Bignasco

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Bignasco
Wappen von Bignasco
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Rovana
Politische Gemeinde: Cevioi2
Postleitzahl: 6676
Koordinaten: 690122 / 132613Koordinaten: 46° 20′ 20″ N, 8° 36′ 33″ O; CH1903: 690122 / 132613
Höhe: 443 m ü. M.
Fläche: 81,43 km²
Einwohner: 298 (31. Dezember 2005)
Einwohnerdichte: 4 Einw. pro km²
Website: www.cevio.ch
Bignasco am Zusammenflussvon Bavona und Maggia (rechts)

Bignasco am Zusammenfluss
von Bavona und Maggia (rechts)

Karte
Bignasco (Schweiz)
Bignasco
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 22. Oktober 2006

Bignasco ist eine Fraktion der politischen Gemeinde Cevio im Kreis Rovana, im Bezirk Vallemaggia des Kantons Tessin. Bis zum 22. Oktober 2006 war Bignasco mit Fraktion «La Presa»[1] eine eigene politische Gemeinde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Territorium von Bignasco bestand aus zwei getrennten Teilen. Einerseits dem Dorf (443 m ü. M.) am Zusammenfluss der Maggia und der Bavona 28 km nordwestlich von Locarno. Andererseits gehörte der Weiler San Carlo (960 m.ü.M.) im Bavonatal zur Gemeinde. Vom gesamten Areal von 8143 ha sind 63 % unproduktive Fläche (Gebirge und Gewässer) und 29 % von Wald und Gehölz bedeckt. Nur 7 % des Gebiets können landwirtschaftlich genutzt werden. Die restlichen 0,4 % sind Siedlungsfläche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1230 wurde Bignasco erstmals unter dem Namen Bugnascho erwähnt. Unter dem heutigen Namen erscheint die Gemeinde in einem Dokument von 1364. Die Gemeinde gehörte im Mittelalter zum Gebiet Roana superior. Sie beteiligte sich mit einem grösseren Kontingent an der Vertreibung der Walser im Jahr 1484. Vom frühen 16. Jahrhundert bis 1798 war sie Teil der Ennetbergischen Vogteien. Danach gehörte Bignasco bis 1803 zum Kanton Lugano. Seither ist Bignasco als Teil des Bezirk Vallemaggia (Bezirks Maggiatal) ein Teil des Kantons Tessin.

Fusion mit Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Oktober 2006 wurde Bignasco mit Cavergno und Cevio zur Gemeinde Cevio fusioniert. Die per 23. Januar 2005 geplante Fusion musste zurückgestellt werden, da noch eine Klage vor Bundesgericht hängig war. Im April 2006 wurde die Beschwerde der Gemeinde Bignasco gegen die Zwangsfusion durch das Bundesgericht abgewiesen.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu anderen Gemeinden des Maggiatals konnte Bignasco seine Bevölkerungszahl von etwa 220 Personen bis 1870 halten. Dann folgte bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs eine Auswanderungswelle nach Holland (temporär) und nach Kalifornien (dauernd). Dennoch verlor die Gemeinde vergleichsweise wenig Bewohner (1870–1910:−17 %). Die 1910er-Jahre waren das einzige Jahrzehnt mit Massenauswanderung (1910–1920:−23 %) auf einen historischen Bevölkerungstiefstand von 143 Personen. Diese veränderte sich in der Zwischenkriegszeit kaum. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wuchs die Bevölkerung bis ins Jahr 2000: (+107 %). Grund waren die besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten innerhalb der Gemeinde. Seit dem Jahr 2000 stagnierte die Einwohnerzahl bei etwas über 300 Personen.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung spricht einen eigenen italienischen Dialekt. Durch die grössere Anzahl Arbeitsplätze fand eine starke Zuwanderung statt, die sich im Sprachverhalten bemerkbar macht. Während 1970 noch 98 % der Bewohner Italienisch als ihre Hauptsprache angaben, waren es im Jahr 2000 nur noch 80 %. Nebst dem Wachstum der deutschen Sprachgruppe von (1970) 0,5 auf (2000) 9 % haben vor allem Portugiesisch und Serbokroatisch zugelegt.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In früherer Zeit gehörte die gesamte Einwohnerschaft der Römisch-Katholischen Kirche an. Durch Kirchenaustritte und Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und dem Ausland hat sich dies geändert. Heute (Stand 2000) gibt es 85 % römisch-katholische, 3,27 % evangelisch-reformierte und 2 % orthodoxe Christen. Daneben befinden sich 3 % Konfessionslose und 1 % Muslime (meist Bosniaken). 5 % der Bevölkerung gaben keine Auskunft über ihr Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 306 Einwohnern Ende 2004 waren 236 (=77 %) Schweizer Bürger. Bei der letzten Volkszählung waren nur 72 % Schweizer Staatsangehörige – unter ihnen 13 Personen mit doppelter Staatsangehörigkeit. Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Italien, Portugal, Serbien-Montenegro, Bosnien-Herzegowina und aus Lateinamerika.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die Wirtschaft jahrhundertelang auf Ackerbau, Viehzucht und Käserei konzentrierte, brachte die in den 1960er-Jahren beginnende Wasserkraftnutzung Infrastruktur und Arbeitsplätze. Dennoch hat eine starke Pendlertätigkeit eingesetzt. Während 1970 noch mehr als 77 % der Einheimischen in Bignasco arbeiteten, waren es 1990 nur noch 48 % und im Jahr 2000 nur noch 41 %. Die Mehrheit der Wegpendler arbeitet in anderen Gemeinden des Maggiatals, 18 in Locarno und vier in Losone. Die Zahl der Zupendler hat sich zwischen 1990 und 2000 stark verringert – von 92 auf 46 Personen. So besetzen die Einheimischen erstmals seit langer Zeit wieder die Mehrheit der Arbeitsplätze in Bignasco (55 %). Bereits über 50 % aller Erwerbstätigen aus Bignasco verdienen ihren Lohn in Dienstleistungsberufen. Früher boten Industrie (Steinabbau, Wasserkraftwerke) und Gewerbe der Mehrheit ein Auskommen (heute immerhin noch über 40 %).

