Bestie des Gévaudan

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Eine von vielen Interpretationen vom Aussehen der „Bestie“
Skulptur der „Bête du Gévaudan“ bei Saugues

In den Jahren 1764 bis 1767 fielen im Gévaudan (Südfrankreich) und in angrenzenden Gebieten etwa 100 Kinder, Jugendliche und Frauen tödlichen Raubtierangriffen zum Opfer; das Gévaudan war eine dünn besiedelte historische Provinz im Zentralmassiv, seine Grenzen entsprachen weitgehend denen des heutigen Départements Lozère. Das angreifende Tier wird als Bestie des Gévaudan (französisch Bête du Gévaudan) bezeichnet; einige Historiker gehen davon aus, dass mehrere Tiere an den Angriffen beteiligt waren.

Die historischen Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Überlieferungen der Ereignisse mischen sich nachweisbare Tatsachen mit Mythen. Als Quellen existieren folgende zeitgenössische Dokumente:

  • die Pfarrregister aller betroffenen Pfarreien, in denen die Namen von Opfern verzeichnet sind
  • der Briefverkehr zwischen den Polizeiverantwortlichen der Auvergne in Clermont und des Languedoc in Montpellier mit ihren örtlichen Vertretern im Gévaudan
  • zahlreiche Berichte über die vom König befohlenen Treibjagden
  • zeitgenössische Zeitungsartikel und Zeichnungen

Die Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zahl der bekannten Todesfälle variiert je nach Quelle von 78 bis 99, die der Verletzten von 50 bis 80. Das jüngste Opfer war drei Jahre alt, das älteste wahrscheinlich 68 Jahre. Etwa jedes vierte Todesopfer war älter als 16 Jahre; in dieser Altersgruppe wurden ausschließlich Frauen getötet. (Fabre, Moriceau) Der erste behördlich registrierte Angriff fand am 30. Juni 1764 statt: Die Leiche der 14-jährigen Hirtin Jeanne Boulet aus der Pfarrei Saint-Étienne-de-Lugdarès im Haut-Vivarais, jenseits der Grenze des Gévaudan, wurde am folgenden Tag zerfleischt aufgefunden. Sehr wahrscheinlich lässt sich jedoch bereits ein nicht genau zu datierender Angriff auf eine Hirtin im Frühjahr 1764 in Saint-Flour-de-Mercoire, im Osten des Gévaudan, der Bestie zuordnen (Todaro).

Die meisten Opfer wurden auf Viehweiden oder Feldern überfallen, andere vor ihren Häusern, in Gärten, auf Straßen, in einer Schlucht, auf einer Flussinsel oder im bewaldeten Land. Manche Angriffe der Bestie ereigneten sich in schneller Folge im selben Gebiet. Andererseits wechselte die Bestie ihre Angriffsorte häufig über Distanzen von mehreren Kilometern beziehungsweise verlagerte ihre Aktivität in ein neues Angriffsgebiet (Moriceau). Viele Opfer wurden verschleppt, einige lebend. Manche der Angegriffenen erlitten neben Bisswunden Verletzungen durch Krallen (Pourcher). 15 Opfer wurden enthauptet, einige Köpfe wurden verschleppt (Fabre, Smith).

Etlichen Angegriffenen gelang es, verletzt oder unverletzt zu entkommen. Häufig eilten Helfer herbei, oft bewaffnet mit Lanzen oder landwirtschaftlichem Gerät, und vertrieben die Bestie. In manchen Fällen verteidigten Kinder oder Jugendliche, stets unter Einsatz ihres Lebens, angegriffene Geschwister oder Kameraden. Berühmt wurde der zwölfjährige Jacques André Portefaix, der am 12. Januar 1765 gemeinsam mit sechs weiteren Kindern im Bergland der Margeride attackiert wurde. Die Bestie griff aus dieser Gruppe kleiner Hirten, die Lanzen mit Metallklingen trugen, den achtjährigen Jean Veyrier und verschleppte ihn in ein Sumpfgebiet. Jacques setzte sich gegenüber seinen Kameraden mit seiner Aufforderung durch, Jean nicht im Stich zu lassen, und nahm als erster die Verfolgung der Bestie auf. Die Bestie war im Sumpf in ihrer Bewegungsfreiheit beeinträchtigt, sie hielt Jean mit einer Pranke fest. Während die Kinder mit ihren Lanzen auf die Bestie einstachen, konnte Jean mit einer Armverletzung entkommen. (Pourcher, Moriceau, Smith)

Wegen der heldenhaften Verteidigung ihrer Kinder bei einem Angriff am 13. März 1765 im Hügelland der Gemeinde Saint-Alban wurde die etwa 35-jährige Jeanne Jouve in ganz Frankreich geehrt. Jeanne kämpfte in ihrem Garten gegen die Bestie, die abwechselnd ihren sechsjährigen Sohn und ihre zehnjährige Tochter mit den Zähnen gepackt hielt. Es gelang Jeanne immer wieder, der Bestie die Kinder zu entreißen. Jeanne versuchte, die Bestie an der Flucht mit ihrem Sohn zu hindern, unter anderem, indem sie wiederholt auf den Rücken der Bestie sprang, jedoch immer wieder abgeschüttelt wurde. Schließlich entkam die Bestie mit dem Kind über eine Mauer. Jeannes 13-jähriger Sohn wurde auf das Drama aufmerksam und verfolgte die Bestie mit dem Hütehund der Familie. Als der Hund die Bestie attackierte, ließ diese das schwerstverletzte Kind los; es starb sechs Tage später. Sowohl Jacques Portefaix und seine Kameraden als auch Jeanne Jouve wurden von König Ludwig XV. für ihre Tapferkeit ausgezeichnet und erhielten eine Geldprämie. (Pourcher, Moriceau, Smith)

Die Bestie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Größe, Aussehen und Verhalten der Bestie ist eine Fülle von Details überliefert. Die Größe des Tieres wurde oft mit der eines einjährigen Rindes verglichen; ein Trittsiegel war 16,2 Zentimeter lang (Fabre). Der Körper der Bestie war vorn massiger als hinten, ihre Kopfoberseite war flach. Das Tier hatte oberseits rötliches, unterseits weißliches Fell, an den Flanken Flecken und entlang der Wirbelsäule einen dunklen Streifen. Das Fell am Vorderkörper war lang, die Bestie trug an Hinterkopf und Nacken einen Haarschopf, das Schwanzende war auffallend dick (Pourcher, Moriceau).

Die enorme Kraft der Bestie ist unter anderem dadurch belegt, dass sie auch erwachsene Menschen verschleppte; außerdem wurde anhand von Trittsiegeln ein Sprung von neun Meter Weite rekonstruiert (Pourcher). Die Bestie hielt sich vorrangig in offener Landschaft auf, wo sie Opfern auflauerte und sich beispielsweise an den Boden gedrückt an sie heranschlich. Als Tötungsstrategie ist das Erdrosseln von Opfern belegt (Fabre). Die Bestie verschlang in einigen Fällen innerhalb weniger Minuten große Teile des Körpers eines menschlichen Opfers; in zwei Fällen hatte sie die einige Tage nach dem Angriff gefundenen Schädel ihrer Opfer vollständig von weichen Geweben gereinigt. Die Rufe der Bestie wurden unter anderem als fürchterliches Bellen beschrieben (Pourcher).

Wölfe im Gévaudan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts gab es im französischen Zentralmassiv noch eine im Vergleich zu späteren Jahrhunderten relativ hohe Wolfsdichte. Wölfe waren der dortigen Landbevölkerung wohlbekannt. Vereinzelt griffen tollwütige, aber auch tollwutfreie Wölfe Menschen an. Am 9. April 1767 wurde ein neunjähriges Kind bei Fraissinet (Gemeinde Saint-Privat-du-Fau) von einem Wolf getötet und ein weiteres Kind schwer verletzt. Die Artzugehörigkeit des angreifenden Tieres steht außer Frage. Wölfe wurden im Gévaudan intensiv verfolgt; beispielsweise wurden 1766-67 innerhalb von zwölf Monaten 99 Wölfe getötet (Moriceau). Einige heutige Autoren (Moriceau und Todaro, mit Einschränkungen auch Smith) gehen davon aus, dass alle Raubtierangriffe der Jahre 1764-67 Wölfen oder Wolfsmischlingen zuzuschreiben sind.

