Bettruhe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bettruhe ist ein Fachbegriff aus der Krankenpflege und Medizin. Man bezeichnet damit die Einhaltung einer liegenden Position im Bett auch außerhalb der Schlafenszeit. Gegenüber dem Schlaf dauert die Bettruhe den ganzen Tag oder mehrere Tage an.

Die früher übliche Gleichsetzung von strenger Bettruhe mit Schonung und Entlastung wird heute kritisch hinterfragt, denn lange Bettruhe ohne klaren Grund, sorgfältige Überwachung und Pflege kann sogar lebensgefährlich werden.

Man unterscheidet zwischen:

  • strenger Bettruhe
    • Aufstehen gar nicht erlaubt, Toilette auf die Bettschüssel, Waschen im Bett
  • eingeschränkter Bettruhe
    • Aufstehen unter Aufsicht und mit begrenzter Dauer.

Indikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch heute noch ist die Bettruhe für einen möglichst kurzen Zeitraum medizinisch manchmal sinnvoll oder sogar zwingend notwendig. Der schwerkranke Patient wird die Bettruhe oft freiwillig einhalten, da er gar nicht mehr anders kann. Hier stellt die Bettlägerigkeit das vorherrschende Problem dar.

Einige medizinische Gründe zur Bettruhe sind:

Probleme der Bettruhe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bettruhe bringt einige spezielle Probleme mit sich. Sehr unangenehm wird von den meisten Betroffenen die Toilette auf der Bettschüssel empfunden. Hier spielen eher psychische Gründe für die Ablehnung eine Rolle. Gravierender sind die echten negativen medizinischen Folgen der Bettruhe, vor allem, wenn diese mehrere Tage eingehalten werden muss. Hauptprobleme der Bettruhe sind die Thrombosegefahr und die Kreislaufschwäche bei Beendigung der Bettruhe. Weitere negative Erscheinungen sind:

Ausgleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man kann die Probleme der Bettruhe meist erheblich vermindern, wenn man spezielle Gegenmaßnahmen trifft. Bei nicht allzu schwer Erkrankten sind hydrotherapeutische Maßnahmen, Massagen und Abbürstungen als Ausgleichsverordnung zu empfehlen. Ein Bettfahrrad kann hilfreich sein. Auch bei strenger Indikation sollte die Bettruhe nach Möglichkeit aufgelockert werden, z. B. durch verstellbare Betten, zeitweiliges Sitzen im Sessel, Toilettengang auf den Nachtstuhl unter helfender Begleitung.

Kontraindikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch bei manchen schweren Erkrankungen, bei denen früher lange Bettruhe ein Standard der Behandlung war, ist man heute der Meinung, dass die Bettruhe mehr Probleme als Nutzen bringt. So wird man auch einen Patienten mit Lungenentzündung oder hohem Fieber aufstehen lassen, wenn er dies will. Wenn er kreislaufschwach ist, wird man ihm Unterstützung bieten. Auch bei anderen Krankheiten, die im Folgenden aufgelistet sind, ist der Nutzen strenger Bettruhe nicht gegeben oder nicht nachgewiesen:

  • längere Bettruhe bei Myokarditis
  • längere Bettruhe bei Herzinfarkt
  • strenge Bettruhe bei tiefer Thrombose

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. Allen, P. Glasziou, C. Del Mar: Bed rest: a potentially harmful treatment needing more careful evaluation. In: Lancet. 354(9186), 9 Oct 1999, S. 1229–1233. PMID 10520630
  • Kommentare:
    • K. W. Heaton: Dangers of bed rest. In: Lancet. 354(9194), 4 Dec 1999, S. 2004. PMID 10622336
    • K. S. Gebhardt, M. R. Bliss: Enforced bedrest. In: Lancet. 355(9206), 4 Mar 2000, S. 844. PMID 10711950
  • M. W. Bleeker, P. C. De Groot, G. A. Rongen, J. Rittweger, D. Felsenberg, P. Smits, M. T. Hopman: Vascular adaptation to deconditioning and the effect of an exercise countermeasure: results of the Berlin Bed Rest study. In: J Appl Physiol. 99(4), Oct 2005, S. 1293–1300. PMID 15932956

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicola Siegmund-Schultze: Immobilisation: Wenn Bettruhe krank macht. In: Deutsches Ärzteblatt. 105(4), 2008, S. A-146 / B-131 / C-131.
  • Jörg Blech: Von wegen Bettruhe. auf: abendblatt.de, 3. November 2007. (leicht gekürzt aus: Jörg Blech: Bewegung. Die Kraft, die Krankheiten besiegt und das Leben verlängert. Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2007)