Betriebliches Mobilitätsmanagement

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Betriebliches Mobilitätsmanagement umfasst alle Maßnahmen, die Unternehmen ergreifen, um den von ihnen verursachten Verkehr zu lenken und möglichst zu verringern.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt verschiedene Verkehrsströme, die von Unternehmen initiiert werden und somit durch das Unternehmen gesteuert werden können. Darunter fallen Fahrten von und zur Arbeitsstätte der Mitarbeiter und betriebliche Fahrten wie Dienst- oder Geschäftsreisen. Diese Belastung trifft zum einen die Unternehmen selbst, zum anderen werden durch diese betrieblich bedingten Fahrten Verkehrswege von Kommunen, Ländern und dem Bund beansprucht. Das Betriebliche Mobilitätsmanagement setzt dabei auf eine effizientere Gestaltung dieser Fahrten und der gleichzeitigen Reduzierung.

Für Unternehmen ergeben sich aus dem Trend zur verstärkten Nutzung des Pkw als Beförderungsmittel der Mitarbeiter für den Weg zur Arbeit erhöhte Ausgaben für Berufsgenossenschaften. In den Jahren von 1980 bis 1999 stieg die Anzahl der Wegeunfälle um 16 %, während die Anzahl der Arbeitsunfälle um 22 % zurückging.[1] Die somit gewonnenen Verbesserungen im Bereich des Arbeitsschutzes werden durch die vermehrten Wegeunfälle größtenteils aufgebraucht. Für Unternehmen ergeben sich durch den Arbeitszeitausfall und die Bereitstellung von Parkflächen negative Effekte, die im Betrieblichen Mobilitätsmanagement verringert werden sollen.

Das Betriebliche Mobilitätsmanagement hat seinen Ursprung in den USA. Dort wurde bereits in den 1970er Jahren versucht, mittels Konzepten zur Steuerung des Berufsverkehrs die geltenden Luftreinhaltegesetze einzuhalten. Vor allem im Güterverkehr spielt das betriebliche Mobilitätsmanagement auf Grund des Geschäftszweckes bereits seit längerer Zeit eine entscheidende Rolle. In Europa konnten die Niederlande Reduktionen von bis zu 20 % des Pkw-Verkehrs messen.[2]

Effekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen profitieren in vielerlei Hinsicht von positiven Effekten des Betrieblichen Mobilitätsmanagements:

  • Die Erreichbarkeit hilft Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern, das Unternehmen pünktlich und mit weniger Gefahren zu erreichen. Der durch geringere Staus im Umfeld des Unternehmens erzielte Zeitgewinn kann direkt in einer besseren Produktivität münden. Zudem besitzt das Unternehmen am Markt eine höhere Attraktivität, da der Stress- und Kostenfaktor geringer ist.
  • Durch die Verringerung von Parkflächen für Mitarbeiter kann das Unternehmen teure Grundstücke verkaufen oder anderweitigen betrieblichen Nutzungen zuführen. Gleichzeitig können durch die Reduzierung von Dienst- und Geschäftsreisen die Kosten für einen unternehmenseigenen Fuhrpark reduziert werden. Dies wirkt sich gleichzeitig positiv auf die Kosten für Wartung und Instandhaltung aus. Weitere Kostenvorteile lassen sich durch die verringerte Zahl an Unfällen mit Arbeitszeitausfall generieren.
  • Ein psychologischer Faktor ist die erhöhte Mitarbeitermotivation. Mitarbeiter, die mit dem Pkw zur Arbeit fahren sind gestresster, als diejenigen, die den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad benutzen. Die negative Auswirkung von Stress am Arbeitsplatz kann durch betriebliches Mobilitätsmanagement verringert werden.
  • Durch die Verringerung des betrieblich bedingten Verkehrs wird die Umweltbelastung durch Schadstoffe gesenkt. Das Unternehmen kann somit aktiv am Umweltschutz arbeiten und gleichzeitig seine eigenen Kosten verringern.[1][2][3]

Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Umsetzung des Betrieblichen Mobilitätsmanagements werden oft Maßnahmen zur Förderung des ÖPNV oder des Radfahrens ergriffen. Spezifische Maßnahmen können sein:

  • Wettbewerbe, z. B. „Mit dem Rad zur Arbeit“
  • Infrastruktur, z. B. Duschen am Arbeitsplatz, Zurverfügungstellen von abschließbaren Schränken, Fahrradstellplätze,
  • Bereitstellung von Zeitkarten für den ÖPNV
  • Einrichtung nahe gelegener Haltestellen
  • Förderung von Dienstfahrrädern statt Dienstautos (z. B. JobRad)
  • Förderung von Bahncards
  • Bereitstellung von lokalen Leihrädern bei großen Betrieben
  • Erstellung eines Mobilitätskonzeptes, das die Mobilität der Beschäftigten erfasst und Maßnahmen identifiziert, die wünschenswerte Mobilitätsformen unterstützen

Betriebliches Mobilitätsmanagement stellt damit einen Ansatzpunkt zur Förderung nachhaltiger und gesunder Mobilität dar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Rauh, Christian Bleckmann: Mobilitätsmanagement - Nutzen für alle. VCÖ, Wien 2004, ISBN 978-3-901204-40-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Guido Müller: Betriebliches Mobilitätsmanagement Status Quo einer Innovation in Deutschland und Europa. (Nicht mehr online verfügbar.) In: http://www.stuttgart.de. Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes Nordrhein-Westfalen Forschungsbereich Verkehr, November 2001, ehemals im Original; abgerufen am 31. Januar 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/www.stuttgart.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. a b Betriebliches Mobilitätsmanagement. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 20. August 2016; abgerufen am 31. Januar 2018 (deutsch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mobilitaetsmanagement.nrw.de
  3. Ute Jansen: Wirtschaftsunternehmen reduzieren den berufsverkehr. In: http://www.vpl.tu-dortmund.de. Universität Dortmund, Januar 2003, abgerufen am 31. Januar 2018.