Biblische Speisegebote

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Biblische Speisegebote oder auch Speisegesetze sind Vorschriften bzw. Vorgaben, die das Konsumieren von bestimmten Tieren, die als unrein gelten, verbieten. Grundlage sind Gebote im Alten Testament der Bibel, besonders im 3. Buch Mose.

Im Judentum sind die Speisegebote des Alten Testaments zur Grundlage der jüdischen Speisegebote geworden. Im Christentum werden diese Gebote jedoch im Neuen Testament für Christen aufgehoben beziehungsweise relativiert. Heute werden die alttestamentlichen Speisegebote nur von sehr wenigen christlichen Gemeinschaften, die sich außerhalb des christlichen Mainstreams bewegen, beachtet. Zu diesen gehören die Siebenten-Tags-Adventisten und kleinere adventistische Gruppen, Molokanen, Teile der Thomaschristen, sowie teilweise messianisch-jüdische Gemeinschaften.

Die Biblischen Speisegebote dürfen in erster Linie nicht mit den jüdischen Speisegesetzen verwechselt werden, da diese über die Bibel hinaus ausformuliert und spezialisiert sind und außerdem genaue Angaben zur Zubereitung und der Art des Verzehrs geben.

Altes Testament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alten Testament finden sich an mehreren Stellen umfassende Aufzählungen von Tieren, die dazu dienen sollen, "das Unreine und das Reine" zu "unterscheiden, die Tiere, die man essen darf, und jene, die man nicht essen darf" (Lev 11,47 EU). Auffällig ist, dass nur Nahrungsmittel, welche von Tieren stammen, als koscher oder nicht koscher gekennzeichnet werden, und pflanzliche Lebensmittel nicht als unkoscher erwähnt werden.

Erstes Buch Mose (Genesis)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhand folgender Textstelle aus dem ersten Buch Mose begründen viele bibeltreuen Menschen ihren Vegetarismus.

"Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen." (Gen 1,29 EU)

Da an dieser Stelle nicht explizit erwähnt wird, dass auch Tiere als Nahrung dienen sollen, existiert die Auffassung, dass der Mensch laut Bibel als Gottes Schöpfung, auf sein Geheiß hin eigentlich vegetarisch oder sogar vegan leben sollte. Rastafari bezeichnen diese Ernährungsweise als I-tal.

1. Mose 9,1-4 zufolge wird der Verzehr von blutlosem Fleisch erst nach der Sintflut gestattet.

"Dann segnete Gott Noach und seine Söhne und sprach zu ihnen: ...Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen, auf alle Vögel des Himmels, auf alles, was sich auf der Erde regt, und auf alle Fische des Meeres; euch sind sie übergeben. Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen. Alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen. Nur Fleisch, in dem noch Blut ist, dürft ihr nicht essen." (Gen 9,1–4 EU)

Drittes Buch Mose (Leviticus)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zum ersten Buch Mose, stößt man im dritten Buch Mose auf genaue Nennungen von Tieren, die als rein bzw. unrein gelten und somit gegessen bzw. nicht gegessen werden dürfen. Katalogartig sind in Lev 11 EU aufgeführt:

Koscher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alle Tiere, die gespaltene Klauen haben, Paarzeher sind und wiederkäuen Lev 11,3 EU
  • Tiere mit Flossen und Schuppen, die im Wasser, in Meeren und Flüssen leben Lev 11,9 EU
  • Kleintiere mit Flügeln und vier Füßen, die Springbeine haben, um damit auf dem Boden zu hüpfen Lev 11,21 EU
  • davon die Wanderheuschrecke (Arbe), der Solam-, der Hargol- und der Hagab-Heuschrecke Lev 11,22 EU

