Białowieża-Urwald

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Białowieża-Naturschutzgebiet
Wisent

Der Białowieża-Urwald (polnisch Puszcza Białowieska, weißrussisch Белавежская пушча) ist ein Naturschutzgebiet auf beiden Seiten der polnisch-weißrussischen Grenze.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet liegt 150 bis 170 Meter über dem Meeresspiegel. Die Geländefläche beträgt über 150.000 Hektar, davon 62.000 Hektar auf der polnischen Seite. Das als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannte Gebiet umfasst auf den beiden Seiten der Grenze 876 Quadratkilometer.

Der Nationalpark Białowieża umfasst nur 15 Prozent des polnischen Urwaldgebietes. Die Fauna umfasst über 12.000 Tierarten. Laut Kempf[1] sind davon allein 9000 Arten Insekten. Die Flora und Fauna gedeiht dank zahlreicher verrottender Baumstämme und -reste. Die Ursprünge des Waldes reichen ins Jahr 8000 v. Chr zurück. Viele Tier- und Pflanzenarten sind nur im Naturschutzgebiet Białowieża anzutreffen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte das Waldgebiet zu den bedeutenden Jagddomänen der russischen Zaren. 1915 wurde die Region von deutschen Truppen erobert und eine militärische Forstverwaltung eingerichtet. Der Urwald wurde zum größten Reservoir zur Deckung des kriegsbedingten Holzbedarfes der Armee. In den drei Jahren der militärischen Verwaltung wurde schwerer Raubbau betrieben, Sägewerke wurden errichtet und ein Sechstel der Bäume gefällt, darunter zahlreiche Urwaldriesen. Außerdem wurde das Gebiet als exklusives Jagdrevier für Soldaten, hochgestellte Persönlichkeiten und Prominente genutzt und der Wildbestand stark dezimiert. Nach dem Rückzug der Deutschen Ende 1918 kam es zudem in erheblichem Umfang zu Wilderei. Im April 1919 wurde der letzte der vormals etwa 700 Wisente erschossen.[2]

Seit 1918 lag Białowieża ausschließlich auf polnischem Staatsgebiet. 1929 begann ein Wiederaufbau des Bestands der Wisente. Es wurden Tiere aus Tiergärten in Deutschland und Schweden sowie aus den Wäldern von Pszczyna (Pless) eingekauft. Bis 1939 wurden 16 Wisente gezüchtet, die den Zweiten Weltkrieg überstanden haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Białowieża-Urwald zwischen Polen und der Sowjetunion geteilt. Im östlichen Teil, der heute zur Republik Weißrussland gehört, unterzeichneten die Präsidenten Russlands, der Ukraine und Weißrusslands, d. h. Boris Jelzin, Leonid Krawtschuk und Stanislau Schuschkewitsch am 8. Dezember 1991 den sogenannten Vertrag von Minsk bzw. die Vereinbarungen von Beloweschskaja Puschtscha zur offiziellen Auflösung der Sowjetunion, wobei gleichzeitig die Gemeinschaft unabhängiger Staaten gegründet wurde.

Im Mai 2016 gab das polnische Umweltministerium unter Leitung von Jan Szyszko (PiS) Pläne bekannt, 188.000 m³ Holz zwischen 2012 und 2023 zu fällen. Zuvor war im gleichen Zeitraum eine Menge von 63.400 m³ vorgesehen.[3] Die Entscheidung rief Protest bei polnischen und internationalen Umweltschutzverbänden hervor. Auch Vertreter der EU äußerten ihre Besorgnis. Das Ministerium begründet die Forstmaßnahmen mit der Ausbreitung des Buchdruckers. Dieser gehört aus Sicht der Umweltverbände schon immer zum Ökosystem vor Ort. Eine Klage vor dem EU-Gerichtshof wird angestrebt.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans von Auer (Hrsg. Lothar Tschirpke): Unter Wisenten im Urwaldrevier. Bialowice um 1900. Landbuch Verlag, Hannover 1998, ISBN 3-7842-0560-7.
  • Janusz Korbel: Puszcza Białowieska – czarno na białym. Białowieża 2009, ISBN 978-83-925199-4-2.
  • KEMPF,C. Bialowieza, Foret Vierge d’Europe, Setec-Tour: Bialystok, 144 S.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Białowieża – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. Kempf: Bialowieza, Foret Vierge d’Europe, Setec-Tour: Bialystok, 144 S.
  2. Christian Westerhoff: Großwildjagd im Osten. Historischer Artikel vom 15. Februar 2014 in der FAZ (Teil 8 der Artikelserie 100 Jahre erster Weltkrieg, der Verfasser ist Leiter der Bibliothek für Zeitgeschichte in der Württembergischen Landesbibliothek) (abgerufen am 22. Juni 2014).
  3. UNESCO przyjrzy się planom MŚ dot. ratowania Puszczy Białowieskiej. In: Polskie Radio. 3. Juni 2016, abgerufen am 14. Juni 2016 (polnisch).
  4. Arthur Neslen und Agence France-Presse: Poland starts logging primeval Białowieża forest despite protests. In: theguardian.com. 25. Mai 2016, abgerufen am 30. Mai 2016 (englisch).

Koordinaten: 52° 42′ 58″ N, 23° 50′ 38″ O