Beyendorf-Sohlen

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Magdeburg
Beyendorf-Sohlen
Stadtteil von Magdeburg
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Über dieses Bild
Basisdaten
Fläche: 8,1435 km²
Einwohner: 1199
Bevölkerungsdichte: 147 Einwohner je km²
(Stand der Angaben: 31. Dez. 2016)
Koordinaten: 52° 3′ N, 11° 38′ OKoordinaten: 52° 3′ 9″ N, 11° 38′ 2″ O
Ortsteile/Bezirke: Beyendorf
Sohlen
Postleitzahlen: 39120
39122
Buslinien: 134 162 (KVG)
659 (BördeBus)
Petrikirche in Beyendorf
Kirche in Sohlen
Sohlener Mühle
Blick vom Kreuzberg in Richtung Sohlen, links die Sohlener Berge, im Hintergrund Magdeburg
Blick von Beyendorf in Richtung Sohlener Berge
Gutshaus Sohlen
Salzkrug

Beyendorf-Sohlen ist ein Stadtteil im Süden der Stadt Magdeburg.

Einwohner und Fläche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der dörflich strukturierte, in einiger räumlicher Entfernung zur Kernstadt gelegene Stadtteil erstreckt sich über 8,1435 km² und hat 1199 Einwohner (Stand 31. Dezember 2016).[1]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beyendorf-Sohlen besteht aus den Ortsteilen Anker, Beyendorf und Sohlen. Während die kleine Ansiedlung Anker direkt an der Bundesstraße 71 liegt, liegen die ein in Nord-Süd-Richtung ausgerichtetes Doppeldorf bildenden Ortsteile Beyendorf und Sohlen abseits des Durchgangsverkehrs. Direkt östlich der Ortslage erhebt sich die bewaldete Hügelkette der Sohlener Berge, die jedoch bereits zur Gemarkung des Stadtteils Salbke gehören. Südlich befindet sich der Kreuzberg. Durch den Ort fließt die Sülze. In Beyendorf befindet sich der kleine Beyendorfer Teich. Westlich am Ort vorbei führt die Bundesautobahn 14.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung stammt von 936. Am 13. September dieses Jahres schenkte Otto I. unter anderem auch Beiendorpe dem St. Servatiuskloster in Quedlinburg. Die erste Erwähnung des südlich von Beyendorf gelegenen Sohlen datiert aus dem Jahr 964. Markgraf Gero erwähnt in einer Aufstellung über die von ihm dem von ihm gegründeten Nonnenkloster Gernrode vermachten Stiftungen auch eine Hufe Acker in Sohlen.

Beide Orte erlangten im Mittelalter und der frühen Neuzeit eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung, da hier Salzgewinnung betrieben wurde. Sohlen führte die Bezeichnung Flecken, was eine gegenüber Dörfern herausgehobene Stellung verdeutlicht. Von 1299 bis 1726 existierten in beiden Orten Salzwerke. 1601 hatten die Brüder Mathias und Paulus Meth in Sohlen ein Gradierwerk errichtet. Um 1670 werden für Sohlen 11 Siedehäuser und ein Solebrunnen erwähnt. Mit dem Ende der Salzwirtschaft dominierte in beiden Dörfern dann die Landwirtschaft.

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte in den östlich an der Elbe gelegenen Dörfern Buckau, Fermersleben, Salbke und Westerhüsen eine zunehmende Industrialisierung ein. Durch den Bau einer noch heute bestehenden Eisenbahnlinie mit einem Bahnhof in Beyendorf wurden die Dörfer an die später nach Magdeburg eingemeindeten Industriegebiet angeschlossen. Viele Einwohner arbeiteten nun in der Industrie. Im nördlichen Teil Beyendorfs entstanden in überschaubarer Zahl Mietshäuser.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde der Vorsitzende der Beyendorfer SPD, Gustav Dietz, verhaftet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte auch in Beyendorf und Sohlen eine Bodenreform. Die bisher beherrschenden Gutshöfe Maikath und Schäper wurden enteignet. Das Gut Maikath wurde zunächst Stadtgut und ab 1949 Volkseigenes Gut. Das Gut Schäper wurde unter Kleinbauern, Industrie- und Landarbeitern aufgeteilt. Im Sommer 1945 kam es in Beyendorf zu einem Achtfach-Mord an der Familie Mittag, den Besitzern der Beyendorfer Wassermühle an der Sülze. Der Fall war später im Jahr 1984 Vorbild für die Doppelfolge Schwere Jahre des Polizeirufs 110. Autor und Regisseur der Folge war der aus Lüttgen-Salbke stammende Hans Joachim Hildebrandt, der nach Bekanntwerden des Verbrechens als Jugendlicher selbst zum Tatort gelaufen war.

Im Jahr 1950 wurden am 28. Juni die bis dahin selbständigen Gemeinden Beyendorf und Sohlen vereinigt. Einige Sohlener Kleinbauern gründeten am 18. Februar 1953 die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft LPG Freies Volk. 1960 entstand hier die LPG Sülzetal und in Beyendorf die LPG Rieseberg.

Nach der Wende von 1989 und der deutschen Wiedervereinigung wurden die LPGen aufgelöst. Die Landwirtschaft wird jedoch von Wiedereinrichtern fortgeführt. Ende des 20. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl aufgrund neu ausgewiesener Baugebiete um mehr als ein Drittel an.

Am 1. April 2001 erfolgte die Eingemeindung nach Magdeburg.[2] Die bis dahin noch getrennt bestehenden Freiwilligen Feuerwehren wurden vereinigt und ein neues Feuerwehrhaus an der Grenze der beiden Ortsteile errichtet.

Bauten, Denkmäler, Grünanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Stadtteil vorhandenen Kulturdenkmale sind im örtlichen Denkmalverzeichnis aufgeführt.

Besonders bemerkenswerte Anlagen sind:

Beyendorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sohlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft des Dorfes ist noch landwirtschaftlich geprägt. Es bestehen (Stand 2003) 8 Mitgliedsbetriebe der IHK und 17 der Handwerkskammer. In Beyendorf gibt es einen kleinen Lebensmitteleinzelhandel. Im Ortsteil Anker bestehen entlang der Bundesstraße Beherbergungsbetriebe. Auch in Sohlen gibt es ein Hotel sowie Gaststätten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Beyendorf geboren wurden:

Sonst mit Beyendorf verbunden war:

  • Wilhelm Weitling (1808–1871). Der bekannte Arbeiterführer besuchte seine in Beyendorf lebende Mutter. Er traf hier um 1844 mit Magdeburger Mitgliedern des Bundes der Gerechten zusammen.

In Sohlen geboren wurde:

Sonst mit Sohlen verbunden war:

  • Franz Rekowski (1891–1945), deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er arbeitete bis 1926 beim Bauern Eilendorf.

Mit Sohlen verbunden ist:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clemens Schmidt, 40 Viertel im großen Test, 2003, Seite 24 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Magdeburg-Beyendorf-Sohlen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtteilkatalog des Amtes für Statistik
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001