Treif[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • das Kamel, da es keine gespaltenen Klauen hat Lev 11,4 EU
  • der Klippdachs, da er keine gespaltenen Klauen hat Lev 11,5 EU
  • der Hase, da er zwar wiederkäut, aber keine gespaltenen Klauen hat Lev 11,6 EU
  • das Wildschwein, weil es nicht wiederkäut Lev 11,7 EU
  • alles im Wasser ohne Schuppen oder Flossen Lev 11,10 EU
  • Unter den Vögeln: der Aasgeier, der Schwarzgeier und der Bartgeier Lev 11,13 EU
  • der Milan und die verschiedenen Bussardarten Lev 11,14 EU
  • alle Arten des Raben, Lev 11,3 EU
  • Adlereule, Kurzohreule, Langohreule und die verschiedenen Falkenarten, Lev 11,3 EU
  • der Kauz, die Fischeule, der Bienenfresser, Lev 11,3 EU
  • die Weißeule, die Kleineule, der Fischadler Lev 11,3 EU
  • der Storch, die verschiedenen Reiherarten, der Wiedehopf und die Fledermaus(sic!) Lev 11,3 EU
  • Alle Kleintiere mit Flügeln und vier Füßen außer verschiedene Heuschrecken seien auch abscheulich Lev 11,20 EU
  • Alle Tiere mit gespaltenen Klauen, die aber nicht Paarzeher sind und nicht wiederkäuen Lev 11,26 EU
  • Alle Vierfüßler, die auf Pfoten gehen Lev 11,27 EU
  • der Maulwurf, die Maus und die verschiedenen Arten der Eidechsen Lev 11,29 EU
  • der Gecko, die Koach- und die Letaa-Eidechse, der Salamander und das Chamäleon Lev 11,30 EU

Fünftes Buch Mose (Deuteronomium)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im fünften Buch Mose findet sich in Dtn 14 EU eine ähnliche Aufzählung, welche jedoch noch zusätzliche Tiere spezifisch benennt, aber größtenteils entspricht auch diese Liste, der schon aus dem dritten Buch Mose bekannten Liste. Anzumerken ist, dass in Dtn 14 EU nun auch erstmals eine Anweisungen zur Zubereitung von Essen, nämlich der Zubereitung von Zicklein, genannt wird.

Koscher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rind, Lamm, Zicklein Dtn 14,4 EU
  • Damhirsch, Gazelle, Rehbock, Wildziege, Wisent, Wildschaf und Steinbock Dtn 14,5 EU
  • alles Großtier essen, das gespaltene Klauen hat und zu den Wiederkäuern gehört Dtn 14,6 EU
  • Alles, was Flossen und Schuppen hat Dtn 14,9 EU
  • Alle reinen geflügelten Tiere Dtn 14,20 EU

Treif[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kamel, Hase, Klippdachs. Sie sind zwar Wiederkäuer, haben aber keine gespaltenen Klauen. Sie sollen euch als unrein gelten. Dtn 14,7 EU
  • Wildschwein, denn es ist kein Wiederkäuer Dtn 14,8 EU
  • Meerestiere, die keine Flossen und keine Schuppen haben Dtn 14,10 EU
  • Aasgeier, Schwarzgeier, Bartgeier Dtn 14,12 EU
  • Milan, die verschiedenen Bussardarten Dtn 14,13 EU
  • Alle Arten des Raben Dtn 14,14 EU
  • Adlereule, Kurzohreule, Langohreule und die verschiedenen Falkenarten Dtn 14,15 EU
  • Kauz, Bienenfresser, Weißeule Dtn 14,16 EU
  • Kleineule, Fischadler, Fischeule Dtn 14,17 EU
  • Storch und die verschiedenen Reiherarten, Wiedehopf, Fledermaus Dtn 14,18 EU
  • Alles fliegende Kleingetier Dtn 14,19 EU
  • Zicklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen Dtn 14,21 EU

Neues Testament / Christentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Apostelgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petrus erhält in der Apostelgeschichte in einem Traum die Anweisung, dass alle Tiere rein sind:

"Und als er hungrig wurde, wollte er essen. Während sie ihm aber etwas zubereiteten, geriet er in Verzückung und sah den Himmel aufgetan und etwas wie ein großes leinenes Tuch herabkommen, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde. Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels. Und es geschah eine Stimme zu ihm: Steh auf, Petrus, schlachte und iss! Petrus aber sprach: O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen. Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten. Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Tuch wieder hinaufgenommen gen Himmel." (Apg 10,10-16 EU)

Speisevorschriften im Neuen Testament wurde auf dem Apostelkonzil in Jerusalem formuliert. Hier wird gesagt, dass der Verzehr von Blut und "Ersticktem" gemieden werden soll.

