Der Heilige Bernardin von Siena. Untersuchungen über die Quellen seiner Biographen. Aschendorff, Münster (Westfalen), 1931.
  • Lothar Hardick OFM: Die Werke Bernhardins von Siena als Quelle der historischen Volkskunde. In: Historisches Jahrbuch 72 (1953), S. 3–12, jetzt auch in: Dieter Berg (Hrsg.): Spiritualität und Geschichte. Festgabe für Lothar Hardick OFM zu seinem 80. Geburtstag., Werl 1993, ISBN 3-87163-195-7, S. 119–128.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Hofer (Autor), Ottokar Bonmann (Bearb.): Johannes Kapistran. Ein Leben im Kampf um die Reform der Kirche. Neue Bearbeitung. Band 1, Verlag Kerle, Heidelberg 1964, S. 153.
  2. Gerda von Brockhusen: Bernardin von Siena., in: Peter Dinzelbacher (Hrsg.): Wörterbuch der Mystik. - Kröner, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-45601-X, S. 52 (53)
  3. Gerda von Brockhusen: Bernardin von Siena., in: Peter Dinzelbacher (Hrsg.): Wörterbuch der Mystik. - Kröner, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-45601-X, S. 52 (53)
  4. Vgl. dazu Giacomo V. Sabatelli: Zur neuen Edition der Werke Bernhardins von Siena OFM. in: Wissenschaft und Weisheit. 29 (1966), S. 52 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bernardino of Siena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien