Bikini-Haus

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Bikini Berlin
Bikini Berlin
Südliche Fassade des Bikini-Hauses
Basisdaten
Standort: Berlin-Charlottenburg,
Budapester Straße 38–50
Eröffnung: 3. April 2014
Geschäfte: 64
Eigentümer: Bayerische Hausbau
Website: Homepage
Verkehrsanbindung
Bahnhof: Zoologischer Garten
S-Bahn: S5, S7, S75
U-Bahn: U2, U9
Omnibus: Bus 100, 109, 110, 200, 204, 245, 249, M45, M46, M49, N10, N2, N26, X10, X34, X9
Technische Daten
Bauzeit: 1955–1957
Architekt: Schwebes & Schoszberger
Architekten: Architekturbüro SAQ, Hild und K Architekten
Umbau: 2010–2014

Das Bikini-Haus (auch: Bikinihaus) ist ein denkmalgeschütztes ehemaliges Industrie-, Geschäfts- und Bürogebäude an der Budapester Straße in der City West im Berliner Ortsteil Charlottenburg. Das Bikini-Haus ist Teil eines Bauensembles, das den Namen Zentrum am Zoo trägt. Zum Zentrum am Zoo gehörten noch das Hochhaus am Hardenbergplatz (auch Huthmacher-Haus oder DOB-Haus genannt), der Zoo-Palast, das Kleine Hochhaus und die Parkgarage am Zoo.

Finanziert wurde der gesamte Baukomplex durch Mittel aus dem ERP und durch den Investor Jacques Rosenstein. An die ursprüngliche Bestimmung des Zentrums am Zoo erinnerte einst eine Inschrifttafel am Haus Budapester Straße 46:

„ZENTRUM AM ZOO 1956–1957 MIT GEGENWERTSMITTELN DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA FÜR DIE BERLINER BEKLEIDUNGSINDUSTRIE ERRICHTET“

Das Bikini-Haus beherbergt heute vor allem ein umfangreiches Einkaufszentrum und diverse gastronomische Angebote. Auf der Rückseite des Gebäudes mit begehbarer Terrasse befindet sich der Zoologische Garten. Gegenüber dem Bikini-Haus liegt der Breitscheidplatz mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und dem Hochhaus Zoofenster.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückseite mit dem Design-Hotel 25hours (links)
Die Shopping-Mall Bikini Berlin
Südliche Fassade vor dem Umbau
Vor dem Gebäude liegen der Breitscheidplatz und rechts das Europa-Center

Als Teil des Zentrums am Zoo wurde das Bikini-Haus zwischen 1955 und 1957 nach Plänen der Architekten Paul Schwebes und Hans Schoszberger[1] errichtet. Der langgezogene Hochbau mit sechs Etagen hatte im Erdgeschoss eine offene, ehemals großzügig breite Kolonnade mit Ladenzeile. Die vier Treppenhäuser des Bikini-Hauses lagen, wie die Straße zur Belieferung der Produktionsstätten, auf der Rückseite des Baukomplexes.

Der Name des Hauses stammt aus der Entstehungszeit. Er bezieht sich zum einen auf die ursprüngliche Nutzung als Produktionsstätte der Damen-Oberbekleidung (DOB) – die DOB gehörte zu den führenden Industriezweigen der Wiederaufbaujahre in West-Berlin, im Bikini-Haus wurde an ca. 700 Nähmaschinen Konfektionsmode produziert. Zum anderen leitet sich der Spitzname vom Luftgeschoss ab, das die Verkaufsetagen (EG bis 1. OG) von den Produktionsstätten (3. bis 5. OG) trennte und dem Gebäude so, einem Bikini ähnlich, eine zweiteilige Struktur gab. Das offene Bikini-Geschoss (2. OG) wurde um 1978 geschlossen, um darin Platz für die Staatliche Kunsthalle zu schaffen.

An der Stelle des Bikini-Hauses standen bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die Capitol-Lichtspiele am Zoo – ein Gebäudekomplex im Stil der Neuen Sachlichkeit, der in den 1920er Jahren vom Architekten Hans Poelzig errichtet worden war.

Sanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2002 wurde das Gebäude an die Bayerische Hausbau verkauft.[1] Am 2. Dezember 2010 begannen die von der Bayerische Hausbau geplanten Umbauarbeiten zu einem Hotel- und Einkaufskomplex.[2] Die Kosten für die Baumaßnahmen wurden mit 100 Millionen Euro veranschlagt.[3] Die Umbauentwürfe des belgischen Künstlers Arne Quinze und des von ihm gegründeten Architekturbüros UAU collectiv (SAQ architects) sahen ursprünglich die Öffnung des Bikini-Geschosses und die Aufstockung durch ein Penthouse-Geschoss auf dem Dach vor.