"...dass sie sich enthalten sollen von Befleckung durch Götzen und von Unzucht und vom Erstickten und vom Blut." (Apg 15,20 EU)

"Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge: Götzenopferfleisch, Blut, Ersticktes ... zu meiden." (Apg 15,28 EU)

Eine spätere Bekräftigung dieser Dekrete findet sich noch in (Apg 21,25 EU).

In nachbiblischer Zeit wurde auch diese Vorschriften weit verbreitet als nicht bindend angesehen. Anhand der unten aufgeführten Bibelstellen erklärte das erste ökumenische Konzil von Nicäa 325 n. Chr. die Speisegebote für aufgehoben:

Markusevangelium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Textstelle, die zur Relativierung der Speisevorschriften herangezogen wurde, befindet sich im Markusevangelium bei MkEU. An dieser Stelle sehen Pharisäer und Schriftgelehrte einige Jünger Jesu Essen mit nicht gewaschenen Händen zu sich nehmen, wonach auch das Essen, was sie zu sich nehmen unrein sein würde. Daraufhin sprechen sie Jesus darauf an, aber er erwidert ihnen: „Seht ihr nicht ein, dass das, was von außen in den Menschen hineinkommt, ihn nicht unrein machen kann? Denn es gelangt ja nicht in sein Herz, sondern in den Magen und wird wieder ausgeschieden.“ Im Christentum hat sich weitläufig die Meinung gebildet, dass Jesus hier alle Speisen für rein erkläre (Mk 7,18–19 EU).

Römerbrief[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Paulus macht dies erneut in seinem Brief an die Römergemeinde klar, wo er schreibt „denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14,17 EU).

Weitere Textstellen aus dem Neuen Testament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das esst und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert." (1 Kor 10,25 EU)

Paulus schreibt dies an Christen in Korinth, einem Ort im damaligen Griechenland, wo nach alttestamentlichen Speisevorschriften auch als unrein geltendes Schweinefleisch mit ein Hauptbestandteil des Fleischmarktes war.

"So lasst euch nun von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank" (Kol 2,16 EU)

"Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten? Es sind Gebote und Lehren von Menschen" (Kol 2,21 EU)

Paulus ermahnt Christen in Kolossai, sich nicht Satzungen auferlegen zu lassen, von denen sie durch ihren Glauben an Jesus befreit sind.

"Dies sind nur äußerliche Satzungen über Speise und Trank, die bis zu der Zeit einer besseren Ordnung (Jesus) auferlegt sind." (Hebr 9,10 EU)

"dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, nicht durch Speisegebote, von denen keinen Nutzen haben, die damit umgehen." (Hebr 13,9 EU)

"wer isst, der isst im Blick auf den Herrn, denn er dankt Gott; und wer nicht isst, der isst im Blick auf den Herrn nicht und dankt Gott auch." (Röm 14,6 EU)

"Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird" (1 Tim 4,4 EU)

"Speise aber macht uns nicht angenehm vor Gott; weder sind wir, wenn wir nicht essen, geringer, noch sind wir, wenn wir essen, besser." (1 Kor 8,8 EU)

Judentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da das Neue Testament für das Judentum eine Schrift einer anderen Religion ist und somit nicht geltend gemacht werden kann, ist das Speisegebot für Juden nicht aufgehoben. Die Speisegebote, welche im Tanach bzw. Talmud stehen, werden im Judentum als Kaschrut bezeichnet. Über die Nennung von unreinen bzw. reinen Tieren hinweg, beschäftigen sich die Gesetze besonders auch mit der Zubereitung von Mahlzeiten, der Handhabung von Utensilien und inwiefern man mit den Speisen in Berührung kommen kann.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Heil: Die Ablehnung der Speisegebote durch Paulus. Zur Frage nach der Stellung des Apostels zum Gesetz. (Bonner Biblische Beiträge 96) Beltz Athenäum Verlag, Weinheim 1994, ISBN 3-89547-062-7.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]