Beuth Hochschule für Technik Berlin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Beuth Hochschule für Technik Berlin
Logo
Motto Studiere Zukunft
Gründung 1823
Trägerschaft staatlich
Ort Berlin-Wedding
Bundesland Berlin
Land Deutschland
Präsidentin Monika Gross
Studenten 12.519 WS 2014/15[1]
Mitarbeiter 461 (WS 2014/15)
davon Professoren 291 (WS 2014/15)
Jahresetat 84,4 Mio. Euro (2011)
Website www.beuth-hochschule.de

Die Beuth Hochschule für Technik Berlin (kurz: Beuth Hochschule, früher: Technische Fachhochschule Berlin) ist eine staatliche Hochschule in Berlin. An ihr sind über 12.000 Studierende in acht Fachbereichen in rund 70[1] Studiengängen eingeschrieben. Zudem hat sie rund 290 Professoren.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Beuth, Ansicht Lütticher Straße

Im Jahr 1823 erfolgte die Gründung einer Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin. 1878 entstand die Baugewerkeschule Berlin und 1880 die Erste Handwerkerschule Berlin. 1882 folgte die Fachschule für Maurer und Zimmerer. Seit 1892 bestand die Städtische Maschinenbauschule Max Eyth Berlin. Alle genannten Einrichtungen hatten verschiedene Standorte.

Im Jahr 1909 kam es zur Gründung der Ingenieurschule Beuth. Ebenfalls für die spätere Entwicklung bedeutend war die um 1910 eingerichtete Technische Mittelschule im Wedding, Lütticher Straße 37–39.[2] 1919 entstand die Gewerbeschule Charlottenburg, 1922 folgte die Ingenieurschule Gauß. Am 3. Mai 1936 wurde die Höhere Graphische Fachschule der Stadt Berlin eingeführt.

Die Beuth Hochschule ging aus den vier 1966 gegründeten Berliner Staatlichen Ingenieurakademien hervor:[3]

  • Die Staatliche Ingenieurakademie für Gartenbau ging aus der 1823 gegründeten Gärtnerlehranstalt zu Schöneberg und Potsdam-Wildpark hervor. Sie ist die älteste gärtnerische Lehranstalt Deutschlands.
  • Die Staatliche Ingenieurakademie Gauß entstand aus der 1880 eröffneten Ersten Handwerkerschule Berlin.
  • Die Staatliche Ingenieurakademie Beuth ging aus der 1909 gegründeten Technischen Mittelschule Berlin hervor.
  • Die Staatliche Ingenieurakademie für Bauwesen Berlin entstand 1945/1946, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Zusammenlegung zweier Bauschulen zu den Vereinigten Bauschulen von Groß-Berlin. Dabei handelte es sich um die
  • Baugewerkschule Neukölln – Leinestraße, hervorgegangen aus der 1913 gegründeten Königlich-Preußischen Baugewerkschule Neukölln
  • Baugewerkschule in der Kurfürstenstraße, hervorgegangen aus der 1878 gegründeten Baugewerkschule des Berliner Handwerker-Vereins
Aus den Vereinigten Bauschulen von Groß-Berlin wurden 1954 die Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen.

Im Jahr 1971 wurde die Technische Fachhochschule Berlin gegründet, in der weitere Fachbereiche und Studiengänge auch außerhalb des Bauwesens (z. B. Lebensmitteltechnologie) zusammengefasst wurden. Diese wurden nach und nach in überwiegend neuen Gebäuden an der Luxemburger Straße in Berlin-Wedding angesiedelt. Am 17. Januar 2008 beschloss die Akademische Versammlung die Umbenennung in Beuth Hochschule für Technik Berlin zum 1. April 2009.[4][5] Die Fachhochschule ist benannt nach Christian Peter Wilhelm Beuth. Er wird als „geistiger Vater der Ingenieurausbildung in Deutschland“ seitens der Fachhochschule genannt, da er 1821 mit dem Technischen Institut in Berlin die erste derartige Schule in Preußen initiierte.

Aufgrund der langen Vorgeschichte der Beuth Hochschule mit ihren unterschiedlichen Gründungselementen in verschiedenen Bezirken gibt es kein wirkliches Hauptgebäude. Das Haus Beuth an der Lütticher Straße am Campus gilt als Zentrale der Hochschule, da sich hier die Hauptverwaltung befindet.

