Better Cotton Initiative

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Textlogo der Better Cotton Initiative

Die Better Cotton Initiative (BCI, dt. etwa Initiative für bessere Baumwolle) ist eine Multi-Stakeholder-Initiative mit dem Ziel, nachhaltigere Produktion von Baumwolle zu fördern. Hinter dem freiwilligen Nachhaltigkeitsstandard steht die gleichnamige Organisation mit Sitzen in Genf und London.[1] Sie ist Mitglied der ISEAL Alliance.[2] Anders als Label wie Fair Trade, UTZ Certified oder dem Bio-Siegel zertifiziert BCI keine Endprodukte. Nach Selbstdarstellung zielt sie darauf ab, die weltweite Baumwollproduktion insgesamt nachhaltiger zu machen, indem einerseits Baumwollfarmer in nachhaltiger Bewirtschaftung trainiert werden und gleichzeitig durch die baumwollverwertenden Mitglieder der Initiative Druck auf die Lieferkette ausgeübt wird, Baumwolle aus nachhaltiger Produktion zu verarbeiten.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemaliges Logo

Die Gründung erfolgte 2005 von einer Reihe an Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Gründungsmitglieder aus der Industrie waren adidas, Gap (inzwischen ausgeschieden), H&M und IKEA sowie die Nichtregierungsorganisationen ICCO, IFAP, IFC, Organic Exchange, Oxfam (inzwischen ausgeschieden), das Pesticide Action Network UK und der WWF. 2009 wurde der neu erarbeitete Standard erstmals angewandt.[4] Seitdem sind neben weiteren Unternehmen und NGOs diverse Produzenten, Handelshäuser und Verarbeiter der Initiative beigetreten.[5]

Arbeitsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeit der Better Cotton Initiative findet auf sechs Ebenen statt:[6]

  1. Definition von Produktionsstandards für "Better Cotton"
  2. Unterstützung von Baumwollfarmern bei der Umsetzung
  3. Regelmäßige Prüfung und Bewertung von landwirtschaftlichen Betrieben
  4. Aufbau von Lieferketten für "Better Cotton"
  5. Überwachung, Evaluation und Weiterentwicklung
  6. Bereitstellung von Foren zur Weitergabe von Wissen und Best practices

Anforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nachhaltigkeitsstandard konzentriert sich auf die Bereiche Pestizideinsatz, Wasserverbrauch, Bodenschutz, Produktqualität und Soziales.[7] Ähnlich wie bei UTZ Certified setzt die Zertifizierung von Produkten als "Better Cotton" nicht voraus, dass alle Kriterien erfüllt sind, sondern neben der Sicherstellung bestimmter Mindeststandards lediglich kontinuierliche Verbesserung. Mindestabnahmepreise wie beim fairen Handel gibt es nicht.

Mehrere andere Gütesiegel für den Baumwollanbau werden von der BCI gleichwertig anerkannt:

Standard Land/Region Zeitraum
my Best Management Practice (myBMP) Australien seit 2014[8]
Algodão Brasileiro Responsável (ABR) Brasilien seit 2014[9]
Agro-2 Griechenland seit 2020[10]
Israel Cotton Production Standard System (ICPSS) Israel seit 2020[11]
Cotton made in Africa (CmiA) Subsahara-Afrika 2013–2022[12]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach vorläufigen Feststellungen der Initiative verbrauchten die zertifizierten Farmer in Indien in der Saison 2011–2012 im Schnitt 20 % weniger Wasser pro Hektar und 40 % weniger Pestizide, während die Ernte gleichzeitig um 20 % und die Rentabilität um 50 % höher lag als bei Vergleichsfarmern.[13]

Marktanteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 2021/21 wurden 4.670 Kilotonnen Baumwolle nach dem BCI-Standard oder einem anerkannten Vergleichsstandard produziert. Das entsprach etwa 19,16 % der Weltproduktion. Davon wurden 1.935 kt (ca. 41,4 %) mit dem BCI-Standard ausgezeichnet, der Rest nach den als gleichwertig anerkannten Nachhaltigkeitsstandards Algodão Brasileiro Responsável (1.968 kt), Cotton made in Africa (677 kt) und myBMP (145 kt).[14]

Unethisches Handeln und Greenwashing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut der französischen Dokumentation „Coton: l’envers de nos tee-shirts“ der Magazinreihe „Cash Investigation“ des Fernsehsenders France 2 aus dem Jahr 2017 (deutscher Titel: „Schmutzige Baumwolle – Sklaven der Textilindustrie“, 2019[15]) sei BCI effektiv nur ein Greenwashing-Label, das dazu führen könne, dass weniger rein biologische Baumwolle angebaut werde. Bauern, die vorher rein biologische Baumwolle ohne Zusatzstoffe und Pestizide und v. a. ohne genetisch manipulierte Samen anbauten, könnten dank der BCI-Vergaberichtlinien jetzt die komplette Bandbreite an Pestiziden und gentechnisch veränderter Pflanzen verwenden. Ebenso werde nicht auf die Herkunft, sprich Ernte, und Verarbeitung Rücksicht genommen. Effektiv werde damit Kinder- und Zwangsarbeit in Kauf genommen, während die BCI-zertifizierten Produkte aber als „grüne“, sprich „saubere“ Baumwolle verkauft werden.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://bettercotton.org/about-bci/contact/
  2. panda.org: WWF - Better Cotton Initiative (Memento vom 14. Mai 2013 im Internet Archive)
  3. Joe Confino: Can the Better Cotton Initiative transform the global textile industry? Englisch. Online auf Guardian.co.uk vom 9. Dezember 2011.
  4. BCI History. In: bettercotton.org. Abgerufen am 16. November 2020 (englisch).
  5. Membership. In: bettercotton.org. Abgerufen am 10. April 2022 (englisch).
  6. bettercotton.org: The Better Cotton System (Memento vom 7. Mai 2013 im Internet Archive)
  7. Better Cotton Initiative - Production Principles and Criteria 2.0 (Memento des Originals vom 12. Juni 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bettercotton.org (PDF; 528 kB)
  8. Better Cotton in Australia (myBMP). In: bettercotton.org. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch).
  9. Better Cotton in Brazil (ABR). In: bettercotton.org. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch).
  10. Better Cotton in Greece (Agro-2). In: bettercotton.org. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch).
  11. Better Cotton in Israel. In: bettercotton.org. Abgerufen am 15. April 2022 (englisch).
  12. Aid by Trade Foundation und Better Cotton richten strategische Zusammenarbeit für 2023 neu aus. In: cottonmadeinafrica.org. 27. Januar 2022, abgerufen am 11. April 2022.
  13. bettercotton.org: Annual Report 2011 (Memento vom 7. Juni 2013 im Internet Archive; PDF; 4,62 MB)
  14. Textile Exchange (Hrsg.): Preferred Fiber and Materials Market Report 2022. S. 14–15 (englisch, textileexchange.org [PDF]).
  15. Schmutzige Baumwolle – Sklaven der Textilindustrie. Abgerufen am 17. Oktober 2019.
  16. French Documentary Team Exposes the Dirty Truth About Overseas Cotton. Abgerufen am 31. August 2019 (englisch).