Biche

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„Die Tafelrunde in Sanssouci“, Adolph Menzel, 1850. Im Vordergrund ein Windspiel des Königs.

Biche († 29. Dezember 1752 in Sanssouci) war eine der Lieblingshündinnen des preußischen Königs Friedrich II. Sie war vom damals gemeinhin als Windspiel bezeichneten Hundetyp, der etwa der heutigen Hunderasse Whippet entspricht.[1][2] Die als weiß beschriebene[3] Hündin hatte Friedrich 1744 von seinem Vertrauten Friedrich Rudolf von Rothenburg als Geschenk erhalten.[4] Sie war der erste Windhund im Besitz des Königs. Der frankophile Friedrich gab ihr einen französischen Namen (Biche = Hirschkuh).

Zweiter Schlesischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1744 nahm der König Biche zur Kur nach Bad Pyrmont mit.[5] Sie wurde auch auf den Feldzügen des Herrschers mitgeführt.[6] Zwei Vorfälle aus dieser Zeit sind überliefert:

Während der Schlacht bei Soor im September 1745 überfiel das Pandurencorps des Generals Franz Leopold von Nádasdy das Lager der Preußen und konnte die Kriegskasse erbeuten und etliche Gefangene machen. Mit dem ebenfalls erbeuteten Gepäcktross fiel auch Biche in die Hände der Gegner. Nádasdy soll die Hündin seiner Ehefrau geschenkt haben, die großen Gefallen an ihr fand. Bei den folgenden Verhandlungen forderte die preußische Seite jedoch die Rückgabe des Hundes.[7] Nachdem Biche zurückgegeben worden war, soll Friedrich beim Wiedersehen geweint haben.[8]

Bei einem Erkundungsritt in feindliches Gelände in der Nähe von Breslau wurde der König im Oktober 1745 von einem Trupp österreichischer Reiter überrascht. Er konnte sich noch rechtzeitig gemeinsam mit Biche unter einer kleinen Brücke verstecken. Trotz des Lärms, den die galoppierenden Pferde auf der Brücke verursachten, blieb die Hündin ruhig und verriet ihren Herrn so nicht. Zu dem Vorfall entstanden später verschiedene Illustrationen.[9]

Leben in Sanssouci[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die grazile Biche wurde Friedrich zu einer treuen und geschätzten Begleiterin;[1] sie wurde von ihm auch als „Mäuschen“ und „allerliebstes Geschöpf“ bezeichnet.[10] Die Hündin lebte im Schloss Sanssouci, durfte auf Sesseln schlafen und mit bereitliegenden Bällen spielen. Der König duldete sie bei Tisch, sie wurde von ihm gefüttert. Lakaien hatten sie auf Französisch anzusprechen [biʃ] und zu siezen. Sie durfte auch im Bett des Königs schlafen. 1747 ließ er sie von dem Hofmaler Antoine Pesne auf dem Zentralgemälde („Das Bad der Diana“) eines Zyklus von fünf Wandgemälden mit mythologischen Gestalten im Konzertzimmer von Sanssouci verewigen. Hier sitzt die Hündin auf dem Schoß der Göttin Diana und blickt sie an.[11][12]

Friedrich schrieb am 15. Juni 1748 an seine Schwester Wilhelmine von Bayreuth über seine Hündin: „Biche hat gesundes Urteil- und Auffassungsvermögen, und Tag für Tag sehe ich Leute, die sich nicht so folgerichtig zu benehmen wissen wie sie.“[13]

Hundebriefwechsel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sogenannten Hundebriefe[14] entstanden im Mai 1748. Friedrich korrespondierte dabei mit seiner Schwester Wilhelmine von Preußen auf Französisch. Er schrieb im Namen von Biche, sie antwortete als Folichon, ihr Zwergspanielrüde.[15] In seinem Schreiben wirbt der König um die Zuneigung seiner Schwester,[16] nachdem sich das Verhältnis der beiden im Zweiten Schlesischen Krieg abgekühlt hatte.

„Folichon: Allerliebste Hündin. Ich liebe und bete Dich an. Ich schmachte seit unserer Trennung nach Dir. Schwermütig verbringe ich meine Zeit zu Füßen meiner Herrin. Ich höre sie über die grausame Trennung von einem geliebten Bruder klagen.“

„Biche: Ja, Folichon, Du kannst mir sagen, was Du willst; ich habe Deine anbetungswürdige Herrin gesehen und Du wirst mir nicht ausreden, dass sie von weit höherer Art ist als wir. Wie geistvoll war ihre Unterhaltung: Und ihre unbestimmte Grazie, ihre durch Leutseligkeit gemilderte Würde lässt sie mir vollends anbetungswürdig erscheinen.“

Preußische Allgemeine Zeitung, 28. Juni 2012[17]

Tod und Grab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1752 starb Biche im Konzertsaal von Sanssouci.[11] Der Tod der Hündin traf den König schwer, seiner Schwester Wilhelmine schrieb er später: „Ich war beschämt, dass der Tod eines Hundes mir so nahe geht […]“.[1] Biche wurde in einem Sarg als erste von elf Windhunden auf der Schlossterrasse von Sanssouci beerdigt; eine Sandsteinplatte trägt ihren Namen.[4] Im Jahr 2005 wurde die Grabplatte gereinigt und konserviert.[11]

