Berzona (Valle Onsernone)

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Berzona
Wappen von Berzona
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Onsernone
Politische Gemeinde: Onsernonei2
Postleitzahl: 6661
Koordinaten: 694515 / 117759Koordinaten: 46° 12′ 17″ N, 8° 39′ 48″ O; CH1903: 694515 / 117759
Höhe: 815 m ü. M.
Fläche: km²
Einwohner: 48 (31. Dezember 2000)
Einwohnerdichte: 10 Einw. pro km²
Website: www.ti-contact.ch/comuni/isorno/isorno.html
Berzona (Valle Onsernone)

Berzona (Valle Onsernone)

Karte
Berzona (Valle Onsernone) (Schweiz)
Berzona (Valle Onsernone)
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 13. April 2001

Berzona ist eine Ortschaft und ehemalige politische Gemeinde im Kanton Tessin. (Im ebenfalls im Kanton Tessin gelegenen Valle Verzasca gibt es einen weiteren Ort namens Berzona, der zur dortigen Gemeinde Vogorno gehört.)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmalig erwähnt wird Berzone 1265.[1]

Seit dem Mittelalter an gehörte das Dorf zur alten Talgemeinde Onsernone. Die Kirche St. Defendente (mit den Kapellen St. Maria von 1682 und St. Maria Lauretanavon 1766) wurde 1777 zur Pfarrkirche erhoben. Berzona als eigenständige Gemeinde entstand mit der Kantonsgründung 1803.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Dorf im Zuge der Abwanderung und mit dem damit verbundenen Verkauf von Immobilien an Auswärtige zum Aufenthaltsort bekannter Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur, so z.B. Alfred Andersch, Golo Mann und Max Frisch. Letzterer lebte und arbeitete hier, wo er 1964 ein Haus erwarb und es 1965 bezog, bis 1984, als er nach Zürich zurückkehrte, zwischen Reisen und längeren Auslandsaufenthalten immer wieder. Seine Erzählung Der Mensch erscheint im Holozän spielt in Berzona.[3] Dabei unternimmt der 73-jährige Protagonist, Herr Geiser, eine Wanderung vom Valle Onsernone (über Sella) und den Passo della Garina bis ins benachbarte Valle Maggia nach Aurigeno. Frisch ist Ehrenbürger von Benzona.

Von 2001 bis 2015 bildete Berzona zusammen mit Loco und Auressio die Gemeinde Isorno. Diese wiederum wurde 2016 in die Gemeinde Onsernone eingemeindet[1].

Nachdem Ackerbau und Weidewirtschaft nahezu verschwunden waren und sich die Abwanderung verlangsamt hatte fanden die Erwerbstätigen von B. Ende des 20. Jh. v.a. als Wegpendler in Locarno und Umgebung Arbeit.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berzona (Valle Onsernone) liegt in einer von Kastanienwäldern umgebenen Hangmulde an der Strasse nach Vergeletto und Comologno, circa 15 km nordwestlich von Locarno. Berzona selbst besteht aus dem Unterdorf Seghellina und dem autofreien Oberdorf. Ganzjährig wohnen die Einwohner in beiden Ortsteilen, die Mehrzahl davon im Unterdorf.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche San Defendente (1564), der frei stehende Glockenturm wurde 1676 errichtet[4][5]
  • Pfarrhaus (1713)[4][5]
  • Wohnhäuser Broggini (1589), (1688), (1727)[4][5]
  • Im Ortsteil Matro: Oratorium Beata Vergine delle Grazie genannt del Matro (1671)[4][5]
  • Im Ortsteil Seghellina: Oratorium Santa Maria Lauretana (1766)[4][5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan Tschichold (geboren als Johannes Tzschichhold, alias Iwan Tschichold) (* 2. April 1902 in Leipzig; † 11. August 1974 in Locarno), Kalligraf, Typograf, Schriftentwerfer, Plakatgestalter, Autor, Lehrer.
  • Max Frisch (* 15. Mai 1911 in Zürich; † 4. April 1991 Ebenda), Schweizer Schriftsteller und Architekt[6][7][8][9]
  • Auch Golo Mann (* 27. März 1909 in München; † 7. April 1994 in Leverkusen; alias Angelus Gottfried Thomas Mann) der deutsch-schweizerische Historiker und Schriftsteller lebte hier[10]. Sein ehemaliges Haus, das er sich 1961 als Ferienhaus errichten ließ, liegt oberhalb des Ortes hinter einer Kapelle an einer Waldlichtung[11].
  • Auf dem Friedhof sind der deutsche Schriftsteller und zeitkritische Autor der Nachkriegsliteratur Alfred Andersch (* 4. Februar 1914 in München; † 21. Februar 1980 in Berzona)[12][13][14][15] und dessen Frau,
  • Gisela Andersch (* 5. November 1913 in Elberfeld; † 13. Oktober 1987 in Berzona), deutsche Malerin, Graphikerin und Kollagekünstlerin[16][17] begraben.
  • Christoph von Schwerin (* 2. August 1933 in Prenzlau; † 27. Dezember 1996 ebenda), Graf, Literaturwissenschaftler[18][19].
  • Kurt Tucholsky (* 9. Januar 1890 in Berlin; † 21. Dezember 1935 in Göteborg), ein Deutscher Journalist und Schriftsteller.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande, Bellinzona 1967, S. 205.
  • Guglielmo Buetti: Note Storiche Religiose delle Chiese e Parrocchie della Pieve di Locarno, (1902), e della Verzasca, Gambarogno, Valle Maggia e Ascona (1906). 2. Auflage, Pedrazzini Edizioni, Locarno 1969.
  • Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 222, 223, 224.
  • Museo Onsernonese (Hrsg.): Max Frisch Berzona. Limmat Verlag, Zürich 2011, ISBN 978-3-85791-693-9.
  • Charles Suter und andere: Max Frisch, Berzona. 4 Bände, Limmat, Zürich 2012[20].
  • Elfi Rüsch: I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino. Distretto di Locarno IV: La Verzasca, il Pedemonte, le Centovalli e l’Onsernone. (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 123). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte SKG. Bern 2013, ISBN 978-3-03797-084-3, S. 322–336.
  • Vasco Gamboni: Berzona im Historischen Lexikon der Schweiz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Historisches Lexikon der Schweiz
  2. Amtliches Gemeindeverzeichnis der Schweiz
  3. Infoseite des Valle Onsernone
  4. a b c d e Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 224.
  5. a b c d e Elfi Rüsch: Distretto di Locarno IV. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2013, ISBN 978-3-03797-084-3, S. 322–336.
  6. Walter Obschlager: Max Frisch im Historischen Lexikon der Schweiz
  7. Max Frisch auf ticinarte.ch
  8. Max Frisch (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 2. Oktober 2016).
  9. Max Frisch auf portal.dnb.de
  10. Golo Mann auf ticinarte.ch
  11. Golo Mann (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am: 10. September 2016.)
  12. Alfred Andersch auf portal.dnb.de
  13. Alfred Andersch auf ticinarte.ch
  14. Alfred Andersch (italienisch) auf treccani.it/enciclopedia
  15. Alfred Andersch (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am: 16. September 2016.)
  16. Gisela Andersch (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am: 19. September 2016.)
  17. Gisela Andersch auf portal.dnb.de
  18. Christoph von Schwerin auf portal.dnb.de (abgerufen am: 17. September 2016.)
  19. Christoph von Schwerin auf geneall.net (abgerufen am: 17. September 2016.)
  20. Charles Suter u. a.: Max Frisch, Berzona.

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