Biała Piska

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Biała Piska
Wappen von Biała Piska
Biała Piska (Polen)
Biała Piska
Biała Piska
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Pisz
Fläche: 3,24 km²
Geographische Lage: 53° 37′ N, 22° 4′ OKoordinaten: 53° 37′ 0″ N, 22° 4′ 0″ O
Einwohner: 4124
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 12-230
Telefonvorwahl: (+48) 87
Kfz-Kennzeichen: NPI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: PiszGrajewo
Schienenweg: Olsztyn–Ełk
Nächster int. Flughafen: Warschau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 48 Schulzenämter
Fläche: 420,14 km²
Einwohner: 12.049
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 29 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2816013
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Wojciech Stępniak[2]
Adresse: pl. Mickiewicza 25
12-230 Biała Piska
Webpräsenz: bip.bialapiska.pl



Biała Piska Audio-Datei / Hörbeispiel [ˈbʲawa ˈpʲiska]?/i (deutsch Bialla; 1938–1945 Gehlenburg) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bialla, Erholungsort in der Masurischen Seenplatte, liegt im Osten der Woiwodschaft Ermland-Masuren und ist ca. 20 km vom Ostufer des Spirdingsees (Śniardwy), des größten Masurensees, entfernt. Im Süden beginnt die Johannisburger Heide (Puszcza Piska) mit ihren ausgedehnten Wäldern. Bialla liegt an einer Landstraße, die die Landesstraße 16 (OlsztynEłk) und 58 (SzczytnoGrajewo) verbindet.

Der Ort Biała Piska (Bialla/Gehlenburg)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde 1334 als Gailen erwähnt und leitet sich von prußisch "gailis" (weiß) ab. Der polnische Name Biala ist eine Übersetzung der prußischen Vorlage. 1428 wurde das deutsche Zinsbauerndorf „Auf der Gaylen“ in der Nähe einer Prußenburg gegründet, deren Einwohner um 1480 eine Kirche errichteten. Durch die Nachbarschaft zu Polen entwickelte sich im 16. Jahrhundert ein reger Grenzhandel, und der Ort wuchs schnell an. Zur Mitte des Jahrhunderts waren 38 Bauern und drei Müller vorhanden. Ab 1595 wurde große Ochsenmärkte veranstaltet und 28 Krüger übten ihr Gewerbe aus. 1645 erhielt Bialla das Recht, jährlich vier Jahrmärkte abzuhalten. Als 1656 die Tataren in das Land einfielen, suchten sie auch Bialla heim, plünderten und brandschatzten es. Viele Einwohner wurden getötet oder verschleppt.

Gehlenburger Kirche

Eine erneute Dezimierung brachte die Große Pest (Preußen) mit sich. 315 Menschen starben in Bialla an der Seuche. Trotzdem war die Wirtschaftskraft des Ortes in der Lage, die Weiterentwicklung voranzutreiben, sodass der preußische König Friedrich Wilhelm I. Bialla 1722 zur Stadt erhob. Das königliche Siedlungsprogramm sorgte zudem dafür, dass neue Einwohner, hauptsächlich Handwerker, hinzuzogen. Nachdem bereits in den Jahren von 1756 bis 1763 ein neues Kirchengebäude errichtet worden war, ging man nach der Stadtgründung daran, einen 1,65 Hektar großen Marktplatz und ein gitterförmiges Straßennetz anzulegen sowie ein neues Rathaus zu erbauen. Während des Siebenjährigen Krieges war Bialla von 1758 bis 1762 von russischen Truppen besetzt. Von 1764 bis 1800 war Bialla preußische Garnisonsstadt.

Im Krieg gegen Napoleon machte die russische Armee 1807 Bialla für neun Tage zu ihrem Hauptquartier. Nach der Schlacht bei Friedland besetzten im Juni 1807 französische und polnische Truppen die Stadt und erlegten ihr die hohen Stationierungskosten auf. Außerdem schleppten die Soldaten viele Krankheiten ein, an denen zahlreiche Einwohner starben. Nach dem Sieg über Napoleon organisierte Preußen seine Territorialverwaltung neu. Bialla wurde 1818 dem Kreis Johannisburg im Regierungsbezirk Gumbinnen zugeordnet und erhielt den Sitz eines Amtsgerichtes. 1885 erfolgte der Anschluss an die Eisenbahnstrecke von Johannisburg nach Lyck. Es lebten jetzt etwa 1.700 Einwohner in der Stadt, unter ihnen rund 700 polnischsprachige.