Im Zuge der aufwendigen Baumaßnahme, die zwischen 2010 und 2014 durchgeführt wurde, erfolgten massive Um-, Rück- und Erweiterungsbauten des Zentrums am Zoo. Davon ausgeschlossen war lediglich das 16-geschossige Hochhaus am Hardenbergplatz. Es wurde bereits 1985 klimatechnisch saniert, wobei alle originalen Fenster entfernt und der gesamte, ursprünglich in Sichtbeton ausgeführte Bau mit einer neuen, weißen Aluminiumfassade verkleidet wurde. Der Zoo-Palast wurde hingegen bis 2014 im Äußeren unter weitgehender Wahrung der geschützten Bausubstanz saniert sowie im Inneren vollständig umgebaut und hinsichtlich der Gebäudetechnik modernisiert.

Das Bikini-Haus wurde während der Sanierung vollständig entkernt und bis auf das blanke Betontragwerk rückgebaut. Alle bauzeitlichen Fenster und Schaufenster, sowie alle originalen Fassadenelemente, wie beispielsweise die Opakglasfriese, wurden vollständig entfernt und durch Rekonstruktionen ersetzt. Ein ebenso massiver Eingriff in die Denkmalsubstanz erfolgte im Inneren und auf der zum Zoo-Gelände weisenden Rückseite des Gebäudes. So wurden beispielsweise alle Treppenhäuser und Erdgeschossbauten des Bikini-Hauses abgerissen und durch eine Mall-Passage mit Terrasse ersetzt. Darüber hinaus wurde die Fassade an der Rückseite vollständig abgenommen und durch eine moderne Gestaltung ersetzt. Die Farbigkeit der rekonstruierten Fassade zur Budapester Straße wurde vorgefundenen Farbspuren nachempfunden.

Auch das Kleine Hochhaus wurde entkernt, alle bauzeitlichen Fenster durch Repliken ersetzt und auf der Zoo-Seite mit einer neuen Glasfassade versehen. Hier sind die grünen Farbfelder an der Straßenfassade, in Ermangelung von tatsächlichen Befunden am Denkmal, eine Erfindung der ausführenden Architekten. Die ebenfalls denkmalgeschützte Parkgarage am Zoo wurde vollständig rückgebaut und durch einen Parkhaus-Neubau mit umfangreichen Gewerbeflächen ersetzt. Die Parkgarage am Zoo war nicht nur der erste mehrgeschossige Neubau für den ruhenden Verkehr in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg, sie war auch das einzige denkmalgeschützte Parkhaus der Berliner Denkmalliste.

Der überarbeitete und durch Zwischen- und Anbauten stark verdichtete Gebäudekomplex hat nunmehr eine Nutzfläche von rund 54.000 m².[4] Vor dem Umbau wurde das Gebäude temporär auch als Theater genutzt.[1][5] Im Kleinen Hochhaus entstand das Design-Hotel 25hours mit 149 Zimmern.[6] Das rekonstruierte Bikini-Haus wurde am 3. April 2014 als Einkaufszentrum wiedereröffnet.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Florian Heilmeyer, Florian Bolk (Fotos): Schaustelle Nachkriegsmoderne Berlin. Stadtwandel, Berlin 2007, ISBN 978-3-86711-018-1 (= Die neuen Architekturführer. Band 107).
  • Ingrid Nowel: Berlin: die alte neue Metropole: Architektur und Kunst, Geschichte und Literatur. (= DuMont Kunstreiseführer). 7. Auflage, DuMont, Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7701-5577-4, S. 280.
  • Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert, Gabi Dolff-Bonekämper (Hrsg.): Baukunst der Nachkriegsmoderne. Architekturführer Berlin 1949–1979. Berlin 2013, S. 184–186, ISBN 978-3-496-01486-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bikini-Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Bikinihaus, Baudenkmal. Bei: berlin.de
  2. Bikini Berlin in der City West eröffnet am 3. April. In: Berliner Morgenpost. vom 31. Januar 2014.
  3. Berliner Bikini-Haus wird für 100 Millionen umgebaut. (Memento vom 5. August 2010 im Internet Archive) In: Die Welt, 2. August 2010.
  4. Neue Mieter für die Temporary Shopping Gallery. Auf der Website Bayerische Hausbau
  5. Bikini Berlin: Revitalisierung schreitet voran. In: DEAL-Magazin, 8. April 2011.
  6. Bikini Berlin bekommt ein Design-Hotel der Marke 25hours. In: Immobilien Zeitung online, 21. Dezember 2011. Abgerufen am 21. Dezember 2011.
  7. Berliner und Touristen kaufen jetzt im Bikini ein. In: Berliner Morgenpost, 3. April 2014.

Koordinaten: 52° 30′ 19″ N, 13° 20′ 10″ O