Bieruń

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Bieruń
Wappen von Bieruń
Bieruń (Polen)
Bieruń
Bieruń
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Powiat: Bieruń-Lędziny
Fläche: 40,31 km²
Geographische Lage: 50° 6′ N, 19° 6′ OKoordinaten: 50° 6′ 0″ N, 19° 6′ 0″ O
Höhe: 240 m n.p.m.
Einwohner: 19.539
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 43-150 bis 43-155
Telefonvorwahl: (+48) 32
Kfz-Kennzeichen: SBL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: CieszynWarschau, KrakauBreslau
Nächster int. Flughafen: Krakau
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Einwohner: 19.539
(30. Jun. 2019)[1]
Gemeindenummer (GUS): 2414011
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Krystian Grzesica
Adresse: Rynek 14
43-150 Bieruń
Webpräsenz: www.bierun.pl



Bieruń (deutsch Berun) ist die Kreisstadt des Powiat Bieruńsko-Lędziński (Kreis Berun-Lendzin) in der polnischen Woiwodschaft Schlesien und zählt fast 20.000 Einwohner.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berun südlich von Kattowitz und nordöstlich von Pless auf einer Landkarte von 1905

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im Süden Oberschlesiens am Fluss Mletzna und an einem großen See auf 258 m ü. NHN, etwa 25 km südlich von Kattowitz.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bieruń gliedert sich in folgende Stadtteile:

  • Bieruń Stary (Alt Berun)
  • Bieruń Nowy (Neuberun)
  • Bijasowice (Biassowitz)
  • Czarnuchowice (Czarnuchowitz)
  • Jajosty (Jajost)
  • Ściernie (Sciern)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ring mit Rathaus
St.-Bartholomäus-Kirche
Schrotholzkirche St. Valentin

Eine erste feste Siedlung an der Stelle des heutigen Bieruń gab es bereits im 13. Jahrhundert. 1327 fiel die Ansiedlung an Böhmen. 1376 wurde eine Siedlung namens de Berouna erwähnt. Das Stadtrecht erhielt Berun 1387 von Herzog Johann II. dem Eisernen. Eine Bierbrauerei nahm 1525 ihren Betrieb auf. 1526 übernahmen die Habsburger die Herrschaft über das Gebiet.

1742 fiel das Gebiet an Preußen, und gleichzeitig verlor Berun sein Stadtrecht. Die Stadt wurde 1816 dem Kreis Pleß im Regierungsbezirk Oppeln der preußischen Provinz Schlesien zugeordnet und lag direkt an der Grenze zu Polen. Etwa 100 Jahre später wurde die erste zwischenstaatliche Straße Oberschlesiens errichtet, die durch den Ort ging. Am 18. Juni 1845 zerstörte ein verheerender Stadtbrand Berun. Für den Wiederaufbau der Stadt spendete der preußische König Friedrich Wilhelm IV. 9000 Taler.[2] Die Einwohner lebten vorwiegend vom Ackerbau, ihre Umgangssprache war teils Deutsch teils Polnisch. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden eine Sprengstoff- und eine Zigarettenfabrik in Berun. Im Jahr 1865 erhielt der bisherige Marktflecken Berun wieder das Stadtrecht.[3] Der Ortsname wurde in Alt Berun abgeändert, da 1833 bei Zabrzeg das Dorf Berun Zabrzeg in Neuberun umbenannt worden war.[4] Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Berun zwei katholische Kirchen, eine Synagoge sowie Sprengstoff- und Zündholzfabrikation.[3]

Nach dem Ersten Weltkrieg versuchten in der Region Aufständische, das Gebiet gewaltsam an den neuen polnischen Staat anzugliedern. In der Volksabstimmung in Oberschlesien 1921 über die staatliche Zugehörigkeit wurden in Alt Berun 1427 oder 82,1 % der Stimmen und in Neuberun 292 oder 58,4 % für Polen abgegeben.[5] So wurde die Stadt 1922 polnisch.

1975 verlor der Ort seine Selbständigkeit und wurde Teil Tychys. 1991 wurde Bieruń wieder selbständig.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1922
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1816 618 [6]
1825 784 darunter zehn Evangelische, 90 Juden[7]
1840 1210 davon elf Evangelische, 1096 Katholiken, 103 Juden[4]
1855 1251 [8]
1861 1334 davon sechs Evangelische, 1247 Katholiken, 81 Juden[8]
1867 1604 am 3. Dezember[9]
1871 1720 [10] nach anderen Angaben 1738 Einwohner (am 1. Dezember), davon 26 Evangelische, 1622 Katholiken, 90 Juden[9]
1885 1077 [11]
1900 2073 meist Katholiken[3]
1905 2145 [11]
1910 2221 [11]

Graphische Darstellung der Einwohnerzahlen von Bieruń (inkl. Gutsbezirk) bis heute:[12]

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Kopalnia Węgla Kamiennego Piast, Bergwerk

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Schrotholzkirche ist seit 1680 dem heiligen Valentin (Św. Walenty) geweiht und wurde von 1634 bis 1626 errichtet. Ein Brand im Jahre 1972 beschädigte den Bau schwer, der in der Folge originalgetreu wiederhergestellt wurde und noch immer über eine reiche barocke Ausstattung verfügt.
  • St.-Bartholomäus-Kirche am Ring
  • Herz-Jesu-Kirche
  • St.-Barbara-Kirche
  • Historische Bürgerhäuser am Ring
  • Jüdischer Friedhof

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stanisław Nagy (1921–2013), polnischer römisch-katholischer Theologe und Kardinal

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 586–588
  • Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 30-31.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bieruń – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Vgl. Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865 (Digitalisat)
  3. a b c Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 2, Leipzig/Wien 1905, S. 742.
  4. a b Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preusz. Provinz Schlesien. 2. Auflage. Graß, Barth und Comp., Breslau 1845, S. 30-31.
  5. Vgl. oberschlesiende.de (Memento des Originals vom 10. Mai 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/oberschlesiende.h619444.serverkompetenz.net; abger. am 16. August 2008
  6. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 1: A-F, Halle 1821, S. 100, Ziffer 1982.
  7. Johann Georg Knie: Alphabetisch-Statistisch-Topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuß. Provinz Schlesien, mit Einschluß des jetzt ganz zur Provinz gehörenden Markgrafthums Ober-Lausitz und der Grafschaft Glatz; nebst beigefügter Nachweisung von der Eintheilung des Landes nach den verschiedenen Zweigen der Civil-Verwaltung. Melcher, Breslau 1830, S. 35.
  8. a b Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien, Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1865, S. 568, Ziffer 38.
  9. a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Schlesien und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871. Berlin 1874, S. 342–343, Ziffer 1.
  10. Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 180.
  11. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. sch_pless.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  12. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1845: [1] – 1855, 1861: [2] – 1885, 1905, 1910: Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. sch_pless.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006). – 1940: [3] – 1995, 2000, 2005: [4]