Alter Wasserturm aus deutscher Zeit

Während des Ersten Weltkrieges kam es in der Nähe der Stadt zu einem Gefecht zwischen deutschen und russischen Truppen. Anschließend drangen die Russen in die Stadt ein und plünderten die Bevölkerung aus. Bei der durch den Versailler Vertrag vorgeschriebenen Volksabstimmung vom 11. Juli 1920 sprachen sich die Einwohner von Bialla zu 100 Prozent für die Zugehörigkeit zu Deutschland aus. In den Jahren 1927 und 1928 wurden ein neues Amtsgerichtsgebäude und ein Wasserwerk gebaut. Im Zuge des nationalsozialistischen Germanisierungsprogramms, zu dem auch die Umbenennung nicht deutsch genug klingender Ortsnamen gehörte, wurde Bialla 1938 in Gehlenburg umbenannt. Zur Volkszählung 1939 wurden 2.623 Einwohner ermittelt. Sie verließen fast alle vor der anrückenden sowjetischen Front ihre Stadt, die am 23. Januar 1945 von der Roten Armee eingenommen wurde. Da dies kampflos geschah, gab es keine Zerstörungen. Dann überfielen jedoch Polen die nahezu leer stehende Stadt, zündeten sie an und brachten die wenigen zurückgebliebenen Deutschen um.

Wenige Wochen nach der Besetzung durch die sowjetischen Streitkräfte wurde Gehlendorf zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Es wanderten nun Polen aus Gebieten östlich der Curzon-Linie zu, die dort völkischen Minderheiten angehört hatten. Die betreffenden Gebiete waren im Polnisch-Sowjetischen Krieg (1919–1921) erobert worden und mussten nach Ende des Zweiten Weltkriegs an die Sowjetunion abgetreten werden. Angehörige solcher Minderheiten waren bei Kriegsende vor die Wahl gestellt worden, entweder eine neue Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auszusiedeln.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 795 ohne die Garnison (eine Schwadron Husaren)[3]
1818 935 [4]
1831 1.120 überwiegend polnische Bevölkerung[5]
1885 1.819 [6] (ca. 700 mit polnischer Muttersprache)
1925 2.228 [7]
1933 2.448 [6]
1939 2.623 [6]
2012 12.312

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die früher evangelische, heute katholische Pfarrkirche in Biała Piska

Bereits in vorreformatorischer Zeit war Bialla ein Kirchdorf. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts stand hier ein Gotteshaus in Holzbauweise, das abgerissen werden musste.[8]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bialla hielt die Reformation schon sehr früh Einzug. Vor 1531 amtierte hier bereits ein lutherischer Pfarrer[9]. In den Jahren 1756 bis 1763 entstand unter Pfarrer Ephraim Ebel die heute noch erhaltene Kirche als verputzter Feldsteinbau[10] mit einem von Karl Friedrich Schinkel entworfenen 1832 vorgesetzten Turm. Kanzel und Altar – um 1630 entstanden – wurden 1765 zu einem Kanzelaltar vereinigt. Im gleichen Jahr erhielt die Kirche eine Orgel. 1921 wurden drei Glocken angeschafft.

Bis 1715 gehörte die Pfarrei Bialla zur Inspektion Lyck (heute polnisch: Ełk), danach kam sie bis 1945 zum Kirchenkreis Johannisburg (Pisz) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 gehörten 5911 Gemeindeglieder zum Kirchspiel Bialla, dessen Bereich sich über 19 Orte und Ortschaften hinzog[11]. Letzter deutscher Geistlicher war Pfarrer Heinrich Heldt.[9] Er war ein profilierter Gegner des Nationalsozialismus und Mitglied der Bekennenden Kirche. Trotz mehrfachen Gefängnisaufenthaltes konnte er bis zum Einmarsch der Roten Armee im Jahre 1945 seine Gemeinde betreuen. In den Wirren des Krieges sind er und seine Frau umgekommen.[8] An ihn erinnert das Heinrich-Heldt-Haus, das Gemeindehaus mit eingebauter Kapelle der jetzigen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Biała Piska, direkt hinter dem Rathaus im Zentrum der Stadt.[12] Die ehemalige evangelische Pfarrkirche wurde gleich nach dem Krieg der katholischen Kirche übereignet. Biała Piska ist heute – wie Ełk (Lyck) und Wejsuny (Weissuhnen) – eine Filialgemeinde der Pfarrei in Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mehrheit der Bevölkerung Biała Piskas ist heute katholischer Konfession. Das Kirchengebäude wurde zugunsten der katholischen Kirche enteignet und ist jetzt dem Andreas Bobola geweiht Die alte Innenausstattung ging verloren bis auf ein Kruzifix. Im Jahre 2006 wurde die Fassade des Gebäudes renoviert. Biała Piska ist heute Zentrum des gleichnamigen Dekanats im Bistum Ełk (Lyck) der Katholischen Kirche in Polen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus von Biala Piska
Der Gutshof „Komorowo“ nahe Biala Piska

Persönlichkeiten des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Julius Ebhardt (* 19. Februar 1816 auf Gut Kommorowen), Gutsbesitzer, MdHdA († 1894)
  • Julius Rimarski (* 17. Mai 1849 in Bialla), Superintendent in Sensburg († 1935)
  • Walther Tomuschat (* 30. April 1866 in Bialla), Lehrer und Schulbuchautor († 1914)
  • Herbert Neumann (* 9. Januar 1888 in Bialla), Verwaltungsjurist († 1976)

