Bilanzgewinn

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Als Bilanzgewinn bezeichnet man eine Gewinngröße, die in der Bilanz von Kapitalgesellschaften ausgewiesen wird. Handelt es sich um einen negativen Betrag, so spricht man von einem Bilanzverlust. Es ist der Betrag, der maximal bei Aktiengesellschaften als Dividende oder bei der GmbH an die Gesellschafter ausgeschüttet werden kann.

Nach § 268 HGB bzw. § 231 UGB kann die Bilanz vor, nach teilweiser oder nach vollständiger Verwendung des Jahresergebnisses aufgestellt werden. Dabei wird unter Ergebnisverwendung (= Zuführung zu den Rücklagen) und Gewinnverwendung (= Beschluss der Haupt- bzw. Gesellschafterversammlung über die Verwendung des Bilanzgewinns) unterschieden.

Der Bilanzgewinn entsteht nur dann, wenn die Bilanz nach teilweiser Ergebnisverwendung aufgestellt wurde. Wenn die den Jahresabschluss feststellenden Organe über die Ergebnisverwendung des Jahresüberschusses entschieden haben, verbleibt der Bilanzgewinn als die Größe, über die die Anteilseigner entscheiden können.

Der Bilanzgewinn oder -verlust berechnet sich wie folgt:[1]

Jahresüberschuss nach § 275 HGB bzw. § 231 UGB (Österreich)
± Gewinn- oder Verlustvortrag aus dem Vorjahr
+ Entnahmen aus der Kapitalrücklage
+ Entnahmen aus Gewinnrücklagen
− Einstellungen in die Gewinnrücklagen
= Bilanzgewinn/Bilanzverlust

Anfechtungen des festgestellten Jahresüberschusses und der Verwendung des Bilanzgewinns i.S.d. § 254, § 257 AktG bleiben unberührt. Sollte sich der Beschluss zur Verwendung des Ergebnisses ändern, unterbleibt nach § 278 HGB eine Berichtigung des ursprünglichen Jahresabschlusses.

Wird die Bilanz nach vollständiger Ergebnisverwendung aufgestellt, entfällt ein Posten des Bilanzgewinns; die nicht ausgeschütteten Teile des Bilanzgewinns werden unter den Rücklagen ausgewiesen. Bei Aktiengesellschaften ist die Aufstellung der Bilanz nach teilweiser Ergebnisverwendung und somit der Ausweis eines Bilanzgewinns der Regelfall.

Wie aus dem obigen Schema ersichtlich, kann der Bilanzgewinn durch Veränderung der Rücklagen leicht beeinflusst werden und ist als Indikator für den Unternehmenserfolg daher ungeeignet.

Fiktiver Bilanzgewinn[Bearbeiten]

In Organschaftsverhältnissen mit Gewinnabführungsverträgen wird ggf. der nach § 277 Abs. 3 Satz 2 HGB als Aufwand erfasste und an die beherrschende Gesellschaft abzuführende Betrag der abhängigen Gesellschaft wieder dem Jahresüberschuss hinzugerechnet. In dem Fall wird von einem fiktiven Bilanzgewinn gesprochen, der eben die Höhe des an die beherrschende Gesellschaft abzuführenden Gewinn darstellt. Diese Rechnung hat allerdings nur Erläuterungscharakter und ist nicht Teil des Jahresabschlusses.[2].

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Heno: Jahresabschluss nach Handelsrecht, Steuerrecht und internationalen Standards(IFRS). Springer, 2006

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Für deutsches Wirtschaftsrecht ist dies in § 158 AktG dargelegt
  2. Jens Kuhlmann/Erik Ahnis, Konzern- und Umwandlungsrecht, 2007, S. 260
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