Beteiligte Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georges-Louis Leclerc de Buffon, Porträt von François-Hubert Drouais (1727–1775)
Akteneintrag zum ersten Überfall: „L’an 1764 et le 1 Juillet, a été enterrée, Jeane BOULET, sans sacremens, ayant été tuée par la bette féroce, présans Joseph RIEU et Jean REBOUL.“
Die Bestie vom Gévaudan überfällt eine Frau

Der Bischof aus Mende „erklärt“ dem Volk die Hintergründe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Gerüchte aufgekommen waren, schaltete sich der (aufklärungsfeindliche) Bischof von Mende ein. Gabriel-Florent de Choiseul Beaupré ließ in seiner Diözese ein Hirtenschreiben verlesen, das die Ursache der Plage erklären sollte. Gottes Zorn sei über die Menschen gekommen:

„Die Gerechtigkeit Gottes, sagt der heilige Augustinus, kann nicht hinnehmen, dass die Unschuld unglücklich ist. Die Strafe, die er verhängt, setzt immer eine Verfehlung dessen voraus, der sie sich zugezogen hat. Aus diesem Prinzip heraus wird es für euch einfach sein, zu verstehen, dass euer Unglück nur aus euren Sünden entstanden sein kann.“

Der Bischof zitiert aus dem Buch Deuteronomium (32,24 LUT):

„Den Zahn der Raubtiere lasse ich auf sie los.“

Für die besonders „Ungehorsamen“ zitierte er aus Leviticus (26,21 LUT):

„Wenn ihr … nicht auf mich hören wollt, werde ich noch weitere Schläge über euch kommen lassen.“

Die Bauern der Umgebung konnten sich der Bestie kaum erwehren. Wegen des Aufstands der Kamisarden hatte der König alle Schuss- sowie lange Hieb- und Stichwaffen einziehen lassen. Daher befestigten die Bauern der Gegend ihre Taschenmesser an langen Holzstangen, um sich überhaupt verteidigen zu können.

Die Jäger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jäger der Bestie vom Gévaudan

Nach einer Reihe von Vorfällen, von denen sogar der Königshof erfahren hatte, stationierte König Ludwig XV. eine 57-köpfige Dragonereinheit unter dem Befehl von Capitaine Duhamel in der Region mit dem Auftrag, das Tier aufzustöbern und zu töten. Daraus ergab sich für den König auch die Möglichkeit, den Kampf der Jesuiten gegen die Hugenotten, die sich in die bergigen Gegenden geflüchtet hatten, unauffällig zu unterstützen. Die königlichen Befürchtungen, die Hugenotten könnten sich bewaffnen, konnten so zerstreut werden.

Drei Gruppen beteiligten sich an den Jagden:

  • Vom September 1764 bis April 1765 war Capitaine Duhamel mit seinen Dragonern in Saint-Chély-d’Apcher stationiert.
  • Im ersten Halbjahr 1765 ließen sich die bekannten normannischen Wolfjäger Denneval, Vater und Sohn, in Malzieu nieder. Die beiden hatten bereits über 1.200 Wölfe geschossen.
  • Im Sommer 1765 logierte François Antoine, der königliche Armbrustträger und Zweite Jäger des Königs, im Schloss Besset. Monsieur Antoine führte einige Dutzend Hunde mit sich sowie 14 Jagdhüter mit vier großen Hunden, die bereits einige Wölfe getötet hatten.

Am 16. August beschuldigten zwei königlich vereidigte Wildhüter die beiden Brüder Chastel, sie in ein Schlammloch geführt zu haben, wo sie angeblich fast den Tod gefunden hatten; die beiden Chastel hätten daneben gestanden und nichts unternommen. Sie wurden Ende August verhaftet. Dass die Bestie während der Haft untätig blieb, sollte die späteren Gerüchte nähren, die Chastels hätten das Tier gezüchtet. Da die beiden jedoch nur zwölf Tage inhaftiert waren, eine Zeitspanne also, in der die Bestie des Öfteren „untätig“ blieb (und teilweise deutlich länger), kann dies auch schlicht ein Zufall sein.

Bei der größten Treibjagd im Februar 1765 waren über 20.000 Personen beteiligt. Jedoch setzten sich auch während dieser Treibjagden weitere tödlich verlaufende Überfälle außerhalb des bejagten Gebietes fort. An ausgelegte vergiftete Kadaver ging die Bestie nicht, stattdessen starben einige Hirtenhunde, die davon gefressen hatten, was zu Verstimmungen bei den Schäfern führte. Jäger, die das Tier zu Gesicht bekamen, sprachen von einem Wesen, das zu großen Sprüngen in der Lage sei und seine Verfolger oft in sumpfigen Regionen abschüttele.

