Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten

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Die Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten sind von vielfältigen kulturellen und politischen Kontakten geprägt.

Russisch-US-amerikanische Beziehungen
Lage von Russland und Vereinigte Staaten
RusslandRussland Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Russland Vereinigte Staaten

Russisches Kaiserreich und Vereinigte Staaten (1776–1917)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1698 kam es zu einem Treffen zwischen Zar Peter dem Großen und William Penn, dem Gouverneur der britischen Kolonie Pennsylvania, in dem dieser um Unterstützung für das neu gebildete Territorium warb. Seit 1763 gab es wirtschaftliche Kontakte zwischen den nordamerikanischen Kolonien und dem Russischen Kaiserreich. In den Unabhängigkeitskriegen in den 1770er Jahren erklärte Zarin Katharina die Große ihre politische Neutralität und stärkte damit die revolutionären Bestrebungen.

1801 wurde der erste US-amerikanische Generalkonsul in das Russische Kaiserreich entsandt. 1867 kauften die Vereinigten Staaten das Gebiet Alaska für die Summe von 7,2 Millionen US-Dollar. Von 1880 bis 1924 kamen nach mehreren Pogromen im Russischen Reich mehr als zwei Millionen Juden in die USA.

Sowjetunion und Vereinigte Staaten (1917–1991)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genossen-Demokraten: Iwan und Uncle Sam, Plakat 1917

Die Februar- und die Oktoberrevolution im Russischen Kaiserreich 1917 wurde von den USA anfangs begrüßt. Während des Russischen Bürgerkrieges von 1918 bis 1920 beteiligten diese sich dann an der ausländischen Intervention gegen die Bolschewiken. Erst 1933 erkannten die USA die UdSSR als Staat an.

Im Zweiten Weltkrieg wurden beide zu Alliierten im Kampf gegen die Achsenmächte Deutschland, Japan und deren Verbündete. Auf den Konferenzen von Jalta, Februar 1945 und Potsdam, August 1945 entschieden sie gemeinsam über die Zukunft Europas nach dem Krieg.

Seit den 1950er Jahren standen sie sich im Kalten Krieg, im Koreakrieg und anderen Auseinandersetzungen feindlich gegenüber. 1961 standen sich in Berlin Panzer beider Armeen gegenüber.

US-Präsident Carter und Generalsekretär Breschnew unterzeichnen den Abrüstungsvertrag SALT II

In den 1970er Jahren gelang eine Annäherung der Entspannung, bei einem gleichzeitigen Fortbestehen unterschiedlicher Gesellschaftssysteme. Ende der 1980er Jahre kam es zu Verträgen über militärische Abrüstung zwischen KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow und US-Präsident Ronald Reagan.

Russische Föderation und Vereinigte Staaten (seit 1992)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

George H. W. BushBill ClintonGeorge W. BushBarack ObamaDonald TrumpBoris JelzinWladimir Wladimirowitsch PutinDmitri MedwedewWladimir Wladimirowitsch PutinUSARussland

Präsidenten Russlands und der USA seit 1992

Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 kam es zu deutlich verbesserten Beziehungen zwischen beiden Staaten, die es US-Unternehmen ermöglichte, in Russland wirtschaftlich tätig zu werden. Präsident Clinton unterstützte Boris Jelzin in der Furcht vor der Rückkehr der Kommunisten an die Macht.[1]

Seit 2000 kühlten sich die Beziehungen unter den Präsidenten George W. Bush und Wladimir Putin deutlich ab. Die russische Administration lehnte die Kriege der USA und deren Verbündeter in Afghanistan und im Irak ab. Schon im 2007 war zu erkennen, dass Präsident Putin den jahrzehntelangen Bemühungen, Russland durch Teilhabe an internationalen Institutionen wie der WTO, die Aufnahme in die G8 sowie einer Assoziation mit der Nato "zu einem Pfeiler der friedlichen Weltordnung zu machen"[2], nicht viel abgewinnen konnte.

Nach der Zerrüttung der europäischen Nachkriegsordnung durch die Annexion der Krim durch Russland 2014 und die Besetzung der Ostukraine durch Russland nahe stehende Verbände kam es zu Sanktionen gegen Russland und darauf folgend zu russischen Gegensanktionen. Im Bürgerkrieg in Syrien unterstützen die Länder teils gegensätzliche Konfliktparteien, teils dieselben und teilten den Kampf gegen den IS seit dem Eingreifen Russlands durch Stationierung von Luftwaffeneinheiten in Syrien ab 2015.

