Berthold-Gymnasium Freiburg

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Berthold-Gymnasium Freiburg
Bertholdgymnasium in der Hirzbergstraße von Süden, 2008
Schulform Gymnasium
Gründung 1250
Adresse

Hirzbergstraße 12

Ort Freiburg im Breisgau
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 47° 59′ 25,6″ N, 7° 52′ 30,1″ OKoordinaten: 47° 59′ 25,6″ N, 7° 52′ 30,1″ O
Träger Stadt Freiburg im Breisgau
Schüler ca. 500
Lehrkräfte ca. 50
Leitung Sybille Buske
Website www.berthold-gymnasium.de

Das Berthold-Gymnasium (kurz: BG) ist ein humanistisches Gymnasium in Freiburg im Breisgau.

Das Schulgebäude befindet sich östlich der Altstadt am Ufer der Dreisam und ist die älteste Schule der Stadt. Die auf Latein basierende Sprachenfolge Englisch, Französisch oder Griechisch weist auf die Tradition der Lateinschule und des späteren humanistischen Gymnasiums hin. Benannt wurde das Gymnasium nach mehreren Herzögen von Zähringen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude des Bertholdgymnasiums in der Bertoldstraße 1866–1944

1250 wird die Schule zum ersten Mal als Lateinschule erwähnt. Ab 1457 berechtigte der Schulabschluss dieser Schule zum Besuch der Universität. 1620 übernahmen die Jesuiten die Schule als Gymnasium Academicum. 1773 wurde nach dem Verbot der Jesuiten die Schule in eine „Normalschule“ umgewandelt, blieb aber Teil der Universität.

1792 wurde die Schule aus der Universität Freiburg ausgegliedert. Schulträger wurden die Benediktiner-Klöster des Breisgaus. 1807 erfolgte die Umwandlung in das staatliche „Großherzogliche Gymnasium zu Freiburg“. Danach war es für einige Zeit im Peterhof untergebracht.[1] Die Schule wurde im Jahr 1814 ein Humanistisches Gymnasium. 1904 war das „Berthold-Gymnasium“ mit 807 Schülern das größte humanistische Gymnasium im Großherzogtum Baden. Im gleichen Jahr wurde mit dem Friedrich-Gymnasium das zweite humanistische Gymnasium Freiburgs gegründet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schulgebäude in der Bertoldstr. 41 bei der Bombardierung Freiburgs am 27. November 1944 vollständig zerstört. Wegen des Totalen Krieges und Einsatz der Schüler für Schanzarbeiten am Westwall ruhte der Unterricht bereits seit den Sommerferien 1944. Erst nach Kriegsende, im Spätsommer 1945 nahm das aus dem Berthold-Gymnasium und dem Friedrich-Gymnasium zusammengelegte Freiburger Gymnasium den Unterricht wieder auf, nutzte dafür das nur teilweise beschädigte Gebäudes des Friedrich-Gymnasiums, musste es aber im Schichtbetrieb mit dem Droste-Hülshoff-Gymnasium teilen, das Schülerinnen vorbehalten war. 1958 war diese Phase mit dem Neubau des Schulgebäudes in der Hirzbergstraße 12 unter Hans Geiges und Helmut Phleps vom Städtischen Hochbauamt beendet.[2]

Relief am Haupteingang

Das Relief am Haupteingang, das Homer mit drei ihm lauschenden Jünglingen zeigt, stammt vom Freiburger Bildhauer Nikolaus Röslmeir (1901–1977), der auch den neuen Bertoldsbrunnen schuf.[2] Daneben findet sich ein Zitat aus dem 6. Gesang von Homers Ilias:[3]

„ΑΙΕΝ ΑΡΙΣΤΕΥΕΙΝ ΚΑΙ ΥΠΕΙΡΟΧΟΝ ΕΜΜΕΝΑΙ ΑΛΛΩΝ, ΜΗΔΕ ΓΕΝΟΣ ΠΑΤΕΡΩΝ ΑΙΣΧΥΝΕΜΕΝ
(Aien aristeuein kai hypeirochon emmenai allon mede genos pateron aischynemen – deutsch:
Immer der Beste sein und den anderen überlegen, aber dem Geschlecht der Väter keine Schande bereiten).“

Fachbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprachliche Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Berthold-Gymnasium betrachtet Latein als sprachliche Grundlage humanistischer Bildung. Als Leitfach wird Latein ab Klasse 5 unterrichtet, danach folgt Englisch ab Klasse 6. Alternativ kann Englisch ab Klasse 5 gewählt werden, anschließend folgt Latein ab Klasse 6. In der achten Klasse wählen die Schüler zwischen Altgriechisch und Französisch.