Kopfgeld auf die Bestie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schließlich wurden über 9.000 Livres für die Ergreifung der Bestie ausgesetzt. Der König steuerte 6.000 davon bei, der Bischof 1.000. Die Belohnung war für die damalige Zeit beträchtlich, sie entsprach etwa dem Wert von 100 Pferden.

Ein erstes Tier wird erlegt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von François Antoine am 21. September 1765 erlegte Wolf anlässlich der Präsentation bei Louis XV.

Im September 1765 schoss der persönliche Beauftragte des Königs einen stattlichen Wolf. Antoine wollte wegen des Kopfgeldes sicher sein, auch die richtige Bestie erlegt zu haben. Er wartete daher einige Wochen, ob sich weitere Taten ereigneten. Als nichts geschah, reiste er ab, um sich in Paris feiern und belohnen zu lassen.

Das Töten geht weiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Südhang des Mouchet-Berges wurden am 2. Dezember 1765 erneut zwei Kinder angefallen. Da aber die Belohnung bereits ausgezahlt war, leugneten die Behörden die Geschehnisse. Was in den folgenden Monaten in der Gegend geschah, ist nur unzureichend dokumentiert, da die Jäger und Chronisten bereits abgereist waren. Jedenfalls fanden zahlreiche Pilgerzüge zur Kirche am Fuß des Chauvet-Berges statt. Als Waffe gegen übernatürliche Wesen ließ Jean Chastel in der Kirche seine Kugeln segnen.

Ein zweites und drittes Tier werden erlegt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der junge Marquis d’Apcher hatte ebenfalls Probleme mit den Unruhen in der Bevölkerung. Er veranstaltete daher regelmäßige Jagden mit seinen Bauern und Pächtern. Am 19. Juni 1767, „um 10 Uhr 15“, erlegte Jean Chastel ein riesiges Tier. Eine Woche später wurde ein weibliches Tier getötet. Danach sollen die Überfälle aufgehört haben, jedoch verbreiteten sich Gerüchte, dass Jean Chastel, der wegen Totschlags im Gefängnis gesessen hatte, die Bestie aus einem Wolf und einem Hund gezüchtet und zum Morden abgerichtet habe. Damit wurde versucht, die Methodik des Tötens, die häufig eher einem Menschen zugeschrieben wird, mit den Augenzeugenberichten zu vereinbaren, die zweifelsfrei von einem Tier sprechen.

Der königliche Notar aus Langeac (Haute-Loire), Maître Marin, beschreibt die getötete Kreatur wie folgt: „Länge: 1,50 m; Schulterhöhe 0,77 m; Maulspannweite 19 cm.“

Auszüge aus dem Marin-Bericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 1958 in den Archives Nationales wiederentdeckte Rapport Marin (Bündel F 10-476, Sammlung: Landwirtschaft: Zerstörung schädlicher Tiere) wurde am 20. Juni 1767 von Notar Roch Etienne Marin im Schloss von Besques gefertigt:

Erlegung der Bestie vom Gévaudan

„Monsieur le Marquis hatte dieses Tier in sein Schloss in Besques, Pfarrei Charraix tragen lassen. So haben wir uns entschlossen, uns dorthin zu begeben, um es dort zu untersuchen. […] Monsieur le Marquis ließ uns dieses Tier vorführen. Es schien ein Wolf zu sein, doch ein sehr außergewöhnlicher und sehr verschieden von den anderen Wölfen dieser Gegend. Das haben uns mehr als 300 Personen aus der Umgegend bezeugt. Einige Jäger und viele Fachleute haben ausgesagt, dass dieses Tier nur durch den Schwanz und das Hinterteil dem Wolf ähnelt. Sein Kopf ist ungeheuerlich. […] Sein Hals ist bedeckt von einem sehr dichten Fell von einem rötlichen Grau, durchzogen von einigen schwarzen Streifen; es hat auf der Brust einen großen weißen Fleck in Form eines Herzens. Die Pfoten sind bestückt mit vier Krallen, die viel mächtiger sind als die anderer Wölfe; besonders die Vorderbeine sind sehr dick und haben die Farbe des Rehbocks, eine Farbe, die Fachleute noch nie bei einem Wolf sehen konnten. Die Maße, die wir feststellen konnten: Länge Schwanzwurzel bis zum Kopfoberteil: 99 cm, […] Schulterbreite:30 cm, Durchmesser des Schwanzes: 9,5 cm.“

Es folgt eine längere Aufzählung der weiteren Körpermaße sowie eine genaue Beschreibung des Gebisses, weiterhin eine Liste mit 26 Namen von Personen, die eine Konfrontation mit dem Tier überlebt hatten und so bezeugen konnten, dass es wirklich die gesuchte Bestie war.

