Big Four (Schlangen)

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Big Four (engl. für ‚Große Vier‘) ist eine auf dem indischen Subkontinent verwendete Bezeichnung für vier Giftschlangen-Arten.[1] Nach einer lange verbreiteten Auffassung seien sie für beinahe alle tödlichen Schlangenbisse in der Region verantwortlich. Neuere Forschungen widerlegen dies.[2]

Darüber hinaus ist Big Four auch eine Bezeichnung für vier Riesenschlangen-Arten.[3]

Giftschlangen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausdruck wurde im späten 19. Jahrhundert geprägt und beruht auf dem damaligen Wissen um die Taxonomie der Schlangen. Heute sind in der Region mindestens vier Kobra-Arten, acht Krait-Arten und zwei Unterarten der Gemeinen Sandrasselotter bekannt, die sich in der Zusammensetzung ihrer Gifte erheblich unterscheiden können.[4] Tatsächlich verursachen Bisse von Schlangen anderer Arten eine bedeutende Zahl von Krankheits- und Todesfällen. Aus diesem Grund wird der Ausdruck Big Four heute in der Wissenschaft nur noch gelegentlich verwendet.[5]

In Indien werden ausschließlich polyvalente Schlangenseren für Vergiftungen durch jene vier Arten hergestellt.[6] Neuere Forschungen stellen diesen Ansatz in Frage, da sogar die Gifte verschiedener Unterarten oder Populationen einer Schlangenart abweichende Zusammensetzungen aufweisen können. In Einzelfällen müssen die Schlangenseren in stark erhöhten Dosen verabreicht werden. Von den behandelnden Ärzten werden sie als wenig wirksam beschrieben. Häufig wurde sogar festgestellt, dass ein im Süden Indiens hergestelltes polyvalentes Schlangenserum im Norden des Landes eine deutlich geringere Wirksamkeit besitzt.[4][7]

Riesenschlangen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bellosa et al. verwenden den Ausdruck für vier Arten von Riesenschlangen, allerdings sind auf Sulawesi vorkommende Dunkle Tigerpythons mit einer Länge von bis zu 2,40 Meter ausgesprochen kleinwüchsig.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. V. V. Pillay: Modern Medical Toxicology. 3rd edition, Jaypee Brothers Medical Publishers, New Delhi 2005, S. 124, ISBN 978-8180615191, Online-Vorschau, abgerufen am 26. Januar 2014.
  2. Oscar H. Del Bhutto: Neurologeous effects of venomous bites and stings: snakes, spiders, and scorpions. Seiten 350/351
    In: Hector H. Garcia, Herbert B. Tanowitz, Oscar H. Del Brutto (Hrsg.): Neuroparasitology and Tropical Neurology: Handbook of Clinical Neurology. Elsevier B.V. Amsterdam 2013
  3. Henry Bellosa, Lutz Dirksen, Mark Auliya: Faszination Riesenschlangen: Mythos, Fakten und Geschichten. Blv Buchverlag, 2007, ISBN 978-3835402829.
  4. a b Romulus Whitaker, Samir Whitaker: Venom, antivenom production and the medically important snakes of India. In: Current Science, Band 103, Nummer 6, S. 635–643, ISSN 0011-3891, Online PDF 119 kB, abgerufen am 26. Januar 2014.
  5. Oscar H. Del Bhutto: Neurologeous effects of venomous bites and stings: snakes, spiders, and scorpions. In: Hector H. Garcia, Herbert B. Tanowitz, Oscar H. Del Brutto (Hrsg.): Neuroparasitology and Tropical Neurology: Handbook of Clinical Neurology. Elsevier B.V., Amsterdam 2013, S. 349–368, hier S. 350–351, ISBN 978-0444534903 Online-Vorschau, abgerufen am 26. Januar 2014.
  6. M. Szell: Blogbeitrag "Giftschlangen in Indien" [1], abgerufen am 8. Februar 2015.
  7. Diganta Das et al.: Biochemical and biological characterization of Naja kaouthia venom from North-East India and its neutralization by polyvalent antivenom. In: Journal of Venom Research, Band 4, 2013, S. 31–38, ISSN 2044-0324, PMC 3861878 (freier Volltext)
  8. H. J. Jacobs, M. Auliya, W. Böhme: Zur Taxonomie des Dunklen Tigerpythons, Python molurus bivittatus KUHL, 1820, speziell der Population von Sulawesi. In: Sauria, 2009 (Online)