Beryllonit

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Beryllonit
Beryllonite-236481.jpg
Farbloser Beryllonit aus Linópolis (Gemeinde Divino das Laranjeiras), Minas Gerais, Brasilien (Größe: 1,9 cm × 1,8 cm × 0,8 cm)
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel NaBe[PO4][1]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
8.AA.10 (8. Auflage: VII/A.01)
38.01.12.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe (Nr.) P21/n[1] (Nr. 14)
Gitterparameter a = 8,18 Å; b = 7,82 Å; c = 14,11 Å
β = 90,0°[1]
Formeleinheiten Z = 12[1]
Zwillingsbildung nach {101} Kontakt- und Durchdringungszwillinge, nach {110} und {100} polysynthetische und pseudohexagonal-sternförmige Zwillinge[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5 bis 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,77 bis 2,84; berechnet: 2,805[2]
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}, gut nach {100}[2]
Bruch; Tenazität muschelig; spröde
Farbe farblos, weiß, gelblich
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glas- bis Diamantglanz, Perlglanz auf Spaltflächen
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,552
nβ = 1,558
nγ = 1,561[3]
Doppelbrechung δ = 0,009[3]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 68° (gemessen)[3]

Beryllonit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung NaBe[PO4][1], ist also chemisch gesehen ein Natrium-Beryllium-Phosphat.

Beryllonit entwickelt meist tafelige bis kurzprismatische Kristalle und Zwillinge, kommt aber auch in Form sphärolithischer, faseriger oder körniger bis massiger Mineral-Aggregate vor. In reiner Form ist Beryllonit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine gelbliche Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Unverletzte Kristallflächen weisen einen glas- bis diamantähnlichen Glanz auf, Spaltflächen schimmern dagegen eher perlmuttartig.

Mit einer Mohshärte von 5,5 bis 6 gehört Beryllonit zu den mittelharten Mineralen, das sich etwas leichter als das Referenzmineral Orthoklas (6) mit einer Stahlfeile ritzen lässt.


Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Beryllonit am McKean Mountain nahe Stoneham im Oxford County des US-Bundesstaates Maine. Beschrieben wurde das Mineral 1888 durch Edward Salisbury Dana, der es nach seinem Hauptbestandteil Beryllium benannte.

Das Typmaterial des Minerals wird in der Yale University in New Haven (Connecticut) in den USA aufbewahrt (Katalog-Nr. 3.1946).[2]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Beryllonit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Phosphate [PO4]3−, ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Alarsit, Berlinit, Hurlbutit, Lithiophosphat, Nalipoit, Olympit und Rodolicoit die Gruppe mit kleinen Kationen (Li, Be, Al, Fe3+) mit der System-Nr. VII/A.01 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Beryllonit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate, etc., ohne weitere Anionen, ohne H2O“ und dort in die Unterabteilung „Mit kleinen Kationen (einige zusätzlich mit größeren Kationen)“ ein, wo er allerdings als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 8.AA.10 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Beryllonit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Phosphate etc.“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 38.01.05 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc. A+B2+XO4“ zu finden.


Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Faseriger, weißer Beryllonit aus dem Pegmatitfeld Darra-i-Pech, Provinz Nangarhar, Afghanistan (Größe: 7 cm × 6,4 cm × 4,1 cm)
Beryllonit (gelblichweiß) und Elbait (rosa) aus der Paprok Mine, Distrikt Kamdesh, Provinz Nuristan, Afghanistan (Größe: 5,9 cm × 5,5 cm × 4 cm)

Beryllonit bildet sich als sekundäres Mineral durch hydrothermale Vorgänge in granitischen und alkalischen Pegmatiten. Je nach Fundort kann er mit vielen verschiedenen Mineralen vergesellschaftet auftreten wie unter anderem Albit, Apatit, Beryll, Columbit, Elbait, Eosphorit, Herderit, Kassiterit, Lepidolit, Lithiophilit, Morinit, Orthoklas, Petalit, Pollucit, Quarz, Triplit und Väyrynenit.

Als seltene Mineralbildung konnte Beryllonit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen, wobei bisher (Stand 2014) rund 40 Fundorte als bekannt gelten.[4] Neben seiner Typlokalität McKean Mountain trat das Mineral noch an der Fundstätte „Mcallister“ und im Steinbruch „Lord Hill“ nahe Stoneham auf. In der Umgebung von Stoneham wurden auch die bisher größten bekannten Kristalle und Zwillinge mit Durchmessern von bis zu 15 Zentimetern gefunden,[5] allerdings sollen auch schon Kristalle von bis zu 25 Zentimetern Größe entdeckt worden sein.[2] Des Weiteren kennt man das Mineral in den Vereinigten Staaten unter anderem noch aus weiteren Orten im Oxford County von Maine sowie aus verschiedenen Fundstätten in den Bundesstaaten Nevada und New Hampshire.

Weitere bisher bekannte Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Brasilien, China, Finnland, Frankreich, Kanada, Pakistan, Portugal, Schweden, Tschechien und im Vereinigten Königreich (UK).[6]

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beryllonit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/n (Raumgruppen-Nr. 14, Stellung 2)Vorlage:Raumgruppe/14.2 mit den Gitterparametern a = 8,18 Å; b = 7,82 Å; c = 14,11 Å und β = 90,0° sowie 12 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Die Kristallstruktur von Beryllonit besteht aus je drei BeO4- und PO4-Tetraedern, die zu einem Netz aus Sechserringen verbunden und parallel der b-Achse übereinander geschichtet sind. Die Ringe und Schichten sind ähnlich wie bei Schichtsilikaten über gemeinsam genutzte Ecken miteinander verbunden, wobei parallel der b-Achse Kanäle entstehen, in denen die Natriumionen untergebracht sind.[1][7]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beryllonit ist aufgrund seiner vollkommenen Spaltbarkeit und Brüchigkeit für eine kommerzielle Nutzung als Schmuckstein zu empfindlich, das heißt, er könnte bei den für Löt- und Fassarbeiten nötigen Wärme-, Schlag- und Druckbelastungen leicht zerstört werden. Wegen seiner relativ geringen Mohshärte ist er auch als Ring- und Armschmuck nicht geeignet, da er schnell verkratzen würde.[8]

Das Mineral wird daher vor allem für Sammler facettiert und in verschiedenen Schliffformen angeboten. Von Interesse sind aber auch die faserigen Varietäten, die im Cabochonschliff den begehrten Katzenaugeneffekt zeigen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edward S. Dana: Preliminary notice of beryllonite, a new mineral. In: American Journal of Science. Band 136 (1888), S. 290–291 (PDF 217,75 kB)
  • Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 610–611.
  • Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags-GmbH., München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 206.
  • Cally Hall: Edelsteine: mehr als 130 Arten aus aller Welt. Dorling Kindersley, Starnberg 2006, ISBN 978-3-8310-0891-9, S. 118 (englisch: DK Handbooks: Gemstones. Übersetzt von Eva Dempewolf, Naturbibliothek).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Beryllonite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 425.
  2. a b c d e Beryllonite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 64,2 kB)
  3. a b c Mindat - Beryllonite
  4. Mindat - Anzahl der Fundorte für Beryllonit
  5. Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 155 (Dörfler Natur).
  6. Fundortliste für Beryllonit beim Mineralienatlas und bei Mindat
  7. Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 611.
  8. Edelstein-Knigge - Beryllonit