Biberstein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Biberstein (Begriffsklärung) aufgeführt.
Biberstein
Wappen von Biberstein
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau AG
Bezirk: Aarauw
BFS-Nr.: 4002i1f3f4
Postleitzahl: 5023
UN/LOCODE: CH BBN
Koordinaten: 648689 / 251661Koordinaten: 47° 24′ 50″ N, 8° 5′ 2″ O; CH1903: 648689 / 251661
Höhe: 393 m ü. M.
Fläche: 4,10 km²
Einwohner: 1473 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 359 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
8,4 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.biberstein-ag.ch
Karte
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Biberstein (in einheimischer Mundart: [ˈb̥ʏb̥əɾˌʒ̊tæɪ̯])[3][4] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Aarau im Schweizer Kanton Aargau. Das Dorf liegt etwas mehr als drei Kilometer nordöstlich der Kantonshauptstadt Aarau am Nordufer der Aare.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biberstein liegt zwischen der Aare und dem Homberg, der zur südlichsten Kette des Faltenjuras gehört. Das besiedelte Gebiet erstreckt sich über eine Länge von zweieinhalb Kilometern der Aare entlang, wobei sich das Dorfzentrum auf einer erhöht liegenden Terrasse befindet. Im Westen liegt der Ortsteil Wissen, im Osten der Ortsteil Cholgrueben. Das einzige flache Gebiet ist der «Schachen», eine schmale ehemalige Flussaue auf der linken Seite der Aare, die landwirtschaftlich genutzt wird. Der Abhang des Hombergs ist zum grössten Teil bewaldet. Der Wald ist auf einer Höhe von rund 650 Metern durch mehrere Weideflächen aufgelockert.[5]

Das Gemeindegebiet ist 410 Hektaren gross; davon sind 213 Hektaren mit Wald bedeckt und 55 Hektaren überbaut. Der tiefste Punkt liegt auf 360 Meter ü.M. am Aareufer, der höchste auf 768 Meter auf dem Homberggrat. Nachbargemeinden sind Thalheim im Norden, Auenstein im Osten, Aarau im Süden und Küttigen im Westen. Das Gemeindegebiet von Biberstein ist Teil des Juraparks Aargau, einem so genannten «Regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung».

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert errichteten die Grafen von Habsburg-Laufenburg die Burg Biberstein. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahr 1280. Beim Namen dürfte es sich um eine Zusammensetzung aus Biber und dem in Burgnamen häufigen Grundworte Stein handeln. [3][4]

Die Habsburg-Laufenburger verkauften 1335 die hohe und die niedere Gerichtsbarkeit an den Johanniterorden in Klingnau. Zwar wurde Biberstein 1319 als Stadt bezeichnet, der Ort besass aber weder Stadt- noch Marktrecht, jedoch seit 1399 eine Ringmauer. 1416 zerstörte eine Feuersbrunst das Städtchen weitgehend, das in der Folge zu einem Dorf absank.

Während des Schwabenkriegs von 1499 wurde Biberstein von den Berner besetzt, die anschliessend einen immer grösseren Einfluss ausübten. 1527 unterstellte Bern die Herrschaft Biberstein, zu der auch Erlinsbach und Küttigen gehörten, eigenmächtig einem Landvogt, der von nun an auf der Burg residierte. 1535, sieben Jahre nach der Einführung der Reformation, zwangen die Berner die Johanniter zum Verkauf ihres Besitzes. Das Dorf lag nun auch formell im Untertanengebiet des Berner Aargaus. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Biberstein gehört seither zum Kanton Aargau.

Der erstmals im Jahr 1363 erwähnte Weinbau war neben der Aarschifffahrt lange Zeit der Haupterwerbszweig des Dorfes. 1857 betrug die Anbaufläche noch etwa 20 Hektaren. Wegen der eingeschleppten Reblaus schrumpfte der Weinbau bis Ende des 19. Jahrhunderts zur Bedeutungslosigkeit. Viele Familien verarmten und mussten nach Übersee auswandern. Im frühen 20. Jahrhundert war die Bevölkerungszahl stagnierend oder sogar leicht sinkend. Nach 1950 wurde Biberstein als attraktive Wohnlage entdeckt. Während sich die Bevölkerungszahl beinahe verdoppelte, richtete sich das wirtschaftliche Geschehen immer mehr auf Aarau aus.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Biberstein steht auf einem Felsen nahe am Ufer der Aare und ist auf der westlichen Seite von einem Burggraben umgeben. Es entstand durch den Umbau der mittelalterlichen Burg und dient heute als Wohn-, Arbeits- und Ausbildungsstätte für erwachsene Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Die Anordnung der Häuser im Dorfzentrum lässt heute noch die einstige kleinstädtische Besiedlungsweise erahnen.[6]