Gemeinde Biała Piska[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulzenämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Biała Piska gehören folgende Schulzenämter:

Polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Bełcząc Belzonzen
1938–1945 Großdorf
Konopki Konopken
1938–1945 Mühlengrund
Pogorzel Wielka Groß Pogorzellen
1907–1930 Groß Brennen
1930–1945 Brennen
Bemowo Piskie Schlagakrug Kowalewo Kowalewen
1938–1945 Richtwalde
Radysy Radishöh
Biała Piska Bialla
1938–1945 Gehlenburg
Kózki Kosken Rakowo Małe Köllmisch Rakowen
1938–1945 Köllmisch Rakau
Cibory Czyborren
1938–1945 Steinen
Kożuchowski Młyn Wassermühle Kosuchen
1938–1945 Mühle Kölmerfelde
Rogale Wielkie Groß Rogallen
Cwaliny Zwalinnen
1938–1945 Schwallen
Kożuchy Kosuchen
1938–1945 Kölmerfelde
Rolki Rollken
Dąbrówka Drygalska Dombrowken
1912–1945 Altweiden
Kożuchy Małe Klein Kosuchen Ruda Ruhden
Danowo Dannowen
1938–1945 Siegenau
Kruszewo Krussewen
1938–1945 Erztal
Skarżyn Skarzinnen
1938-45 Richtenberg
Długi Kąt Dlugikont
1903–1945 Klarheim
Kumielsk Kumilsko
1938–1945 Morgen
Sokoły Sokollen bei Kumilsko
1935–1945 Falkendorf
Dmusy Dmussen
1938–1945 Dimussen
Lipińskie Lipinsken
1938–1945 Eschenried
Sokoły Jeziorne Sokollen bei Skarzinnen
1938–1945 Rosensee
Drygały Drygallen
1938–1945 Drigelsdorf
Lisy Lissen
1938–1945 Dünen
Sulimy Sulimmen
Giętkie Gentken Łodygowo Lodigowen
1938–1945 Ludwigshagen
Świdry Schwiddern
Grodzisko Grodzisko
1932–1945 Burgdorf
Mikuty Mykutten
1938–1945 Mikutten
Świdry Kościelne
Gruzy Grusen
1932–1945 Gruhsen
Monety Monethen Szkody Skodden
1938–1945 Schoden
Guzki Gusken Myśliki Fröhlichen Szkody-Kolonia
Iłki Annafelde Myszki Mysken
1938–1945 Misken
Szymki Symken
1938–1945 Simken
Jakuby Jakubben Nitki Nittken Włosty Wlosten
1938–1945 Flosten
Kaliszki Kallischken
1938–1945 Flockau
Nowe Drygały Neu Drygallen
1938–1945 Neu Drigelsdorf
Wojny Woynen
1938–1945 Woinen
Klarewo Klarashof Oblewo Oblewen
1938–1945 Kolbitzbruch
Zabielne Sabielnen
1938–1945 Freundlingen
Kolonia Kawałek Orłowo Orlowen
1938–1945 Siegmunden
Zalesie Salleschen
1938–45 Offenau
Kolonia Konopki Pawłocin Pawlozinnen
1938–1945 Paulshagen
Zaskwierki Jurgasdorf
Komorowo Kommorowen
1938–1945 Ebhardtshof
Pogorzel Mała Klein Pogorzellen
1930–1945 Brandau
Zatorze-Kolonia

Weitere Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soldahnen (seit 1945: Sołdany) war ein heute untergegangener Ort auf dem Gebiet der Landgemeinde, 1939 hatte er noch 92 Einwohner (Ortslage: 50° 52′ N, 22° 3′ O).[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Biała Piska – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Gemeinde (BIP), Ogólne informarcje o urzędzie, abgerufen am 11. April 2015
  3. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen, Marienwerder 1785, S. 39, Nr. 4).
  4. Alexander August Mützell: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 1, Halle 1821, S. 105, Nr. 2187.
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 455, Nr. 66.
  6. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Ostpreußen, Kreis Johannisburg (2006).
  7. Max Meyhöfer: Bialla. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen (Erich Weise, Hrsg.), Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 17.
  8. a b Biała Piska – Bialla/Gehlenburg bei ostpreussen.net
  9. a b Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung 1945, Hamburg, 1968, Seite 22
  10. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 119, Abb. 547 und 548.
  11. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente. Göttingen 1968, S. 491.
  12. Rainer Stahl: Gottes Wort in die Tat umgesetzt. Wie zehn Gemeinden in der Diaspora Nordpolens wirken. In: Lutherischer Dienst. Zeitschrift des Martin-Luther-Bundes, 49. Jahrgang, 2013, Heft 3, S. 3–6.
  13. Soldahnen im Genealogischen Orts-Verzeichnis