2016 verhängte US-Präsident Barack Obama nach der Einflussnahme Russlands in den US-Wahlkampf weitere Sanktionen gegen russische Diplomaten in den Vereinigten Staaten. Als Reaktion musste die Anzahl der Mitarbeiter in den US-Vertretungen auf 455 gesenkt und zwei Liegenschaften geräumt werden.[3] Da US-Visa nur noch in Moskau ausgegeben wurden, reisten Russen auch in die baltischen Länder, um Visa für die USA zu erhalten.[4]

Am 15. März 2018 verhängten die USA Sanktionen gegen fünf Einrichtungen und 19 Personen aus Russland wegen einer Reihe von Cyberattacken, die nach Einschätzung der US-Regierung von Russland gegen amerikanische Energieversorger geführt wurden. Hinzu kam die vermutete Urheberschaft der Russischen Föderation für die Schadsoftware NotPetya, die im Jahr 2017 etwa eine Milliarde US Dollar an Schaden weltweit angerichtet hatte[5] und die Versuche der Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahl 2016 durch Russland, die in einer Sonderermittlung untersucht wurden.[6] Weitere Sanktionen folgten Anfang April 2018. Diese wurden mit Russlands fortgesetzten Versuchen, westliche Demokratien zu untergraben, der Verwicklung in den Ukraine- und Syrischen Bürgerkrieg begründet. Sie betrafen 17 russische Regierungsvertreter, den Waffenkonzern Rosoboronexport, 7 Oligarchen und 12 ihrer Firmen. Finanzminister Steven Mnuchin begründete die Auswahl der Ziele mit der Feststellung, dass der russische Regierungsapperat unverhältnismäßig zum Vorteil von Eliten und Oligarchen arbeite.[7]

Am 22. Mai 2018 verabschiedete die russische Duma ein Gesetz, das der Regierung ermöglicht, Einfuhrverbote zu beschließen. Vorerst vorhandene konkrete Vorschläge wurden jedoch gestrichen.[8] Matwej Ganapolski schrieb zum Dilemma der russischen Gegensanktionen, dass es Russland gar nicht möglich wäre, den Westen sinnvoll zu sanktionieren; der Westen brauche nichts, aber sogar die überaus russische Krim-Brücke sei ja mit Hilfe der Niederländer und keineswegs mit ausschließlich russischem Material gebaut worden. Darum hätte Russland ein Sanktions-Gesetz verabschiedet aber „nichts verboten“. Nur rein medial aber könne sogar dies als Sieg über den Feind ausgegeben werden.[9]

Am 1. Februar 2019 kündigten die USA den 1987 unterzeichneten INF-Vertrag über die Vernichtung aller landgestützten Flugkörper mit kürzerer und mittlerer Reichweite auf. Als Begründung wurde unter Donald Trumps Präsidentschaft angegeben, Russland habe mehrmals gegen Bestimmungen des Vertrages verstoßen. Ähnliche Vorwürfe richtete auch Russland gegen die USA und gab einen Tag später, am 2. Februar 2019 bekannt, per Juli desselben Jahres ebenfalls aus dem Vertrag auszusteigen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zwei Freunde ebnen Putin den Weg, Tages-Anzeiger, 15. September 2018
  2. Obama und die Geduld, NZZ, 5. September 2016
  3. Oliver Kühn: So antwortet Russland auf die amerikanischen Sanktionen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juli 2017.
  4. Die Botschaft versteht die Situation perfekt. In: Nowaja Gaseta, 27. Oktober 2017.
  5. Julian Borger: US accuses Russia of ‘deliberately targeted’ cyber-attack on energy sector. In: The Guardian, 15. März 2018.
  6. US-Sanktionen gegen Russland wegen Wahlbeeinflussung. In: Der Standard, 15. März 2018.
  7. John Hudson, Seung Min Kim: Trump administration imposes sweeping new sanctions on Russian elite. In: The Washington Post, 6. April 2018.
  8. Grünes Licht der Duma für Sanktionen gegen die USA (und andere Staaten), NZZ, 23. Mai 2018, Seite 2
  9. Matwej Ganapolski: Tod dem Gegner, Echo Moskwy, 22. Mai 2018