Das Freibad Biberstein ist das erste öffentliche Naturbad der Schweiz. Es wurde im Jahr 2000 eröffnet und ist einem Schwimmteich nachempfunden.[7] Das Badewasser wird im bepflanzten Regenerationsbecken chemiefrei aufbereitet, mit Kies gefiltert und an Pflanzenwurzeln und Mikroorganismen ökologisch gereinigt.[8] Die Anlage umfasst ein Schwimmbecken, ein Kinderbecken und eine Liegewiesen.[7] 47° 24′ 42″ N, 8° 4′ 56″ O

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: "In Rot auf weissem Fels sitzender weisser Biber, an gelbem Holz nagend." Dieses traditionelle Wappen der Herrschaft Biberstein ist in einer Basler Chronik aus dem 16. Jahrhundert nachgewiesen. Die heute verwendete Version stammt aus dem Jahr 1977, als man einige Details zeichnerisch veränderte (dickeres Holzstück mit Nagespuren, sichtbarer Biberschwanz).[9]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung:[10]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 307 464 761 651 549 652 785 823 889 1104 1101 1417

Am 31. Dezember 2015 lebten 1473 Menschen in Biberstein, der Ausländeranteil betrug 8,4 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 61,6 % reformiert und 21,4 % römisch-katholisch; 2,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[11] 94,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,0 % Englisch, 0,8 % Türkisch, 0,7 % Italienisch.[12]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Aarau zuständig. Biberstein gehört zum Friedensrichterkreis Kirchberg, der die Gemeinden Biberstein, Densbüren, Erlinsbach und Küttigen umfasst.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Biberstein gibt es gemäss Betriebszählung 2008 lediglich etwa 200 Arbeitsplätze, davon 9 % in der Landwirtschaft, 11 % in der Industrie und 80 % im Dienstleistungssektor.[13] Über drei Viertel der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet ausserhalb, besonders in Aarau. Der grösste Arbeitgeber ist die Stiftung Schloss Biberstein, die das Wohnheim für geistig behinderte Erwachsene und auch den einzigen Dorfladen betreibt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Schloss Biberstein bestand früher die Möglichkeit, mit einer Fähre die Aare zu überqueren. Im Zweiten Weltkrieg liess das Militär an dieser Stelle die Fahrbrücke zwischen Biberstein und Rohr (heute ein Stadtteil von Aarau) bauen, die heute noch besteht.

Biberstein ist durch eine Linie des Busbetriebs Aarau mit der Kantonshauptstadt Aarau verbunden. Durch das Dorf führt die wenig befahrene Regionalstrasse von Küttigen über Auenstein nach Wildegg.

Der Aare folgt auf der linken Seite ein Abschnitt der von SchweizMobil gekennzeichneten nationalen Velostrecke 8 «Aare-Route». Von der Aarebrücke auf den Homberg und auf dessen Grat verlaufen Wanderwege; beim Punkt 643, einem leichten Sattel im Gratverlauf ganz im Nordosten des Gemeindegebiets, kreuzen sich mehrere Wanderrouten.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schulhaus von Biberstein werden der Kindergarten und die Primarschule geführt. Die Realschule und die Sekundarschule können in Küttigen besucht werden, die Bezirksschule in Aarau. Ebenfalls in Aarau befindet sich die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 21). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1948. DNB 366495623.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbewegungen und -bestand nach Gemeinde und Nationalität, zweites Halbjahr 2015. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 24. März 2016, abgerufen am 24. März 2016 (XLSX; 169 kB).
  2. Bevölkerungsbewegungen und -bestand nach Gemeinde und Nationalität, zweites Halbjahr 2015. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 24. März 2016, abgerufen am 24. März 2016 (XLSX; 169 kB).
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. Historische Quellen und sprachwissenschaftliche Deutungen. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau. Band 100/II. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 87 f. Angegebene Lautschrift: bụ̈́bərštè͈i̯.
  4. a b Gabrielle Schmid: Biberstein AG (Aarau) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel, Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5 und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, p. 152. Angegebene Lautschrift: [ˈbʏbərˌʃtæɪ].
  5. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1089, Swisstopo
  6. Michael Stettler: Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. Birkhäuser Verlag, Basel 1948.
  7. a b Biobadi. In: Gemeinde Biberstein. Abgerufen am 18. Mai 2012.
  8. Bio Badi Biberstein. In: badi-info. Abgerufen am 18. Mai 2012.
  9. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 119.
  10. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  12. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.
  13. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 23. August 2012.