Da der verwesende Kadaver nicht nach Paris mitgenommen werden konnte, begnügte sich Chastel mit einer abgeschnittenen Pfote. Der französische Naturforscher Georges Louis Leclerc, Graf von Buffon, zeigte sich allerdings wenig beeindruckt.

Es gibt verschiedene moderne Hypothesen, die bezweifeln, dass es sich bei der „Bestie“ um einen Wolf gehandelt haben soll:

In den Fernsehdokumentationen The Real Wolfman und Das Geheimnis der Werwölfe wurde die These vertreten, es könnte sich aufgrund Größe, Aussehens und Fellfarbe des erlegten Tiers um eine Tüpfelhyäne (weniger wahrscheinlich um eine Streifenhyäne oder eine Schabrackenhyäne) gehandelt haben, die aus Afrika mitgebracht wurde. Dagegen spricht unter anderem, dass die von Chastel getöteten Tiere eine andere Anzahl von Zähnen besaßen. Eine Hypothese besagt, ein aus Afrika mitgebrachter Afrikanischer Wildhund könne die Überfälle verursacht haben. Auch die Theorie von tollwütigen Wölfen ist nicht zu halten, da es sich um gezielte Angriffe und schnelles anschließendes Verbergen handelte, was beides nicht für erkrankte Tiere spricht. Aus dem Umstand, dass Chastel die „Bestie“ von vorne (durch die Brust) tötete, obwohl diese hauptsächlich Frauen und Kinder, nur selten erwachsene Männer und nie bewaffnete Jäger angegriffen oder gerissen hatte, schloss der Wolfsbiologe Ronald D. Lawrence, dass die Tiere Chastel kannten und darum von ihm von vorne erlegt werden konnten (weil sie möglicherweise ausgebrochen und außer Kontrolle geraten waren oder weil Chastel von sich ablenken wollte). Lawrence und Michel Louis halten die von Chastel erlegten Tiere für Hybriden zwischen Wölfen und Hunden, was Größe, Färbung und Aggressivität (durch fehlende Scheu vor Menschen) erklären könnte.

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine andere Vorstellung von der Bestie

Die Geschichte der Bestie vom Gévaudan wurde als Pakt der Wölfe (französisch Le Pacte des loups) mit Samuel Le Bihan, Monica Bellucci und Vincent Cassel in den Hauptrollen verfilmt.

Im Frühjahr 2000 begann der französische Regisseur Christophe Gans in Esparros im französischen Departement Hautes-Pyrénées mit den Dreharbeiten zu diesem groß angelegten Film (30 Millionen Euro), der die Ereignisse im Gévaudan zum Thema hat. Gans, der Mitautor des Drehbuches, hatte sich intensiv mit den alten Dokumenten befasst. In der Rahmengeschichte schreibt der alte Marquis d’Apcher an seinen Memoiren, die dann zur eigentlichen Handlung des Filmes hinüberführen, die sich an den tatsächlichen Geschehnissen orientiert. Eine der frei erfundenen Figuren im Film ist der Indianer Mani (dargestellt von Mark Dacascos), der Wegbegleiter des Protagonisten. Der Film lief im Januar 2001 in Frankreich an.

Kommentare zum Film:

„In dem Film geht es um Wölfe, französische Aristokraten, Geheimgesellschaften, Irokesen-Indianer, Kampfkünste, okkulte Zeremonien, heilige Pilze, Prahlhänse, inzestuöses Verlangen, politische Unterwanderung, tierische Geister, blutige Schlachtszenen und Bordelle.