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1890 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs kamen zahlreiche Fremde nach Bignasco. Grund war einerseits der Bau des Hotel du Glâcier und vor allem die Inbetriebnahme der Maggiatalbahn Locarno–Bignasco.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bignasco war die Endstation der 1965 stillgelegten Locarno-Ponte Brolla-Bignasco-Bahn, welche Bignasco mit Locarno verband[2].

Heute ist sie durch die Linie 10 der FART, Locarno-Cavergno, ans Netz des Öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Von Bignasco aus verkehren zwei Postautolinien. Eine ins Val Bavona (Bignasco-Foroglio-San Carlo) und eine ins Val Lavirazza (Bignasco-Fusio).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Dorfkirche San Michele wurde am 22. September 1606 eingeweiht und 1838, 1853 und 1904 restauriert.[3][4]
  • Alte Steinbrücke genannt romano[3][5]
  • Alte Steinbrücke genannt della Merla[3][6]
  • Alte Steinbrücke über Calneggia[3][7]
  • Beim Ortsteil «San Carlo» das seit Jahrhunderten verlassene Dorf Prèsa di San Carlo[3]
  • Schalenstein im Ortsteil Corona delle croci[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zane (Giovanni) Del Ponte, Säckelmeister des Maggiatals[9]
  • Giacomo Francesco Lotti (* 1759 in Bignasco; † 26. April 1814 in Bellinzona), Schweizer Richter und Tessiner Politiker, Richter[10]
  • Giacomo Angelo Lotti (* 1. Oktober 1784 in Bignasco; † 30. Oktober 1850 in Bellinzona), Schweizer Anwalt und Tessiner Gross- und Staatsrat[11]
  • Franco Zorzi (* 24. August 1923 in Bellinzona; † 4. September 1964 in Bignasco (heute Gemeinde Cevio)), Politiker, Regierungsrat[12][13]
  • Flavio Del Ponte (* 1944), Kriegschirurg, Gründer der Accademia del Master Europeo di Medicina di Catastrofe in Genf[14]
  • Carla Del Ponte (* 9. Februar 1947 in Bignasco), Schweizer Juristin und ehemalige Botschafterin der Schweiz in Argentinien[15][16]
  • Daniele Lotti, Ökonom, Präsident der Società Elettrica Sopracenerina und des Ente Ospedaliero Cantonale (EOC)[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 67-68.
  • Celestino Trezzini: Bignasco In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 2, Beringen–Bion, Attinger, Neuenburg 1921, S. 243. (abgerufen am 26. Juni 2017).
  • Giovanni Bianconi: Vallemaggia. Edizioni L.E.M.A., Agno 1969.
  • Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972, S. 8, 30, 46, 56, 62, 87, 112, 184, 281–282, 300–301, 413–414, 431.
  • Flavio Maggi: Patriziati e patrizi ticinesi. Pramo Edizioni, Viganello 1997.
  • Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 237, 248, 258, 259, 260.
  • Daniela Pauli Falconi: Bignasco. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013, ISBN 978-88-8281-353-6.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bignasco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bignasco-La Prèsa in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)
  2. Società della Ferrovia Locarno-Ponte Brolla-Bignasco in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)
  3. a b c d e Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 258–259.
  4. Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. S. 323, 325, 329,398.
  5. Alte Steinbrücke genannt romano (Foto)
  6. Alte Steinbrücke genannt della Merla (Foto)
  7. Alte Steinbrücke über Calneggia (Foto)
  8. Franco Binda, Locarno 2013, S. 24.
  9. Marina Bernasconi Reusser: Del Ponte, Zane [Giovanni]. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  10. Fabrizio Mena: Lotti, Giacomo Francesco. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  11. Fabrizio Panzera: Lotti, Giacomo Angelo. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  12. Andrea Ghiringhelli: Zorzi, Franco. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  13. Franco Zorzi in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)
  14. Flavio Del Ponte (italienisch) auf oltreconfiniti
  15. Carla Del Ponte (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti (abgerufen am 29. September 2016).
  16. Carla Del Ponte in portal.dnb.de (abgerufen am: 18. Juni 2016.)
  17. Daniele Lotti (italienisch) auf rsi.ch/rete-uno/programmi/intrattenimento (abgerufen am 21. Februar 2017).