Beschneidung im Alten Ägypten

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Die männliche Beschneidung im Alten Ägypten bezeichnet die traditionelle Entfernung der Penisvorhaut im Alten Ägypten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschneidung erwachsener Männer (Zeichnung eines Reliefs im Grab des Anchmahor, um 2300 v. Chr.)

Der Ursprung dieser in vielen Regionen praktizierten Tradition ist unklar. Laut dem amerikanischen Historiker David L. Gollaher waren Beschneidungen am Penis schon früh in Gebieten wie Afrika[1], dem Nahen Osten[2] und Australien (Aborigines)[3] üblich. Beschneidungen wurden von Priestern in einer öffentlichen Zeremonie mit einer Steinklinge durchgeführt.

Aus dem alten Ägypten stammt die älteste künstlerische Darstellung einer Zirkumzision: Priester zelebrieren eine Beschneidung auf einem Relief in der Mastaba des Anchmahor, Wesir des Pharao Teti II., in Sakkara (um 2300 v. Chr.).

Die Ursprünge der Beschneidung in Ägypten werden unter anderem mit dem ägyptischen Schlangenkult in Verbindung gebracht: Die Schlange galt als unsterblich, weil sie ihre Haut abwerfen und sich damit immer wieder erneuern konnte. Einige Kulturhistoriker vermuten, die Beschneidung eines Mannes habe symbolisch die Häutung der Schlange nachvollziehen und die menschliche Seele unsterblich machen sollen.

Dem antiken griechischen Geschichtsschreiber Herodot (5. Jh. v. Chr.) zufolge praktizierten die Ägypter „die Beschneidung aus Gründen der Reinheit...“ David L. Gollaher vermutet[4], die Beschneidung im alten Ägypten sei ein Zeichen des Übergangs von der Kindheit zum Erwachsenenalter (Übergangsritus). Er erwähnt, dass die Veränderung des Körpers und das Ritual der Beschneidung Zugang zu antiken Mysterien geben sollten, die nur eingeweihten Personen vorbehalten waren. Der Inhalt der Mysterien sei unklar, wahrscheinlich seien sie Mythen, Gebete und Beschwörungen mit zentraler Bedeutung für die Altägyptische Religion.

Dem ägyptischen Totenbuch habe der Sonnengott Ra sich selbst „geschnitten“, wobei das Blut zwei kleine Wächtergottheiten schuf. Der französische Ägyptologe Emmanuel de Rougé interpretierte dies als einen Akt der Beschneidung.

Die Untersuchungen an ägyptischen Mumien zeigen, dass die Beschneidung unter erwachsenen Männern üblich war.[5] So war beispielsweise in einer Stichprobe von 15 Mumien erwachsener männlicher Individuen aus al-Qurna, die auf den Zeitraum zwischen der 18. Dynastie und der griechisch–römischen Periode datieren, in allen Fällen die Vorhaut komplett entfernt, während dies bei allen drei untersuchten Kindermumien nicht der Fall war.[6] Auch bei nahezu allen erhaltenen Königsmumien, sofern Genitalien nicht z. B. durch Grabräuber beschädigt wurden, konnte die Beschneidung festgestellt werden – die einzige sichere Ausnahme ist Ahmose I., während bei seinem Nachfolger Amenhotep I. die Untersuchungsergebnisse unschlüssig waren.[7]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beschneidung (arabisch ختان Chitan oder ختنة Chatna) wird auch heute noch in ganz Ägypten praktiziert, und zwar von allen Religionen und Gesellschaftsschichten. Muslime, Juden wie koptische Christen praktizieren weiterhin, aus religiösen, traditionellen oder hygienischen Gründen die Beschneidung. Die mit der Koptisch-Orthodoxen Kirche verwandten orientalisch-orthodoxen Kirchen wie die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche und die Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche tun dies ebenso.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. [2]
  3. [3]
  4. David L. Gollaher: History of Circumcision
  5. Andreas Nerlich: Archäomedizin: Chirurgie im alten Ägypten. In: Spektrum der Wissenschaft, 2/2002 (1. Februar 2002)
  6. Iwataro Morimoto: External Genital Organs in Male Mummies from Qurna, Egypt. In: Journal of the Anthropological Society of Nippon, 2/1989
  7. Paula Vieira: To prevent, treat and cure love in ancient Egypt. Aspects of sexual medicine and practice in ancient Egypt.