Bikram Choudhury

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Bikram Choudhury

Bikram Choudhury (* 10. Februar 1946 in Kalkutta) ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Yogameister der Neuzeit und der Begründer des nach ihm benannten Bikram-Yogas.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bikram Choudhury wurde 1946 in Kalkutta geboren und begann schon als kleiner Junge Yoga zu praktizieren und wurde ein Schüler von Bishnu Charan Ghosh. Mit 13 wurde er indischer Yogameister und hielt den Titel drei Jahre. 1966 zog er sich eine schwere Knieverletzung beim Gewichtsheben zu. Nach der Heilung begab er sich nach Mumbai und entwickelte dort sein Bikram-Yoga mit einer festen Abfolge von 26 Asanas und zwei Atemübungen.

1973 ging Bikram Choudhury nach Kalifornien, wo er in Los Angeles das Bikram Yoga College of India gründete. Zu seinem 1978 publizierten Buch Bikrams' Beginning Yoga Class meinte er, es »würde ein Dauerseller, wie die Bibel werden«.[1] Als er versuchte, seine Asana-Abfolge zu „patentieren“, zog er sich scharfe Kritik der Yogaszene zu, was im Jahre 2004 zu einem Rechtsstreit führte.

Mittlerweile gibt es in den USA und in Europa über 1200 Bikram-Yogaschulen, wobei nur Yogalehrer zugelassen werden, die in einer seiner Schulen eine entsprechende Ausbildung hatten.

Bishnu Charan Ghosh Yoga Asana Championship[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bikram Choudhury initiierte auch einen Yogawettbewerb in seiner Schule in Los Angeles, den er nach seinem Lehrer Bishnu Charan Ghosh Yoga Asana Championship nennt. Die Teilnehmer müssen fünf Pflichtasanas und zwei Asanas nach freier Wahl vorführen, Bewertet wird nach Körperbau, Kleidung, Stil und Ausführung der Asanas. Zurzeit verhandelt Bikram Choudhury mit dem Olympischen Komitee, damit Yoga zu einer olympischen Disziplin werde.[2]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bikram Choudhury ist eine in der Yogaszene umstrittene Person. Kritisiert wird er zum einen, weil sein Wettbewerb mit Bewertungen nach äußeren Merkmalen nicht der Yogaphilosophie entspreche. Zum anderen behauptet er, das geistige Eigentum an der gelehrten Bewegungsabfolge zu haben. „Bikram Yoga“ ist als EU-Marke eingetragen. Dadurch wird aber kein Recht an der Bewegungsabfolge als solche begründet.[3]

Zudem zeigt sich Bikram Choudhury auffällig ignorant gegenüber der Yogageschichte. So gibt er an, Patanjali hätte vor über 4000 Jahren gelebt und hätte 84 Asanas überliefert, obschon im Yogasutra von Patanjali keine einzige Asana beschrieben wird. Zudem behauptet er, Yogawettbewerbe hätten in Indien eine zweitausendjährige Tradition.[4]

Im Januar 2014 liefen gegen Bikram insgesamt 5 Gerichtsverfahren, in denen ihm sexuelle Belästigungen und sogar Vergewaltigungen vorgeworfen wurden.[5] Zwei ehemalige Anhängerinnen zeigten ihn im Mai 2013 an. Eine Klägerin beschreibt eine Kult-ähnliche Atmosphäre, in der Bikrams engste Anhänger ihm dabei halfen, junge und attraktive Frauen für eine Yogalehrer-Ausbildung anzuwerben und so für Bikram zugänglich zu machen.[6] Aktuell liegen sechs Anklagen wegen sexueller Übergriffe gegen Bikram Choudhury vor.[7]

Minakshi “Micki” Jafa-Bodden arbeitete von 2011 bis März 2013 für Bikram; im März 2013 wurde sie nach eigener Angabe abrupt und unrechtmäßigerweise gekündigt. Jafa-Bodden beschreibt Bikrams fortwährend diskriminierendes, aggressives und abwertendes Verhalten gegenüber Frauen, Homosexuellen und allen anderen Minderheiten. Sie gibt an, während ihrer Tätigkeit für Bikram sowohl Zeugin als auch Opfer dieser Verhaltensweisen gewesen zu sein.[8] Eine weitere Yogalehrerin erstattete im März 2013 Anzeige wegen Vergewaltigung, kurz bevor Jafa-Bodden gefeuert wurde.[9] 2016 wurde er deswegen zu von rund $ 6,5 Mio. Schadenersatz und Schmerzensgeld verurteilt.[10][11]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bikram Choudhury: Bikram's Beginning Yoga Class. Los Angeles 1978.
    • deutsch: Birkam Choudhury: Bikram Yoga. Das Praxisbuch. München 2005, ISBN 3-7787-8179-0.
  • Bikram Choudhury: The Guru Behind Hot Yoga Shows the Way to Radiant Health and Personal Fulfillment. Harper Collins Publishers, 2007, ISBN 978-0-06-056808-5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mathias Tietke: Der Stammbaum des Yoga. Theseus Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-89620-199-7, S. 110.
  2. Mark Singleton: Yoga Body. The origins of modern posture practice. Oxford University Press, 2010, ISBN 978-0-19-539535-8, S. 209.
  3. http://www.tbennettlaw.com/createprotect/2013/01/04/bikram-yoga-protected-by-trademark-not-copyright-its-hot
  4. Mark Singleton: Yoga Body. The origins of modern posture practice. Oxford University Press, 2010, ISBN 978-0-19-539535-8, S. 209.
  5. http://www.vanityfair.com/society/2014/01/bikram-choudhury-yoga-sexual-harassment
  6. http://www.yogajournal.com/uncategorized/rape-accusations-bikram-choudury/
  7. Anklage gegen Erfinder der Bikram-Schule Yoga-Guru soll Frauen sexuell belästigt haben, SZ vom 26. Februar 2015
  8. http://www.rawstory.com/rs/2013/05/millionaire-yoga-guru-bikram-choudhury-accused-of-rape-and-human-trafficking/
  9. http://yogadork.com/2013/08/02/bikrams-former-head-of-legal-files-extremely-disturbing-complaint-involving-sexual-harassment-discrimination/
  10. Millionenstrafe für Yoga-Guru Choudhury
  11. Bikram Choudhury: Yoga guru fined $6.5m over sexual harassment