Schüler, die Griechisch gewählt haben, können ab Klasse 10 Französisch als spät beginnende Fremdsprache belegen. Damit haben sie die Möglichkeit, das Zertifikat Europäisches Gymnasium zu erwerben. Mit dem Zertifikat wird nachgewiesen, dass Latein und Griechisch in der Mittelstufe sowie eine klassische Sprache in Verbindung mit einer modernen Fremdsprache in der Kursstufe belegt wurden. Italienisch kann ab Klasse 10 als Arbeitsgemeinschaft und in der Kursstufe als Wahlfach belegt werden.

Naturwissenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am humanistischen Gymnasium ergänzen sich sprachliche und naturwissenschaftliche Bildung. Der neue Fächerverbund Biologie, Naturphänomene und Technik (BNT) in der 5. und 6. Klasse übernimmt eine Brückenfunktion zwischen dem integrierten Sachunterricht der Grundschule und den naturwissenschaftlichen Fächern des Gymnasiums ab Klasse 7. In der Mittelstufe folgen der Biologie-, Physik- und Chemieunterricht. In der Kursstufe werden die naturwissenschaftlichen Fächer in zwei- und vierstündigen Kursen angeboten.

Soziales und personalisiertes Lernen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Portfoliogesprächen reflektieren die Lernenden ihr Lern- und Sozialverhalten und erhalten dazu ein regelmäßiges Feedback. Das seit vielen Jahren bewährte Mentoring-Konzept beruht auf der Vertraulichkeit und Verbindlichkeit der getroffenen Vereinbarungen zwischen dem Schüler und seinem Lehrer. Damit werden die Kinder und Jugendlichen darin unterstützt, ihre ganz persönlichen Lernwege zu entdecken und motiviert ihre schulischen Ziele zu verfolgen.

Das Programm Lions-Quest unterstützt die Schülerinnen und Schüler der 5. bis 7. Klassen, ihr Selbstvertrauen und ihre kommunikativen Fähigkeiten zu stärken, Kontakte und Beziehungen aufzubauen und konstruktive Lösungen für Konflikte und Probleme von Heranwachsenden zu entwickeln. Im wöchtlichen Klassenrat werden demokratisches Miteinander und Partizipation gefördert. Der Klassenrat bietet ein Forum für Schülerinnen und Schüler, über ihre eigenen Anliegen zu beraten und zu entscheiden.

Die Schule hat ferner ein ausdifferenziertes Paten- und Schüler-Mentoren-System in den Bereichen Sport, Medien und Integration. Auf diese Weise übernehmen Schüler Verantwortung für andere Schüler und können sich in ihren Aufgaben bewähren.

Ästhetische Erziehung und Kreativität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ästhetische Erziehung hat einen hohen Stellenwert am humanistischen Gymnasium. Konzerte und Theateraufführungen sind Höhepunkte des Schuljahres. In der Bildenden Kunst entfalten die Lernenden ihre gestalterischen Ausdrucksmöglichkeiten. Die Ergebnisse werden in Dauer- und Wechselausstellungen im Schulhaus gezeigt.

Bereits im Mittelalter sangen Schüler der Lateinschule im Freiburger Münster; dieser Tradition verpflichtet, weist das Gymnasium dem musischen Bereich eine besondere Rolle zu. Ziel der Musikpädagogik ist es, die abendländische Musikkultur zu erschließen und eine praktische musikalische Ausbildung zu unterstützen. Musiziert wird im Klassenverband und in den Arbeitsgemeinschaften, im Chor, im Orchester und in der Big Band.

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die seit 2001 erscheinende Schülerzeitung BACKGROUND kam bei verschiedenen Schülerzeitungs-Wettbewerben der vergangenen Jahre jeweils auf einen der vorderen Plätze, zuletzt beim Wettbewerb der Bundesländer 2009 auf Platz 2 der Kategorie Gymnasium.
  • Das Schultheater des Gymnasiums existiert seit 1948 und führt seit 1988 regelmäßig ein bis drei Produktionen pro Schuljahr auf. Arbeiten der Theater-AGs wurden mehrfach ausgezeichnet:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bertholdgymnasium in der Hirzbergstraße, Nordseite an der Dreisam, 2008

Direktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1822–1826 Heinrich Schreiber (1793–1872)
  • 1863–1875 Wilhelm Furtwängler (1809–1875)
  • 1945–1954 Max Breithaupt (1888–1965)
  • 1954–1962 Joseph Klek (1895–1971)
  • 1962–1975 Bertold Ruff (* 1913)
  • 1975–1982 Josef Vogt (* 1926)
  • 1983–1994 Reinhard Dieterle (1932–2015)
  • 1994–2005 Michael Gugel
  • 2005–2013 Elisabeth Müller-Ahrem
  • seit 2013 Sybille Buske (* 1971)

