Betriebshof Niederschönhausen

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Betriebshof Niederschönhausen, 1914
Betriebshof Niederschönhausen, 2010

Der Betriebshof Niederschönhausen (Nie) befindet sich an der Dietzgenstraße in Berlin-Niederschönhausen. Die Anlage wurde als Hof 3 der Großen Berliner Straßenbahn (GBS) eröffnet und wird gegenwärtig von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) genutzt. Zudem beheimatete der Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin (DVN) bis Januar 2016 in dem Depot seinen Bestand an historischen Fahrzeugen der Berliner Straßenbahn. Der Komplex wurde 1901 errichtet und 1924 nach Entwürfen von Jean Krämer erweitert. Er steht unter Denkmalschutz.[1]

Von Niederschönhausen aus wurden vornehmlich die Linien im Bezirk Pankow bedient, nach 1949 vornehmlich die Äste nach Rosenthal, Niederschönhausen und Buchholz.

Lage und Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Betriebshof liegt an der Kreuzung Dietzgenstraße Ecke Schillerstraße und schließt an die von der Gemeinde Niederschönhausen betriebene Pferdebahnstrecke an. Nach Osten zweigt eine Stichstrecke in die Schillerstraße ab. Der Hof umfasst zwei Wagenhallen mit 19 beziehungsweise sieben Abstellgleisen, daran angeschlossen eine Montagehalle und diverse Betriebsräume. Am nördlichen Rand des Betriebsgeländes an der Dietzgenstraße befindet sich das viergeschossige Verwaltungsgebäude. Daran angeschlossen liegen entlang der nördlichen Hofbegrenzung Räume für Personal, Toiletten und der Betriebsarzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Fahrzeuge des DVN im Betriebshof, 2008

Zwischen 1896 und 1902 elektrifizierte die Große Berliner Pferde-Eisenbahn, die ab 1898 als Große Berliner Straßenbahn firmierte, ihr umfangreiches Streckennetz. Zur Unterbringung der elektrischen Fahrzeuge reichten die bisherigen Depots der Pferdebahn nicht immer aus, so dass im gleichen Zeitraum acht neue Betriebshöfe ausschließlich für den elektrischen Betrieb errichtet wurden. Der Hof in Niederschönhausen wurde als letzter am 26. Mai 1901 eröffnet. Einhergehend damit wurde die von der GBS betriebene Linie endgültig auf den Oberleitungsbetrieb umgestellt.[2]

Der Hof hatte auf einer Fläche von 25.483 Quadratmetern eine Abstellkapazität von 190 Wagen mit einer Länge von je etwa elf Metern. Durch ein Sheddach wurden die Hallengleise mit Tageslicht beleuchtet. Das Gelände war weitgehend ummauert. 1920 errichteten die auf dem Hof stationierten Straßenbahner ein Denkmal für ihre im Ersten Weltkrieg gefallenen Kollegen. 1924 wurde nach Entwürfen von Jean Krämer ein südlicher Anbau verwirklicht, dessen Beleuchtung über eine Dreigelenk-Bogenbinder erfolgte. Daran angeschlossen wurden auch eine Montagehalle, Schmiede, Umkleideräume und das Lager untergebracht. Bis in die 1950er Jahre befand sich in diesen Anbauten auch eine Schuhmacherei. Die Mauer entlang der Schillerstraße wurde bei der Erweiterung entfernt. Östlich des Geländes errichtete die Heimstättengesellschaft der BVG in den 1930er Jahren Wohnungen für die Betriebsangehörigen.[2]

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Hallen und das Verwaltungsgebäude beschädigt, das Dachgeschoss wurde bei diesem Bau nicht vollständig wieder aufgebaut. Zwischen den Flachbauten für Personal und den Toiletten wurden in den 1950er Jahren ein zweigeschossiger Bau für den zuständigen Betriebsarzt eingefügt. Nördlich des Geländes wurde ein Kulturhaus für die BVG-Mitarbeiter errichtet, in dem auch öffentliche Filmvorführungen stattfanden. In näherer Entfernung entstand ferner ein Kinderwochenheim. Das Gefallenendenkmal wurde Anfang der 1970er Jahre wieder entfernt.[2]

Das Gelände wurde Anfang der 1990er Jahre unter Denkmalschutz gestellt, nachdem die BVG den Hof entsprechend diesen Anforderungen umbauen ließ. Seit dem 1. November 1999 werden Linienzüge nicht mehr planmäßig von Niederschönhausen aus eingesetzt. Gründe hierfür liegen vor allem in der Gleisanordnung; da die Züge bei Rangierfahrten teilweise bis auf die Dietzgenstraße, in deren Zuge die Bundesstraße 96a verläuft, ausrücken müssen.[2] Weiterhin ist eine betriebliche Nutzung der Bauten durch die BVG aufgrund des hohen Investitionsbedarfs zur Einhaltung aktueller Vorschriften nicht mehr möglich. Für Ausnahmefälle, etwa Bauarbeiten im Teilnetz Pankow und der Schönhauser Allee wird der Hof jedoch betriebsfähig gehalten. Der DVN nutzte bis Anfang 2016 die Hallen zur Unterbringung seiner historischen Fahrzeuge.[3]

Mittlerweile sind die Hallen mit den Gleisen 1 bis 19 wegen drohender Einsturzgefahr des Daches gesperrt. Der Werkstatttrakt (Gleise 20 bis 26) sowie das weitere Gelände werden von BVG-Einrichtungen dagegen weiterhin genutzt.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Demps: 100 Jahre Straßenbahn-Betriebshof Niederschönhausen. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 5, 2001, S. 79–82.
  • Siegfried Münzinger: Die Betriebshöfe der Berliner Straßenbahnen. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 6, 1969, S. 89–103.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Betriebshof Niederschönhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste
  2. a b c d Reinhard Demps: 100 Jahre Straßenbahn-Betriebshof Niederschönhausen. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 5, 2001, S. 79–82.
  3. Drucksache 17/15398. Abgeordnetenhaus Berlin, 11. Februar 2015, abgerufen am 25. Februar 2015 (PDF).
  4. Kurzmeldungen – Straßenbahn. In: Berliner Verkehrsblätter. Nr. 12, 2016, S. 244.

Koordinaten: 52° 35′ 27″ N, 13° 24′ 12″ O