Die Häuser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hochschule nutzt neben den Häusern auf dem Campus Wedding noch traditionell das Gebäude der Technischen Fachhochschule in der Kurfürstenstraße in Berlin-Schöneberg sowie das Forum Seestraße in den Osram-Höfen.

Haus Beuth (A)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingangsportal Lütticher Straße

Das Haus Beuth ist das älteste Gelände auf dem Campus. Es entstand zwischen 1908 und 1910 als 53. und 300. Gemeindeschule, Diesterweg-Realschule und Technische Mittelschule durch den Stadtbaurat Ludwig Hoffmann unter Mitwirkung des Magistratsbaurats Georg Matzdorff, Stadtbaumeisters Straßmann, Regierungsbaumeisters Salingré sowie der Architekten Julius Buchholz und Gerecke. Die Skulpturen waren Werke von Ignatius Taschner.

Mit seiner außerordentlichen Größe und räumlichen Vielfalt bildet das "Schulschloss" eine Ausnahme im Werk Ludwig Hoffmanns und im Schulbau der Stadt Berlin. Häufig wurden vor dem Ersten Weltkrieg Schulen zu Baugruppen zusammengefasst, aber nur am Zeppelinplatz ergab sich die einzigartige Kombination von vier schulischen Einrichtungen unterschiedlicher Schularten. Die Schulen nutzen nicht nur einen gemeinsamen Standort wie etwa die Gemeindeschulen an der Antonstraße, sondern sind in einem gemeinsamen Gebäude vereint, ohne als eigenständige Einheiten erkennbar zu sein. Das schlossartige Bauwerk an Lütticher Straße 37–39, Ostender Straße 39/40, Antwerpener Straße 15 und Limburger Straße umfasst einen ganzen Baublock und beherrscht das umliegende Wohngebiet. Es erinnert in der Formensprache an das nur wenige Hundert Meter entfernte, 1906 von Hoffmann errichtete Rudolf-Virchow-Krankenhaus.

Ludwig Hoffmann betonte die Hauptfassade an der Lütticher Straße, den Flügel der Diesterweg-Realschule, mit einem monumentalen blockhaften Turmaufsatz, der nach zwei Geschossen mit einer barocken Balustrade flach abschließt. Dem Realschultrakt waren zwei Lehrerwohnhäuser vorgelagert, die, im Grundriss ein L bildend, die Straßenecken markierten. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ist nur noch das rechte Lehrerwohnhaus erhalten. Im Flügel an der Ostender Straße war die 53. und 300. Gemeindeschule untergebracht. Die Technische Mittelschule, gegründet 1909, nutzte die Klassentrakte an Antwerpener und Limburger Straße. Im Innenhof ist ein niedriger Querbau angeordnet, der als Laboratorium und Versuchswerkstatt für Maschinen diente. Eiserne Fachwerkbinder überspannen den Hallenraum, der auch heute noch technische Laboratorien beherbergt. Dem Quergebäude entsprachen zwei Turnhallen an der gegenüberliegenden Seite des Innenhofs, die jedoch 1945 den Bomben zum Opfer fielen. Nach wiederholten Luftangriffen zwischen 1941 und 1945 musste der Lehrbetrieb eingestellt werden und wurde nach der totalen Demontage der technischen Einrichtungen in die Grüntaler Straße verlegt werden. Der Bestand der Bibliothek sowie das transportable Mobiliar wurden durch Russische Truppen auf einem großen Scheiterhaufen im Innenhof des Hauses Beuth verbrannt. Der kriegszerstörte Flügel an der Ostender Straße wurde 1956–1957 wiederaufgebaut.[6] Es ist ein gelistetes Baudenkmal.

Das Haus beherbergt traditionell die Fachbereiche mit Schwerpunkt Maschinenbau. Im vorgelagerten Annex-Haus an der Lütticher / Limburger Straße befindet sich das Präsidium.

Haus Gauß (B)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Gauß, Ansicht Amrumer Straße

Das Haus war ab 1963 Sitz der Staatlichen Ingenieurakademie Gauß, die sich zuvor in der Bochumer Straße 8 befand und ist nach dem Mathematiker, Astronomen, Geodäten und Physiker Carl Friedrich Gauß (1777–1855) benannt. Der Gebäudekomplex entstand 1960–1964 durch Herbert Rimpl und besteht aus einem 150 Meter langen fünfgeschossigen Hauptgebäude, einem parallel dazu angeordneten eingeschossigen Labortrakt und einer Aula. Mit dem außen sichtbaren Stahlbetonskelett, dem kubischen Aufbau und den großen Fensterflächen ist das Hochschulgebäude ein typisches Beispiel für die moderne Architektur der 1950er und 1960er Jahre. Dem Hauptgebäude ist die Aula vorgelagert. Auf einem zurückgesetzten Unterbau ruht ein kubisches, an drei Seiten geschlossenes Obergeschoss. Der Bezirk Wedding ließ die Aula, nunmehr Max-Beckmann-Saal, 1988–1990 in einen Mehrzwecksaal für Konzert- und Theaterveranstaltungen umbauen, der heute das Atze Musiktheater beherbergt. Das Hauptgebäude wurde 1994–1996 durch die Berliner Architekten Lautsch & Partner um ein Geschoss aufgestockt.[7] Es ist ein gelistetes Baudenkmal.

Das Haus Gauß beherbergt vor allem die Bereiche der Elektrotechnik sowie Informatik und Wirtschaftsingenieurwissenschaften.

Haus Grashof (C)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Grashof an der Luxemburger Straße

Das Haus Grashof entstand von 1968 bis 1973 als Erweiterung zum Haus Beuth und ist mit diesem durch einen Übergang verbunden. Es trägt den Namen des Maschinenbau-Ingenieurs Franz Grashof (1826–1893), Mitbegründer des Akademischen Vereins Hütte, Mitbegründer und erster Direktor des VDI von 1856 bis 1890. Es besteht aus einem Hochhaus mit zwölf Obergeschossen und dem vorgelagerten Flachbau in welchem die die Labore der Elektrotechnik und des Maschinenbaus untergebracht sind. Hier befindet sich auch der größte Hörsaal, der am 20. November 2013 in Ingeborg-Meising-Saal umbenannt wurde und zuvor Beuth-Saal hieß. Ingeborg Meising (1921-2012) war Mathematikerin und wurde 1971 als erste Professorin an die Technische Fachhochschule berufen. Im Untergeschoss gibt es eine Cafeteria. Teile des Hauses wurden 2012 neu gestaltet. 2005 wurde ein Gewächshaus (G) für den Studiengang Gartenbau vor dem Haus fertiggestellt.

Haus Bauwesen (D)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Bauwesen

Das Haus für Bauwesen entstand von 1972 bis 1976 durch die Architekten von Beulwitz und Bonn. Es ist in zwei Längstrakte gegliedert, die durch drei Zwischenbauten miteinander verbunden sind. In den Längstrakten gibt es Hörsäle, Lehr- und Büroräume sowie die Bibliothek, die Mensa und das Hochschulrechenzentrum. Das Haus Bauwesen beherbergt die nach dem Zusammenschluss der Ingenieurakademie zur Technischen Fachhochschule Berlin im Jahre 1971 übernommenen Studienschwerpunkte Architektur, Bau sowie Geowissenschaften der ehemaligen Ingenieurakademie für Bauwesen Kurfürsten und Leinestraße. Außerdem befindet sich hier das Fernstudieninstitut.

Forum Seestraße (F)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forum Seestraße

Das ehemalige Glühlampenwerk entstand zwischen 1904 und 1910 durch den Architekten Hermann Enders für die Sigmund Bergmann Glühlampen AG. Weitere Bauten kamen 1912–1914 und 1936–1937 hinzu. Die Fabrik wurde 1935 von der Osram GmbH übernommen, in Osram Werk B umbenannt und zum größten Glühlampenwerk Europas ausgebaut.[8] Nach 1990 wurde das Werk aufgegeben, es entstanden die Osram-Höfe, ein vielfältig genutztes Geschäfts- und Gewerbezentrum. Von der Beuth Hochschule wird seit 1987 das ehemalige Verwaltungsgebäude an der Seestraße 64 im 2., 3. und 5. Obergeschoss nach Umbau zu Laboratorien durch die TFH genutzt. Hier befinden sich Einrichtungen der Bereiche Life Sciences und Medizinisch/ Physikalische Technik, sowie Umwelttechnologien/-wissenschaften.

