Bertha Markheim

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Bertha Markheim, geb. Levy (* 2. März 1833 in dem damals zu Kurhessen gehörenden Rodenberg in der Nähe von Hannover; † 20. Januar 1919 in Berlin[1]) wurde durch ihre Korrespondenz mit Karl und Jenny Marx sowie Johannes Miquel bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bertha Levy war die Tochter des jüdischen Kaufmanns Simon Gumpert Levy († 1872) und seiner Frau Amalie geb. Coppel († 1893) und deren fünftes Kind. Ihr ältester Bruder Isaak, bekannt unter seinem Schriftstellernamen Julius Rodenberg,[2] beschrieb in seinen Memoiren seine Schwester als „eine Frau von ungewöhnlicher Schönheit und großen Geistesgaben“.[3]

Anfang der 1850er Jahre kam sie mit der revolutionären Arbeiterbewegung in Kontakt. Sie war zeitweilig die Verlobte des späteren preußischen Finanzministers Johannes Miquel, der damals Mitglied des Bundes der Kommunisten war, und reiste in dessen Auftrag 1854 nach London. Dort lernte sie die Familie Marx kennen[4] und trat in Briefwechsel mit Karl[5] und seiner Frau Jenny Marx.[6] Miquel und Bertha Levy trennten sich, weil ihre jüdischen Eltern eine Ehe mit einem Christen missbilligten,[7] hielten jedoch ihre Korrespondenz bis 1892 aufrecht.[8] Im April 1854 heiratete sie den Fuldaer Garnfabrikanten und jüdischen Kaufmann Joseph Markheim (* 18. März 1820 in Zwesten, Kreis Ziegenhain; † 20. Februar 1901 in Fulda).[9] Das Paar wohnte in der Schloßstraße 1 in Fulda. Joseph Markheim brachte vier Töchter mit in die Ehe,[10] eine gemeinsame Tochter des Ehepaars hieß Jenny.[11] Jenny Markheim wurde am 18. Juli 1859 in Fulda geboren und heiratete 1887 den Witwer und Tabakhändler Hermann Bonheim. Am 17. Oktober 1928 starb sie in Hamburg und ist auf dem jüdischen Friedhof in Hamburg-Ohlsdorf beerdigt.

Eine enge Freundschaft verband Bertha Markheim auch mit der Familie Louis und Gertrud Kugelmann, die ebenfalls mit Marx in Verbindung standen. Durch Bertha Markheim gelangte die erste überlieferte Fotografie von Karl Marx des Fotografen Richard Beard an Louis Kugelmann.[12] Im November 1864 schickte ihr Marx die „Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation“, das Gründungsdokument der Ersten Internationale.[13] Zum Tod von Karl Marx schrieb sie wie viele der Familie Marx nahestehende Personen einen Kondolenzbrief an Eleanor Marx.[14] Nach dem Tod ihres Mannes am 29. März 1902 zog Bertha Markheim nach Berlin-Grunewald.[15] Der letzte Eintrag im Berliner Adressbuch von 1919 lautet „Markheim, Bertha, Rentiere, Wilmersdorf, Hobrechtsstr. 6 III (Post Halensee)“.[16]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Meinem geliebten Bruder Julius Rodenberg zum 80. Geburtstag in Liebe und Freundschaft gewidmet von seiner treu ergebenen Schwester Bertha Markheim. 1831 – 26. Juni 1911. Leonhard Simion Nf., Berlin 1911

Briefe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Rodenberg: Erinnerungen aus der Jugendzeit. Autobiographie. Paetel, Berlin 1899
  • Julius Rodenberg: Aus der Kindheit. Erinnerungsblätter. Paetel, Berlin 1907
  • Heinrich Spiero: Julius Rodenberg, sein Leben und seine Werke. Paetel, Berlin 1921
  • Wilhelm Mommsen: Johannes Miquel. Erster Band. 1838–1866. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart / Berlin / Leipzig 1928
  • Walter Frank: Geist und Macht. Historisch-politische Aufsatze. Hamburg 1938
  • Bert Andréas: Briefe und Dokumente der Familie Marx aus den Jahren 1862–1873 nebst zwei unbekannten Aufsätzen von Friedrich Engels. In: Archiv für Sozialgeschichte. Bd. 2, Hannover 1962, S. 167–293. Auszüge einsehbar: Google Books
  • Lutz Schwerin von Krosigk: Jenny Marx: Liebe und Leid im Schatten von Karl Marx. Eine Biographie nach Briefen, Tagebuchern und anderen Dokumenten. Wuppertal 1975
  • Ihre Namen leben durch die Jahrhunderte fort. Kondolenzen und Nekrologe zum Tode von Karl Marx und Friedrich Engels. Dietz Verlag, Berlin 1983, S. 44
  • Der Bund der Kommunisten. Dokumente und Materialien. Band 3 1851-1852. Dietz Verlag, Berlin 1984
  • Annelise Thimme (Hrsg.): Friedrich Thimme. 1868-1938. Ein politischer Historiker, Publizist und Schriftsteller in seinen Briefen. Boppard am Rhein 1994
  • Roland Berbig, Josefine Kitzbichler (Hrsg.): Die Rundschau-Debatte 1877. Paul Lindaus Zeitschrift „Nord und Süd“ und Julius Rodenbergs „Deutsche Rundschau“. Dokumentation. Lang, Bern 1998, ISBN 3-906759-51-2, S. 103–105, 137–138, 150