Bekannte Lehrer und Professoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • K. Ritter und R. Thoma: Mittel- und Volksschulen. In: Badischer Architecten- und Ingenieur-Verein, Oberrheinischer Bezirk (Hrsg.): Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten. H. M. Poppen & Sohn, Freiburg im Breisgau 1898, S. 529–534 (Scan bei Wikisource).
  • Vereinigung ehemaliger Schüler des Berthold-Gymnasiums (Hrsg.): Das Freiburger Berthold-Gymnasium 1958. Festschrift. Freiburg im Breisgau 1958.
  • Josef Vogt, Erich Mayer, Bettina Wirth, Michael Gugel: Berthold-Gymnasium - 750 Jahre Lateinschule in Freiburg Festschrift , Selbstverlag, Freiburg 2000.
  • Thomas Zotz, Dieter Mertens, Dieter Speck, Wolfgang Günter: Berthold-Gymnasium: Die Anfänge der Freiburger Lateinschule bis zur Gründung der Universität 1457 / Die städtische Lateinschule von der Universitätsgründung bis zum Übergang an Baden / Vom Paedagogicum Academicum zum großherzoglichen Lyceum (1572–1806) / Das Berthold-Gymnasium zwischen 1807 und 1958, in: Zeitschrift des Breisgau-Geschichtsvereins „Schau-ins-Land“. 120, 2001, S. 145–208 (Digitalisat).
  • Peter Kalchthaler: Das "Schiff" an der Bertoldstraße, in: Badische Zeitung vom 30. Juni 2008, Zugriff am 9. Januar 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berthold-Gymnasium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Kempf: Die Kapelle des Peterhofes in: Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten, H. M. Poppen & Sohn, Freiburg im Breisgau 1898, S. 365.
  2. a b Peter Kalchthaler: Freiburg Süd: Harmonisch in herrlicher Landschaft, 28. Juli 2008, Zugriff am 6. Februar 2010
  3. Dieses Zitat ist auch Motto verschiedener Hochschulen aus dem englischsprachigen Raum, etwa der University of St Andrews in Schottland oder des Boston College in Massachusetts.
  4. Uwe Meves (Hrsg.): Regesten deutscher Minnesänger des 12. und 13. Jahrhunderts. De Gruyter, Berlin, New York 2005; Regest Nummer 12 und 14.
  5. Friedrich Kempf: Oeffentliche Brunnen und Denkmäler, in: Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten, H. M. Poppen & Sohn, Freiburg im Breisgau 1898, 489
  6. Friedrich von Weech (Hrsg.): Badische Biographieen, Band 1, 1875, S. 296.
  7. Friedrich von Weech: Baumstark, Anton. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 46, Duncker & Humblot, Leipzig 1902, S. 260–262.
  8. Gerhard Kaller: Speckle, Ignaz. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 10, Bautz, Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X, Sp. 894–896.
  9. Heinrich Schreiber: Literarisches Freiburg in: Freyburg im Breisgau mit seinen Umgebungen, Herder, Freiburg 1825, S. 388, Vorschau in der Google-Buchsuche
  10. Wilhelm von GümbelFromherz, Karl. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Duncker & Humblot, Leipzig 1878, S. 138 f.
  11. Friedrich von WeechReichlin-Meldegg, Karl Alexander Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 27, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 681 f.
  12. Karl WernerFeuerbach, Anselm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 48, Duncker & Humblot, Leipzig 1904, S. 524–533.
  13. Georg Hirth: Deutscher Parlaments-Almanach, Bd.: 14, Leipzig, 1881, S. 165 (Digitalisat)
  14. Friedrich LauchertSchill, Andreas. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 54, Duncker & Humblot, Leipzig 1908, S. 15 f.
  15. badische-zeitung.de: Hinterzarten: 100 Werke von Hermann Dischler zu sehen, 27. April 2010, Zugriff am 1. Mai 2010
  16. Christoph Schwingenstein: Karo, Georg. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 11, Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 280 f. (Digitalisat).
  17. Vgl. Biografie Eugen Fischers auf leo-bw.de. Das dort erwähnte "Großherzogliche Gymnasium Freiburg" ist das später so genannte "Berthold-Gymnasium".
  18. Steffen Rückl: Ludwig Armbruster – von den Nationalsozialisten 1934 zwangspensionierter Bienenkundler der Berliner Universität. Eine Dokumentation. Nr. 78/2007 Humboldt – Universität Berlin ISBN 978-3-86004-207-6, S. 40, Anlage 1.1
  19. Joachim S. Hohmann: Robert Ritter und die Erben der Kriminalbiologie. "Zigeunerforschung" im Nationalsozialismus. Peter Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 978-3-631-43984-5, S. 275.
  20. Würdigung Leo Teutsch (PDF; 28 kB), uni-heidelberg.de, abgerufen am 28. November 2013
  21. Vita. hhmaier.de, abgerufen am 11. Januar 2016.