Berufskletterschule

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Training der Berufskletterschule
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Eine Berufskletterschule ist eine Schule zur Aus- und Weiterbildung von Höhenarbeitern und Seiltechnikern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kletter-Einheit mit Manuel Marburger seilt sich bei der Kletterschule ab

Die erste deutsche Berufskletterschule wurde 2002 vom Industriekletterer und Höhenarbeiter Manuel Marburger in Bad Soden-Salmünster gegründet. Ziel war es eine von der Bundesregierung akkreditierte, zertifizierte und professionelle Kletterausbildung anzubieten.[1][2]

Seilklettertechnik SKT (Baumklettern, Baumpflege)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbildung zum Seilklettertechniker bzw. Baumkletterer auf Basis von Seilunterstützter Baumklettertechnik (SKT) erfolgt nach Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften des Garten- und Landschaftsbau. Die Prüfung nimmt ein akkreditierter Zertifizierer der Gartenbau-Berufsgenossenschaft ab. Mit Abschluss der Ausbildung Seilklettertechnik Stufe B wird man berechtigt als Aufsichtführender eigenständig Baustellen zu betreuen.

Die Ausbildung besteht aus drei aufeinander aufbauenden Kursen (Level A, B, C). Jeder Kurs ist für die Dauer einer Woche konzipiert und schließt mit einer Prüfung ab. Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 18 Jahren, der Nachweis über einen Ersthelferkurs, nicht älter als 24 Monate, eine Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G 41+, G 20 oder H 9, und jeweils das Bestehen des vorherigen Levels.

  • Level A (Basiskurs SKT A) vermittelt die Grundlagen u. a. zur Gefährdungsermittlung (Baumansprache), Arbeit im Baum, Baumschutz, Einsatz der Handsäge, und seilunterstützter Arbeitsplatzpositionierung, den Umgang mit der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA), Befestigungs- und Sicherungsknoten, Selbstsicherung, Fremdsicherung, Aufstiegs- und Abseiltechnik mit und ohne Abseilgeräte und die Aneignung der Rettungsverfahren.
  • Level B (Seilklettertechniker) vermittelt insbesondere die sicherheitsrelevanten Inhalte zum Führen einer Baustelle, es werden die von der Berufsgenossenschaft vorgeschriebenen Gefährdungsermittlungen erstellt. Im Mittelpunkt der praktischen Ausbildung steht der Einsatz von Motorsägen im Baum. Level B kann nur mit einem Nachweis von 300 Seilstunden nach Absolvierung von Level A absolviert werden. Eine Anerkennung von Seilstunden unter Anwendung von Seilzugangstechnik SZT ist teilweise möglich.
  • Der Level C besteht aus 3 speziellen Bausteinen, welche im direkten Zusammenhang mit dem Baumstammrückbau notwendig sind. Im Mittelpunkt steht die Stammfällung, Rigging und der Einsatz von Steigeisen.

Seilzugangstechnik SZT (Industrieklettern)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbildung zum Aufsichtsführenden Höhenarbeiter auf Basis von Seilunterstützten Zugangstechniken (SZT) erfolgt nach Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften (BGI 772) und den Richtlinien des Fach- und Interessenverbandes für seilunterstützte Arbeitstechniken (FISAT). Die Prüfung nimmt ein Zertifizierer des FISAT ab. Mit Abschluss der Ausbildung SZT Level 3 ist der Höhenarbeiter als Aufsichtführender berechtigt, eigenständig Baustellen zu betreuen.[3]

Die Ausbildung besteht aus drei aufeinander aufbauenden Kursen (Level 1, 2 und 3). Jeder Kurs ist konzipiert für die Dauer einer Woche und schließt ab mit einer Prüfung. Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 18 Jahren, der Nachweis über einen Ersthelferkurs, nicht älter als 24 Monate, eine Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung G 41, und jeweils das Bestehen des vorherigen Levels.

  • Level 1 (Grundkurs Seilzugangstechnik) vermittelt die Grundlagen u. a. zur Auswahl von Anschlagpunkten und seilunterstützter Arbeitsplatzpositionierung, den Umgang mit der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA), Befestigungs- und Sicherungsknoten, Selbstsicherung, Fremdsicherung, Aufstiegs- und Abseiltechnik mit und ohne Abseilgeräte und die Aneignung mehrerer Rettungsvarianten.
  • Level 2 (Grundkurs Höhenarbeiter) vermittelt das horizontale Arbeitsverfahren sowie die Rettung nach oben mit Flaschenzugsystemen und Schrägzugtechniken. Level 3 kann nur mit einem Abstand von zwölf Monaten zu Level 2 absolviert werden.
  • In Level 3 werden u. a. die von der Berufsgenossenschaft vorgeschriebenen Gefährdungsermittlungen erstellt, Gesetzeskunde und Rettung aus Schrägseilbahnen vermittelt.

Zusatzqualifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berufskletterschulen bieten darüber hinaus Lehrgänge zur Absturzsicherung und zur Anwendung bzw. Sachkunde Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSA gegen Absturz BGR 198, 199) an. Darüber hinaus werden Lehrinhalte zum industriellen Höhenretter vermittelt und weitergegeben. Deutschlandweit ist diese Qualifikationsmöglichkeit sonst nur innerhalb der Feuerwehr möglich. Die Schulungen und Prüfungen erfolgen nach den Richtlinien der Berufsgenossenschaft, des Fach- und Interessenverbandes für seilunterstützte Arbeitstechniken (FISAT) und nach den Richtlinien des Deutschen Industrie-Kletterer und Höhenretter Verbandes e.V. (DIHV e.V.).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Männer hängen in den Seilen, Barbara Hofmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Februar 2009, aufgerufen am 1. Juli 2018
  2. Industriekletterer: Handwerk in Schwindel erregender Höhe, Schwäbische Zeitung, 17. Februar 2003, aufgerufen am 2. Juli 2018
  3. Respekt vor der Höhe. In: Personal Protection & Fashion 04/2007, S. 40