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Standesamt Berlin III, Sterberegister Nr. 85/1919. Landesarchiv Berlin.
  2. Eva Rademacher: Julius Rodenberg (1831–1914). In: Der Bär von Berlin. Jahrbuch 1989/1990, Berlin/Bonn 1989, ISSN 0522-0033, S. 52.
  3. Archiv für Sozialgeschichte, Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.), Bd. 20, 1980, S. 171
  4. Karl Marx. Chronik seines Lebens in Einzeldaten. Moskau 1934, S. 222.
  5. Bertha Levy an Karl Marx. Ende Mai bis Anfang Juni 1854. Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung III. Bd. 7, S. 385 und 982.
  6. Karl Marx an Bertha Markheim 12. Oktober 1862 und 18. November 1862; Jenny Marx an Bertha Markheim (Ende 1862) und 28. Januar 1863, Bertha Markheim an Jenny Marx 7. Februar 1863; Jenny Marx an Bertha Markheim 12. Februar 1863, 6. Juli (1863) und 13. Oktober 1863. Siehe auch Die Briefe von Jenny Marx an Bertha Markheim in Bert Andréas, S. 173–183 und Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung III. Bd. 12 (im Druck).
  7. Bert Andréas, S. 117.
  8. Bertha Markheim an Johannes Miquel 30. August 1860. (Der Bund der Kommunisten. Bd. 3, Berlin 1984, S. 483; Wilhelm Mommsen: Johannes Miquel. Bd. 1, Berlin 1928; Bert Andréas, S. 117 sowie S. 45.)
  9. Michael Mott: Ein Mann, der viele Fragen offen lässt. Der jüdische Kaufmann Joseph Markheim war Mitbegründer der Turngemeinde Fulda 1848. In: Fuldaer Zeitung, 23. September 2009, S. 15.
  10. „Eine Gouvernante mosaischer Confession, die die Erziehung von vier Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren leiten und gründlichen Unterricht in den Realien, in der deutschen und französischen Sprache, so wie im Clavierspiel ertheilen kann, wird gesucht. ― Gutmüthigkeit und liebevolle Behandlung der Zöglinge ist ein Haupterforderniß. Weitere Auskunft auf portofreie Anfragen ertheilt Joseph Markheim in Fulda“. In: Allgemeine Zeitung des Judenthums, Leipzig, vom 8., 15. und 22. September 1855, books.google.de.
  11. „Ich hoffe von ganzem Herzen, daß Ihre kleine Jenny bald wieder genesen möge u. daß sie Ihnen heranblühen möge wie unser liebes Jennychen“. (Jenny Marx an Bertha Markheim [Ende 1862]. Bert Andréas, S. 174.)
  12. Franziska Kugelmann an das Marx-Engels-Archiv in Frankfurt, Wiesbaden 1. September 1929 (RGASPI, Moskau). Teilweise abgedruckt in: Κарл Μаркс Фридрих Энгельс. Собрание фотографий Москва 1976, S. 171
  13. Marx an Kugelmann 29. November. Marx-Engels-Gesamtausgabe. Abteilung III Band 13, S. 88.
  14. Bertha Markheim an Eleanor Marx 15. März 1883. (IISG D 3063). Vollständig gedruckt in: Ihre Namen leben durch die Jahrhunderte fort. Kondolenzen und Nekrologe zum Tode von Karl Marx und Friedrich Engels. Dietz Verlag, Berlin 1983, S. 44.
  15. Meldekarte Stadtarchiv Fulda.
  16. Markheim, Bertha, Rentiere. In: Berliner Adreßbuch, 1919, Teil 1, S. 1754. Heute: Storkwinkel.
  17. Ute Dietsch: Familienarchive und Nachlässe im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz. Ein Inventar. S. 157