Bestattungsritus

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Bestattungsritus bezeichnet – vor allem in der Ethnologie und der Archäologie – die Gesamtheit aller Handlungen vor, während und nach einer Bestattung. Im engeren Sinne ist die Art der Totenlege gemeint (z. B. Hockergrab), im weiteren Sinne alle mit den körperlichen Überresten des Verstorbenen in Verbindung stehenden Handlungen.

Bestattungsriten sind seit der Steinzeit (Paläolithikum) bekannt und wichtiger Teil der meisten Kulturen. Sie sind eine spezifisch menschliche Erscheinung und kommen im Tierreich nicht vor. Sie sind eng an die jeweiligen Jenseitsvorstellungen einer Kultur geknüpft und gehören deshalb meistens in deren religiösen Bereich.[1]

Bestattungsriten können als Übergangsriten angesehen werden, da sie den Bestattenden dazu dienen, ihre Trauer zu kanalisieren und die durch den Tod ausgelöste Störung in der Gemeinschaft zu verarbeiten und Aussagen über das Jenseits zu treffen.

Bestattungsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahezu jede denkbar mögliche Behandlung von Leichnamen ist von Ethnologen, Historikern und Archäologen beschrieben worden. Häufige Formen sind:

Körperbestattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Körperbestattungen im engeren Sinne, werden die vollständigen Körper beerdigt. Daneben werden häufig aus religiösen Gründen auch Teilbestattung vorgenommen, wenn zum Beispiel nur eine Herzbestattung oder Kopfbestattung erfolgt. Sekundärbestattung sind meist Erdbestattung und erfolgen nach einer Exhumierung, wenn der Leichnam an einem anderen Ort beigesetzt wird. Dabei wird häufig nicht das gesamte Skelettmaterial umgebettet, sondern nur die wichtigsten Skelettteile. Ein Beispiel für Sekundärbestattungen bilden die Beinhäuser des Spätmittelalters, wo nach der Verwesung die zurückbleibenden Knochen gereinigt und in Ossuarien gelegt wurden.

Brandbestattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Brandbestattungen ist die Urnenbestattung die häufigste Form. Hierbei wird die verbliebene Asche des Leichnams nach seiner Verbrennung in einem Gefäß gesammelt und beigesetzt. Bei einer Brandschüttung wird der Leichenbrand aufgesammelt und anschließend in die Grabgrube geschüttet. Wird das Grab wird über dem Scheiterhaufen errichtet (meistens Hügelgrab) und angezündet spricht man von einem Scheiterhaufengrab, wohingegen bei einem Bustumgrab im entgegengesetzten Fall der Scheiterhaufen über der Grabgrube errichtet wird und die Asche infolge der Verbrennung herab in das Grab fällt.

Während in den genannten Fällen der Leichenbrand bestattet, sind auch das Verstreuen der Asche in den Wind (Luftbestattung) und die Überantwortung der Asche in ein Gewässer üblich. In jüngerer Zeit besteht auch die Möglichkeit Teile der Asche des verstorbenen in Form einer Weltraumbestattung dem Weltall zu übergeben, oder als Diamantbestattung, wo nach der Einäscherung verbliebener amorpher Kohlenstoff zu einem synthetischen Diamanten „veredelt“ kann, um den Hinterbliebenen eine ganz besonder eine Erinnerung an den Verstorbenen zu ermöglichen. In allen Fällen sind auch Teilverbrennungen möglich.

Riten verschiedener Kulturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reiner Sörries, Stefanie Knöll: Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur. Wörterbuch zur Sepulkralkultur. Band 2: Archäologisch-kunstgeschichtlicher Teil. Von Abfallgrube bis Zwölftafelgesetz. Thalacker Medien, Braunschweig 2005, ISBN 3-87815-182-9.
  • Roderick Sprague: Burial Terminology. A Guide for Researchers. AltaMira Press, Lanham MD 2005, ISBN 0-7591-0840-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frühmensch mit Bestattungsritus Muss Geschichte der Menschheit umgeschrieben werden? bei berliner-zeitung.de, abgerufen am 16. Mai 2018.