Berufsverbrecher

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Berufsverbrecher ist ein Rechtsbegriff aus der Weimarer Republik für Wiederholungstäter. Im Nationalsozialismus führte er zum Gewohnheitsverbrechergesetz von 1933, das eine unbefristete Sicherungsverwahrung vorsah.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Begriff führten Kriminalisten in den 1920er Jahren für Wiederholungstäter ein. Dem Begriff lag die These zugrunde, dass Wiederholungstäter das Verbrechen als Beruf ausübten.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde diese Theorie übernommen und führte zu zwei Regelungen:

Am 24. November 1933 erging das Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher und über Maßregeln der Sicherung und Besserung (RGBl I 995). Darin war eine zeitlich unbefristete Sicherungsverwahrung vorgesehen, die durch ein Gericht ausgesprochen und in regulären Justizvollzugsanstalten vollzogen werden konnte.[1]

Zur Kriminalprävention diente ein „Vorbeugungshafterlass“ vom 13. November 1933. Definiert war darin als Berufsverbrecher, wer innerhalb von fünf Jahren mindestens drei Mal wegen eines aus Gewinnsucht begangenen Delikts jeweils zu mindestens sechsmonatiger Freiheitsstrafe verurteilt worden war.[2]

Bis Februar 1934 waren 525 Vorbeugehäftlinge im KZ Lichtenburg eingesperrt, später wurden „Berufsverbrecher“ dann ins KZ Esterwegen und ins KZ Sachsenhausen eingewiesen.[3] Heinrich Himmler ordnete im Februar 1937 an, zweitausend nicht in festen Arbeitsverhältnissen beschäftigte „Berufs- und Gewohnheitsverbrecher“ festzunehmen. Diese Aktion wurde im März 1937 durchgeführt.[4]

Die Gesamtzahl aller ins Konzentrationslager eingewiesenen „Berufsverbrecher“, die im Lager mit einem „grünen Winkel“ gekennzeichnet waren und später fälschlich als Befristete Vorbeugungshäftlinge bezeichnet wurden, ist nicht ausreichend erforscht. Insbesondere von Seiten der KZ-Gedenkstätten fehlt bisher jede Forschung.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Heindl: Der Berufsverbrecher. Ein Beitrag zur Strafrechtsreform. Pan-Verlag R. Heise, Berlin 1926.
  • Dagmar Lieske: Unbequeme Opfer? "Berufsverbrecher" als Häftlinge im KZ Sachsenhausen, Metropol Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86331-297-8.
  • Patrick Wagner: Volksgemeinschaft ohne Verbrecher. Konzeptionen und Praxis der Kriminalpolizei in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, Hamburg 1996
  • Helga Amesberger, Katrin Auer, Brigitte Halbmayr: Sexualisierte Gewalt. Weibliche Erfahrungen in NS-Konzentrationslagern. Mandelbaum Verlag, Wien 2004, ISBN 3-85476-118-X.
  • Sylvia Köchl: Das Bedürfnis nach gerechter Sühne. Wege von ‚Berufsverbrecherinnen‘ in das Konzentrationslager Ravensbrück. Mandelbaum, Wien 2016, ISBN 978-3-85476-507-3.
  • Frank Nonnenmacher: Winkelzüge der NS. Erklärungsnot / Bis heute werden die KZ-Häftlinge, die von den Nazis ‚Asoziale‘ und ‚Berufsverbrecher‘ genannt wurden, nicht als Opfer anerkannt. In: der Freitag vom 2. Februar 2017, S. 16–17.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Julia Hörath: Terrorinstrument der „Volksgemeinschaft“? KZ-Haft für „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ 1933 bis 1937/38. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Bd. 60, H. 6, 2012, S. 513–532, hier S. 521 f.
  2. Julia Hörath: Terrorinstrument der „Volksgemeinschaft“? KZ-Haft für „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ 1933 bis 1937/38. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Bd. 60, H. 6, 2012, S. 513–532, hier S. 522.
  3. Julia Hörath: Terrorinstrument der „Volksgemeinschaft“? KZ-Haft für „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ 1933 bis 1937/38. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Bd. 60, H. 6, 2012, S. 513–532, hier S. 523.
  4. Peter Longerich: Heinrich Himmler. Biographie. Siedler, München 2008, ISBN 978-3-88680-859-5, S. 237.
  5. Wolfgang Ayaß: Schwarze und grüne Winkel. Die nationalsozialistische Verfolgung von „Asozialen“ und „Kriminellen“ – ein Überblick über die Forschungsgeschichte. In: Herbert Diercks (Red.): Ausgegrenzt. „Asoziale“ und „Kriminelle“ im nationalsozialistischen Lagersystem. Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland (= Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland. Bd. 11). Edition Temmen, Bremen 2009, ISBN 978-3-8378-4005-6, S. 16–30, hier S. 25.