Das Einzige, was man nicht tun sollte, ist, diesen Film ernst zu nehmen. Seine Wurzeln liegen in traditionellen Monster-Sex-Fantasy-Filmen mit Spezialeffekten.“

Roger Ebert: [1]

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine weitere Verfilmung des Stoffes erfolgte unter dem Titel Die Bestie der alten Berge (La bête du Gévaudan) als Fernsehfilm, Frankreich 2003, mit einer Erstausstrahlung bei ARTE am 7. Januar 2005. Regie: Patrick Volson mit Sagamore Stévenin (Pierre Rampal), Léa Bosco (Françounette), Jean-François Stévenin (Jean Chastel), Guillaume Gallienne (Abbé Pourcher), Vincent Winterhalter (Comte de Morangie) und Louise Szpindel (Judith).

Kommentar zur Verfilmung:

„Die neue Verfilmung der in Frankreich sprichwörtlich bekannten Legende der Bestie vom Gévaudan besticht durch ihre überraschenden Wendungen und wirft zudem die Frage auf, wie viel Wahrheit in jeder Sage steckt. Mit einer brillanten Fotografie, prächtigen Kostümen und Kulissen sowie packenden Aktionsszenen verführt sie in ferne Zeiten und beeindruckt durch Schauspielleistungen wie dem erstmalig gemeinsamen Auftritt von Vater und Sohn Stévenin.

Ein schauspielerisches Glanzstück liefert Jean-François Stévenin in „Die Bestie der alten Berge“. Facettenreich moduliert er seine Rolle des verleumdeten Jean Chastel vom abgeklärten Außenseiter zu einem Mann, der nach dem Tod seiner Frau den Verstand verliert.“

ARTE[2]

Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschehnisse um die Bestie vom Gévaudan werden in einem Museum in Saugues im gleichnamigen Kanton anschaulich dargestellt. 24 Szenen mit lebensgroßen Figuren lassen die Geschichte lebendig werden, untermalt von einer lebhaften Schilderung (in französischer Sprache) und Tonkulisse.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean-Claude Bourret: Le secret de la bête de Gévaudan. Editions du Signe, Paris 2010, ISBN 978-2-7468-2379-2 (Band 1), ISBN 978-2-7468-2493-5 (Band 2).
  • Pascal Cazottes: La Bête du Gévaudan. Enfin démasquée? Les 3 Spirales, La Motte d’Aigues 2004, ISBN 2-847730-24-9 (etwas reißerisch).
  • Michel Louis: La bête du Gévaudan. Perrin, Paris 2001, 2003, ISBN 2-262020-54-X (der Autor, Zoodirektor in Amneville, vertritt unterschwellig die These von einem Wolfshund, der von Chastel abgerichtet worden sei).
  • Pierre Pourcher: Histoire de la Bête du Gévaudan. Véritable fléau de Dieu, d'après les documents inédits et authentiques. 2 Bände. Saint-Martin-de-Boubaux 1889, Ed. Altaïr, Neuilly-sur-Seine 2000, Lafitte, Marseille 2006, ISBN 2-86276-440-X (enthält viele Dokumente und liest sich wie ein Polizeibericht).
  • Henri Pourrat: Histoire fidèle de la bête du Gévaudan. Edition Laffitte, Paris 1999, ISBN 2-734806-46-0.
  • Verein für kryptozoologische Forschungen: Der Fährtenleser – Ausgabe 1. Twilight-Line, Edition BOD, Krombach 2007, ISBN 978-3833493829.
  • Michael Schneider: Spuren des Unbekannten. Kryptozoologie, Monster, Mythen und Legenden. BoD, 2002, ISBN 3-8311-4596-2.
  • Jay M. Smith: Monsters of the Gévaudan. The Making of a Beast. Harvard University Press, 2011, ISBN 9780674047167.
  • Richard H. Thompson: Wolf-Hunting in France in the Reign of Louis XV. The beast of the Gevaudan. Edwin Mellen Press, New York 1992, ISBN 0-889467-46-3.
  • Utz Anhalt: Serienmörder der Geschichte. Die Bestie vom Gevaudan. In: Karfunkel. Zeitschrift für erlebbare Geschichte. Band 97, 2011., S. 24–31.

Literarische Verarbeitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bestie des Gévaudan – Bildersammlung

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Original: „The one thing you don’t want to do is take this movie seriously. […] Its heart is in the horror-monster-sex-fantasy-special effects tradition.“
  2. arte.tv: Die Bestie der alten Berge (Memento vom 21. Juli 2012 im Webarchiv archive.is)