Haus Kurfürstenstraße (K)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Kurfürstenstraße

Das Haus Kurfürstenstraße entstand von 1911 bis 1914 als Baugewerkschule durch den Stadtbaurat Ludwig Hoffmann und wurde noch kurz vor Kriegsbeginn 1914 eingeweiht.[9] Durch Kriegsschäden wurde das Gebäude unbenutzbar, es verfügte lange Zeit nur über ein Notdach und einer der Seitenflügel war den Bomben gänzlich zum Opfer gefallen. Erst 1953, nach dem der Wiederaufbau beendet worden war, konnte der Lehrbetrieb in der Kurfürstenstraße 141 mit den Schwerpunkten Hochbau und Tiefbau wieder aufgenommen werden. Nach der Eingliederung der nunmehr „Staatliche Ingenieurschule (bzw. -akademie) für Bauwesen Berlin“ genannten Einrichtung in die Technische Fachhochschule, erfolgte 1976 der Umzug der Baufachbereiche in das Haus Bauwesen. Das Haus wird für den Fachbereich Lebensmitteltechnologie genutzt. Heute befinden sich dort die Gründerwerkstatt der Beuth Hochschule sowie der Studiengang Augenoptik und Optometrie. Das Haus ist ein gelistetes Baudenkmal.

Fachbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beuth Hochschule ist in kleinere Fachbereiche anstelle von Fakultäten gegliedert. Es bestehen acht Fachbereiche mit jeweils drei bis neun Studiengängen.

Als erste Fachhochschule in Berlin laufen sämtliche Diplom-Studiengänge seit dem Wintersemester 2005 aus und es werden nur noch Bachelor- und Master-Studiengänge angeboten. Außerdem ist sie die einzige Fachhochschule Deutschlands, die als staatliche Institution ein Studium der Theater- und Veranstaltungstechnik anbietet.

Weitere Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Virtuelle Fachhochschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Hochschulverbundes Virtuelle Fachhochschule (VFH) werden länderübergreifend mehrere Online-Studiengänge angeboten.[10]

Von 1999 bis 2003 nahm die Technische Fachhochschule Berlin am Bundesleitprojekt Virtuelle Fachhochschule für Technik, Informatik und Wirtschaft teil. Ziel des Projektes war es, das FH-Studium den geänderten gesellschaftlichen und technischen Bedingungen anzupassen sowie weitergehende Anpassungsfähigkeit aufzubauen und dauerhaft sicherzustellen. Neben der Technischen Fachhochschule Berlin arbeiteten an der Entwicklung der Virtuellen Fachhochschule 10 weitere Fachhochschulen, 2 Universitäten, die Tarifpartner sowie Firmen aus den norddeutschen Bundesländern und das Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen.[11] Nach erfolgreichem Projektabschluss wird die Organisation an der Beuth Hochschule vom Labor Online Learning weitergeführt.

Zentrales Fernstudieninstitut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beuth Hochschule verfügt über ein Fernstudieninstitut (FSI), das 1983 als Zentralinstitut gegründet wurde. Für dessen weiterbildende Fernstudienangebote wird ein Nutzungsentgelt erhoben. Studierende der Masterstudiengängen bekommen auch einen Studentenstatus.

Hochschulsport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Des Weiteren verfügt die Beuth Hochschule über eine Zentraleinrichtung für Hochschulsport, die zum Beispiel auch Olympiastützpunkt Berlin ist. Außerdem werden hier die Sicherheitskräfte im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) weitergebildet.

Professoren (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Absolventen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Über uns – Zahlen und Fakten. Beuth Hochschule für Technik Berlin
  2. Lütticher Straße 37–39. In: Berliner Adreßbuch, 1911, III, S. 969. „50. und 300. Gemeindeschule – XIV. Realschule – I. Technische Mittelschule“.
  3. Beuth Hochschule Geschichte
  4. Beuth Hochschule für Technik Berlin, TFH wird Beuth.
  5. Berliner Gesetz zur Zusammenführung von Fachhochschulen vom 17. Juli 2008 (PDF; 329 kB).
  6. 53. und 300. Gemeindeschule & Diesterweg-Realschule & Technische Mittelschule
  7. Staatliche Ingenieurschule Gauß
  8. Siegmund Bergmann Glühlampen AG & Osram GmbH (ab 1935)
  9. Technische Fachhochschule
  10. On Campus, Richtig studieren im Netz (Seite für Online-Studenten)
  11. Bundesleitprojekt Virtuelle Fachhochschule, Arbeitsgruppe der Beuth Hochschule
  12. beuth-hochschule.de

Koordinaten: 52° 32′ 40″ N, 13° 21′ 10″ O