Die Hündin wurde in späteren Werken über den König immer wieder als Beispiel für seine große Tierliebe und besonders seine Zuneigung zu Windhunden genannt. Theodor Fontane erwähnte Biche im 1885 entstandenen Gedicht „Auf der Treppe von Sanssouci“.[18]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Schlosse zu Potsdam und auf dem Jägerhof,[19] der sich vor dem heute noch stehenden Jägertor und der Akzisemauer Potsdams befand, wurden Windspiele in einer „Pflanzschule“ mit etwa 40 bis 80 Hunden gezüchtet; für Pflege und Aufsicht waren zwei Jäger verantwortlich, von denen einer zugleich für das gesundheitliche Wohl dieser Tiere sorgen sollte.[20] Die schönsten „Zöglinge“ dieser „Pflanzschule“ wurden an den königlichen Hof geliefert.[21]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Friedrich der Große: Die Hunde des Königs, SPK Digital, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
  2. Marianne Bunyan, Whippet: Der richtige Hund für Sie ?, ISBN 3-8334-2507-5, BoD, Norderstedt, S. 16
  3. Sächsische Dorfzeitung – Anzeiger für Stadt und Land, Band 16, C. Heinrich, 1854, S. 44
  4. a b Katharina von der Leyen, Friedrich II., der große Hundefreund, 12. Juli 2012, Bild.de
  5. Sibylle Prinzessin von Preußen und Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, Die Liebe des Königs: Friedrich der Große, seine Windspiele und andere Passionen, ISBN 978-3-88680-854-0, Siedler, München 2006, S. 7 (Memento vom 27. März 2017 im Internet Archive)
  6. Wolfgang Wippermann und Detlef Berentzen, Die Deutschen und ihre Hunde: ein Sonderweg der Mentalitätsgeschichte?, Band 75546 von Siedler Taschenbuch, ISBN 978-3-44275-5-462, Siedler, 1999, S. 32 (Snippet)
  7. Christian Hein, 25.Décembre 1745 (Memento vom 27. März 2017 im Internet Archive), Barock-Akademie
  8. Claudia Becker, Biche bis Blondi – Deutschlands berühmteste Hunde, 10. Oktober 2014, Welt.de
  9. z. B. Stahlstich bei K. F. Reiche, Friedrich der Große und seine Zeit: Nach den besten Quellen dargestellt, Kollmann, 1840, S. 190
  10. Christoph Stollowsky, Der Alte Fritz: Das gute Herrchen, 7. Februar 2012, Der Tagesspiegel
  11. a b c E. Hohenstein, Friedrichs vierbeinige Freunde, 27. Januar 2005, Der Tagesspiegel
  12. Foto des Wandgemäldes
  13. Briefe Friedrichs des Großen, Bd. 1, hg. von Max Hein, übers. von Friedrich von Oppeln-Bronikowski u. Eberhard König. Reimar Hobbing, Berlin 1914, S. 265.
  14. Georg Guntermann (Hrsg.), Klassik, modern: Für Norbert Oellers zum 60. Geburtstag, Band 115 von: Zeitschrift für deutsche Philologie, Sonderheft, ISBN 978-3-50303-7-513, Erich Schmidt Verlag, 1996 S. 31
  15. Ehm Welk, Die stillen Gefährten: Gedanken über das Leben mit Tieren, W. Limpert, 1943, S. 61 (Snippet)
  16. Ina Seidel, Deutsche Frauen: Bildnisse und Lebensbeschreibungen, Steiniger, 1939, S. 69 (Snippet)
  17. a b Dirk Klose, „Du allein fesselst mich an die Welt“: Der Schriftwechsel Friedrichs II. mit seiner Lieblingsschwester gehört zu den anrührendsten Zeugnissen deutscher Briefliteratur, 28. Juni 2012, Preußische Allgemeine Zeitung
  18. Theodor Fontane, Auf der Treppe von Sanssouci, bei: Wikisource
  19. dazu: potsdam-chronik.de, Lemma Jägerhof
  20. Hans Räber, Die Windspiele Friedrichs des Großen in Enzyklopädie der Rassehunde, Band 2: Ursprung, Geschichte, Zuchtziele, Eignung und Verwendung, 2. als eBook besorgte Auflage, Kosmos 2014, S. 842–844 (eingeschränkte Vorschau auf Google Books; dort breit zitierend aus: Anton Friedrich Büsching, Beyträge zu der Lebensgeschichte denkwürdiger Personen, insonderheit gelehrter Männer, Band 5, Halle, Curt 1788, S. 22–24)
  21. Ludwig Pflaum, Friedrich der Grosse. Eine Lebensbeschreibung für Jünglinge, Band 3 von: Lebensbeschreibungen merkwürdiger Männer, Verlag J. F. Steinkopf, 1815, S. 273